Wappen

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Der sich mit Wappen (auch auf den Universitäten) beschäftigende Wissenschaftszweig heißt Heraldik (Erforschung, Beschreibung und Evidenzhaltung historischer Wappen). Er wird auch von Spezialvereinen gepflegt (beispielsweise Heraldisch-Genealogische Gesellschaft "Adler" in Wien und Verein "Herold" in Berlin).

Allgemein

Das Wappen ist ein schildförmiges Symbol, das durch Farben, Figuren und Unterteilungen gestaltet ist; wenn auf dem Schild ein gezierter Helm (oder eine andere Kopfbedeckung, beispielsweise eine Bischofsmütze) mit flatternden Decken aufgesetzt ist, spricht man von einem Vollwappen. Die Wappen entstanden im frühen 12. Jahrhundert und wurden zunächst nur von Fürsten und Adeligen verwendet; Vorbilder waren die in Gefechten und bei Turnieren verwendeten Kampfschilder und Helme, an deren Farben und Schmuck man den Träger erkannte (der Ausdruck "sich wappnen" erinnert an das Anlegen der Rüstung).

Über die unterste Stufe des Adels, die Ritter und Knappen, welche die Oberschicht in den Städten bildeten, fanden die Wappen im 13. Jahrhundert Eingang ins Bürgertum; auch als Symbole öffentlicher und privater Körperschaften (Länder, Städte, Bruderschaften, Spitäler) sowie kirchlicher Institutionen (Bistümer, Klöster) kamen sie in Gebrauch. Die Wappen wurden in erster Linie auf Siegeln, Fahnen und Kleidungsstücken verwendet; man brachte sie aber auch an Gebäuden und Geräten an, die dem Wappeninhaber gehörten, ebenso an Kunstwerken, die er gestiftet hatte, und an Grabmälern.

Bürgern, die kein Wappen hatten, bot das rein geometrisch gestaltete "Hauszeichen" (eine von Handwerkern verwendete Firmenmarke) einen Ersatz.

Wappenrecht

Die älteren Wappen waren gewohnheitsrechtlich entstanden. Neue Wappen zu verleihen (meist anläßlich einer Erhebung in den Adelsstand), bestehende Wappen zu "bessern" (das heißt auszugestalten) und Wappen erloschener Familien an andere zu übertragen, war ab dem Spätmittelalter ein Vorrecht der Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reichs und anderer europäischer Monarchen, später auch der souverän gewordenen Landesfürsten. Zuständige Behörde in der Habsburgermonarchie war zunächst die Hofkanzlei, 1848-1918 das Innenministerium.

In der Republik Österreich wurde 1919 (und neuerlich 1945) die amtliche Verwendung von Wappen auf den Bund, die Länder und Gemeinden sowie auf bestimmte öffentlich-rechtliche Körperschaften und gewerbliche Unternehmungen beschränkt; Wappen kirchlicher Institutionen gelten als amtlich, hingegen dürfen Familienwappen, die bis 1918 offiziell in Gebrauch standen, seither nur privat verwendet werden.

Wappensprache

Bei "Blasonierung" (Beschreibung) von Wappen werden bestimmte Fachausdrücke verwendet (beispielsweise wird ein Schild durch einen senkrechten Strich "gespalten" und durch einen waagrechten "geteilt"; die Unterteilungen nennt man Felder [ein "gevierter" Schild weist vier Felder auf], wobei die oberen mit eins und zwei, die unteren mit drei und vier nummeriert werden).

Allgemein werden die Begriffe links und rechts nicht vom Beschauer, sondern vom Schild aus verwendet. Beliebte Schildfiguren sind reale oder sagenhafte Tiere (Löwe, Panther, Greif); gehen sie auf allen vier Beinen, dann "schreiten" sie, stehen sie auf den Hinterbeinen, so "steigen" sie, ist nur der Oberkörper sichtbar, dann "wachsen" sie. Bei bloß zeichnerischer Wiedergabe von Farben gilt, dass beispielsweise Rot durch senkrechte, Blau durch waagrechte Striche, Gelb durch Punkte und Schwarz durch ein Netz markiert wird.

Wappenbücher

Seit dem frühen 14. Jahrhundert wurden Wappen in amtlichen und privaten Verzeichnissen farbig und mit Inhabernamen abgebildet. Amtlich sind beispielsweise die im 16. Jahrhundert angelegten Reichswappenbücher (Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv). Von der Sankt-Christophorus-Bruderschaft auf dem Arlberg haben sich drei Bücher aus der Zeit um 1400 erhalten, deren reichhaltigstes (mit den Wappen vieler Wiener Bürger) im Österreichischen Staatsarchiv (Haus-, Hof- und Staatsarchiv) verwahrt wird. Zahlreiche Wiener Bürgerwappen überliefert das Ende des 14. Jahrhunderts begonnene Wiener Minoritenbegräbnisbuch. Das Wappenbuch der Stadt Wien enthält 85 Ratsherren-Wappen. Johann Siebmacher († 1611) publizierte 1605 in Nürnberg ein färbiges Wappenbuch für alle Stände des Heiligen Römischen Reichs; als "Neuen Siebmacher" bezeichnet man ein 1855-1918 in Nürnberg erschienenes Sammelwerk von mehr als 100 Bänden.

Wappen des Landes Niederösterreich

Das Wappen, das in blauem Schild fünf goldene Adler (zwei und zwei zusammenstehend über einem einzelnen) zeigt, galt, wie die erstmalige Wiedergabe auf einem Glasgemälde von circa 1335 im Stift Klosterneuburg anzeigt, als (erfundenes) Wappen des 1136 gestorbenen Markgrafen Leopold III. und war von einem im Stift aufbewahrten alten Stoffmuster inspiriert. Rudolf IV., der das Alter seines Hauses und seiner Herrschaften in legendäre Zeiten zurückverlegen wollte, beanspruchte jenes Wappen als erstes von Österreich (Alt-Österreich) und älter als der Bindenschild (Neu-Österreich; vergleiche Österreichischer Bindenschild); er verwendete es 1358-1359, von seinen Nachfolgern wurde es erst ab 1408 (neben dem Bindenschild) gebraucht. Beide Wappen galten für das Haus Österreich insgesamt und für Österreich unter der Enns im besonderen. Erst 1805 wurde das Fünf-Adler-Wappen das ausschließliche Wappen Österreichs unter der Enns. Für das Bundesland Niederösterreich wurde es mit dem Landesgesetz vom 30. November 1920 eingeführt; an die Stelle des Erzherzoghuts, der es bekrönte, trat eine goldene Krone mit drei Zinnen.

Österreichischer Bindenschild

Rotes Feld von weißem (silbernen) Querbalken geteilt. Als Wappen des (1156 begründeten) Herzogtums Österreich ab 1230 verwendet, die Farben ab 1232 beziehungsweise um 1242/1249 nachweisbar. Von den Habsburgern wurde der Bindenschild als Symbol ihrer Familie und ihres gesamten Länderbesitzes ("Haus Österreich") verwendet (vgl. Abschnitt "Wappen des Landes Niederösterreich). In der Vielzahl der Schilder in den großen und kleinen Reichswappen bis 1918 befindet er sich stets an zentraler Stelle. Seit 1918 ist er inoffizielles Symbol der Republik Österreich und wurde in das offizielle Staatswappen (vgl. Abschnitt "Republik Österreich") einbezogen.

Republik Österreich

Unmittelbarer Vorläufer war das 1915 eingeführte "Kleine Wappen Österreichs" (neben dem ein eigenes Kleines ungarisches Wappen geschaffen wurde); es galt für die Österreichische Hälfte der Monarchie und zeigte in goldenem Feld einen gekrönten, schwarzen Doppeladler mit dem Bindenschild auf der Brust, in der rechten Kralle Schwert und Zepter, in der linken den Reichsapfel haltend, auf dem Wappen die Österreichische Kaiserkrone.

Das am 8. Mai 1919 eingeführte Wappen der Republik war ein einköpfiger schwarzer Adler mit Zinnenkrone und dem Bindenschild auf der Brust, in der rechten Kralle eine goldene Sichel (als Symbol für den Bauernstand), in der linken einen goldenen Hammer (als Symbol für den Arbeiterstand) haltend. Die Bundesverfassung vom 1. Mai 1934 sah einen schwarzen Doppeladler mit je einem goldenen Nimbus, dem Bindenschild auf der Brust, die goldenen Klauen ohne Hammer und Sichel vor.

Nach der Nationalsozialistischen Herrschaft wurde am 1. Mai 1945 das Wappen von 1919 wieder eingeführt, zusätzlich hielt der Adler in den Fängen eine gesprengte Kette (als Symbol der Befreiung).

Wien

Wiener Wappen

Literatur

  • Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft. Wien [u.a.]: Böhlau 1977
  • Peter Csendes, Wolfgang Mayer: Wappen und Siegel der Stadt Wien. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 4l (1986), Beiheft 1
  • Rudolf Geyer: Siegel und Wappen der Stadt Wien. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien l (1946), Nummer 2, S. 1 ff.
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Die Wappen der Republik Österreich und ihrer Bundesländer. Wien: Staatsdruckerei 1948
  • Floridus Röhrig: Das niederösterreichische Landeswappen. Seine Entstehung und Bedeutung. St. Pölten: Niederösterreichisches Pressehaus 1980 (Wissenschaftliche Schriftenreihe Niederösterreich, 57)
  • Franz-Heinz Hye: Das Österreichische Staatswappen und seine Geschichte. Innsbruck: Studienverlag 1995
  • Peter Diem: Die Symbole Österreichs. Zeit und Geschichte in Zeichen. Wien: Kremayr & Scheriau 1995