Vogelschauplan, Joseph Daniel Huber (1769-1773)

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Vogelschauplan von Joseph Daniel von Huber (1769-1773)
Art der Karte Ansicht
Originaltitel Scenographie oder Geometrisch Perspect. Abbildung der Kayl: Königl: Haubt: u: Residenz Stadt Wien in Oesterreich
Beschreibung Perspektivdarstellung von Wien und den Vorstädten bis zum Linienwall.

Kupferstich auf 24 Blättern

Erscheinungsjahr 1773
Ausfertigung Kupferstich
Maßstab 1:1440
Ausrichtung Westsüdwest
Kartenzeichner Joseph Daniel von Huber
Orte Wien, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9
Bezirk
Quelle
Letzte Änderung am  2.06.2017 durch DYN\hkrause
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Bildname WStLA_KS_Sammelbestand_P1_11.jpg
Bildunterschrift  Vogelschauplan von Joseph Daniel von Huber (1769-1773)
Bildquelle WStLA, Kartographische Sammlung, P1: 11
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Überblick

Der auf 24 Blatt erschienene Vogelschauplan der Stadt Wien mit ihren Vorstädten beziehungsweise der Innenstadt von Joseph Daniel von Huber wurde im im Auftrag Maria Theresias angefertigt und ist eine der bedeutendsten kartographischen Darstellungen Wiens aus der ausgehenden Maria-Theresianischen Ära.

Entstehungsgeschichte

1769 legte der Militärkartograph Obristwachtmeister (Major) Joseph Daniel Huber der Kaiserin Maria Theresia einen großen Vogelschauplan von Prag vor, den er während seiner dortigen Dienstverwendung in seiner Freizeit und aus eigenem Antrieb angefertigt hatte. Der Plan beeindruckte die Herrscherin derart, dass sie ihn aus ihrer Privatschatulle ankaufte und Huber mit der Herstellung eines gleichartigen Plans für Wien beauftragte. Huber begann mit der Arbeit im Mai 1769. Über den als Basis verwendeten Grundriss ist nichts bekannt. Weder dürfte Huber selbst eine regelrechte Stadtvermessung durchgeführt haben, noch wurde der parallel entstandene Stadtplan von Joseph Anton Nagel herangezogen, beide Arbeiten sind weitgehend unabhängig von einander entstanden. Mittlerweile wurde ein mit Feder gezeichneter, kolorierter Grundriss der Stadt Wien in den Beständen des Kriegsarchivs (Österreichisches Staatsarchiv) entdeckt. Er diente wohl als Vorlage für Hubers Vogelschauplan. Der Plan wurde von Huber selbst angefertigt. Sein Name und sein militärischer Rang finden sich oben rechts auf dem Plan.[1]

Wahrscheinlich Ende Mai 1773 konnte Huber der Kaiserin die fertig gestellte lavierte Federzeichnung vorlegen. Unmittelbar danach bemühte er sich um die Drucklegung, die jedoch längere Zeit in Anspruch nahm. Dabei war ihm zur Auflage gemacht worden, die Befestigungsanlagen nicht wirklichkeitsgetreu darzustellen. Als Stecher waren Jakob Wagner, J. Eberspach, C. G. Kurtz und Jacob Adam tätig. Nach Erteilung eines Druckprivilegiums (Erteilung der Druckgenehmigung durch die Böhmisch-österreichische Hofkanzlei im September 1773) begannen die Kupfersticharbeiten, weil Huber 1772-1778 in Galizien eingesetzt war (nach der ersten Teilung Polens 1772, durch die Galizien an Österreich gefallen war). 1778 lag der gedruckte Plan fertig vor. Natürlich konnte er in der Feinheit der Darstellung nicht mit der Federzeichnung mithalten, dennoch ist er als kartographisches Meisterwerk einzustufen. 1785 veröffentlichte Huber noch eine gedruckte Darstellung der Innenstadt in wesentlich größerem Maßstab (1:936), die von seiner 24-teiligen Vogelschau abgeleitet zu sein scheint. Der erhoffte finanzielle Erfolg stellte sich jedoch nicht ein.

Die Originalfederzeichnung liegt heute in der Albertina.

Karteninhalt

Huber stellte die Stadt in der so genannten Militärperspektive dar, das heißt, auf einem nicht verzerrten Grundriss wurden die Höhen der Gebäude maßstabsgerecht nach oben aufgetragen. Dabei wurden die Fassaden der Gebäude minutiös dargestellt, so dass sich ein eindrucksvolles Bild der barocken Stadt bietet. Auch die ab 1770 eingeführten Konskriptionsnummern wurden – wie im Plan Nagels – in die Darstellung aufgenommen. Das besondere Verdienst und entscheidende Charakteristikum dieses Planes stellt die perspektivische und detailgetreue Darstellung des Stadtkörpers dar.

Der Vogelschauplan ist für die historische Stadttopographie deshalb von so großer Bedeutung, weil er, über die exakte geographische Orientierung (Gebäudelage und -aussehen, Verkehrsflächendarstellung und -benennung, Benennung einzelner bedeutsamer Gebäude sowie der Basteien, detaillierte Darstellung der Gartenanlagen, Angabe der Conskriptionsnummern von 1771, teilweise auch der Hausschilder) hinausgehend, architektonisch.-atmosphärische Details überliefert und auch durch figurale Belebung besticht. Die Kupferplatten, die sich in der Pfandleihe befanden, wurden nach seinem Tod zum Altmetallpreis verkauft.

Quellen

Literatur

  • Historischer Atlas von Wien, 13. Lieferung (Wien 2010)
  • Franz Wawrik: Österreich auf alten Karten und Ansichten. Graz: Akademische Druck- und Verlags-Anstalt 1989, S. 344 f.
  • Dörflinger: Die Österreichische Kartographie im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Bd. 1. 1984, S. 70 ff., S. 89 ff
  • Markus Heinz, Jan Mokre: Über Joseph Daniel von Huber (1730/1731-1788) und seinen Vogelschauplan von Wien. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. 47/48 (1991/1992), 93 ff. (insbesondere S. 97ff., S. 101 ff, S. 107 ff. [Vergleich mit dem Nagel- und Behsel-Plan])
  • Max Eisler: Historischer Atlas. 1919, S. 28 ff, Taf. XXI ff.
  • Ferdinand Opll: Wien im Bild historischer Karten. Wien/Graz [u.a.]: Böhlau 1983, Tafel 21

Links:

Einzelnachweise

  1. Heike Krause: Die Bildquellen der Neuzeit – Eine Auswahl. In: Sylvia Sakl-Oberthaler [u.a.]: Von der mittelalterlichen Stadtmauer zur neuzeitlichen Festung Wiens. Historisch-archäologische Auswertung der Grabungen in Wien 1, Wipplingerstraße 33-35. Wien: Phoibos-Verlag 2016 (Monographien der Stadtarchäologie Wien, 9), Abb. 106, S. 258 f.