Venedig in Wien

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Ausschnitt aus dem Situationsplan von "Venedig in Wien" 1895
Hochauflösendes Digitalisat: WStLA, Pläne und Karten: Sammelbestand, P5:6223
Art des Objekts Sonstiges
Jahr von 1894
Jahr bis 1945
Name seit 1894
Andere Bezeichnung "Wiener Vergnügungspark"
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 2
Lage Prater
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname WStLA Pläne und Karten Sammelbestand P5 6223 Ausschnitt.jpg
Bildunterschrift  Ausschnitt aus dem Situationsplan von "Venedig in Wien" 1895
Hochauflösendes Digitalisat: WStLA, Pläne und Karten: Sammelbestand, P5:6223
Bildquelle AT-WSTLA 3.2.1.1.P5.6223
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Venedig in Wien. Ausschnitt aus dem Generalstadtplan 1912.

Venedig in Wien (2, Volksprater). Theaterdirektor Gabor Steiner hatte 1894 den von der Londoner Gesellschaft "The Assets Realisation Company" 1891 erworbenen im Prater gelegenen Kaisergarten (der seither Englischer Garten hieß) gepachtet.

Fünf Ansichten von „Venedig in Wien“
Ein „japanischer“ Umzug in Venedig in Wien, um 1901

1894 wurde in der Londoner Olympiahalle "Venice in London" präsentiert. Dies diente Steiner wohl als Anregung, er ließ im Kaisergarten nach Plänen von Oskar Marmorek unter Mitarbeit des Malers Ferdinand Moser eine Theater- und Vergnügungsstadt errichten, die am 18. Mai 1895 eröffnet wurde. Auf rund 50.000 Quadratmetern Fläche wurde eine solide, kunstvolle Nachbildung venezianischer Bauwerke und mit Gondeln befahrbarer Kanäle präsentiert. In "Venedig in Wien" waren über 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Neben Kaufläden, Restaurants, Cafés, Champagner-Pavillons, Heurigen und Biergärten boten zahlreiche Bühnen ein sehr abwechslungsreiches Programm: Konzerte, Wiener Lokalpossen, französische Lustspiele, Ausstattungsoperetten, Revuen, Ballette, großes internationales Varieté, Kabarett und Ringerturniere.

Die wichtigsten Bühnen waren das 1898 eröffnete Sommertheater (Operette), die für rund 4.000 Besucher ausgelegte, 1903 eröffnete Olympia-Arena (Spektakelstücke) sowie ab 1905 die Parisiana (Salonkomödien). Die großen Meister der Wiener Musik Johann und Josef Strauß, Carl Michael Ziehrer, Josef Hellmesberger der Jüngere, Edmund Eysler, Franz Lehár, Oscar Straus und viele andere traten hier auf. Auch Erstaufführungen wie beispielsweise Ziehrers "Die Landstreicher" und "Manöverkinder" wurden in "Venedig in Wien" gespielt. Am 7. Juli 1905 wurde auch Ziehrers Operette "Fesche Geister" ebendort uraufgeführt.

Zahlreiche Operettenstars, Schauspieler, Volkssänger, Charakter- und Gesangskomiker der damaligen großen Theaterzeit waren zu sehen, darunter Annie Dirkens, Hansi Führer, Fritzi Massary und Mizzi Zwerenz, Franz Glawatsch, Ludwig Gottsleben und Richard Waldemar.

"Venedig in Wien" war gewissermaßen ein Vergnügungspark im Vergnügungspark, stand aber in Konkurrenz zum Wurstelprater.

1897 ließ Steiner im Rahmen einer Ausstellung internationaler Erfindungen im "Venedig in Wien"-Gelände das 65 Meter hohe Riesenrad von der englischen Firma Basset in einer Bauzeit von 8 Monaten errichten. Bis 1914 fanden immer wieder größere Um- und Neubauten für wechselnde Präsentationen statt, um das Publikum mit neuen Attraktionen zum Besuch zu animieren:

  • 1901 die "Internationale Stadt" (mit spanischen, ägyptischen und japanischen Straßenbildern)
  • 1902 die "Blumenstadt"
  • 1903 die "Elektrische Stadt"
  • 1905 wurde ein künstlicher See (Fläche 4000 Quadratmeter) angelegt (der nach einigen Jahren in einen Rollschuhplatz umfunktioniert wurde).
  • 1909 wurde auf dem Terrain von "Venedig in Wien" die neben dem Riesenrad gelegene "American Scenic Railway" eröffnet (Hochschaubahn).

1912 musste Steiner infolge eines Konkurses des riesigen Unternehmens die Direktion zurücklegen. In der Folge wechselten die Direktoren häufig und das Unternehmen war wirtschaftlich mäßig erfolgreich.

Die letzte Präsentation vor dem Ersten Weltkrieg war, aus Anlass der Jahrhundertfeier des Wiener Kongresses, die Ausstellung "Alt-Wien 1814", eine Darstellung der Basteien und Tore sowie einzelner alter Wiener Gebäude, wie das alte Burgtheater. 1916/1917 folgte eine Kriegsausstellung, bei welcher die Besucherinnen und Besucher in einem nachgebildeten Schützengrabensystem herumspazieren konnten.

Kriegsaustellung 1916/17, Plan des Nachbaus einer Frontsituation mit Schützengräben, Stacheldrahtverhauen und Feldbäckerei.
Ankündigung des geplanten aber nicht durchgeführten Doppel-Walküren-Zahnflugs von Mizzi Kindl und Partner im Wiener Vergnügungspark. August 1919
Planskizze des Hypodroms im Wiener Vergnügungspark. Das Hypodrom sollte 1921 südlich des Riesenrades neben der Hochschaubahn im Wiener Vergnügungspark errichtet werden.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Areal von Emmerich Waldmann und Hugo Fürst reaktiviert und weiterhin mit wechselnden Attraktionen, wie einer Höhlenbahn und diversen artistischen Veranstaltungen bespielt. Die Vergnügungsanlage hieß seit 1919 nunmehr "Wiener Vergnügungspark". 1945 brannte das gesamte Areal bis auf das Riesenrad ab.

Siehe auch: Venediger Au.

Quellen

Literatur

  • Norbert Rubey / Peter Schoenwald: Venedig in Wien. Theater- und Vergnügungsstadt der Jahrhundertwende. Wien: Ueberreuter 1996
  • Führer durch die Ausstellung "Venedig in Wien", Mai-Oktober 1895. 1895
  • Hans Pemmer / Ninni Lackner: Der Prater. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien, München: Jugend & Volk 1974 (Wiener Heimatkunde), S. 152 ff.
  • Hans Pemmer / Ninni Lackner: Der Prater einst und jetzt. Leipzig / Wien: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1935, S. 206 ff.
  • Ursula Storch: Das Pratermuseum. 62 Stichwörter zur Geschichte des Praters. Wien: Eigenverlag 1993, S. 64 ff.
  • Hans Pemmer: Schriften zur Heimatkunde Wiens. Festgabe zum 80. Geburtstag. Hg. von Hubert Kaut. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1969 (Wiener Schriften, 29), S. 85 f.