Venedig

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Urkunde zur Beilegung des Streits im Venedighandel zwischen Wien und Venzone, 1343
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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift  Urkunde zur Beilegung des Streits im Venedighandel zwischen Wien und Venzone, 1343
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Bildrechte CC BY 4.0

Ein im siebten Jahrhundert entstandener und bis 1797 bestehender Staat in Italien, dessen gleichnamige Hauptstadt (Venezia, deutsch Venedig) für Wirtschaft und Kultur Wiens von großer Bedeutung war.

Politische Geschichte

Im ersten Jahrhundert Bildung eines Stadtstaats auf Inseln in der nordwestlichen Adria, Zentrum 811 von Torcello auf den "Rivo alto" (hohes Ufer, verballhornt Rialto) verlegt, 828/829 Gründung der dem heiligen Markus geweihten Hauptkirche (San Marco). Ende des zwölften Jahrhunderts tritt an die Stelle der Alleinherrschaft des gewählten Dogen (lateinisch dux = Herzog) eine von Adelsfamilien verwaltete Republik mit dem Dogen als Oberhaupt und fünf politischen Gremien (Verfassungsbildung 1335 abgeschlossen).

Ausdehnung der Herrschaft auf die "terra ferma" (Festland):

  • 1339 Treviso
  • 1404 Belluno, Vicenza, Feltre
  • 1405 Verona
  • 1406 Padua
  • 1419 Cividale
  • 1420 Udine
  • 1428 Brescia und Bergamo
  • 1454 Cremona und Großteil des Patriarchats Aquileja.

Die formelle Oberherrschaft des byzantinischen Reichs über Venedig war schon 1204 erloschen. Im 15. Jahrhundert besaß Venedig Stützpunkte an der Ostküste der Adria (1409 Zara/Zadar, 1420 Spalato/Split und Traú/Trogir) und im östlichen Mittelmeer (1489 Zypern).

1509-1517 konnte sich Venedig gegen Frankreich, das Heilige Römische Reich und Mailand behaupten, an die osmanen ging jedoch 1536-1540 die Ostküste der Adria verloren (Zypern erst 1571, Kreta erst 1670).

1797 eroberte Napoleon Venedig; im Frieden von Campoformido wurden die Stadt Venedig sowie Friaul, Istrien und Dalmatien Österreich zugesprochen, die "terra ferma" kam zur cisalpinen Republik.

1805 (Friede von Pressburg) verlor Österreich sein Gebiet an das napoleonische Königreich Italien (1815 Rückgewinnung aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses).

Aus dem einstigen Herzogtum Mailand und den ehemals venezianischen Gebieten entstand das habsburgische lombardo-venetianische Königreich (1859 Abtretung der Lombardei und 1866 Venetiens an das vom Haus Savoyen regierte Königreich Italien).

Wirtschaftliche Bedeutung

Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert war die Stadt Venedig das größte Handelszentrum im östlichen Mittelmeerraum. Bedeutend wurde es unter anderem auch als Umschlagplatz für Waren aus dem Orient. Die Bevölkerungzahl betrug im 14. Jahrhundert 100.000, vom 16. bis zum 18. Jahrhundert 130.000 Menschen.

Schon um 1200 lassen sich Handelsbeziehungen zwischen Wien und Venedig belegen. Von 1228 bis zum Ende der Republik bestand der "Fondaco dei tedeschi", das Handelshaus der Deutschen, in welchem auch viele Wiener Kaufleute Büros und Warenlager hatten, beispielsweise Simon Pötel im 15. Jahrhundert. Auch für die "Schiavoni" (Slawen, das heißt Dalmatiner), Griechen und Türken (ab 1638) gab es derartige Handelshäuser.

Nachdem es in der Region Friaul-Julisch Venetien zu Übergriffen gegen Wiener Kaufleute gekommen war, kam es am 13. Oktober 1343 zur Streitbeilegung im Handel mit Venedig (1343).

In Wien wurde schon im 14. Jahrhundert venezianisches Glas verkauft, aus Venedig stammte der Wiener Apotheker Lukas († 1415); der von der Wiener Kaufmannsbruderschaft gestiftete Altar im Stephansdom war dem heiligen Markus, dem Schutzpatron Venedigs, geweiht. Die Fernstraße Wien-Venedig (über Wienerberg, Wiener Neustadt, Semmering, Bruck an der Mur, Leoben, Judenburg, Friesach, Sankt Veit an der Glan, Villach, Gemona, Udine, Pordenone, Treviso) durfte vom 13. bis zum 16. Jahrhundert auf österreichischem, steirischem und Kärntner Gebiet nur von Kaufleuten aus Wien und den Anrainerstädten für Warentransporte benützt werden.

Im 16. Jahrhundert ging die wirtschaftliche Bedeutung Venedigs wegen Verlagerung der großen internationalen Handelsrouten allmählich zurück.

3) Kulturelle Bedeutung

Aus Venedig nach Wien kamen die Maler:

Bildhauer:

Komponisten:

Kartograph:

Viele Wiener Künstler holten sich in Venedig Anregungen. Der europaweit berühmte Karneval von Venedig wurde im 17. und 18. Jahrhundert von vielen Politikern und Militärs aus Österreich besucht, der Abenteurer Casanova hielt sich mehrmals in Wien auf. Für die Geschichtsforschung bedeutsam sind die Berichte der in Wien akkreditierten venezianischen Gesandten.

Richard Wagner ist in Venedig gestorben. Hans Makart schuf das Monumentalgemälde "Venedig huldigt der Caterina Cornaro". Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligten sich zahlreiche Wiener Künstler mit Erfolg an der Biennale in Venedig.

Operette "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß; Glas, Marco-Polo-Platz, Venediger Au, Venedig in Wien.

Literatur

  • Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig. 3 Bände. Gotha: Perthes 1905-1934 (Nachdruck Aalen: Scientia 1964)
  • Manfred Hellmann: Grundzüge der Geschichte Venedigs. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1976
  • Henry Simonsfeld: Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und die deutsch-venezianische Handelsbeziehungen. Zwei Bände. Stuttgart: Cotta 1887
  • Heinrich Benedikt: Kaiseradler über dem Apennin. Die Österreicher in Italien 1700 bis 1866. Wien: Herold 1964
  • Richard Kurt Donin: Venedig und die Baukunst in Wien und Niederösterreich. In: Forschungen des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 14 (1963)
  • Luisa Ricaldone: Italienisches Wien. Wien: Herold 1986 (Reihe Wien international)
  • Max von Rottauscher: Als Venedig österreichisch war. Wien: Herold 1966