Unterkammeramt (Gebäude)

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Unterkammeramtsgebäude 1817, gezeichnet von Anton Behsel
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1422
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Wasserstadel
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Bildname Unterkammeramt1.jpg
Bildunterschrift  Unterkammeramtsgebäude 1817, gezeichnet von Anton Behsel
Bildquelle WStLA, Kartographische Sammlung, Pläne der Plan- und Schriftenkammer, P1.1.100067
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtAm Hof9

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt33118211862
Stadt35917951821
Stadt30717701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Am Hof 9, Konskriptionsnummer 331. Ehem. Sitz des Unterkammeramtes.

Das erste auf diesem Grundstück nachweisbare Objekt war laut Paul Harrer-Lucienfeld ein „alter Kasten" (Getreidespeicher), der erstmals 1422 schriftlich erwähnt wurde. Zwischen 1445 und 1498 dürfte es abgebrannt sein, denn es erschien in dem zuletzt genannten Jahr als öde Brandstatt. Im 16. Jahrhundert diente es möglicherweise erneut als städtischer Traidkasten. Nach dem Urbar gab es auf dem Grundstück des späteren Hauses Stadt 331 ein weiteres Gebäude, das gemeinsam mit dem Kasten zum Unterkammeramtsgebäude umgebaut wurde. Bis ins 17. Jahrhundert wurde im Erdgeschoß Heu gelagert. Daneben speicherte man hier auch Löschwasser, wodurch das Haus den Namen Wasserstadel erhielt. Dieser Name ist auch im Plan von Bonifaz Wolmuet aus dem Jahr 1547 (Stadtplan, Bonifaz Wolmuet (1547)) vermerkt. Im ersten Stock befand sich das Unterkammeramt.

Nach 1700 wurde auf diesem Grundstück - anschließend an das Bürgerliche Zeughaus - in barocken Formen das städtische Unterkammeramtsgebäude errichtet. Neben dem Unterkämmerer waren in diesem Haus auch die vier Feuerknechte untergebracht. Damit entstand die erste ständige Feuerwache Wiens. Durch die Feuerordnung des Jahres 1759 musste die Gemeinde weiters 13 Tagelöhner in der Handhabung der Löschgeräte ausbilden und für Brandfälle bereithalten. Diese wurden erst im Jahr 1805 durch 26 (ab 1853 durch 63) Feuerwehrleute ersetzt. Die Aufgaben des Unterkämmerers wurden später von einem Magistratsrat und danach von einem Techniker übernommen. Das weiterhin im Gebäude untergebrachte Unterkammeramt fungierte somit nur mehr als städtische Baubehörde. Außerdem befand sich von 1776 bis 1884 die Dienstwohnung des Bürgermeisters in diesem Haus.

Durch die Erhöhung des Personalstandes der Feuerwehr in den 1860er Jahren reichten die Räumlichkeiten des Gebäudes bald nicht mehr aus. Daher wurde das städtische Bauamt sowie das im Nachbarhaus Am Hof 10 untergebrachte städtische Waffenmuseum in das 1884 eröffnete Neue Rathaus verlegt. Das Gebäude Am Hof 9 stand damit ganz der Feuerwehr zur Verfügung.

An der Fassade wurde in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Wappenengel (bezeichnet 1748) angebracht, der sich bis zu deren Demolierung an der Salzgrieskaserne befunden hatte.

Am 10. September 1944 traf eine Bombe das Haus, das teilweise einstürzte. Man begann sofort mit dem Wiederaufbau, doch wurde der bereits fertiggestellte Rohbau am 12. März 1945 durch eine Bombe, die nur drei Meter von der ersten entfernt einschlug, zerstört. An diese Schäden erinnern heute eine Gedenktafel sowie ein Steinschnitt [historische Fassaden des Unterkammeramtsgebäudes und seiner Nachbarhäuser] im Hausflur.

Unterkammeramtsgebäude 1955


Das heutige Gebäude wurde unter teilweiser Wiederherstellung der historische Fassade 1953-1955 erbaut und ist Teil der Zentrale der Feuerwehr. Zur Erinnerung an die Verlegung des Unterkammeramts "vor 300 Jahren" an diese Stelle wurde eine Gedenktafel angebracht, die am 19. September 1986 enthüllt wurde. 1956 fand im sechsten Stock das Wiener Feuerwehrmuseum einen zunächst provisorischen Aufstellungsort (heute Am Hof 7).

Unter dem Unterkammeramtsgebäude befinden sich museale römische Baureste (siehe Am Hof und Wien Museum). 1953 legte der Archäologe Alfred Neumann Teile der Lagerbefestigung, einschließlich eines Turms, und auch den Hauptkanal der „via vallaris“ d.h. der entlang der Lagermauer verlaufenden Straße, frei.[1]

Einzelnachweise

  1. Neumann 1958

Literatur

• Dehio-Handbuch Wien. 1. Bezirk – Innere Stadt. Hg. von Bundesdenkmalamt. Horn-Wien: Berger 2003, S. 626 • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 282-284 • Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des I. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1928, S. 2, 53 • Martin Mosser / Heike Krause / Ingeborg Gaisbauer: Ein mittelalterlicher Abwasserkanal zwischen dem Wiener Herzogshof und dem jüdischen Viertel. Mit Beiträge von Kinga Tarcsay und Sigrid Czeika. In: Fundort Wien 16 (2013), S. 4-63, S. 8f • Alfred Neumann: Die römischen Baureste Am Hof 9. Wien: Verlag des Historischen Museums, 1958