Universität Wien (Institution)

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1884 eröffnetes Hauptgebäude der Universität Wien
Art der Organisation Institution
Datum von 1365
Datum bis
Benannt nach
Prominente Personen Rudolf IV.
Quelle
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Bildname Universität Gebäude.jpg
Bildunterschrift  1884 eröffnetes Hauptgebäude der Universität Wien
Bildquelle WStLA
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Universitätsring1

frühere Adressierung

BezirkStraßeHausnummerDatum vonDatum bis
1Dr.-Ignaz-Seipel-Platz116231884
Es wurden noch keine Bezeichnungen zu dieser Organisation erfasst!
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Die Gründung der Wiener Universität erfolgte am 12. März 1365 durch Herzog Rudolf IV.. Papst Urban V. genehmigte am 18. Juni 1365 nur eine artistische, juridische und medizinische, aber keine theologische Fakultät. Daher, aber auch infolge des frühen Tods des Gründers (27. Juli 1365) und der ungeklärten Unterbringungsfrage (das Projekt eines Universitätsviertels bei der Burg führte die Universität zunächst nur ein bescheidenes Dasein. Erst nach Bewilligung der theologischen Fakultät durch den Papst (20. Februar 1384) und der großzügigen Ausstattung durch Albrecht III. 1384/1385 blühte sie auf (Albrecht hatte sich nach dem mit seinem Bruder Leopold III. 1379 abgeschlossenen Neuberger Vertrag intensiver mit der Universität befasst).

Das älteste Universitätssiegel

Die Absolvierung der Artistenfakultät war Voraussetzung für das Studium an den drei anderen Fakultäten. Rektor und Dekane wurden semesterweise gewählt; Lehrkörper und Studierende waren nach ihren Heimatländern in vier Nationen (österreichische, rheinländische, ungarische und sächsische Nation) mit je einem Prokurator an der Spitze gegliedert. Die Universität hatte eine eigene Gerichtsbarkeit (Universitätsgericht). Aufsichtsinstanz war der Landesfürst beziehungsweise der von ihm ernannte Superintendent; Kanzler der Universität war der Propst des Kapitels von Sankt Stephan.

Nach einer letzten Blütezeit um 1500/1520 (Humanismus) begann ein Niedergang, den Ferdinand I. am 1. Jänner 1554 mit seiner "Reformatio nova" aufzuhalten versuchte (Systemisierung der Lehrkanzeln, Ernennung der Professoren durch die niederösterreichische Regierung, Verbesserung der Einkünfte, Stimmrecht des Superintendenten im Konsistorium), zugleich aber begann der Übergang von der autonomen mittelalterlichen Korporation zur staatlichen Lehranstalt.

Die Ausbreitung der Lehre Luthers erfasste auch die Universität (1564-1581 waren die Prüflinge vom katholischen Glaubensbekenntnis dispensiert). Die Rekatholisierung gipfelte in der "Pragmatischen Sanktion" Ferdinands II. von 9. August 1623 (Übernahme der philosophischen [ehemals artistischen] und der theologischen Fakultät durch den Jesuitenorden, Verbindung der Universität mit dem Jesuitenkolleg).

Eine Modernisierung brachte die von Gerhard van Swieten im Auftrag Maria Theresias 1749-1757 durchgeführte Universitätsreform (jedem Dekan wurde ein staatlicher Studiendirektor vorgesetzt, Ersetzung des Superintendenten durch die Studienhofkommission, Abschaffung des Kanzleramts, neue Lehrfächer und Studienzeiten). Weitere Schritte zur Verstaatlichung waren die Aufhebung des Jesuitenordens (1773) und der Universitätsgerichtsbarkeit (1783); Protestanten konnten ab 1778 akademische Grade erwerben, Juden ab 1782 Jus und Medizin studieren. 1774 folgte eine neuerliche Studienreform, die durch Reformen Josephs II. (1782-1784) und Leopolds II. (1790) fortgesetzt wurde; damit war die Umwandlung der Universität in eine staatliche Lehranstalt vollzogen.

Die nächste Reform erfolgte ab 30. September 1849 (Unterrichtsminister Leo Graf von Thun-Hohenstein gemeinsam mit den Professoren Franz Exner und Hermann Bonitz [Abschluss 1851]; Lehr- und Lernfreiheit, Aufwertung der bisher nur der Vorbereitung für die anderen Fakultäten dienenden philosophischen Fakultät, Abschaffung der Studiendirektoren und der Nationen, Neufestlegung der Studiendauer). Die Universität erhielt nun die Selbstverwaltung auf Basis gewählter akademischer Organe. Mit dem Staatsgrundgesetz von 1867 wurde das Prinzip der Freiheit der Wissenschaft auch in der Verfassung verankert.

1., Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 2: Alte Universität, um 1940

Vor allem an der Philosophischen Fakultät entstand nun eine ganze Reihe von Instituten und Seminaren mit internationalem Ruf, ebenso an der Medizinischen Fakultät. Die Periode bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs kann daher als Blütezeit der Universität Wien bezeichnet werden. 1850 wurde eine evangelisch-theologische Fakultät eingerichtet. Das Gesetz über die Organisation der Universitätsbehörden von 27. April 1873 beseitigte die Fakultätszugehörigkeit nicht lehrender Doktoren, wandelte das Konsistorium in den akademischen Senat um und dekretierte die Freiheit des religiösen Bekenntnisses.

Die Anfänge des Frauenstudiums reichen in das späte 19. Jahrhundert zurück. Ab 1878 wurden erstmals Hospitantinnen zugelassen, als orfdentliche Studentinnen Frauen jedoch erst ab 1897 zum philosophischen, 1900 zum medizinischen, 1919 zum juridischen Studium, 1945 auch zum theologischen. Die erste Absolventin war die Medizinerin Gabriele Possaner von Ehrenthal am 2. April 1897. Die erste Lehrbefugnis erhielt die Romanistin Elise Richter (1865-1943) im Jahr 1907, die erste Professorin an der Wiener Universität wurde 1949 Sibylle Bolla-Kotek (1913-1969).

Die schon im 19. Jahrhundert einsetzende Vermehrung der Lehrkanzeln und Institute wurde nach 1945 verstärkt.

Mit dem in den 1970er Jahren eingeführten kostenfreien Zugang zum Studium kam es zu einem anhaltenden Bildungsboom mit stark steigenden Zahlen an Studentinnen und Studenten. Dazu traten neue, vor allem sozialwissenschaftliche Fächer. Mit dem Universitäts-Organisationsgesetz (UOG) vom 11. April 1975 (Bundesgesetzblatt 258/1975) änderte sich die Fakultätsgliederung: unverändert blieben die katholisch-theologische, die evangelisch-theologische und die medizinische Fakultät; an die Stelle der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät traten die rechtswissenschaftliche und die sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, an jene der philosophischen Fakultät die grund- und integrativwissenschaftliche Fakultät, die geisteswissenschaftliche sowie die formal- und naturwissenschaftliche Fakultät.

Durch zahlreiche, seit den 1970er Jahren abgeschlossene Partnerschaftsabkommen kam es zu einer Intensivierung der Kontakte mit ausländischen Forscherinnen und Forschern zunächst in Ostmitteleuropa, in weiterer Folge durch das "Network of Universities from the Capitals of Europa" in einem gesamteuropäischen Kontext. Durch das 1992 implementierte ERASMUS-Programm erhöhte sich der traditionell hohe Anteil ausländischer Studierender erheblich.

Das Universitätsgesetz 2002 begründete eine weitere Phase die Geschichte der Universität Wien die, bei einer staatlichen Basisfinanzierung nun sehr weitgehende Autonomie erhielt. Ihren Charakter als Volluniversität verlor die Universität Wien mit der am 1. Jänner 2004 als eigene Universität ausgegliederten Medizinischen Fakultät. Im Jahr 2014 bestand die Universität Wien aus 15 Fakultäten und vier Zentren. Die Zahl der Studierenden lag bei 92.000, die der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei 9.700.


Siehe auch


Literatur

  • Kurt Mühlberger, Die Universität Wien. Kurze Blicke auf eine lange Geschichte. Wien: Holzhausen 1996
  • Rudolf Kink: Geschichte der kaiserlichen Universität zu Wien. 2 Bde. Wien: Gerold 1854, http://phaidra.univie.ac.at/o:97348
  • Joseph von Aschbach: Geschichte der Wiener Universität. 4 Bde. Wien: Hölder 1865-1898 (reicht nur bis 1576), http://phaidra.univie.ac.at/o:91413
  • Karl Schrauf: Die Universität. In: Heinrich Srbik / Reinhold Lorenz: Die geschichtliche Stellung Wiens 1740-1918. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1905, 2/2, S. 961 ff. (bis 1522)
  • Artur Goldmann: Die Universität. in: Heinrich Srbik / Reinhold Lorenz: Die geschichtliche Stellung Wiens 1740-1918. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1916, 6, S. 1 ff. (1522-1740)
  • 600 Jahre Universität Wien. 1365-1965 (Katalog, 1965)
  • Franz Gall: Alma mater Rudolphina 1365-1965 - die Wiener Universität und ihre Studenten. Wien: Austria Press 1965
  • Felix Ermacora: Universitäts-Organisationsgesetz (UOG). Wien: Manz 51994)
  • Studien zur Geschichte der Universität Wien. Graz-Köln, seit 1965
  • Schriftenreihe des Universitätsarchives (seit 1985)
  • Kurier, 03.03.2015, S. 4 - 5


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