Theodor Herzl

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Personenname Herzl, Theodor
Abweichende Namensform
Titel Dr.jur.
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 02.05.1860
Geburtsort Pest
Sterbedatum 03.07.1904
Sterbeort Sanatorium Edlach an der Rax
Begräbnisdatum
Friedhof Jerusalem / Herzlberg; bis 1949 Friedhof Döbling;
Grabstelle Gruppe I 1, Reihe G1, Nr. 30
Ehrengrab ja
Beruf Schriftsteller, Dramatiker, Feuilletonist, Erzähler
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit  jüdisch
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Theodor-Herzl-Platz
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  22.07.2015 durch WIEN1\lanm09was
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Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Wohnadresse9Berggasse6
Wirkungsadresse9Türkenstraße9
NameVerwandtschaftsgrad
Jakob HerzlVater
Johanna DiamantMutter
Julie NaschauerGattin

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Theodor Herzl, * 2. Mai 1860 Pest, Ungarn (Budapest), † 3. Juli 1904 Sanatorium Edlach an der Rax, Niederösterreich (Döblinger Friedhof, ab 1949 Jerusalem, Herzlberg), Schriftsteller, Dramatiker, Feuilletonist, Erzähler, Gattin (25. Juni 1889 Reichenau, Niederösterreich) Julie Naschauer, Sohn des Kaufmanns Jakob Herzl (* 1835 Semlin, † 1902 Wien) und dessen Gattin (1858) Johanna Diamant.

Herzl genoss eine deutsch-liberale Erziehung und übersiedelte 1878 mit seiner Familie nach Wien, wo er an der Universität Wien Jus studierte (Dr. jur. 1884). Durch seinen Beitritt zur Burschenschaft „Albia" wurde Herzl erstmals mit dem Antisemitismus konfrontiert. 1884/1885 folgte praktische Rechtstätigkeit an Gerichten in Wien und Salzburg. Von Jugend an schriftstellerisch tätig, wurde Herzl 1885 freier Schriftsteller, schrieb Feuilletons für verschiedene Zeitungen und verfasste als Theaterschriftsteller Gesellschaftsstücke und Lustspiele, die auf vielen Bühnen, auch am Burgtheater, zur Aufführung gelangten. Von Oktober 1891 bis Ende 1894 arbeitete Herzl als Korrespondent der Neuen Freien Presse in Paris. Nach seiner Rückkehr nach Wien begann er sich mit der Frage des Zionismus zu beschäftigen. Ursprünglich sah er die Lösung der Judenfrage in der völligen Integration der Juden in anderen Völkern, kam jedoch aufgrund eingehender Analysen zu der Erkenntnis, dass nur die Gründung eines eigenen Judenstaats die Konfliktsituation beseitigen könne.

Am 14. Februar 1896 erschien das Büchlein „Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage" (Breitensteins Verlagsbuchhandlung, 9, Währinger Straße 5); noch im selben Jahr begann Herzl politische Kontakte (unter anderem mit Wilhelm II. und Sultan Abdul Hamid II., den Regierungen von England, Russland und Italien sowie dem Papst) aufzunehmen und begründete die Wochenschrift „Die Welt" (Redaktion und Administration 9, Türkenstraße 9). Er wohnte damals 9, Berggasse 6.

Am 29. August 1897 wurde auf seine Initiative der erste Zionistenkongress nach Basel einberufen, die Zionistische Weltorganisation gegründet und das „Basler Programm" (Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina) angenommen. 1901 kam es zur Gründung des jüdischen Nationalfonds und zur Erwerbung von Boden als Nationalbesitz des jüdischen Volks. In seinem Roman „Altneuland" (1902) zeichnete er bereits ein konkretes Bild des neu zu schaffenden Staatsgebildes in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Die 1948 erfolgte Gründung des Staates Israel geht auf Herzls Gedankengut zurück.

Theodor-Herzl-Hof (2, Gedenktafel, enthüllt 15. Mai 1960), Theodor-Herzl-Platz (1)


Literatur

  • Matthias Bernath [Hg.]: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. 4 Bände. München: Oldenbourg 1974-1981
  • Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Begründet von Hellmuth Rössler und Günther Franz, bearbeitet von Karl Bosl [u.a.]. München: A. Francke 1973-1975 (weitere Literatur)
  • Wilhelm Kosch: Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Bern: Francke 1949 ff.
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Neue deutsche Biographie. Hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Berlin: Duncker & Humblot 1953 - lfd.
  • Neue österreichische Biographie. 1815 – 1918. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1923-1935, Band 18 (Michael Simon)
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd. (Werkverzeichnis)
  • Neue Freie Presse, 4.7. 1904 (Nachdruck: ebda., S. 168 ff.)
  • Harry Zohn: "...ich bin ein Sohn der deutschen Sprache nur...". Jüdisches Erbe in der österreichischen Literatur. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1986, S. 43 ff.
  • Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. Wien 1959-2003, 93, S. 259 ff.; 108
  • Wiener Zeitung, 4. 7. 1904
  • Theodor Herzl: Ein echter Wiener. Feuilletons, kommentiert von Andre Heller. Wien: Edition Wien-Verlag 1986
  • Theodor Herzl oder der Moses des Fin de siècle. Hrsg. Klaus Dethloff. Wien [u.a.]: Böhlau 1986 (= Monographien zur österreichischen Kultur-und Geistesgeschichte 1)
  • Amos Elon: Theodor Herzl. Eine Biographie. Wien: Molden 1979
  • Alex Bein: Theodor Herzl. Biographie. Wien: Fiba Verlag 1934
  • Desmond Stewart: Theodor Herzl. Artist and Politician. New York: Quartet Books 1981
  • Herbert Prigl: Über die Überfuhrung der Gebeine Theodor Herzls nach Jerusalem am 14. August 1949. In: Wiener Geschichtsblätter 54 (1999), S. 152 ff.