Theatergeschichte

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Die Wurzeln in Wien liegen analog zu Österreich und Europa im Mittelalter, beginnend mit dem christlichen Drama und im ländlichen Raum in weiterer Folge, davon abgeleitet, den Passionsspielen.


Theatergeschichte vom 14. bis 16. Jahrhundert

Aus dem 14. Jahrhundert sind Neidhartspiele bekannt, die im 15. Jahrhundert weiterentwickelt wurden. Die Beteiligung der Bürger als Darsteller (etwa der auch in Wien abgehaltenen Karfreitags- und Fronleichnamsspiele), die Verlegung vom Kirchenvorplatz auf die Marktplätze, der Übergang von der lateinischen zur deutschen Sprache und die Ausgestaltung der Spiele durch Künstler (in Wien beispielsweise durch Wilhelm Rollinger) waren die nächsten Schritte.

Im 16. Jahrhundert führte Konrad Celtes (von Aeneas Silvius angeregt) mit seinen Schülern 1502/1503 in der alten Universitätsaula Komödien von Plautus und Terenz auf. Von seinen Huldigungsspielen ("Ludi Caesarei") beeinflusst, veranstaltete auch der Abt des Schottenstifts, Benedictus Chelidonius, Aufführungen, die um die Mitte des 16. Jahrhunderts (von Hans Sachs beeinflußt) zu den deutschen Schuldramen des Wolfgang Schmeltzl führten, die in anderen Klöstern Nachahmung fanden.

Im 16. Jahrhunderts wurden Theaterstücke im alten Saal des Rathauses abgehalten. Als dieser Saal zu klein wurde, wurden die Stücke stattdessen im Zeughaus abgehalten. Die Schüler [Stephansdom|St. Stephans]] waren die Schauspieler, deren Rektor als Direktor, Regisseur und Dramatiker fungierte. 1604 fand die letzte Vorstellung im Zeughaus statt. Die Gegenreformation gab den Spielen (nach einem Rückschlag in der Reformationszeit) neue Impulse. Insbesondere die Jesuiten machten die lateinisch-katholischen Spiele (Weihnachts-, Mysterien oder Hirtenspiele) zu einem festen Bestandteil ihrer Bekehrungstätigkeit (Jesuitentheater). Das Ordenstheater, das in der Barockzeit seine höchste Entfaltung erfuhr, die italienischen Wandertruppen, deren Aufführungen durch die Kunst der Commedia dell'arte beeinflusst wurden, und Renaissanceelemente gaben in ihrer Mischung den Anstoß zur Ausbildung eines eigenständigen Berufstheaters, das im Wiener Barock, geprägt durch die italienische Oper, eine individuelle Ausprägung erhielt.


Theatergeschichte im Barock

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts erlebten unter Ferdinand III., Leopold I., Joseph I. und Karl VI. musikalische Theaterfeste und italienische Opernaufführungen ihre Höhepunkte (siehe: Barockoper; Lodovico Ottavio Burnacini, Marcantonio Cesti, Antonio Draghi, Francesco Galli-Bibiena, Pietro Metastasio).

Mit der Übernahme des 1709 begründeten und von italienischen Truppen bespielten Kärntnertortheaters durch Josef Anton Stranitzky (1711) fand das Wiener Volkstheater eine feste Spielstätte. Unter Maria Theresia erlebte das imperiale Repräsentationsoperntheater keine Fortsetzung und hatte (da die Theatersäle in die Redoutensäle umgebaut wurden) auch keinen entsprechenden Rahmen mehr. Das leerstehende Hofballhaus hingegen wurde 1741 in ein neben dem Adel auch dem Bürgertum zugängliches Theater umgewandelt (altes Burgtheater). Christoph Willibald Gluck reformierte die Oper, im (neuen) Kärntnertortheater etablierte sich ab 1763 auch das Rokokoballett (siehe: Ballett, Franz Hilverding, Jean-Georges Noverre).

Die musikalischen "Familienfeste" konzentrierten sich auf das 1747 in Schönbrunn eingerichtete Hoftheater (Schönbrunner Schlosstheater). Neben das Hof- und das katholische Ordenstheater traten in der Barockzeit in steigendem Maß (teils italienische, teils deutsche) Wandertruppen, aus deren Komödianten auch die ersten großen Schauspieler des Altwiener Volkstheaters, der "Wiener Hanswurst" Josef Anton Stranitzky sowie sein Nachfolger Gottfried Prehauser und dessen Rivale Joseph Felix von Kurz (genannt Bernardon), der Erfinder des "Maschinentheaters" (einer Vorstufe des späteren Zaubertheaters), hervorgingen. Dem Verbot der Stegreifkomödie wirkten die Theaterleute durch Rollenstücke entgegen, womit das Volksstück zu einer eigenständigen literarischen Form fand.


Theatergeschichte von der josephinischen Ära bis zur Ringstraßenära

In der josephinischen Ära kam es zu einem Aufblühen des Wiener Theaterwesens. Der Erhebung des Burgtheaters zum Hof- und Nationaltheater (1776), in dem unter Joseph II. anstelle von Oper und Ballett das deutsche Schau- und Singspiel, unter seinem italienisch erzogenen Brunder Leopold II. wieder die Oper gepflegt wurde (Antonio Salieri) und das durch das Engagement von Schauspielern aus dem ganzen deutschsprachigen Raum eine qualitative Aufwertung erhielt, folgten Theaterneugründungen (Leopoldstädter Theater 1781, Freihaustheater 1787 beziehungsweise in der Folge das Theater an der Wien 1801, Theater in der Josefstadt 1788, in denen Johann Josef La Roche als "Kasperl", Anton Hasenhut als "Thaddädl" und Ignaz Schuster als "Staberl" beliebte Volkstypen verkörperten.

Der Vormärz wurde durch die Zauberspiele Ferdinand Raimunds und die Volkskomödien Johann Nestroys (des letzten Repräsentanten des Altwiener Volkstheaters) geprägt, die ihre Rollen oftmals auch selbst spielten. Das Burgtheater wandelte sich unter der Leitung von Joseph Schreyvogel (der auch Franz Grillparzer entdeckte) endgültig zur Sprechbühne, wobei Werke der europäischen Weltliteratur den Grundstock des Spielplans bildeten. Heinrich Laube war am Beginn der zweiten Jahrhunderthälfte der erste Regisseur im heutigen Sinn. Als Carl Carl, der das Leopoldstädter Theater übernahm und durch das nach ihm benannte Carltheater ersetzte, am Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Jacques Offenbach den Weg ebnete, übernahm das Theater an der Wien die Führung unter Wiens Operettenbühnen (1893 folgten das Raimundtheater und 1898 die Volksoper). Die Goldene und im 20. Jahrhundert die Silberne Ära der Wiener Operette brachte jene Vielzahl an Komponisten und Interpreten hervor, die Wien auf diesem Sektor berühmt machten. Das Stadttheater trat in Konkurrenz zum Burgtheater.

Die Ringstraßenära führte zu monumentalen Neubauten für Oper und Burgtheater (dem 1922 das Akademietheater angeschlossen wurde), außerdem entstand am Rand der Ringstraßenzone 1889 das Deutsche Volkstheater.


Theatergesichte im 20. Jahrhundert

In der Republik dominieren neben den Bundestheatern die großen Privattheater (Theater in der Josefstadt [mit Kammerspielen], Volkstheater [seit 1954 auch in den Außenbezirken]) sowie (seit 1987) die "Vereinigten Bühnen Wien GmbH." (Theater an der Wien [nunmehr die führende Musicalbühne], Raimundtheater, Ronacher). Daneben etablierten sich zahlreiche Kleinkunstbühnen und Kellertheater (Kabarett). Vergleiche Stichwortauflistung unter Theater.


Literatur

  • Richard Bamberger [Hg.]: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Wien: Verlags-Gemeinschaft Österreich-Lexikon 1995
  • Peter Borchardt: Die Wiener Theaterzeitschriften des Vormärz. Diss. Univ. Wien. Wien 1961
  • Franz Hadamowsky: Wien - Theatergeschichte. Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Wien [u.a.]: Jugend & Volk Verl. 1988
  • Hilde Haider-Pregler: Entwicklungen im Wiener Theater zur Zeit Maria Theresias. In: Österreich im Europa der Aufklärung. Kontinuität und Zäsur in Europa zur Zeit Maria Theresias und Josephs II. Internationales Symposion in Wien 20. - 23. Oktober 1980. Band 1. Wien: Verlag der Österr. Akad. d. Wiss. 1985, S. 701 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 285
  • Verena Keil-Budischowsky: Die Theater Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1983 (Wiener Geschichtsbücher, 30/32)