Theater in der Josefstadt

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1788
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Josef Hieronymus d'Allio, Adam Hildwein, Josef Georg Kornhäusel, Max Reinhardt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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BezirkStraßeHausnummer
8Josefstädter Straße26

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Theater in der Josefstadt (8, Josefstädter Straße 26).

Baugeschichte

Das ursprünglich freistehende klassizistische Theatergebäude wurde durch verschiedene spätere Zubauten zu einem unübersichtlichen Komplex ausgestaltet. Der älteste Bau (1788) stammte von Josef Hieronymus d'Allio; die Pläne für den 1822 unter Adam Hildwein errichteten Neubau werden Josef Kornhäusel zugeschrieben (Fassade heute im Hof des Hauses Piaristengasse 26). 1834 baute Kornhäusel die Sträußelsäle (die 1885 gesperrt und 1924 wiedereröffnet wurden), 1841 entstand der Straßentrakt zwischen Zuschauerraum und Josefstädter Straße 1923/1924 erfolgte die Neugestaltung unter Max Reinhardt (durch Carl Witzmann). 1983 wurde das Theater außen restauriert.

Institution

1776 eröffnete der Unternehmer Franz Jakob Scherzer im Haus und Saal „Zum Bauernfeind" (8, Lerchenfelder Straße 6) eine Bühne, die Johann Adam Fürst Auersperg später in sein Palais einbezog und zu einem Privattheater umgestaltete. 1788 erwirkte der Neulerchenfelder Wirtssohn und Schauspieler Karl Mayer ein Privileg für ein Theater in der Josefstadt, das er im Haus seines Schwiegervaters Johann Michael Köck am 22. Oktober 1788 mit dem Lustspiel „Liebe und Koketterie" von Salomon Friedrich Schletter eröffnete. Sein Nachfolger, der Nikolsburger Apotheker Josef Huber, der das Theater mit seinem Bruder, dem Wiener Kaufmann Leopold Huber (ab 1818 Direktor des Leopoldstädter Theaters) und gemeinsam mit Carl Friedrich Hensler (Autor des Stücks „Die Teufelsmühle am Wienerberg") leitete, führte die albernsten Spektakelstücke auf. Das Theater verödete und sollte in ein Fruchtmagazin umgewandelt werden. Daraufhin kaufte das Wirtsehepaar Wolfgang und Johanna Reischl das Theater und fand in Hensler einen tüchtigen Leiter. Hensler ließ das Theater durch Josef Kornhäusel umbauen und eröffnete es Ende 1822 mit dem Gelegenheitsstück „Die Weihe des Hauses", zu dem Beethoven eine Ouvertüre komponiert hatte und diese selbst dirigierte. 1833 gastierte Ferdinand Raimund (der hier 1814 debütiert hatte) in „Mädchen aus der Feenwelt", „Alpenkönig und Menschenfeind" und „Diamant des Geisterkönigs", am 13. Jänner 1834 kam es zur Erstaufführung des „Nachtlagers von Granada" von Konradin Kreutzer. Später sehr herabgekommen, konnte das Theater erst unter der Direktion Franz Pokornys (1837-1845) wieder eine glanzvolle Periode erleben (1841 ließ er das Theater restaurieren). Als er 1845 als Direktor das Theater an der Wien übernahm, kam das Josefstädter Theater an Adalbert Prix. Im Josefstädter Theater debütierten unter anderem Ferdinand Raimund, Carl Carl, Wenzel Scholz und Johann Nestroy. Raimunds „Verschwender" erlebte hier seine Uraufführung. Später wechselte das Theater seine Direktoren in rascher Folge (Johann August Stöger, Wilhelm Megerle von Mühlfeld, Johann Hoffmann (Thaliatheater), Johann Fürst und andere). 1882 übernahm Karl Costa die Leitung, verlor aber in dem Unternehmen sein Vermögen und trat 1885 zurück. Als Retter in der Not erschien Carl Blasel, der beliebte Komiker des Theaters an der Wien, der hier das Volksstück und die Lokalposse pflegte. 1899-1923 folgte Josef Jarno, ein angesehener Schauspieler und Direktor, mit dessen Tätigkeit die jüngere Geschichte des Theaters beginnt. Er bevorzugte vor allem seine Lieblingsautoren Strindberg und Wedekind. Ein theatergeschichtlich bemerkenswerter Erfolg war die Aufführung von Molnárs „Liliom" (1913). Am 22. Juni 1923 wurde mit Max Reinhardt ein Pachtvertrag abgeschlossen. Die Eröffnung erfolgte (nach Renovierung des Hauses einschließlich der Öffnung der Sträußelsäle) am 1. April 1924 mit Carlo Goldonis Lustspiel „Der Diener zweier Herren". Am 16. April erfolgte die Uraufführung des Lustspiels „Der Schwierige" von Hugo von Hofmannsthal. Unter Reinhardt gelangte das Ensemble zu seinen höchsten Leistungen. Die Direktion überließ Reinhardt 1926 Emil Geyer, 1928-1933 Otto Preminger und 1935-1938 Ernst Lothar. In der Zeit des Nationalsozialismus (1938-1945) sorgte der ehemalige Regieassistent Reinhardts, Heinz Hilpert, für Kontinuität. Er engagierte Vilma Degischer, Attila Hörbiger und Paula Wessely und spielte vor allem klassische Dramen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Theater bereits am 1. Mai 1945 (mit „Hofrat Geiger") wiedereröffnet. 1945-1953 war Rudolf Steinboeck Direktor. Unter ihm kamen vor allem ausländische zeitgenössische Dramen auf den Spielplan, außerdem bespielte das Ensemble 1946-1950 als Studiobühne das „Kleine Haus" (1, Liliengasse 3; heute Theater im Zentrum) sowie zusätzlich die Boulevardbühne „Kammerspiele". Unter der Direktion von Franz Stoß (1951-1977; gemeinsam mit Ernst Haeusserman 1953-1958 und 1972-1977) spielte das Ensemble 1951-1953 auch im Bürgertheater. Stoß erweiterte das Ensemble (unter anderem durch Fritz Imhoff, Susi Nicoletti und Elfriede Ott), schuf 1952 das Abonnementsystem, richtete 1957 das „Kleine Theater im Konzerthaus" als Studiobühne für experimentelles Theater ein (1977 D. Haspel überlassen) und nahm in den Spielplan insbesonders Weltliteratur sowie Nestroy und Schnitzler auf. 1954 wurde die „Theater in der Josefstadt Betriebs-GmbH" gegründet. 1955 erwarben österreichische Banken das Theater. Nach Stoß war Haeusserman 1977-1984 alleiniger Direktor. Er engagierte unter anderem Karl Maria Brandauer, Curd Jürgens und Bernhard Wicki, pflegte weiterhin Schnitzler, aber auch Horváth, und führte Boulevardstücke ausschließlich in den Kammerspielen auf. Nach dem Tod des designierten Nachfolgers Boy Gobert und kurzzeitig provisorischer Leitung übernahmen 1988 Otto Schenk und Robert Jungbluth das Theater. Sie setzten neben Schnitzler, Raimund und Nestroy auch klassische österreichische Literatur und zeitgenössische Dramatiker auf den Spielplan. Als dritte Auffuhrungsstätte (für zeitbezogenes kritisches Theater) wurde 1990 im ehemaligen Kino im Rabenhof das „Theater im Rabenhof eröffnet. Der Nachfolger Schenks war ab 1997 Helmut Lohner; heute leiten Herbert Föttinger, Alexander Götz und Emmerich Steigberger das Theater.

Literatur

  • Franz Hadamowsky: Wien – Theatergeschichte. Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1988, S. 528 ff, S. 630 ff.
  • Verena Keil-Budischowsky: Die Theater Wiens. Wien: Zsolnay 1993 (Wiener Geschichtsbücher, 30-32), S. 163 ff.
  • Richard Bamberger [Hg.]: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Wien: Verlags-Gemeinschaft Österreich-Lexikon 1995
  • Anton Bauer: Das Theater in der Josefstadt zu Wien. 1957
  • Anton Bauer: G. Kropatschek 200 Jahre Theater in der Josefstadt 1788-1988. 1988
  • F. Klingenbeck [Hg.]: Max Reinhardts Theater in der Josefstadt. Eines der schönsten Theater der Welt. 1972
  • Das Theater in der Josefstadt zu Wien. In: Maske und Kothurn 10 (1964), S. 97 ff.
  • Karl Ranninger: Das Theater in der Josefstadt. In: Das Josefstädter Heimatmuseum. Wien: Neuer Wiener Pressedienst 23 (1962), S. 2 ff.
  • Karl Ranninger.: Nestroy und das Josefstadt Theater. In: ebenda, S. 43 ff.
  • Walter Szmolyan: Große Opernabende im Theater in der Josefstadt. In: ebenda 35 (1964), S. 251 ff.
  • Die Kapellmeister am Theater in der Josefstadt. In: ebenda, S. 267 ff.
  • Otto Erich Deutsch: Musik in der „Josefstadt". In: Österreichische Musikzeitschrift (ÖMZ). Wien [u.a.]: Böhlau 18 (1963), S. 549 ff.
  • Joseph Gregor: Das Theater in der Wiener Josefstadt. 1924
  • Bruno Thomas: Drei savoyisch-sardinische Herrscherporträts in Wine. In: Wiener Jahrbuch Kunstgeschichte 34 (1981), S. 188 ff.
  • B. R. Schimscha: Das Josefstädtertheater als Opernbühne. Diss. Univ. Wien. Wien 1965
  • Oskar Pilz: Das Theater in der Josefstadt in den Jahren 1850-1870. Diss. Univ. Wien. Wien 1935
  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 220 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 1: Geschichte, historische Hilfswissenschaften, Festungswerke und Kriegswesen, Rechtswesen, Kulturgeschichte, Sittengeschichte. Wien: Touristik-Verlag 1947, S. 432 ff.