Telephon

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Telefonzentrale Berggasse Nr. 35, errichtet 1897-1898 nach Plänen von Franz von Neumann. Der Turmaufbau wurde 1945 abgetragen.
Datum von
Datum bis
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  1.03.2017 durch WIEN1\lanm09mer
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Telephon Zentrale Berggasse.jpg
Bildunterschrift  Telefonzentrale Berggasse Nr. 35, errichtet 1897-1898 nach Plänen von Franz von Neumann. Der Turmaufbau wurde 1945 abgetragen.
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, D 76617: Der Architekt: November 1905, [S. 49]
Bildrechte

(Anfänge). Die ersten Telefonanlagen wurden aufgrund einer mittels Erlasses des Handelsministeriums vom 3. Juni 1881 für den Raum von Wien erteilten Konzession von der Wiener Privat-Telegraphengesellschaft errichtet; am 1. Dezember 1881 wurde in Wien die erste Fernsprechvermittlungszentrale Österreichs eröffnet. Das Telefon geht auf die Patentierung des „Bellschen Sprechtelegraphen" (1876) zurück (Bellweg); im Dezember 1877 präsentierte Ingenieur Franz Nissl ein von ihm in Zusammenarbeit mit zwei Assistenten der Technischen Hochschule nachgebautes Telefon einem geladenen Professorenkollegium. Die Privat-Telegraphengesellschaft bot sowohl den Anschluss an das Zentralnetz wie auch die bloße Verbindung zweier Etablissements (etwa zwischen Büro und Fabrik) an. Ab 18. April 1882 stand dem Publikum in den Räumlichkeiten der Börse die erste öffentliche Sprechstelle zur Verfügung (eine „Sprechkarte" kostete 20 Kreuzer). Am 1. Jänner 1890 wurden sämtliche Fernsprechnetze, die sich im Besitz von Privatgesellschaften befanden, verstaatlicht, ausgenommen das Wiener Netz, das erst 1895 vom Staat übernommen wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts baute man in Wien zwei Telefonzentralen: die eine 6, Dreihufeisengasse (Lehárgasse) 7 (nach Plänen von Eugen Faßbaender, 1897-1899), die andere 9, Berggasse 35, Ecke Hahngasse 4 (nach Plänen von Franz von Neumann, 1897/1898). Ein Teilnehmer konnte nur über das Vermittlungsamt erreicht werden (wo durch Stecken eines Stöpsels die Verbindung über den Klappenschrank hergestellt wurde). Robert Jentzsch erhielt am 8. Februar 1899 ein Patent für einen Münzfernsprecher. Eine von ihm gegründete Telefonautomatengesellschaft und die ihm 1901 erteilte Konzession des Handelsministeriums bereiteten den Weg zur Einführung der Telefonautomaten. Erst sein Mitarbeiter und Nachfolger St. Bergmann konnte jedoch die Einführung der öffentlichen Telefonautomaten in eigenen auf Straßen und Plätzen frei aufgestellten Telefonhäuschen durchsetzen und damit Wien zum Vorbild für Europa machen. Nach dem Ersten Weltkrieg begann die Automatisierung des Telefonnetzes, beginnend mit der Halbautomatik (die Vermittlung wählte über eine Wahlscheibe, sodass auch Verbindungen mit Teilnehmern hergestellt werden konnten, die nicht an diese Zentrale angeschlossen waren) bis zur Vollautomatik (Wählen durch den Teilnehmer, anfangs allerdings nur im Ortsverkehr [für Ferngespräche musste die Vermittlung des Fernamts am Schillerplatz in Anspruch genommen werden]). Da es in Wien 1928 bereits über 100.000 Teilnehmer gab, entschloss man sich, bei der Zuteilung der Nummern eine Kombination aus einem Buchstaben (I, F, A, B, R, U, M, L, Y, Z; I entsprach der damals auf der Wählscheibe führenden Nummer O, Z entsprach der Nummer 9) und fünf Ziffern zu wählen.

1955 verfügte Wien über 19 Fernsprechzentralen mit Wähleinrichtungen, rund 1700 Münzfernsprecher und 151.877 Teilnehmer. Der Polizeinotruf, heute Tel.-Nr. 133, hatte damals die Nummer A-0-22. Die Kombinationen von Buchstaben und Ziffern waren eine spezifische wienerische Eigenart, die im Zuge der Internationalisierung etwa 1957 / 1958 aufgegeben werden musste, wobei auch die Nummernscheiben geändert werden mussten [anstelle von 0-9 nunmehr 1-0]).

In den Jahren nach 2000 wurden auf Grund der starken Verbreitung von Mobiltelefonen ("Handys") viele Telefonzellen abgebaut. Nicht wenige Telefonteilnehmer sind heute nur mehr über das mobile Netz und nicht mehr über das so genannte leitungsgebundene Festnetz erreichbar. Die Verbreitung des Internets (erste Website der Wiener Stadtverwaltung in den 1990er Jahren) hat die klassische Telefonie in Wien stagnieren lassen.

Literatur

  • Christine Kainz: 100 Jahre Telephonie in Österreich. In: Briefmarkenabhandlung der Postdirektion anläßlich des Erscheinens von österreichischen Briefmarken, 07.05.1981
  • Otto Freude: Einführung des österreichischen digitalen Telefonsystems. In: Briefmarkenabhandlung der Postdirektion anläßlich des Erscheinens von österreichischen Briefmarken 23.01.1986
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, S. 767 ff., S. 769, S. 770 ff.
  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 309
  • Technischer Führer durch Wien. Hg. vom Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein. Red. von Martin Paul. Wien: Gerlach & Wiedling 1910, S. 111 ff.
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. 11 Bände. Wiesbaden: Steiner 1969-1981, Band 4, S. 581 f.
  • Ernest Blaschek [Hg.]: Mariahilf einst und jetzt. Wien [u.a.]: Gerlach & Wiedling 1926 (Wiener Heimatbücher), S. 291 f.
  • Telephonzentralen: Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 185, S. 235, S. 309
  • Otto Drischel: Post- und Fernmeldewesen. In: 100 Jahre im Dienste der Wirtschaft 2 (1961)
  • Kurt Lukner und andere: Die Vollautomatisierung des Österreichischen Fernsprechnetzes. 1972