Stock-im-Eisen-Platz 3

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1., Stephansplatz 8-12; Stock-im-Eisen-Platz 3, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1887
Jahr bis
Andere Bezeichnung Equitablepalais
Frühere Bezeichnung Spieglerhaus, Hawnzands Haus, Zum goldenen Kegel
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Andreas Streit
Prominente Bewohner
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname Stephansplatz8-12.jpg
Bildunterschrift  1., Stephansplatz 8-12; Stock-im-Eisen-Platz 3, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt107918211862
Stadt108817701795
Stadt108118211862
Stadt109017701795
Stadt114517951821
Stadt109217701795
Stadt114717951821
Stadt107818211862
Stadt114917951821
Stadt108018211862
Stadt108917701795
Stadt107618211862
Stadt108218211862
Stadt109117701795
Stadt114617951821
Stadt107718211862
Stadt114817951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Stock-im-Eisen-Platz 3, Seilergasse 1, Kärntner Straße 2 (Alte Adresse: 1, Stock-im-Eisen-Platz 3,4,5 (später 3-4), Seilergasse 1-5, Kärntner Straße 6-8; Konskriptionsnummern 1076, 1077 1078, 1079, 1080, 1081 und 1082).

Das heutige Gebäude umfasst eine Fläche auf der einstmals vier Häuser standen (Stadt 1076, 1080, 1081 und 1082). Überdies fielen der Verbreiterung der Kärntner Straße an dieser Stelle noch die Häuser Stadt 1077, 1078 und 1079 zum Opfer. Während Stadt 1079 einstmals die Ecke der Kärntner Straße bildete, lagen die daran anschließenden Häuser Stadt 1077 und 1078 schon ganz in der Kärntner Straße. An hinterster Stelle stand das Haus Stadt 1076, das an die Häuser Stadt 1077 und 1081 grenzte und von der Kärntner Straße bis in die Seilergasse reichte.


Vorgängergebäude

Haus Stadt 1076 "Zum goldenen Kegel"

Dieses Gebäude trug den Schildnamen Zum goldenen Kegel" und bildete ein Durchhaus (Kärntner Straße-Seilergasse). Ab dem Jahr 1439 lässt es sich urkundlich fassen. 1444 erwarben es der Arzt Hanns Zeller und seine Frau Margarethe. Zeller ist als Begründer der Passionsspiele bei St. Stephan bekannt. Am 12. November 1456 ertrank er beim Übersetzen der Donau nahe Belgrad. Über seine Gattin Margarethe kam es in den Besitz seines Sohnes Wolfgang, der 1482 Ratsherr war. Im Häuserkataster von 1885 ist das Gebäude, das die Adresse Seilergasse 6, Kärntner Straße 8 trug, noch verzeichnet, wurde aber bald danach demoliert.

Haus Stadt 1077

Die erste urkundliche Erwähnung dieses Hauses stammt aus dem Jahr 1442. 1483 vermachte es sein damaliger Besitzer dem Kloster St. Jakob auf der Hülben, das es aber noch im selben Jahr wieder verkaufte. Der Abbruch des Gebäudes mit der alten Adresse Kärntner Straße 6 erfolgte im Jahr 1887.

Haus Stadt 1078

Das Haus wird 1454 erstmals erwähnt. Durch eine Verfügung sollte nach dem Tod der Gattin des Besitzers Kasper Siebenbürger der Verkaufserlös zugunsten des Baus von Sankt Stephan und zur Deckung der mit der Aufbewahrung und Instandhaltung, Fassung und Neuerwerbung von Reliquien bei Sankt Stephan verbundenen Kosten verwendet werden. Der Verkauf wurde (unter anderem) 1531 von Kirchmeister Johann Straub abgewickelt (an den noch das "Straubsche Epitaph“ an der Außenmauer des Stephansdomes erinnert). 1864 wurde es zwecks Demolierung von der Gemeinde angekauft (Gemeinderatsbeschluss vom 2. August 1864).

Haus Stadt 1079

Erstmals wird das Haus Stadt 1079 um die Mitte des 15. Jahrhunderts erwähnt. An der Ecke dieses Hauses stand einst das alte Wahrzeichen, der "Stock im Eisen“. Erst im 17. Jahrhundert wurde es an das Haus Stadt 1080 versetzt. Bereits 1890 (Erbauung des heutigen Prachtbaues, Equitablepalais) wurde es an seinen Platz an der Ecke der Kärntner Straße in einer aus Granit ausgeführten Nische aufgestellt, wobei es auf einem 1½ Meter hohen Granitsockel stand.

Haus Stadt 1080

Das Haus Stadt 1080 wird zwischen 1376 und 1386 erstmals erwähnt. Da der Besitzer "Hanns der Haunzand" genannt wurde, blieb dem Haus (auch lange nach dessen Tod) die Bezeichnung "Hawnzands Haus“. Bereits 1427 wird das Gebäude als äußerst "pawuellig“ (baufällig) bezeichnet, die Schäden wurden behoben und das Gebäude stark umgebaut. Im 17. Jahrhundert wurde das alte Wahrzeichen "Zum Stock im Eisen“ von seinem bisherigen Standplatz hierher an das Haus Stadt 1080 übersetzt. Der Besitzer, der Apotheker Mathias Müller, versuchte aus diesem Umstand Kapital zu schlagen und nahm ihn zum Anlass, für sein Haus Quartierfreiheit anzusprechen (diesem Anlass wurde jedoch nicht stattgegeben). 1869 kam das Haus in den Besitz der österreichischen Zentralbank, 1872 übernahm es die österreichische Allgemeine Bank, 1874 die Disconto- und Wechselgesellschaft in Wien.

Kurz nach 1885 kam das Haus (damalige Adresse: Stock-im-Eisen-Platz 3) zum Abbruch.

Besonderheiten im Haus Stadt 1080

Im alten Haus befand sich bis zu Beginn der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts der Stock-im-Eisenkeller, dessen Stammgäste uns Friedrich Schlögl in seinen Historien von Wiener Weinkellern et cetera vorstellt:

  • Die am Stephansplatz postierten "Trager“;
  • Die Almosensammler an den Seitentüren der Stephanskirche;
  • Vazierende Domestiken, die ihr Stelldichein bei der "Diensbotenmuttergottes“ hatten;
  • Arme "Büchlleut“, die sich beim Herrgott, dem der Bart wächst (Heiliandsfigur in der Tirnakapelle in der Nordwestecke des Stephansdomes, so bezeichnet, weil das Volk in dem aus Naturhaar verfertigten Barte einen wachsenden Bart glaubte) einfanden.

Alle oben genannten kamen, wenn sie ihre normale Morgenandacht oder ihr Frühgeschäft verrichtet hatten, auf "a gross Seitl“ hinab in den Keller.

Haus Stadt 1081 "Spieglerhaus"

Das anschließende Haus Stadt 1081 war das Spieglerhaus, von dem die nahe Spiegelgasse ihren Namen ableitet und wird bereits 1368 (Besitzer war damals Konrad der Spiegler) erwähnt.

Geschichtliche Bedeutung erlangte das Haus zur Zeit des unseligen Bruderzwistes zwischen Kaiser Friedrich III. und Herzog Albrecht VI., als Bürgermeister Holzer in der Karfreitagsnacht 1465 (8. April) die ihm befreundeten Stadträte und Bürger, gegen 80 Personen, in einer Verschwörung gegen Herzog Albrecht VI. eingeladen hatte. Die Meinungen hinsichtlich des Orts dieser Zusammenkunft gehen allerdings auseinander, und man nennt in diesem Zusammenhang auch das Haus des Simon Pötel (1, Hoher Markt 9), das Holzer während der Wirren widerrechtlich an sich gebracht hatte. Die Verschwörung wurde vereitelt, das Volk plünderte Holzers Haus, Holzer entfloh, wurde gefangengenommen und am 15. April 1463 auf dem Hohen Markt gevierteilt. Sein Haus wurde beschlagnahmt. 1496 kaufte das Spiegelhaus Sigmund Pernfuss, 1521 gehörte es, gemeinsam mit dem an der Ecke der Reifstraße (Seilergasse) und des alten Roßmarkts (Stock-im-Eisen-Platz) stehenden Nachbarhaus, Paul Pernfuss. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trug es die Hausnummern Stock-im-Eisen-Platz 4, Seilergasse 3.

Haus Stadt 1082

Das Haus Stadt 1082 bildete eine Ecke zur Seilergasse . 1418 wird es erstmals erwähnt. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel war 1499 der Kämmerer der Stadt zu Wien Sigmund Pernfuss Besitzer des Hauses von dem es sein Sohn Paul Pernfuss erbte. 1886 erwarb die Lebensversicherungsgesellschaft der United States of America in New York "Equitable“ den Baukomplex der Häuser Stadt 1080 und 1082 (Seilergasse 1, Stock-im-Eisen-Platz 5). Nachdem Stadt 1078 und Stadt 1079 schon wesentlich früher abgebrochen worden waren (siehe oben), kamen nun auch die Häuser Stadt 1080 und 1082 zum Abbruch.


Der Neubau: Das Equitablepalais

Auf den frei gewordenen Gründen entstand zwischen Kärntner Straße und Seilergasse auf der nun zur Verfügung stehenden Grundfläche von 1173 Quadratmetern in den Jahren 1887 bis 1890 ein Neubau, der nach seinem damaligen Eigentümer "Equitablepalais", der oben genannten Lebensversicherungsgesellschaft, so benannt worden ist. Das Haus stand zwischen 1942 und 1947 unter öffentlicher Verwaltung.

Das Gebäude wurde von Andreas Streit 1890/1891 errichtet; durch seine reich dekorierte Hauptfront (auf dem Dach US-Adler) wie durch seinen überaus gediegenen Marmor- und Bronzeschmuck erregte das stattliche Gebäude die Aufmerksamkeit aller Fremden. Zudem wurde es künstlerisch reich ausgestaltet. Die bronzenen Reliefs an den Flügeltüren sowie die Figurengruppe über dem Portal beziehen sich auf den Sagenkreis vom Stock im Eisen.

Künstler waren Rudolf Weyr, Viktor Tilgner und Johann Schindler.

Kriegsschäden am Equitablepalais

Im Frühjahr 1945 erlitt vor allem die Seitenfront an der Kärntner Straße schwere Schäden. Der Dachstuhl war infolge eines Bombentreffers schon am 12. März fast zur Gänze eingestürzt; in der Mitte der beiden obersten Stockwerke klaffte eine Lücke, die sechs Fensterachsen umfasste. An der auf den Graben weisenden Stirnseite des Hauses enstanden Fensterschäden, außerdem wurde das Dachgeschoß an der südöstlichen Ecke zerstört. Die ausgezeichneten Plastiken und Reliefs der damit reich ausgestatteten Fassade blieben zum Glück erhalten. Ebenso ist auch die Seitenfront in der Seilergasse unbeschädigt geblieben.

Das im März durch Bombeneinschlag begonnene Zerstörungswerk wurde dann in der Zeit zwischen 8. und 11. April durch Beschuss fortgesetzt, wobei die beiden obersten Stockwerke zum Teil ausbrannten.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 1080:

  • Apotheke "Zum Stock-im-Eisen“ (siehe Blaue Apotheke; 1643 - 1674?)
  • Österreichische Zentralbank (1869-1872)
  • Österreichische Allgemeine Bank (1872-1874)
  • Disconto- und Wechselgesellschaft in Wien (1874-1875)
  • Stock im Eisenkeller

Haus Stadt 1082:

  • Lebensversicherungsgesellschaft der United States of America in New York "Equitable“ (1886)


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 14-29
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 2-5 (Häuser Stadt 1076 und 1077)