Stephansdom

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Ansicht des Stephansdoms aus dem Wiener Heiligtumbuch von 1502. Zu erkennen ist der Baukran am Nordturm.
Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1135
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname Heiligthumbuch_Stephansdom.jpg
Bildunterschrift  Ansicht des Stephansdoms aus dem Wiener Heiligtumbuch von 1502. Zu erkennen ist der Baukran am Nordturm.
Bildquelle Mattheus Heuperger, Heiligtumbuch. Wien 1502
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Stephansplatz1

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Stephansdom (1, Stephansplatz; Heiliger Stephan), charakteristisches Wahrzeichen der Stadt, bedeutendstes Bauwerk der Hoch- und Spätgotik in Österreich und monumentales Beispiel einer süddeutsch-österreichischen Staffelkirche. Seit 1363 (Rudolf IV.) Sitz des Kollegiatskapitels, 1469 (Friedrich III.) Erhebung zum Bistum (erst 1480 feierlich verkündet und damit rechtskräftig vollzogen [Bulle am Turmtor angeschlagen]), 1723 (Karl VI.) Erhebung zum Erzbistum (seither erzbischöflicher Dom). Unter dem Hauptchor Grablege der österreichischen Herzöge, unter den Seitenchören der Bischöfe beziehungsweise Domherren.

Pfarre

Für Pfarre (ab 1137) siehe: St. Stefan (Pfarre).

Baugeschichte

Erster Bau (12. Jahrhundert)

Die Frühgeschichte des Stephansdoms ist weitgehend ungeklärt. Fest steht lediglich, dass im 12. Jahrhundert außerhalb der damaligen Stadtmauern eine Kirche existierte, deren Beziehung zu Vorgängerbauten und deren Aussehen jedoch nicht bekannt ist. Ob diese Kirche ein Westturmpaar hatte, welches im Mauerwerk in den unteren Geschossen der heutigen Heidentürme erhalten geblieben ist, ist ebenfalls nicht geklärt. Mittels der Methode der "bautechnischen Archäologie" ist allerdings wahrscheinlich gemacht worden, dass die Grundsteinlegung des späteren Doms im Jahr 1137 stattfand und diese mit einem bewussten Stadtgründungsakt des Babenbergers Leopold IV. in Verbindung stand. 1147 erfolgte die Weihe durch den Bischof Reginbert von Passau, der im Rahmen des Zweiten Kreuzzuges in Wien war. Zu diesem Zeitpunkt unterstand die Kirche dem Pfarrer Eberger.


Zweiter Bau (circa 1200-1263)

Die Existenz eines Neubaus beziehungsweise erweiternden Umbaus ist durch eine Urkunde Herzog Leopolds VI. aus 1220 gesichert. Zu diesem Zeitpunkt muss die frühgotische Kirche bereits zumindest teilweise benützbar gewesen sein. Dieser Bauphase ist der Westbau mit den Heidentürmen, die Toranlage und der Westempore zuzurechnen. Die Kirche besaß wohl ein basikales Langhaus und ein Querschiff. Ihre Fertigstellung wurde durch den Brand von 1258 verzögert (der Gottesdienst musste fünf Jahre lang in der Schottenkirche abgehalten werden); die Weihe erfolgte 1263.


Dritter Bau (1304-1511)

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts setzte eine neue Bauphase ein die durch den groß angelegten Chorneubau gekennzeichnet ist. 1340 konnte die Weihe des Chores und von sechs Altären vorgenommen werden. Nach einer vermutlich infolge der Pestepidemie eingetretenen Bauunterbrechung erfolgte in der Regierungszeit Herzog Rudolfs IV. ein weiterer Ausbau, der mit einer konzeptionellen Änderung verbunden war. Das 1365 und 1366 geweihte Kapellenpaar diente nicht der öffentlichen Andacht. Auch die Errichtung einer Grablege für den Herzog verweist auf eine stärker auf den Landesfürsten bezogene Nutzung. Auch die Grundsteinlegung für den Turm fällt wahrscheinlich in die Regierungszeit des Herzogs. Der Bau des sogenannten Albertinischen (hochgotischen) Chors beanspruchte den Platz des (alten) Karners und einen Teil des die Kirche umgebenden Friedhofs (Stephansfreithof). Daher musste ein neuer Karner errichtet (Virgilkapelle unter der Maria-Magdalena-Kapelle) sowie der Friedhof nach dem Erwerb eines Grundstücks der Kommende des Deutschen Ordens (1, Stephansplatz 4) und nachfolgender Umwidmung des erworbenen Areals in diese Richtung vergrößert werden.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts musste ein Teil des bereits errichteten Südturms auf Grund einer Planänderung wieder abgetragen werden und der Bau oberhalb der Traufhöhe fortgesetzt werden. Parallel dazu setzte der Bau eines neuen Langhauses ein, zunächst unter Beibehaltung des alten Baues, der 1422-1430 abgetragen wurde. 1450 erreichte das Langhaus den zu dieser Zeit begonnenen Bau des Nordturms. Die Spitze des Südturms wurde 1433 durch Hans von Prachatitz vollendet, nach 1440 die Errichtung des Dachstuhls [eine Meisterleistung gotischer Zimmermannskunst, 1945 durch Brand zerstört und danach durch eine Stahlkonstruktion ersetzt], 1446 Beginn der Einwölbung des Langhauses durch den vom Rat und von Kirchmeister Simon Pötel bestellten Baumeister Hans Puchsbaum). 1449 ist ein Brand des Südturms überliefert. 1551 setzte man auf die acht obersten Fialen des Turms ein Hirschgeweih, weil ein solches nach dem damaligen Aberglauben gegen Blitzschlag schützen sollte. Johann Amann leitete 1810-1815 die Ausbesserungsarbeiten am Stephansturm, der 1809 durch die französische Beschießung Schaden erlitten hatte. Die baufällig gewordene Turmspitze wurde 1839 durch Paul Sprenger abgetragen und durch einen Eisenhelm ersetzt beziehungsweise 1860 durch Leopold Ernst neuerliche abgetragen und daraufhin 1862-1864 durch Friedrich Schmidt in alter Form aus Stein wiederaufgebaut (am 18. August 1864 wurden im Zuge der gründlichen Turmrenovierung ein neues Kreuz und ein drei Zentner schwerer Adler auf die fertiggestellte Turmspitze aufgesetzt). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden umfassende Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die zeitweise die Einnistung der oberen Turmteile notwendig machten. Der Nordturm, zu dem Puchsbaum 1450 die Fundamente legte (es wird überliefert, dass in diesem Jahr der Wein so sauer gewesen war, dass Friedrich III. angeordnet habe, ihn zum Ablöschen des Kalks zu verwenden), wurde 1467 nach seinem Entwurf auf den bereits vorhandenen Fundamenten begonnen (ab 1466 erhielt Dombaumeister Laurenz Spenyng für den Bau eine laufende Zahlung). Der Turmunterbau mit der (heutigen) Barbarakapelle war um 1477, zum Zeitpunkt des Todes von Laurenz Spenning, vollendet. Unter seinen Nachfolgern wurde der Bau fortgesetzt doch musste er 1511 aus finanziellen Gründen eingestellt werden (die achteckige Haube mit Glockenhelm als Abschluss des Nordturms wurde 1556-1578 von Hans Saphoy errichtet). Hatte die Vollendung des Südturms (1433) den Höhepunkt der Bedeutung des bürgerlichen Patriziats angezeigt, so markierte die Baueinstellung am Nordturm (1511) dessen Niedergang. Das Erlahmen des Interesses am Bau und die Bindung verfügbarer Geldmittel für Rüstungszwecke steht mit der steigenden Gefahr durch die Osmanen (siehe Erste Türkenbelagerung (1529)) in unmittelbarem Zusammenhang; im Volk bildeten sich als Erklärung hingegen Sagen (Künstlerneid, Teufelshilfe und so weiter).

Zerstörung und Wiederaufbau

Der Stephansdom im Jahr 1951. Am Nordturm ist die Bauhütte für die Beseitigung der Kriegsschäden zu erkennen.

Der Stephansdom wurde 1945 schwer beschädigt. Zerstört wurden die nord-östliche Ecke der oberen Sakristei, das gotische Dach (Einsturz der 15 Meter hohen Dachstützmauer über der südlichen Pfeilerreihe des Chors, wodurch die drei Kreuzgewölbe des Chormittelschiffs und drei Kreuzgewölbe des Südchors vernichtet wurden) sowie das große gotische Fenster der Westfassade. Schwer beschädigt wurden: die Renaissancehaube des Nordturms, wesentliche Teile des Zier- und Maßwerks am Südturm, Kapitelle und Gewölberippen der romanischen Bauteile der Westempore; der südlichen Heidenturm brannte aus. An Einrichtungsgegenständen wurden das gotische Chorgestühl von Wilhelm Rollinger, das romanische Kreuz aus Wimpassing (Wimpassinger Kreuz), das Türkenbefreiungsdenkmal und das Lettnerkreuz zerstört (von letzterem nur Kopf und Hände erhalten), ferner die Westemporenorgel und die kleine Chororgel sowie eine Reihe von Denkmälern und Einzelfiguren. Neben anderen Glocken des Doms fiel auch die Pummerin der Vernichtung anheim. Der Wiederaufbau des Doms erfolgte unter Dombaumeister Karl Holey. Die feierliche Wiedereröffnung des Doms erfolgte bereits während der Bauarbeiten am 19. Dezember 1948; Langhaus und Chor wurden 1952 fertiggestellt (Eröffnung des Albertinischen Chors an 26. April 1952; Eintreffen der Pummerin am 27. April 1952), der Südturm wurde 1954-1965 restauriert. Am Wiederaufbau beteiligten sich alle österreichischen Bundesländer: Niederösterreich spendete den Steinboden, Tirol die Fenster, Salzburg den Tabernakel, Kärnten die Kronleuchter, Steiermark das Tor, Burgenland die Kommunionbank, Vorarlberg die Bänke, Oberösterreich eine Glocke und Wien (gemeinsam mit zahlreichen privaten Spendern) das Dach. Im Dom Gedenktafel für die Dompfarrer Karl Raphael Dorr (1905-1964) und Alois Penal (1908-1968), die sich um den Wiederaufbau verdient gemacht haben.

Stephansdom, aufgenommen von der Terrasse der kaiserlichen Wiener Hof- und Staatsdruckerei, um 1852
Der Stephansdom dient als beliebtes Motiv und findet sich nicht nur auf Stichen, sondern auch auf zeitgenössischen Graffiti, wie hier am Donaukanal (2016).

Baubeschreibung

Das hohe Dach (mit glasierten Ziegeln) beeinflusst das Aussehen des Doms entscheidend und verbindet harmonisch die aus verschiedenen Bauzeiten stammenden Architektenteile (spätromanische Westfassade und gotisches Langhaus mit Strebepfeilern, Figurenbaldachinen, Wasserspeierpaaren und Maßwerkgalerie am Dach).

Romanisches Westwerk mit Heidentürmen

Die spätromanischen Bauteile (ursprünglich Langhausbreite der Basilika) stammen im Kern aus dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts (Begrenzung durch die romanischen "Heidentürme", die mit ihrer Höhe von 65,6 Meter das romanische Langhaus merklich überragten). Die dreigeschossigen Seitenteile sind mit Giebeln abgeschlossen, auf denen sich die romanischen Doppeltürme mit ihren achteckigen Aufbauten erheben. Zu beiden Seiten kreuzrippengewölbte gotische Doppelkapellen: unten links Kreuzkapelle, darüber Valentinkapelle, unten rechts Herzogkapelle, darüber Bartholomäuskapelle (die oberen Kapellen sind nicht zugänglich). Zentrum rundbögen, spätromanisches Trichterportal (Riesentor) das prunkvollste Werk einer auch in Niederöstereich nachweisbaren Bauhütte (um 1230/1240; um 1500 durch einen vorgelegten Spitzbogen verengt): reicher Skulpturenschmuck; links vom Tor geeichte Längenmaße (große und kleine Elle); die eingestellten Säulen des Portals besitzen qualitätvolle Kapitelle, darüber (friesartig angebracht) menschliche und tierische Symbole, wieder darüber Halbfiguren der zwölf Apostel und zweier Evangelisten; Tympanon (Christus in der Mandorla). 1996 wurde das Tor restauriert, was eine vorübergehende Schließung erforderlich machte (bei Grabungen im Torbereich wurden neben bisher 39 [mittelalterlichen bis barocken] Bestattungen auch Fundamente und [bis Juni 1996 nicht weniger als elf] übereinanderliegende Fußbodenbeläge von einem bisher unbekannten steinernen Vorgängerbau [vermutlich vor 1100] aufgefunden).

Langhaus

Dreischiffige, vierjochige, gestaffelte Hallenkirche von eindrucksvollen Ausmaßen (Höhe des Mittelschiffs 28 Meter, der Seitenschiffe 22,4 Meter, Breite des Langhauses 35,9 Meter); Netzrippengewölbe; an den fast 3 Meter starken Bündelpfeilern, je sechs Figurennischen mit Baldachinen und turmartigen Bekrönungen (77 Steinfiguren ohne geschlossenes ikonographisches Programm, zeitlich und qualitativ uneinheitlich, etwa 1450-1500, teilweise auf bürgerliche Stiftungen zurückgehend. Zur Bekrönung siehe Friedrichsgiebel.

Südturm

Der hochgotische Turm verjüngt sich vom Boden bis zur Spitze; quadratischer Grundriss, im zweiten Drittel Übergang zu Achteck, bekrönende Kreuzblume (Spitze: Bronzekugel mit Doppeladler), Höhe 136,7 Meter (nach Ulm und Köln dritthöchster historischer Turm Mitteleuropas); unverfälschte Verkörperung des gotischen Turmbaus.

Nordturm

Der "Adlerturm" wurde entsprechend dem Südturm geplant (reichere spätgotische Verzierung). Auf dem Plateau (mit Lift erreichbar) befindet sich die neue "Pummerin".

Albertinischer Chor

Dreischiffiger Hallenchor mit fünf-achtel-Schlüssen, Kreuzrippengewölbe, figuralen Schlusssteinen, profilierten Freipfeilern, Bündelpfeilern mit je sechs Figurennischen (mit Baldachinen und turmartigen Bekrönungen), die teils 1330/1340 entstanden, teils am Ende des 19. Jahrhunderts (überwiegend von Franz Erler) historisierend ergänzt wurden.

Die Obere Sakristei

Die Obere Sakristei wurde um 1718 erbaut (nicht zugänglich).

Winterchor

Der Winterchor nimmt die Reliquienschatzkammer auf (nicht zugänglich)

Mesnerhaus

Im Mesnerhaus, einem zierlichen Anbau an der Südwand, beginnt die Turmtreppe (die Türmerstube liegt 72 Meter hoch).

Untere Sakristei

Die Untere Sakristei wurde im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts erbaut (nicht zugänglich) und die Dombauhütte 1959 errichtet.

Tore

  • Betreten kann man den Dom durch das Riesentor
  • das Bischofstor links
  • das Singertor rechts
  • das Primglöckleintor im Südturm und
  • das Adlertor im Nordturm

Das Bischofstor, früher Brauttor, besitzt eine sechseckige spätgotische Vorhalle (um 1380/1390) mit flamboyantem Fischblasenmaßwerk (Form der spätesten Gotik), Nischenfiguren am Vorbau (um 1515; Paulus, Heiliger Stephanus), grotesken Wasserspeiern und äußerst realistische Statuen Herzog Albrechts III. und seiner Gattin Elisabeth in der Portallaibung (Aufstellung der Stifterstatuen an einem bis dahin nur Heiligen vorbehaltenen Platz), darüber zehn weibliche Heilige, seitlich Maria und Verkündigungsengel, im Tympanon zwei Reliefs aus dem Leben Mariens; in der Laibung sogenannter Kolomansstein, über den das Blut des Märtyrers geflossen sein soll (einziger Beleg für die Verehrung einer Steinreliquie auf Wiener Boden).

Analog gestaltet ist das Singertor (um 1440/1450), ein Werk Puchsbaums mit Nischenfiguren aus der Bauzeit (Paulus, Steinigung des Heiligen Stephanus), Baldachinfiguren von Franz Erler (1893), grotesken Wasserspeiern und Statuen (Stifterfiguren) Herzog Rudolfs IV. und seiner Gattin Katharina in der Portallaibung, darüber neun Apostel und Johannes der Täufer, seitlich Erlöser und Moses, im Tympanon zwei Reliefs mit Szenen aus dem Leben des Paulus. Das Primglöckleintor mit seiner im Grundriss eines halben Achtecks gehaltenen Vorhalle ist ebenfalls durch Stifterfiguren geschmückt (Herzog Albrecht II. und seine Gattin Johanna von Pfirt, Karls IV. und seiner Gattin Elisabeth [Originale im Historischen Museum]); die Sitzfiguren der Evangelisten stammen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, die Madonnenstatue mit Kind am Mittelpfosten aus der Zeit um 1400.

In der Halle unter dem Südturm befinden sich Reste des 1945 zerstörten Türkenbefreiungsdenkmals von Edmund Hellmer (1883-1894). Das Adlertor ist analog gestaltet; die reiche Wandgliederung ist spätgotisch, die Nischenfiguren an den Außenpfeilern sind Kopien aus dem frühen 20. Jahrhundert, die Statuen oben (unter anderem Franz Joseph I. und Gattin Elisabeth, Friedrich III. und Maximilian I.) schuf Franz Erler (1878). In der Halle unter dem Nordturm Original des "Zahnwehherrgotts" (Schmerzensmann, um 1400), dessen Name sich von der Sage ableitet, spottende Studenten wären von Zahnschmerzen befallen worden, die sich erst legten, als sie vor der Statue Abbitte leisteten.

Gruftanlagen

Siehe Herzogsgruft, Katakomben (St. Stephan)


Ausstattung

  • 1) Hochaltar (1640-1647) mit Altarbild "Steinigung des Heiligen Stephanus" von Tobias Pock (1640), Marmoraufbau mit Heiligenstatuen von seinem Bruder Jakob Pock; dahinter im Chor einige gotische Glasgemälde (um 1340/1360)
  • 2) Johannes-Nepomuk-Altar (Barock, 1723) mit Altarbild "Heiliger Johannes Nepomuk" von Martin Johann Schmidt ("Kremser Schmidt", 1772) aus der Stadtpfarrkirche Melk
  • 3) Karl-Borromäus-Altar (1728) mit Altarbild von Wolfgang Köpp (1783), zu beiden Seiten barockes Chorgestühl (1647) mit Bischofsbüsten
  • 4) im linken Seitenschiff des Chors (Frauenchor) gotischer Flügelaltar (Wiener Neustädtischer Altar, 1447)
  • 5) leeres Hochgrab für Rudolf IV. den Stifter und seine Gattin Katharina (vermutlich 1378), mit Liegefiguren
  • 6) Barocksarkophag mit Obeliskaufbau und Porträtmedaillon von Balthasar Ferdinand Moll (1743) für Erzbischof Johann Joseph Graf Trautson († 1757)
  • 7) Renaissancegrabmal mit Bildnisbüste von Loy Hering (vor 1519) für Bischof Georg Slatkonia († 1522) und
  • 8) Grabmal mit Porträtmedaillon in der Art des Giuliano Finelli für Bischof Melchior Khlesl († 1630; Gegenreformation, Klosteroffensive) sowie bedeutende gotische Pfeilerfiguren (darunter eine Schutzmantelmadonna).
  • 9) im rechten Seitenschiff des Chors (Apostelchor) Hochgrab Friedrichs III.: rotmarmorner Sarkophag (1467-1513) nach einem Gesamtentwurf von Gerhaert Niclas van Leyden, auf der Grabplatte Liegefigur des Kaisers, mit reichem figuralem Schmuck (Statuetten, Reliefs, Wappenfries), in der Nähe sogenannte Dienstbotenmadonna (gotisch gefasste Steinstatue der Muttergottes, um 1320).
  • 10) Kruzifixus von Josef Troyer (zweite Hälfte 20. Jahrhundert), unter Verwendung der Reste des Lettnerkreuzes (nach dem Brand von 1945); beiderseits je drei Passionsreliefs
  • 11.) Katharinenkapelle (Südturm): geweiht 1396, eine architektonische Kostbarkeit von höchster Qualität; aus Achteck entwickelter Zentralraum mit Apsis, Sterngewölbe mit bemerkenswertem Schlussstein (Halbfigur der heiligen Katharina mit Schwert und Rad), neugotischer Schnitzaltar (1875) mit hochgotischen Holzstatue der heiligen Katharina (um 1420), davor Marmortaufstein (1481) mit Reliefs am Becken, Evangelistenstatuen am Sockel und reichgeschnitztem 4 Meter hohem Holzdeckel (früher Schalldeckel der Kanzel); rechts vom Eingang Grabstein für Bischof Anton Wolfrath († 1639) mit Bildnisbüste.
  • 12) Barbarakapelle (Nordturm): vollendet 1467, geweiht 1492 (nicht zugänglich).
  • 13) spätgotische Kanzel von Anton Pilgram (um 1500): bedeutendstes Kunstwerk des Langhauses, aus sieben Sandsteinblöcken gearbeitet, am Kanzelfuß Selbstporträt des Künstlers (sogenannter Fenstergucker), durchbrochener Steinaufbau mit Statuetten (an der Brüstung die Kirchenlehrer Augustinus, Gregor der Große, Hieronymus und Ambrosius), Stiegenaufgang mit kriechenden Kröten und Eidechsen (Symbole des Bösen), die von einem Hund (Symbol des Guten) am Vordringen gehindert werden.
  • 14) Barocker Katharinenaltar (1701), bekrönende Giebelfigur "Heilige Dorothea".
  • 15) Barocker Marienaltar (1699), silbergerahmtes Votivbild nach Stich von Martin Schongauer (1490).
  • 16) Barocker Josefsaltar (1700) mit Altarbild von Anton Schoonjans, im Aufsatz "Verkündigung Mariens".
  • 17) Barocker Januariusaltar (1711) mit einem Martino Altomonte zugeschriebenen Altarbild des Heiligen Januarius (Januariuskapelle).
  • 18) Barocker Johannesaltar mit Altarbild "Heilige Sippe" von Johann Michael Rottmayr (1708), zur Seite die Ordensheiligen Franz von Assisi und Antonius von Padua, im Marmoraufsatz Immaculata.
  • 19) Kreuzkapelle (Tirnakapelle, Prinz-Eugen-von-Savoyen-Gruft) mit Wandfresko "Golgatha" von Johann Ender (1853), davor Kruzifixus mit Bart aus echtem Haar (zweites Drittel des 15. Jahrhunderts), Grabmal des Prinzen Eugen (1663-1736), ein Marmorobelisk mit Bronzeskulpturen und Relief einer Türkenschlacht (1754). Neben dem schmiedeeisernen Tor zur Kapelle (mit Wappen Savoyen-Liechtenstein, 1736) Grabmal des Humanisten Johannes Cuspinian und seiner beiden Gattinnen (nach 1529). In der Kapelle befinden sich auch das "Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Geistlichen" (links) und das "Denkmal für die Priester, Kleriker und Laienbrüder, die Opfer der beiden Weltkriege wurden" (rechts).
  • 20) Durchbrochener Altarbaldachin (vermutlich von Hans Prachatitz, gestiftet 1434), der den Herz-Jesu-Altar umschließt; Grabstein des Bürgermeisters Hanns Übermann († 1570) mit Relief "Auferstehung Christi"
  • 21) Franz-von-Assisi-Altar (1715) mit Altarbild von Johann Michael Rottmayr
  • 22) Franz-Xaver-Altar (farbigen Marmoraltar für den Jesuitenmissionar) mit Relief "Krönung Mariens" (1690), links Renaissance-Epitaph für Bischof Johannes Fabri († 1541).
  • 23) Orgelfuß mit Bildnisbüste Anton Pilgrams (Selbstporträt), darunter gemalte Inschrift mit Pilgrams Monogramm und Jahreszahl (1513)
  • 24) Peter-und-Paul-Altar (ältester Barockaltar und einziger aus Holz (merkwürdigerweise von der Maurer- und Steinmetzzunft gestiftet) mit Altarbild "Petrus und Paulus" von Tobias Pock (1677)
  • 25) Altarbaldachin von Hans Puchsbaum (1448), der den Leopoldsaltar umschließt; darüber barocke Orgeltribüne aus Holz; unterhalb des Baldachins Vertiefung im Stein (durch einen Gewehrschuss) und Datum "6. Oktober 1848" (Schusswechsel zwischen verfeindeten Gruppen von Nationalgardisten im Dom)
  • 26) Barocker Dreifaltigkeitsaltar (1751) mit Altarbild von Michelangelo Unterberger (Anlehnung an Entwurf von Paul Troger); jüngster Barockaltar des Doms (rokokoartig zarter Aufbau, vier Engelfiguren aus der Werkstätte von Georg Raphael Donner; daneben Barockgestühl für Magistratspersonen ("Kleines Ratsherrengestühl" mit Oratorium und Bürgermeisterloge) von Jakob Pock (1643-45)
  • 27) Barocker Sebastianaltar (Altarbild 1710), daneben Grabsteine (16./17. Jahrhundert)
  • 28) Altarbaldachin aus Stein (1510/1515), vielleicht von Jörg Oexl, recht romanische Halbsäule (vom alten Dom)
  • 29) Herzogkapelle (Eligiuskapelle) mit spätgotisch geschnitztem Flügelaltar (1507), im Mittelschrein Holzstatuen, auf den Flügeln Tafelbilder (dem augsburger Kunstkreis nahestehend), rechts Steinstatue der "Hausmuttergottes" (Mitte 14. Jahrhundert) aus dem Himmelpfortkloster, unter den Baldachinstatuen bemerkenswerte "Maria mit Kind"
  • 30) Westempore, darauf ehemalige Orgel (1960), die 1991 durch eine neue Orgel ersetzt wurde (Friedrichsschiff). Unter der Orgelempore Epitaph für Konrad Celtes. Die elektrische Beleuchtung wurde im Dom 1906 installiert


Rundgang um den Dom (beginnend beim Bischofstor im Uhrzeigersinn)

1., Stephansplatz: Teilansicht des Stephansdoms, um 1941
1., Stephansplatz: Teilansicht des Stephansdoms, um 1941

Ölbergrelief (um 1440); Schmerzensmann (ähnlich dem Zahnwehherrgott); Grabstein des Arztes Mathias Cornax († 1564); Renaissance-Epitaph für den Humanisten Konrad Celtes († 1508; Kopie des Originals im Innern des Doms); Epitaph mit Sandsteinrelief "Jüngstes Gericht" (um 1520); Totenkapelle (1752), in der Wolfgang Amadeus Mozart am 6. Dezember 1791 eingesegnet wurde (Gedenktafel) mit Porträtrelief, gewidmet vom Wiener Schubertbund, 1931); Capistran-Kanzel (um 1430) mit barockem Aufsatz ("Der Heilige mit Fahne über gestürztem Türken") nach einem Entwurf von François Roëttiers (Ausführung von Johann Josef Rösler, 1738) zur Erinnerung an die Predigten Johannes von Capistrans; Nische des zerstörten Gutstocker- Epitaphs (1523; Fragmente im Dom- und Diözesanmus.); Armeseelennische mit Kopie des "Zahnwehherrgotts" (1826) und drei Passionsreliefs (vermutlich Anfang des 15. Jahrhunderts); sechs spätgotische Passionsfresken (um 1500); Lackner-Epitaph mit Ölbergmotiv (Sandsteinrelief mit spätgotische Umrahmung) und Grabsteine der Ratsbürgerfamilie Lackner; Lichtsäule (1502); Sträub-Epitaph (Renaissancegrabrelief, umgeben von sieben Reliefmedaillons der Schmerzen Mariens, um 1520); Epitaphe für die Dombaummeister Friedrich Schmidt (Ostseite) und Leopold Ernst (Westseite des Südturms) mit Bildnisbüsten von Carl Kundmann (1894); zwischen diesen beiden Epitaphen wurde nach dessen Tod eine Gedenktafel zur Erinnerung an Hauptmann Gerhard Klinkicht, den Retter des Stephansdoms 1945, angebracht; Statue des Schmerzensmannes (rechts vom Singertor; um 1435); Grabtumba des Neidhart Fuchs; Lichtsäule (spätgotischen Totenleuchte; Kopie); eingeritztes "O 5" (Abkürzung der österreichischen Widerstandsbewegung) rechts neben dem Riesentor.


Siehe auch


Literatur

  • Rudolf Bachleitner / Peter Kodera: Der Wiener Dom. Wien: Wiener Domverlag 1966
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 28 ff.
  • Johann Josef Böker: Der Wiener Stephansdom. Architektur als Sinnbild für das Haus Österreich. Salzburg: Pustet 2007
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 173 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 159 ff.
  • Richard Kurt Donin: Der Wiener Stephansdom und seine Geschichte. Wien: A. Schroll 1952*dsbe.: Bauherren und Baumeister der Wiener Stephanskirche. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 3 (1948), Nummer 1; S. 11 ff.
  • Rupert Feuchtmüller: Der Wiener Stephansdom. Wien: Wiener Domverlag 1978
  • Viktor Flieder: Die Hirschgeweihe von St. Stephan in Wien: In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde NS. 20 (1966), 2611 ff.
  • Viktor Friedl / Franz Loidl: Stephansdom - Zerstörung und Wiederaufbau. Chronik und Dokumentation. Wien: Domverlag 1967
  • Gotik in Österreich (Ausstellung 19. Mai bis 15. Oktober 1967, Minoritenkirche Krems-Stein, Niederösterreich). Krems: Stadt Krems/Kulturverwaltung 1967, S. 406 ff.
  • Gustav Gugitz: Sagen und Legenden. Wien: Hollinek 1952, S. 26 f., 43, 56 ff., 68, 71 f., 102, 105 ff., 149 f.
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955, S. 1, 38 ff., 43
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 189 ff.
  • Franz Hubmann / Rupert Feuchtmüller: St. Stephan in Wien. Der Dom lebt. Wien: Wiener Dom-Verlag, 1996
  • Alois Kieslinger: Die Steine von St. Stephan. Wien: Herold 1949
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: Jugend & Volk 1958, S. 289 ff.
  • Alphons Lhotsky: Wiens spätmittelalterliches Landesmuseum: Der Dom zu St. Stephan. In: dsbe.: Aufsätze und Vorträge 4. Wien: Verlag für Geschichte und Politik 1974, S. 55 ff.
  • Karl Oettinger: Anton Pilgram und die Bildhauer von St. Stephan. Wien: Herold 1950. dsbe.: Das Taufwerk von St. Stephan zu Wien. Wien: Bergland 1949
  • Johann Offenberger: Bauarchäologische Untersuchungen im Bereich der Westanlage von St. Stephan in Wien. In: Friedrich Dahm (Hg.): Das Riesentor. Archäologie, Bau- und Kunstgeschichte, Naturwissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2008 (Veröffentlichungen der Kommission für Kunstgeschichte 8), S. 31-48
  • Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien. Zeitgenossen berichten. 1995, S. 18
  • Ferdinand Opll: Herrschaft und Planung - Aspekte der Stadtentstehung in Österreich. Überlegungen zu Wien und Wiener Neustadt. In: Pro civitate Austriae NF 13 (2008), S. 18-36
  • Richard Perger: Die Baumeister des Wiener Stephansdomes im Spätmittelatler. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 23 (1970), S. 66 ff.
  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 45 ff.
  • Romanische Kunst in Österreich. (Ausstellung 21. Mai bis 25. Oktober 1964; Minoritenkirche Krems-Stein, Niederösterreich). Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1964, S. 261 ff.
  • Barbara Schedl: Der beschwerliche Weg zum Dom. Die Baugeschichte von St. Stephan. In: Michaela Kronberger / Barbara Schedl (Hg.): Der Dombau von St. Stephan. Die Originalpläne aus dem Mittelalter. Wien: Metroverlag 2011, S. 28-35
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 42 ff.
  • Hans Tietze: Geschichte und Beschreibung des Stephansdomes in Wien. In: Österreichische Kunsttopographie. Hg. vom Bundesdenkmalamt. Horn: Berger 23 (1931)
  • Anseim Weißenhofer: Das Hochaltarbild der Stephanskirche in Wien. In: Kirchenkunst. Österreichische Zeitschrift für Pflege religiöser Kunst. Baden: Rohrer / Wien: Krystall-Verlag, Wolfrum 2 (1930)
  • Wien im Mittelalter. Tino Erben [Gestaltung]. Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1975 (Sonderausstellung des Historischen Museums derStadt Wien; 41), S. 98 ff.
  • Karl Uhlirz: Die Rechnungen des Kirchmeisteramtes von St. Stephan zu Wien. zwei Bände, S. 1901 f.
  • Unser Stephansdom. Wien: Verein zur Erhaltung des Stephansdoms 27 (1996)
  • Rolf M. Urrisk-Obertyński: Wien - 2000 Jahre Garnisonsstadt, Band 3 Innere Stadt, Weishaupt-Verlag, Graz 2012, S. 309 ff.
  • Josef Zykan: Zur Baugeschichte des Stephansturmes. In: Mitteilungen der Gesellschaft für vergleichende Kunstforschung in Wien. Wien: Gesellschaft für vergleichende Kunstforschung 8 (1955), S. 57 f.
  • Marlene Zykan: Der Stephansdom. Wien: Zsolnay 1981
  • Marlene Zykan: Zur Baugeschichte des Hochturmes von St. Stephan: In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 23 (1970), S. 28 ff.
  • Marlene Zykan: Der Westbau von St. Stephan. Zur Forschungslage und k. Problematik. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege. Hg. vom Österreichischen Bundesdenkmalamt. Horn/Wien: Berger / Wien/München: Schroll 44 (1990), S. 47 ff.