Stadtanwalt

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Datum von
Datum bis
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  2.11.2017 durch DYN\michael hoefel
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF

Ein vom Landesfürsten ernannter Funktionär, der (ohne Wahl oder Wahlvorschlag) in dessen Namen den Sitzungen des Stadtrats beiwohnte und die Aufgabe hatte, Beschlüsse, die gegen die Interessen des Landesfürsten gerichtet waren, zu verhindern und allgemein eine Kontrollfunktion über den Rat auszuüben; so überwachte er etwa die Vorgänge bei den Beratungen und die Frequenz der Ratssitzungen. Der Stadtanwalt, dessen Funktion als Ehrenamt zu betrachten ist (der jedoch aus dem städtischen Budget eine Remuneration erhielt), kam meistens aus dem Kreis der Landadeligen und war nur selten ein Wiener Bürger. Das Amt bestand bis zur josephinischen Magistratsreform (1783). Ein 1362 urkundlich belegter "anwalt an derstat" bezieht sich auf einen Münzanwalt; ob es sich bei dem Beleg, nach welchem der Herzog 1383 zur Kontrolle der Bürger zwei Ritter in den Rat entsandte, bereits um einen Vorläufer des Stadtanwalts handelte, muss offen bleiben. Die erste gesicherte Nennung eines Stadtanwalts fällt erst in das Jahr 1397 (Jörg Flemming; † 25. April 1404); es besteht die Möglichkeit eines Zusammenhangs mit dem Ratswahlprivileg (1396). Während der Zeit der ungarischen Herrschaft (1485-1490) erfuhr das Amt eine Aufwertung.


Liste der Stadtanwälte

Bis 1783 war das Amt nicht mehr besetzt.


Literatur

  • Otto Brunner: Zur Verfassungsgeschichte Wiens im späteren Mittelalter. In: Monatsblatt des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1919-1938. Band 9,1927, S. 199
  • Peter Csendes: Die bisher früheste namentliche Nennung eines Wiener Stadtanwalts. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1946 - lfd. Band 26,1971), S. 245 f.
  • Leopold Fischer: Brevis notitia urbis Vindobonae. Potissimum veteris. Ex variis documentis collecta 2. Vindobonae: Jahn 1768, S. 141 ff.
  • Helmuth Größing: Die Wiener Stadtanwälte im Spätmittelalter. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1939-1989. Band 26,1970, S. 36 ff.
  • Richard Perger: Die Wiener Ratsbürger 1396–1526. Wien: Deuticke 1988 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 18), S. 22
  • Leopold Sailer: Die Wiener Ratsbürger des 14. Jahrhunderts. Wien: Deutscher Verl. f. Jugend u. Volk 1931 (Studien aus dem Archiv der Stadt Wien, 3/4), S. 25
  • Gerlinde Sanford: Wörterbuch von Berufsbezeichnungen aus dem siebzehnten Jahrhundert. Gesammelt aus den Wiener Totenprotokollen der Jahre 1648-1668 und einigen weiteren Quellen. Bern / Frankfurt am Main: Lang 1975 (Europäische Hochschulschriften. Reihe 1: Deutsche Sprache und Literatur, 136), S. 4
  • Wiener Stadt-und Landesarchiv: Handschrift B 85