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Städtische Wohnbauprogramme

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Städtische Wohnhausanlage Stromstraße-Jägerstraße-Leipziger-Straße (1960)
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift]]  Städtische Wohnhausanlage Stromstraße-Jägerstraße-Leipziger-Straße (1960)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 60170/8
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Erste Republik

Als die Sozialdemokraten bei den Gemeinderatswahlen vom 4. Mai 1919 die absolute Mehrheit erlangten, begannen sie (im Sinne ihrer Kommunalprogramme aus der Oppositionszeit) mit dem Bau subventionierter städtischer Wohnhäuser, um (bei gleichzeitiger Bekämpfung der herrschenden Wohnungsnot) den ärmeren Bevölkerungsschichten Wohnungen mit einem Mindeststandard an Größe und Ausstattung zu erschwinglichen Mieten zur Verfügung zu stellen.

Erst am 20. Jänner 1923 wurde diese Bautätigkeit (nachdem anfangs Mittel aus Anleihen Verwendung gefunden hatten) durch Einhebung einer zweckgebundenen Wohnbausteuer auf eine neue finanzielle Basis gestellt. Noch im selben Jahr wurde vom Gemeinderat am 21. September ein städtisches Wohnbauprogramm (Bau von 25.000 Wohnungen) beschlossen und so zügig realisiert, dass am 29. Oktober 1926 (zugleich im Sinn einer produktiven Arbeitsmarktförderung) ein Zusatzprogramm von 5.000 Wohnungen beschlossen werden konnte. Diesem folgte am 27. Mai 1927 ein zweites städtisches Wohnbauprogramm (30.000 Wohnungen).

Bis Anfang 1934 konnten über 63.000 Wohnungen fertiggestellt werden.

Ständestaat

Nachdem die Wohnbausteuer aufgehoben und teilweise durch andere (allerdings nicht zweckgebundene) Steuern (Mietaufwandsteuer, Hausgroschenabgabe) ersetzt worden war, die ähnliche Erträgnisse brachten, kam es auch zu einer grundlegenden Änderung der Wohnbautätigkeit; der städtische Wohnbau sozialdemokratischer Prägung wurde eingestellt und durch den Bau von Familienasylen beziehungsweise die Schaffung von privaten Fonds zur Stadterneuerung (Assanierungsfonds, Hausreparaturfonds) ersetzt.

Zweite Republik

Die städtische Wohnbautätigkeit wurde zwar wieder aufgenommen, wird jedoch seit den 50er Jahren durch (geförderte) Eigentums- und Genossenschaftswohnanlagen beziehungsweise städtische Wohnanlagen mit erhöhten (gegebenenfalls jedoch im Sinn der Familienförderung gestützten) Mieten ergänzt. Die Zahl der Neubauwohnungen wurde nicht mehr in der Form sich über mehrere Jahre (Legislaturperioden) erstreckenden Wohnbauprogrammen festgelegt, sondern jährlich im Gemeindebudget, wobei im Lauf der Zeit die Schwerpunkte (Sozialwohnungen, Förderung von Eigentums- und Genossenschaftswohnungen, Miet- beziehungsweise Zinsenzuschüsse) wechselten.

Bis in die 60er Jahre dauerte es, bis der Nachholbedarf gedeckt war (1956: 50.000. Wohnungen nach Kriegsende); ab den 60er Jahren kamen neue technische Methoden zur Anwendung (Fertigteilbau, Umstellung des Wohnbaus auf Serienproduktion; 1960 Gründung der Montagebau GmbH; 1964 Vollendung der ersten Wohnhausanlage aus Fertigteilen in Kagran); die parallelen Baublöcke standen nun in rechtem Winkel zur Straße, die Grünräume öffneten sich zu dieser; der Siedlungsbau wurde durch den sogenannten Rainer-Plan nach rationellen Gesichtspunkten ausgerichtet.

Ab Mitte der 60er Jahre entstanden Großanlagen am Stadtrand (ab 1966 Per-Albin-Hansson-Siedlung, ab 1968 Großfeldsiedlung).

Für 1978-1982 wurde wieder ein Wohnbauprogramm beschlossen (35.000 Wohnungen). 1980 begannen Instandsetzungsprogramme für ältere städtiche Wohnhausanlagen.

Im Oktober 1959 wurde die 100.000. städtische Wohnung (11, Mitterweg) nach Kriegsende übergeben, am 2. Oktober 1981 die 200.000. städtische Wohnung (16, Sulmgasse 2) seit Beginn des kommunalen Wohnbaus.[1]

Literatur

  • Hannelore Bandel [Red.]: 60 Jahre Kommunaler Wohnbau. Wien: Compress 1983 (Literaturverzeichnis)
  • Hans Hautmann / Rudolf Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien: Schönbrunn-Verlag 1980
  • Helmut Weihsmann: Das Rote Wien. Sozialdemokratische Architektur und Kommunalpolitik 1919-1934. Wien: Promedia 1985
  • Maren Seliger: Sozialdemokratie und Kommunalpolitik in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1980 (Wiener Schriften, 49)
  • Felix Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik der Gemeinde Wien in der ersten Republik (1919-1934). Band 2. Wien [u.a.]: Wien: Verl. f. Jugend u. Volk 1959 (Wiener Schriften, 11)
  • 50 Jahre sozialer Wohnhausbau. In: Stadt Wien Sondernr. Juni (1971), S. 20 ff.
  • Wiener Stadtbauamt [Hg.]: Die Tätigkeit des Wiener Stadtbauamtes und der Städtischen Unternehmungen technischer Richtung in der Zeit von 1935 bis 1965. Ein Bericht in zwei Bänden. Band 2. Wien: Stadtbauamt 1974, S. 5 ff.
  • Wiener Stadtbauamt 1965-1985. Dokumentation. Hg. von der MD-Stadtbaudirektion. Wien: Compress-Verl. 1988
  • Kurt Stimmer [Hg.]: Die Arbeiter von Wien. Ein sozialdemokratischer Stadtführer. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1988, S. 234 ff.
  • Ursula Schwarz: Die Benennung der Wiener Gemeindebauten von 1919-1945. Dipl.-Arb., Univ. Wien. Wien 1992
  • Manuela Tischler: Der kommunale Wohnbau in Wien 1919-1934. Alternative Modelle des Familienlebens? Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1992
  • Wiener Zeitung, 23.01.2015, S. 12

Einzelnachweise

  1. |Bericht der Rathauskorrespondenz vom 2. Oktober 1981 über die Übergabe der 200.000. Gemeindewohnung durch Bürgermeister Leopold Gratz.