Spital zu St. Marx

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Spital zu St. Marx 1801 (Ausschnitt aus dem Titelbatt eines Verzeichnisses von Spenden an das Spital zu St. Marx).
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1270
Jahr bis
Andere Bezeichnung Bürgerspital St. Marx, Spital St. Marx
Frühere Bezeichnung Spital zu St. Lazar
Benannt nach Hl. Markus
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  28.01.2017 durch DYN\krabina
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Bildname BSF_Gutthaeter_Titelblatt_StMarx.jpg
Bildunterschrift  Spital zu St. Marx 1801 (Ausschnitt aus dem Titelbatt eines Verzeichnisses von Spenden an das Spital zu St. Marx).
Bildquelle WStLA, Bürgerspitalfonds, B1/1
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
LandstraßeLandstraßer Hauptstraße173-175
LandstraßeRennweg95
LandstraßeViehmarktgasse2
LandstraßeDr.-Bohr-Gasse2-8

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Derzeit wurden noch keine Konskriptionsnummer zu diesem Bauwerk erfasst!
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Spital zu St. Marx (St. Marxer Bürgerspital [Landstraße 572]; 3, Landstraßer Hauptstraße 173-175, Rennweg 95, Viehmarktgasse 2, Dr.-Bohr-Gasse 2-8). Das ursprüngliche Spital (erstmals erwähnt 1270) war bis zum 14. Jahrhundert dem Heiligen Lazarus geweiht. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts erscheint es als Siechenhaus (das heißt Infektionskrankenhaus). Die darin befindliche Kapelle war 1267 dem Heiligen Lazarus, um 1370 dem Heiligen Markus (St. Marx) geweiht. Vogt des Siechenhauses war der landesfürstliche Amtmann aus der Scheffstraße, die Kapelle wurde durch den Kaplan des Himmelpfortklosters betreut und unterstand dem Wiener Pfarrer (1267 Gerhard von Siebenbürgen). 1376 wird die Anstalt erstmals als „Haus zu St. Marx, das man zu St. Lazar nennt" bezeichnet (letztmals 1429).

1440 wurde die Kapelle zu einer Kirche erweitert, die 1529 samt der Spitalsanlage verwüstet, bald darauf aber mit Hilfe frommer Stiftungen wieder aufgebaut wurde. Die rasche Wiederherstellung (1540 mit Kranken belegt) wurde erforderlich, weil die Unterbringung der Kranken im provisorischen verwendeten Clarissenkloster in der Stadt die Ansteckungsgefahr erhöhte. 1545 wurde eine Taverne eröffnet. 1547 berichtet Wolfgang Schmeltzl von 190 Patienten. 1562 wurde im Spitalhof nach Plänen von Hans Frankh eine neue gotische Kirche errichtet, die wieder dem Heiligen Markus geweiht wurde. 1586 erhielt das Anstaltsgebäude durch den Ratsherrn Sebastian Wilfinger einen neuen Seitentrakt. Als 1683 Haus und Wirtschaft zerstört, die Felder verwüstet und das Vieh weggetrieben worden waren, konnte sich das Spital nicht mehr erholen. Daher wurde es 1706 auf Befehl der Regierung dem Bürgerspital einverleibt, das das Spital sogleich vergrößerte und neue Abteilungen einrichtete. 1754 bis 1776 diente es auch als medizinische Schule der Universität. 1784 übersiedelten im Zuge der jesephinischen Neuordnung des Wohlfahrtswesens sämtliche Kranke aus St. Marx in das neue Allgemeine Spital in der Alservorstadt (Allgemeines Krankenhaus), wogegen 1785 die armen gebrechlichen Bürger aus dem Bürgerspital am Schweinemarkt nach St. Marx transferiert wurden.

Innenhof des Spitals St. Marx (1820).

Von diesem Zeitpunkt an war St. Marx das Versorgungshaus für Wiener Bürger und blieb es bis 1861, in welchem Jahr die Insassen in das neu erbaute Bürgerversorgungshaus (9, Währinger Straße 45) übersiedelten. Die Bürgerspitalkirche war bereits 1857 demoliert worden. Der berühmteste Bewohner des Versorgungshauses war der Erfinder der Nähmaschine, Josef Madersperger, der hier am 2. Oktober 1850 starb.

Das Areal von St. Marx erwarb der Bierbrauer Adolf Ignaz Mautner, der schon früher die Spitalsbrauerei gepachtet hatte. Ab dieser Zeit erfolgte die Umgestaltung der Realität in ein Brauhaus, das sich zu einer der größten Bierbrauereien Österreichs entwickelte. Die Brauerei St. Marx wurde im Zuge der Zentralisierung der Biererzeugung in Schwechat aufgelassen. Die Reste des Bürgerspitals wurden 1945 zerstört und später durch Neubauten ersetzt. Das Bürgerspitalwirtshaus „Zum Heiligen Markus" (Konskriptionsnummer 573; 3, Rennweg 95, Dr.-Bohr-Gasse 10) gehört heute zur Wohnhausanlage.

Quellen

Literatur

  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 261 ff.
  • Lorenz Novag: Das Bürgerspital und das Versorgungs-Haus zu St. Marx in Wien. 1820
  • Friedrich Karl Freiherr von Rokitansky: Die Wahrheit über St. Marx. 1935
  • Die Landstraße in alter und neuer Zeit. Ein Heimatbuch. Hg. von Landstraßer Lehrern. Wien: Gerlach & Wiedling 1921, S. 199, S. 246, S. 257
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1888]). Cosenza: Brenner 1967, Band 2, S. 526
  • Karl Weiß: Geschichte der öffentlichen Anstalt für die Armenversorgung in Wien. 1867, S. I8 f., S. 91 ff., S. 248, S. 250
  • Michael Altmann, Josef Holzinger: Das Wiener Bürgerspital. 1860, S. 66 ff.
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 136 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 4: Profane Topographie nach den 21 Bezirken (2.-21. Bezirk). Wien: Jugend & Volk 1958, S. 58 f.
  • Renata Kassal-Mikula [Hg.], Steinerne Zeugen. Relikte aus dem alten Wien. Wien: Eigenverlag 2008 (Katalog zur Sonderausstellung des Wien Museums, 346), Seite 216 - 223