Spanische Reitschule

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Spanische Hofreitschule (1968)
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1565
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Spanische Hofreitschule, Spanischen Reithstall
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Bildname Spanische Hofreitschule.jpg
Bildunterschrift  Spanische Hofreitschule (1968)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 6831/6
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Michaelerplatz1

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Spanische Reitschule (1, Stallburg; ursprünglich Spananische Hofreitschule).

Institution

Älteste Reitschule der Welt, hervorgegangen aus dem bereits 1565 bekannten "Spanischen Reithstall" (nur Pferde spanischer Abstammung; Abkömmlinge von Araber-und Berberpferden). Die Hauptaufgabe der Spanischen Reitschule bestand ebenso wie die aller anderen um diese Zeit an den europäischen Fürstenhöfen entstandenen Reitschulen (Begründer der Ersten Reitakademie im Sinn einer Kavalierschule 1532 in Neapel) neben der Pflege der wiederentdeckten klassischen Reitkunst ("Hohe Schule"; bereits am Parthenonfries der Akropolis in Athen Darstellungen der Piaffe, Passage und Levade) in der Erziehung der adeligen Jugend, künftigen Diplomaten und Feldherrn. Die Schule unterstand über den Oberststallmeister direkt dem Kaiser. Die jeweiligen Ersten Oberbereiter rührten die internen Angelegenheiten und waren dem Oberststallmeister für die Ausbildung von Reiter und Pferd verantwortlich.

Lipizzaner

Mit der Gründung des Gestüts in Lipizza durch Karl von Innerösterreich (1580) kam es zu einer entscheidenden Wende. Wahrscheinlich bereits zu dieser Zeit wurden Lipizzaner verwendet, die Abkommen der ursprünglich spanische Pferde waren. In Österreich war mit der Einführung spanischer Pferde für die Zucht bereits um 1562 begonnen worden.

Die Lipizzaner sind 155-167 cm hoch; die Vollreife wird erst mit dem 7./8. Lebensjahr erreicht. Ursprünglich vielfarbig, hat man später nur weiße Pferde für die Zucht verwendet. Die schönsten Hengste wurden in Wien zugeritten.

Prinz Eugen sitzt auf dem Heldenplatz auf einem Lipizzaner, ebenso die Feldherren, die das Denkmal von Maria Theresia umgeben. "Die prachtvolle Levade, die des Prinzen Hengst macht, hat nicht nur seine ästhetische, sondern auch praktische Begründung. Die hohe Schule ist nämlich früher in Neapel als Kriegskunst betrieben worden. Ein Ross in der Levade hatte seinen Reiter vor den Kugeln des Feindes mit seinem eigenen Leib zu decken und mit der Kapriole gegen die Verfolger auszuschlagen. So waren damals die Rosse tapfere Mitkämpfer, bis nachher die Schulreiterei zur Kunst geworden ist und zur besten Methode, Pferd und Reiter zu erziehen."[1]

In der Literatur tritt ein Lipizzanerhengst als Titelfigur in Arthur-Heinz Lehmanns "Hengst Maestoso Austria" in Erscheinung (1939). Das Buch wurde 1956 unter gleichem Titel verfilmt.

Vorführungen

Bei den Vorführungen wirkten immer wieder Mitglieder des Kaiserhauses mit (so führte Maria Theresia 1743 die Quadrille im Damenkarussell an). Das letzte Karussell fand 1894 statt, wobei erstmals auch bürgerliche Offiziere und Angehörige der Spanischen Reitschule mitwirkten. Danach blieb die Schule ausschließlich der Ausbildung von Pferd und Reiter in der Hohen Schule und ihren Vorführungen vorbehalten. Die tägliche Morgenarbeit war an bestimmten Tagen für jedermann gegen eine geringe Eintrittsgebühr zugänglich, die festlichen Vorführungen waren jedoch bis 1918 den Gästen des Kaisers vorbehalten. 1916 wurde das Gestüt von Lipizza nach Laxenburg verlegt (später nach Piber). In der Republik fand unter dem Ersten Oberbereiter Maurizius Herold am 5. Mai 1920 eine Erste Vorführung der Spanischen Reitschule zugunsten der Tuberkulosefürsorge statt. Regelmäßige Vorführungen begannen im September und Oktober 1920. Unter Rudolf Graf van der Straten (später Direktor der Spanischen Reitschule) kam es zu Gastspielreisen (Berlin 1925, Aachen und London 1927 und Wien).

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

1938 wurde die Spanische Reitschule der deutschen Wehrmacht eingegliedert. Das Gestüt unterstand dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Am 1. Juni 1939 übernahm Major Alois Podhajsky die Leitung der nunmehrigen "Spanischen Hofreitschule". Während des Kriegs wurde das Gestüt von Piber nach Hostau (ehemalige Tschechische Republik) verlegt. Die Lipizzanerherde, die bereits am 28. April 1945 von den amerikanischne Truppen von Hostau in den Westen transportiert worden war, wurde später nach Bad Wimsbach bei Lamberg (Oberösterreich) gebracht, während die Schule 1946-1955 in einer ehemaligen Dragonerkaserne in Wels untergebracht wurde (in dieser Zeit regelmäßig Gastspielreisen). Am 7. Mai 1945 bat Podhajsky mit einer Vorführung vor United States-General Patton in St. Martin um den Schutz der Schule und die Rettung des Gestüts. Erstmals wurden nun auch ausländische und weibliche Gastschüler aufgenommen. Nach Abschluss des Staatsvertrags kehrte die Schule am 11. Oktober 1955 in die Hofburg zurück und gab am 26. Oktober vor der Bundesreggasse ihr Debüt.

Gebäude

  • Der 1572 und 1565 genannte langgestreckte Reitsaal lag wahrscheinlich stadtwärts beim Wall (etwa beim heutigen Burggarten).
  • Das heutige Gebäude ist Teil der Hofburg.

1681 begann man mit der Errichtung eines neuen Gebäudes gemeinsam für Reitschule und Hofbibliothek, doch wurde der dem Augustinerkloster zugewandte Teil des Reitschulgebäudes durch die Zweite Türkenbelagerung (1683) schwer beschädigt. Erst 1723 begann man nach einem anderen Plan, aber unter Verwendung der bestehenden Hauptmauern, erneut mit dem Bau (1726 Fertigstellung der Nationalbibliothek auf dem Josefsplatz). Die ursprünglich beabsichtigte Symbiose beider Institute war damit gescheitert. 1729-35 wurde unter Karl VI. von Joseph Emanuel Fischer von Erlach schließlich die Winterreitschule erbaut.

Literatur

  • Briefmarkenabhandlung der Postdirektion anläßlich des Erscheinens von österreichischen Briefmarken 30.08.1972
  • Hans Händler, Erich Lessing: Die Spanische Hofreitschule zu Wien (1972)
  • Arthur-Heinz Lehmann: Hengst Maestoso Austria (1939)
  • Arthur-Heinz Lehmann und Franz Ackerl: Die edlen Lipizzaner und die Spanische Reitschule. Weimar 1939
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 2. Teil. Wien ²1957 (Manuskript im WStLA), S. 334-338
  • Ann Tizia Leitich, Alois Podhajsky: Die Spanische Reitschule in Wien (1956)

Film

  • Hermann Kugelstadt: Hengst Maestoso Austria (1956)

Einzelnachweise

  1. Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 2. Teil. Wien ²1957 (Manuskript im WStLA), S. 338