Spanier

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Spanier. Kontakte zwischen dem Österreichischen Raum und Spanien lassen sich bereits im 13. Jahrhundert nachweisen (Teilnahme Leopolds VI. an Kämpfen gegen die Mauren 1212 bei Navas de Tolosa; Jakobskult, ausgehend von Santiago de Compostela [1236 Frauenstift Sankt Jakob auf der Hülben Jakobskirche ]). Anfang des 14. Jahrhunderts kam es zu einer allmählichen Annäherung der beiden Reiche: am 13. Jänner 1314 heiratete Friedrich der Schöne in Judenburg die Tochter König Jaymes II., Isabella (Elisabeth; † 1330 [Ludwigskapelle im Minoritenkloster). Aus der Epoche Albrechts II. gibt es den Reisebericht des kastilianischen Ritters (Hidalgo) Pero Tafur, der als Gesandter König Juans II. 1438 an den Hof des Habsburgers nach Breslau und später nach Wien kam. Der Grundstein für die österreichisch-spanische Casa de Austria wurde 1496 durch die Doppelhochzeit Philipps des Schönen und seiner Schwester Margarete mit Johanna und deren Bruder Juan von Kastilien-Aragon und Granada gelegt. Im Zuge der 1522 begründeten Herrschaft des spanischen Infanten Ferdinand I. in Österreich kam es zu einer dauerhaften, jedoch niemals sehr großen Komponente der höfischen, weniger der bürgerlichen Gesellschaft Wiens. Persönlichkeiten wie Gabriel Salamanca, Diego de Serava und Cristóbal de Castillejo sind ebenso zu nennen wie die bis heute in Österreich ansässige Familie Hoyos, die so wie andere spanische Familien Grundbesitz in Wien erwarb. Eine größere Anzahl von Spaniern lässt sich auch unter den Verteidigern Wiens 1529 nachweisen. In besonderer Weise entfaltete sich das spanische Element in Wien bei Einzügen des Herrschers (beispielsweise 1552 Maximilian II. mit seiner spanischen Gattin Maria [der Schwester Philipps II.]; Elefant), bei Hochzeitsfeierlichkeiten (unter anderem Rossballette Spanische Reitschule) und bei Hof durch das spanische Hofzeremoniell. Aus Spanien kommende Orden (Jesuiten, Schwarzspanier, Weißspanier) und Bruderschaften (bereits im 16. Jahrhundert in Wien nachweisbar; 1631 kam es anlässlich der Hochzeit Ferdinands III. mit Maria Anna von Spanien durch Mitglieder des spanischen Gefolges der Infantin zur Gründung der „Spanischen Bruderschaft des Allerheiligsten Sakraments an der Kaiser Pfarre zu St. Michael") weisen auch im religiösen Bereich auf enge Beziehungen zwischen Wien und Spanien vom 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts hin. Mit Karl VI. kamen 1711 zahlreiche Spanier nach Wien, die zuvor im Spanischen Erbfolgekrieg für ihn gekämpft hatten; für sie (und anderem romanische, sowie niederländische Untertanen) begründete Karl das Spanische Spital. Im Zuge der Kapitulation Barcelonas am 11. September 1714 kam mit Karls Gattin Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel eine neue Welle spanischer Emigranten nach Wien, wie der Erzbischof von Valencia, Antonio Francesco Folco de Cardona (Spanischer Rat, Strozzipalais; von ihm kam der Strozzigrund an seinen Neffen Johann Basilius Castelvi de Cervellon, der die Grundherrschaft desselben 1753 der Stadt Wien verkaufte. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg erfolgte erst mit der Hinwendung Österreichs zu Frankreich wieder eine Annäherung an Spanien (Vertrag von Aranjuez, 1752). In der Romantik änderte sich die Einstellung zu Spanien: Man sah die Spanier als vorbildhaftes Volk, das sich geschlossen gegen einen Tyrannen (Napoleon) erhoben hatte. Man begann sich in der Literatur und Literaturwissenschaft mit Spanien zu beschäftigen (besonders Franz Grillparzer, unter anderem mit „Jüdin von Toledo" [1850] und „Ein Bruderzwist in Habsburg" [1855]).

Nach der Wiedereinführung der Monarchie in Spanien (1875) kam es Ende des 19. Jahrhunderts durch die Heirat der österreichischen Erzherzogin Maria Christina mit dem spanischen König Alfons XII., der zur Zeit der Weltausstellung 1873 am Theresianum studiert hatte, neuerlich zur dynastischen Beziehung mit Spanien. Die politischen Entwicklungen Anfang des 20. Jahrhunderts in Spanien und Österreich schufen völlig neue Voraussetzungen im Verhältnis der beiden Staaten zueinander. Während die k. u. k. Botschaft Österreich-Ungarns in Madrid nach dem Ende der Habsburgermonarchie 1918 aufgelöst wurde, bestand die königlich-spanische Botschaft in Wien weiter und berichtete laufend über die veränderten Verhältnisse in Österreich; 1922-1928 gewährte Spanien der Kaiserin-Witwe Zita in Lequeitio im Baskenland Asyl.

Enge Beziehungen zum sozialdemokratischen Wien ergaben sich nach dem Sieg der spanischen Volksfront (1931); die Sozialistische Stadtverwaltung Madrids (um die Gruppe der Reformer, vor allem Juan Besteiros) orientierte sich an Karl Kautskys Grundsätzen und interessierte sich für die Wiener Stadtplanung. Anhänger der nach dem Februar 1934 verbotenen österreichischen Linksparteien nahmen teilweise aktiv am Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) teil.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden erst 1955 die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten aufgenommen. Als Spanien nach dem Tod General Francos mit der Verfassung 1978 als Parlamentarische Monarchie definiert wurde, intensivierten sich die alten Beziehungen zu Österreich. Bereits im Herbst 1977 fanden in Madrid auf Einladung der Stadtverwaltung „Wiener Wochen" statt, 1978 wurde in Wien das Spanische Kulturinstitut eröffnet.

Literatur

  • Ferdinand Opll, Karl Rudolf: Spanien und Wien. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 46 (1991), Beiheft 3 (Auch als Veröffentlichung des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Reihe B, Heft 34 (1991) erschienen)
  • Christopher F. Laferl: Die Kultur der Spanier in Österreich unter Ferdinand I. 1522-1561. Diss. Univ. Wien. Wien 1996