Seitzergasse 2-4

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1., Seitzergasse 2-4, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1369
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Peter Suchenwirt
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  7.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Seitzergasse2-4.jpg
Bildunterschrift  1., Seitzergasse 2-4, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Seitzergasse2-4

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt45517951821
Stadt45617951821
Stadt23117701795
Stadt23217701795
Stadt42218211862
Stadt42318211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Seitzergasse 2-4 (Konskriptionsnummern 422 und 423).

Früheste belegbare Bauten

An diesem Platz befanden sich ursprünglich fünf Häuschen:

Haus A

Dieses Haus wird zum ersten Mal am 4. April 1373 urkundlich erwähnt. Als es der Besitzer 1379 verpfändete, wird es als Haus in der "Schuchstrazze zunächst des Münzhof“ bezeichnet und bildet somit eine der wenigen Erwähnungen des Namens "Schuchstrazze” anstatt "Kurdewaenerstraße“ (heute Seitzergasse). 1386 kam das Haus gemeinsam mit den Häusern B und C in klösterlichen Besitz (siehe Häuser B und C).

Häuser B und C

Diese beiden nebeneinanderliegenden Häuser wurden am 24. Dezember 1382 an Leonhardo (Lienhardt; siehe Artikel Lucas Alantsee) den Maler und seine Frau verkauft, der 1383 "das höfel, das zwischen ir baider häuser in der Churbannerstraße leit [liegt] und die chamern die darauf sind“ an den Wappendichter Peter Suchenwirth vermietete, mit dem er in reger Geschäftsbeziehung stand. Im Jahr 1386 schenkte Albrecht III. die beiden Häuser gemeinsam mit Haus A dem Karmeliterkloster. Da deren Kloster am unteren Werd durch einen Brand im Jahr 1361 zerstört worden war, schenkte ihnen Albrecht III. das Gebäude des Münzhofes, den er in die Wollzeile verlegte. Im Jahr 1386 erweiterte Albrecht die Schenkung um mehrere weitere Häuser, unter die auch die hier genannten fallen. Das Kloster stieß diese Gebäude aber später wieder ab.

Haus D

Am 3. November 1369 wird dieses Haus erstmalig erwähnt.

Haus E

Die früheste Erwähnung des "domus Henrici sutoris [Haus des Schusters Heinrich] zu der halben tur [Tür]“ stammt aus dem Jahr 1374. Noch im selben Jahr dürfte das Haus an den Besitzer von Haus D verkauft worden sein. Jedenfalls verkaufte dieser das Haus an den ersten Wiener Apotheker Heinrich von Esslingen.

16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert gingen die fünf Häuser in einem großen Komplex, der sich unter dem Wiener Bürger Stephan Slachintweit (Schlagindweit; siehe Wiener Neustädter Blutgericht) von der Seitzergasse bis in die Tuchlauben erstreckte. Bei der Teilung des Besitzes unter seinen Söhnen Stefan und Wolfgang wurde der an der Churbawnerstraße liegende Teil (später Stadt 422 und 423) Stefan dem Jüngeren zugesprochen. 1557 erwarb der Fleischhauer Leonhart Hochholzer, der schon zwei Jahre vorher den Hof unter den Tuchlauben gekauft hatte, auch den hinteren Teil und vereinigte den Komplex wieder. Bereits unter dessen Söhnen wurde der Komplex erneut geteilt und Mathes Hochholzer erhielt ein auf dem Areal des späteren Hauses Stadt 423 entstandenes Gebäude.

Haus Stadt 423 / Seitzergasse 2

Nach mehrfachem Besitzerwechsel erbte der Rat des Inneren Christoph Fasoldt das Gebäude. 1810 bis 1812 wurde das Haus zwei Mal zu Spekulationszwecken gekauft. Im Jahr 1838 erwarb es der Verlagsbuchhändler und Buchbinder Friedrich Pfautsch. 1881 (laut Häuserkataster von 1885) beziehungsweise 1874 (laut den Häuserkatastern von 1905 und 1911) wurde ein neues Gebäude errichtet. Mit Kaufvertrag vom 12. Juni 1922 wurde dieses gemeinsam mit dem Nachbarhaus Stadt 422 an die Bank Kommanditgesellschaft Franz Pollak und später an die neu gegründete Arbeiterbank verkauft.

Haus Stadt 422 / Seitzergasse 4

Im Gegensatz zum oben genannten Gebäude wurde dieses Haus erst unter Wolfgang Parth vom Hochholzerhof getrennt und 1635 verkauft. 1654 ging das Haus in den Besitz der Jesuiten über, die hier auf Kosten Kaiser Ferdinands III. ihre "Grammaticalschulen“ einrichteten. 1750 ließ deren Mitglied J. von Aegydis von seinem ererbten Vermögen einen dritten Stock aufsetzen und eine Kapelle im Haus errichten. Nach der Auflösung der Jesuiten und Übersiedlung der Schulen nach St. Anna wurde das Gebäude dem k. k. Hofkriegsrat übergeben, der es 1791 an die Polizeidirektion abgab, in der sich unter anderem jeder Fremde, der Wien betrat, innerhalb von 24 Stunden nach Ankunft melden musste. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude zum Lokal der k. k. Hof- und niederösterreichischen Kammer-Prokuratur und 1922 gemeinsam mit dem Haus Stadt 423 an die Bank Kommanditgesellschaft Franz Pollak verkauft, die diese bald darauf an die Arbeiterbank abtrat.

Neubau 1922

Nach dem Abbruch der beiden Gebäude ließ die Arbeiterbank ein modernes Bankgebäude errichten. Nach den Kämpfen im Februar 1934 wurde die Bank aufgelöst und das Gebäude vom Reichsverband der Landwirtschaftskrankenkassen Niederösterreichs erworben. 1948 wurde das Eigentumsrecht an dem Gebäude nach einem Vergleich dem Restitutionsfond der freien Gewerkschaften einverleibt. Nach Restaurierung und Adaptierung der Innenräume zog im August 1951 wieder die Arbeiter Bank A.G. in das Gebäude.

Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 2. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 341-348