Sebastian Brunner

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Personenname Brunner, Sebastian
Abweichende Namensform Stern, Max Veitel
Titel Dr. theol., Dr. phil.
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 10.12.1814
Geburtsort Wien
Sterbedatum 26.11.1893
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Friedhof Maria Enzersdorf, Niederösterreich
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Priester, Historiker, Publizist
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit  römisch-katholisch
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Sebastian-Brunner-Gasse
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  20.11.2017 durch WIEN1\lanm08jan
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF


FunktionFunktion vonFunktion bis
Prediger an der Universitätskirche18531857
Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Wien18521853
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Großkreuz des päpstlichen Ordens vom Heiligen Grab
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Geburtsadresse7Kandlgasse32
Sterbeadresse18Gentzgasse140

Es wurde noch keine Familie zu dieser Person erfasst! Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Sebastian Brunner (Pseudonym: Max Veitel Stern), * 10. Dezember 1814 Schottenfeld 340 (7, Kandlgasse 32; Gedenktafel), † 26. November 1893 Währing, Herrengasse 108 (18, Gentzgasse 140, Währinger Greisenasyl; Friedhof Maria Enzersdorf, Niederösterreich), Priester, Historiker, Publizist.

Sohn des Schottenfelder Seidenfabrikanten Jakob Brunner und dessen Gattin Anna Maria Steuer. Studierte an der Universität Wien (Dr. theol. [Priesterweihe 1838], Dr. phil.), 1838-1853 Kaplan in Niederösterreich und Wien (1842 in Altlerchenfeld); arbeitete 1843-1848 auch für Metternich, im speziellen als Beurteiler religiöser und sozialer Zustände.

1853-1857 war Brunner Prediger an der Universitätskirche, außerdem gründete und redigierte er 1848-1865 die „Wiener Kirchenzeitung". Brunner war Apostolischer Protonotar (6. August 1867) und päpstlicher Hausprälat; sein großes Vorbild war Clemens Maria Hofbauer.

In seiner Einstellung antijosephinisch, antiliberal und antijudaistisch, schloss er sich der Bewegung zur Erneuerung des katholischen Lebens an und gilt als Hauptvertreter des katholischen Konservativismus; die von ihm verfassten Werke erscheinen fast durchwegs subjektiv gefärbt. Dabei sah er die Hauptwurzel allen Übels in der josephinischen Aufklärung und ihrem Rationalismus.

Problematisierung der Person

Im Auftrag der Stadt Wien hat eine HistorikerInnen-Kommission die historische Bedeutung jener Persönlichkeiten, nach denen Wiener Straßen benannt sind, von 2011 bis 2013 untersucht sowie eine zeithistorische Kontextualisierung vorgenommen. Sebastian Brunners Ansichten gingen weit über die damals herrschenden jüdischen Ressentiments der katholischen Kirche hinaus und griffen in seinen Publikationen („Wiener Kirchenzeitung“, "Der Nebeljungen Lied", „Zwei Buschmänner“) neben religiösen auch wirtschaftlich und in Ansätzen rassistisch begründete Vorurteile auf. Er könne deshalb, so die Kommission, als einer der wesentlichen Protagonisten des österreichischen katholischen Antijudaismus bzw. Antisemitismus bezeichnet werden.

Sebastian-Brunner-Gasse


Literatur

  • Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. von der Historischen Commission bei der königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bände. Leipzig: Duncker & Humblot 1875-1912
  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon. Begründet und hg. von Friedrich Wilhelm Bautz. Herzberg [u.a.]: Bautz 1975 - lfd.
  • Ludwig Eisenberg: Das geistige Wien. Künstler- und Schriftsteller-Lexikon, Mittheilungen über Wiener Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller. Band 2/1. Wien: Daberkow 1892
  • Neue deutsche Biographie. Hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 1. Berlin: Duncker & Humblot 1953
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd.
  • Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bände. Wien: Verlag der typografisch-literarisch-artistischen Anstalt 1856
  • Hans Rotter: Neubau. Ein Heimatbuch des 7. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1925, S. 155
  • Hietzing. Ein Heimatbuch für den 13. Wiener Gemeindebezirkes. Hg. von der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde in Hietzing. Band 1. Wien: Österr. Bundesverlag 1925, S. 386
  • Joseph Scheicher: Sebastian Brunner. Ein Lebensbild, zugleich ein Stück Zeit- und Kirchengeschichte. Festgabe zur Secundizfeier des Dr. Phil. et Theol. Sebastian Brunner. Würzburg / Wien: Woerl 1888
  • Karl Ammerl: Sebastian Brunner und seine publizistische Stellungnahme in der Wiener Kirchenzeitung zur Frage der Neuregelung der Verhältnisse von Kirche und Staat, Kirche und Schule und zur sozialen Frage in den Jahren 1848-1855. Diss. Univ. Wien. Wien 1934
  • Ilse Treimer: Sebastian Brunner als Historiker. Diss. Univ. Wien. Wien 1948
  • Niederösterreichische Landesausstellung Das Zeitalter Kaiser Franz Josephs. Band 1: Von der Revolution zur Gründerzeit 1848 - 1880. Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, Neue Folge, 147/1), S. 451 ff.
  • Julius Stern / Sigmund Ehrlich: Journalisten- und Schriftstellerverein Concordia 1859-1909. Eine Festschrift. Wien: Concordia 1909, S. 43
  • Neue Freie Presse, 27.11.1893
  • Rathaus-Korrespondenz, 07.12.1964
  • Karl F. Stock / Rudolf Heilinger / Marylène Stock: Personalbibliographien österreichischer Dichter und Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Pullach bei München: Verlag Dokumentation 1972
  • Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung, Herkunft, frühere Bezeichnungen. Wien: Pichler Verlag 2014, 9. Auflage, S. 10 und 270
  • Peter Autengruber / Birgit Nemec / Oliver Rathkolb / Florian Wenninger: Umstrittene Wiener Straßennamen. Ein kritisches Lesebuch. Wien: Pichler Verlag 2014, S. 22
  • Peter Autengruber / Birgit Nemec / Oliver Rathkolb / Florian Wenninger: Forschungsprojektendbericht "Straßennamen Wiens seit 1860 als 'Politische Erinnerungsorte'". Wien 2013