Schwechat

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Art des Objekts Siedlung
Jahr von
Jahr bis
Name seit 1108
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Schwechat (Fluss)
Bezirk
Lage Niederösterreich
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Schwechat, Stadtgemeinde in Niederösterreich (Bezirk Wien-Umgebung). Ein kleiner Teil des damaligen Markts Schwechat wurde 1892 in den elften Bezirk (Simmering) eingemeindet. 1938-1946/1954 war Schwechat namengebender Bestandteil des damaligen 23. Bezirks.

Die Lage des Orts an der alten Heerstraße (Limesstraße) war für die Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Im Bereich von Altkettenhof erstreckte sich bis gegen 400 nach Christus das römische Reiterkastell Ala nova. Namengebend für die mittelalterliche Siedlung war der Fluss Schwechat (um 1034/1041 "Svechant" = der Stinkende [Bezugnahme auf die in Baden eingeleiteten schwefelhältigen Thermen]). Die Siedlung Schwechat ist ab 1108 nachweisbar (die heutige Schreibweise ab 1548 belegt). Die Ortsherrschaft wurde im elften Jahrhundert vom Bistum Passau an das Stift Göttweig übertragen; 1264 wurde Schwechat landesfürstlich (Markt ab 1531, Stadterhebung 1922). Ab dem zwölften Jahrhundert war Schwechat Sitz eines Landgerichts, zu dessen Sprengel auch Schwadorf (abgetrennt 1531), Mannswörth, Simmering, Kledering, Pellendorf, Velm und Zwölfaxing gehörten (1556 Wiedereingliederung des Sprengels Kaiser-Ebersdorf, wohin vor 1624 der Sitz des Landgerichts verlegt wurde).

Im kirchlichen Bereich gehörte Schwechat ursprünglich zu der im elften Jahrhundert entstandenen Pfarre Mannswörth (deren Patronat vor 1147 ans Bistum Passau und 1729 ans Erzbistum Wien überging). In Schwechat gab es zwei Kirchen (die ab 1556 einen gemeinsamen Pfarrer hatten [ab 1614 formelle Personalunion]); auf dem rechten Flussufer St. Jakobus der Ältere (um 1300 Vikariat von Mannswörth, ab 1360 selbständige Pfarre; nach wiederholten Zerstörungen 1764 Neubau [Fresken von Maulbertsch], 1945 schwer beschädigt, bis 1962 wiederhergestellt), auf dem linken Flussufer Maria am Anger (1267 Filiale der Wiener Pfarre St. Stephan, um 1400 Neubau, 1480 bischöfliches Vikariat, 1815 großteils abgebrochen, der Rest seither Friedhofskapelle).

Das ebenfalls am linken Ufer 1694-1697 errichtete Kapuzinerkloster wurde 1813 aufgelassen (Neubau der Kirche 1815 als Ersatz für Maria am Anger, Turm 1885). Der wichtigste Wirtschaftsfaktor von Schwechat war die 1325-1891 eingehobene Brückenmaut; dazu kamen mehrere Mühlen (Jesuitenmühle). Die 1632 gegründete Bierbrauerei wurde 1796 von der Familie Dreher erworben, 1914 mit den Wiener Brauereien St. Marx und Simmering fusioniert und 1926 durch Mautner Markhof übernommen. Außerdem entstanden zahlreiche Textilfabriken.

Bei Schwechat fand am 15. September 1683 die erste Begegnung zwischen Leopold I. und dem polnischen König Jan III. Sobieski statt. Ebenfalls bei Schwechat (Front zwischen Kaiserebersdorf und Maria Lanzendorf) schlugen kaiserliche und kroatische Truppen am 30. Oktober 1848 ein ungarisches Heer zurück, das den von Windisch-Graetz belagerten revolutionären Wienern zu Hilfe kommen wollte.

Flughafen Wien


Literatur

  • Adolf Ezsöl: 70 Jahre Stadt Schwechat. Ein Spaziergang durch die Geschichte. Schwechat: Stadtgemeinde Schwechat 1992
  • Dreher's Bierbrauerei in Schwechat (Aus dem Vortrag des Herrn V. Prausek am 3. Jänner). In: Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Neue Folge 2, 1868, S. 15-18
  • Ernö Deák / Hannes Stekl: Schwechat. In: Österreichisches Städtebuch. Band 4, Teil 3: Die Städte Niederösterreichs. R-Z. Wien: Verl. der Österr. Akad. der Wiss. 1982, S. 97 ff.
  • Jaro Franz-Ferron: Neu-Wien. Ein Rückblick auf die Geschichte der am 21. Dezember 1891 zur Commune Wien einverleibten Vororte-Gemeinden. Korneuburg: Julius Kühkopf 1892, S. 22 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 326
  • Wolfgang Häusler: Das Gefecht bei Schwechat am 30. Oktober 1848. Wien: Österr. Bundesverlag 1977 (Militärhistorische Schriftenreihe. 34)
  • Karl Lechner [Hg.]: Handbuch der historischen Stätten Österreichs. Band 1: Donauländer und Burgenland. Stuttgart: Kröner 1970, S. 543 ff.
  • Ferdinand Opll: Erstnennung von Siedlungsnamen im Wiener Raum. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1981 (Kommentare zum Historischen Atlas von Wien, 2), S. 46
  • Wien baut in Schwechat. Wien: Stadtbauamt 1953 (Die Stadt Wien gibt Auskunft, 12)