Schubladkastenhaus

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
1., Freyung 7: Schubladkastenhaus, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1773
Jahr bis
Andere Bezeichnung Prioratshaus des Schottenstifts
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Andreas Zach
Prominente Bewohner Franz Dingelstedt
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  6.06.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Freyung7.jpg
Bildunterschrift  1., Freyung 7: Schubladkastenhaus, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Freyung7

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt13718211862
Stadt14417951821
Stadt11817701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Schubladkastenhaus (1, Freyung 7; Konskriptionsnummer 137).

Schubladkastenhaus war die volkstümliche Bezeichnung für das 1773/1774 von Andreas Zach errichtete Prioratshaus des Schottenstifts, so benannt wegen seiner angeblichen Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Möbelstück (Kommode mit Laden).

Als 1751 (Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien) beziehungsweise 1764 (Paul Harrer: Wien, seine Häuser) der Klosterfriedhof "Im Vogelsang" aufgelassen wurde, entstand eine für längere Zeit unverbaute Fläche. Erst als die Regierung auf der Suche nach geeigneten Plätzen für die Errichtung von Volksschulen suchte, wurde vorgeschlagen, hier ein Gebäude zu errichten, in dessen Erdgeschoß eine Schule untergebracht werden könnte. Darüber könnten etwa drei Stockwerke für Mietwohnungen entstehen, die die Kosten des Baus decken würden. Zwar griff die Regierung diesen Plan auf, doch wurde er vom damaligen Abt des Schottenstifts, Benno Pointner, heftig bekämpft, da die Fenster des Priorats sowie der darunter liegenden Kirchendienerwohnung verbaut worden wären. Außerdem bemängelte er, dass es der klösterlichen Disziplin widerspräche, wenn Fremde in den Konventgarten, das Refektorium, die Bibliothek und die Zellen der Novizen blicken könnten. Am 3. April 1773 wurde durch eine Allerhöchste Resolution befohlen, dass das Gebäude zu errichten sei. Dem Abt kam man jedoch entgegen, indem man dem Kloster einen Teil der Räume im Erdgeschoß zur Verfügung stellte und dem Haus eine dreißigjährige Steuerfreiheit zusicherte. Außerdem durfte der Lehrer "auf ewige Zeit" vom Kloster "präsentiert" werden.

Im August 1774 konnte der Bau fertiggestellt werden. Die für damalige Zeit sehr moderne Form des Hauses wurde von der Bevölkerung heftigst kritisiert. Es handelte sich um das erste bürgerliche Mietshaus, bei dem man auf eine palastartige Gliederung verzichtete und stattdessen alle Stockwerke gleichförmig behandelte. Außerdem wurde eine Verbindung von Größe und Annehmlichkeit angestrebt, die ebenfalls sehr befremdete. Offiziell wurde es als Prioratshaus bezeichnet, da die Wohnung des Priors, die bisher nur aus einem Zimmer im angrenzenden Pfarrhaus bestand, um ein weiteres Zimmer im ersten Stock dieses Gebäudes vergrößert wurde. Neben der Schule der Schotten, die nach 1807 im Schottenhof untergebracht wurde, befand sich im Erdgeschoß die Totenkammer. Sie wurde 1832 in den Hof des Hauses verlegt. Ab 30. Dezember 1837 hatte die Apotheke "Zum goldenen Strauß" ihren Standort in diesem Haus. Später wurde das ganze Gebäude in ein Miethaus umgewandelt. Hier wohnte bis zu seinem Tod Franz Freiherr von Dingelstedt.

Literatur

  • Hertha Wohlrab: Die Freyung. Wien [u.a.]: Zsolnay 1971 (Wiener Geschichtsbücher, 6), S. 35 ff.
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20)
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993
  • Österreich zur Zeit Kaiser Josephs II. Mitregent Kaiserin Maria Theresias, Kaiser und Landesfürst. Katalog zur Niederösterreichischen Landesausstellung, Stift Melk, 29. März - 2. November 1980]. Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung 1980 (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, N.F. 95), S. 572
  • Albert Hübl: Baugeschichte des Stiftes Schotten. In: Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien. Band 46/47. Wien: Gerold 1914, S. 36 ff., S. 80
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 421
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 1. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 133 f.