Schreiber (Beruf)

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Siegel der Schreiberzeche mit Darstellung von Maria Magdalena, Patronin der Schreiber (Nachzeichnung nach einer Urkunde von 1479).
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Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift]]  Siegel der Schreiberzeche mit Darstellung von Maria Magdalena, Patronin der Schreiber (Nachzeichnung nach einer Urkunde von 1479).
Bildquelle WStLA
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Schreiber, im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Berufsbezeichnung für jeden, der seine Kenntnisse im Schreiben und Lesen hauptberuflich verwertete (meist in einem Angestelltenverhältnis). Die selbständig tätigen Schreiber, die mit der Ausfertigung von Urkunden und Verträgen sowie der Herstellung und Beglaubigung von Abschriften befaßt waren, nannte man Notare (die vereidigt waren). Bei den unselbständigen Schreibern entwickelte sich eine an der Eignung orientierte berufliche Schichtung: die unterste Kategorie beschränkte sich auf Schreiben nach Vorlage oder Diktat, die obere Kategorie erstellte Konzepte und registrierte die ein- und ausgehende Korrespondenz, die oberste versah auch Verwaltungsaufgaben. Die für den Landesfürsten tätigen Schreiber unterstanden dem Kanzler, die Schreiber der Gemeinde Wien dem Stadtschreiber. Verschiedene landesfürstliche und städtische Ämter wurden von einem nur auf Zeit bestellten Vorsteher ("Meister") und einem besoldeten Schreiber (später Gegenschreiber), dem die Kanzlei unterstand, geleitet (beispielsweise Münzmeister/Münzschreiber, Kellermeister/Kellerschreiber, Kirchmeister/ Kirchschreiber). Die in Wien tätigen Schreiber aller Kategorien bildeten eine Bruderschaft (Schreiberzeche), die in der Maria-Magdalena-Kapelle über dem neuen Karner auf dem Stephansfreithof ihre Versammlungs- und Andachtsstätte hatte. Ab dem 17. Jahrhundert beschränkte sich die Bezeichnung Schreiber allmählich auf die unterste Kategorie, wogegen für die gehobenen Ränge die Bezeichnung Sekretär in Gebrauch kam. Der Wiener Stadtschreiber wandelte sich zum Syndicus (seit 1870 Magistratsdirektor). Auch einzelne Bürger, Adelige und Klöster beschäftigten ab dem Mittelalter Schreiber für die Güterverwaltung.


Literatur

  • Ivo Luntz: I. Die allgemeine Entwicklung der Wiener Privaturkunde bis zum Jahre 1360. II. Beiträge zur Geschichte der Wiener Ratsurkunde. In: Verein für Geschichte der Stadt Wien [Hg.]: Abhandlungen zur Geschichte und Quellenkunde der Stadt Wien 1/2. Wien: Verlag des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 1917