Schottenstift

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Der Schottenhof auf der Freyung (um 1950)
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1161
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach iro-schottischen Mönchen
Einlagezahl
Architekt Josef Kornhäusel, Ludwig Zettl
Prominente Bewohner Johann Joseph Fux, Franz Liszt, Benedictus Chelidonius, Wolfgang Schmeltzl, Franz Grillparzer, Ignaz Aßmayer, Ignaz Plener
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Bildname Schottenstift.jpg
Bildunterschrift  Der Schottenhof auf der Freyung (um 1950)
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Hula, FC: 7017/255
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Helferstorferstraße2-4
1Rockhgasse2
1Freyung6
1Schottengasse2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt11717701795
Stadt13618211862
Stadt14317951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Schottenstift (1, Freyung 6-6A, Schottengasse 2, Helferstorferstraße 2-4, Rockhgasse 2; Konskriptionsnummer 136).

Der Wirtschaftshof der Schotten im Jahr 1672.
Inhalt:
  1. Geschichte
    1. Gründung und Namensgebung
    2. Neubau des Klosters und Bau der Stiftskirche
    3. Schwertleite
    4. Weitere Rechte des Klosters
    5. Missstände
    6. Übergabe an das Stift Melk
    7. Ungarnherrschaft 1485-1490
    8. Kulturelle Blüte
    9. Belagerung 1529
    10. 17. Jahrhundert
    11. Belagerung 1683
    12. 18. Jahrhundert
    13. Schottengymnasium
    14. 1809
    15. Umfangreiche Umbauten
    16. 20. Jahrhundert
    17. Berühmte Bewohner
  2. Baugeschichte
    1. Frühe Klosteranlagen
    2. Benediktiner
    3. Schäden
    4. Beschreibung aus dem Jahr 1600
    5. Neuerrichtung des Schottenstifts
    6. Umbauten 1826-1832
    7. Weitere Umbauten
    8. 20. Jahrhundert
  3. Heutiges Gebäude
    1. Inneres
    2. Höfe
  4. Literatur

Geschichte

Gründung und Namensgebung

Um 1155 berief Markgraf Heinrich II. Jasomirgott irische Benediktinermönche aus dem St.-Jakobs-Kloster in Regensburg (wo er als Herzog von Bayern residiert hatte) nach Wien und stattete sie mit Grundbesitz auf dem sogenannten Steinfeld außerhalb der Stadtmauern (vom Tiefen Graben bis zur Burgfriedensgrenze am Alsbach) zur Erbauung von Kirche und Kloster sowie mit verschiedenen Gerechtigkeiten aus. Da Irland damals Neu-Schottland genannt wurde (Scotia minoris im Gegensatz zu Scotia maioris), bürgerte sich im Volksmund die Bezeichnung "Schotten" ein.

Der älteste echte Stiftsbrief stammt vom 22. April 1161 (der Stiftsbrief von 1158 ist eine Fälschung aus der Zeit von 1258/1260, ebenso Urkunden von 1161 mit der angeblichen Schenkung der Pankrazkapelle). Hierbei bestätigte Heinrich II. seine Stiftung und bestimmte das Schottenstift zur Begräbnisstätte für sich und seine Familie. Er ließ eine kleine Kirche, ein Kloster sowie ein Spital für erkrankte Kreuzfahrer errichten. Mit der Übergabe der Stiftung unterstellte er den Mönchen die Kirche Maria am Gestade (sie wurde 1303 gegen die Ulrichskirche eingetauscht), die Peterskirche, die Ruprechtskirche und die Pankrazkapelle. 1181 wurde die autonome Gerichtsbarkeit verliehen, 1200 erfolgte die erste schriftliche Besitzbestätigung. Die Abtei erhielt auch die pfarrherrlichen Rechte über einen Teil der Stadt und ihrer Umgebung, was immer wieder zu Konflikten mit St. Stephan führte. Außerdem bekamen sie das Asylrecht, das anderen Wiener Kirchen erst unter Leopold VI. gewährt wurde, und das Recht der freien Abtwahl.

Heinrich II. hatte auch an das leibliche Wohl der Mönche gedacht und ließ ihnen Speise und Trank aus der Hofküche bringen. Die Überbringung der Nahrungsmittel erregte große Neugier in der Wiener Bevölkerung. Wurden anfangs die Speisenträger nur angehalten und ausgefragt, versuchten Neugierige bald die Deckel von den Töpfen zu heben. Daraufhin wurde die Naturalabgabe durch eine regelmäßige Zahlung ersetzt, "damit man nit wissen soll, was in seiner Kuchl auf seiner fürstlichen Gnaden Leib gekocht wird". Aus dieser Zeit stammt das Wiener Wort "Häferlgucker". Im Jahr 1280 wurde die Geldabfindung von Rudolf I. aufgehoben und den Mönchen das Patronat der Pfarre Gaunersdorf (heute Gaweinstal) als Ersatz überlassen.

Neubau des Klosters und Bau der Stiftskirche

Das erste Kloster aus der Mitte des 12. Jahrhunderts dürfte bereits bald durch ein größeres mit einer dreischiffigen Kirche ersetzt worden sein. Da sich der Bau aus nicht überlieferten Gründen in die Länge zog, konnte das Kloster erst 1200 durch Bischof Wolfger von Ellenbrechtskirchen geweiht werden. Bis dahin stand den Mönchen nur ein kleines Kirchlein an der Stelle des sogenannten Patronatshauses (Freyung 7) zur Verfügung. 1771 wurde hier ein Grab gefunden, das man für das Grab Heinrichs II. hält. Es enthielt einen Mann mit gebrochenen Schenkel (Heinrich II. war durch einen Sturz vom Pferd umgekommen) und zwei Frauen (zweite Gattin Theodora und Tochter Agnes). Wahrscheinlich war der Herzog nach seinem Tod wohl nur provisorisch beigesetzt worden, da die Stiftskirche noch nicht fertiggestellt war. Aus Jans Enenkels Reimchronik ist zu erfahren, dass sich in der Stiftskirche ein Stein mit dem Bild des Herzogs befand:

"Und noch hewt zu den Scoten ist begraben
sein Schein in ein Stein gehauen
der mitten in dem Minster stat."

Durch häufige Umbauten (auch bedingt durch Brände) war das Herzogsgrab jedoch in Vergessenheit geraten. Heute befindet es sich in der Krypta der Stiftskirche.

Schwertleite

In der Stiftskirche fand auch die Schwertleite (Vorform des Ritterschlages) der jungen Herzöge statt. Besonders bemerkenswert war jene, die im Jahr 1200 zu Pfingsten stattfand. Als das Schwert Leopolds VI. des Glorreichen von Bischof Wolfger von Ellenbrechtskirchen gesegnet wurde, waren unter den hohen Gästen auch der Kardinalerzbischof von Mainz und der Erzbischof von Salzburg anwesend. Noch glanzvoller soll die Schwertleite zu Maria Lichtmess im Jahr 1232 gewesen sein: Hier wurden neben Friedrich II. dem Streitbaren 200 junge Männer durch Bischof Gebhard von Passau zu Rittern geschlagen. Nach der Zeremonie zog man mit dem Herzog an der Spitze zum festlich geschmückten Turnierplatz in Penzing.

Weitere Rechte des Klosters

1185 erhielten die "Schotten" von Papst Lucius III. das Recht, Reisende und fremde Personen, die in Wien gestorben waren, sowie Leute des Herzogs und Mitbrüder in ihrer Klostergruft zu bestatten. Als nach der Schlacht auf dem Marchfeld (26. August 1278) Kaiser Rudolf I. die Leiche seines Gegners Ottokar II. Přemysl nach Wien bringen ließ, wurde sie zuerst im Schottenstift aufgebahrt, wofür Königin Anna, die Gemahlin Rudolfs I., eine Purpurdecke stiftete. Danach wurde die Leiche einbalsamiert, dreißig Tage lang im Kapitelhaus der Minoriten ausgestellt und danach über Znaim nach Prag überführt.

1313 wurde dem Kloster von Elisabeth, der Witwe Albrechts I. das Recht eingeräumt, jedes Jahr zum Georgitag 30 Fuder Salz von Hallstadt zollfrei einzuführen. Dafür hatten die Mönche für sie und ihren Gemahl jeden Jahrestag zu beten (Vigil und Seelamt).

Missstände

Bereits 1235 beauftragte Papst Gregor X. die Äbte von Heiligenkreuz und Lilienfeld sowie den Propst von Klosterneuburg, das Schottenkloster zu visitieren und gegebenenfalls Abt Dirmicus aus dem Amt zu entfernen. Die Mönche sollen zu dieser Zeit weder enthaltsam gelebt noch Wissenschaften und Künste gefördert haben. Auch soll ihre Gastfreundschaft zu wünschen übrig gelassen haben. Außerdem hielten sie an ihren Sitten und Gewohnheiten sowie ihrer Sprache fest und standen der Wiener Bevölkerung verständnislos gegenüber. Darüber hinaus kamen sie ihren übrigen Pflichten nur mehr bedingt nach und verwalteten ihr Vermögen schlecht. Immer wieder kam es daher zu Konflikten mit den Herzögen von Österreich. Da die Mönche offenbar ihr Recht des Blutbannes über Stiftsangehörige missbraucht hatten, wurde es ihnen von Albrecht III. entzogen und dem Stadtrichter übertragen.

Übergabe an das Stift Melk

Als die "Schotten" Kirche und Kloster verfallen ließen und sogar Turmglocken und Ornate verpfändeten, erwirkte Albrecht V. am 17. Jänner 1418 die päpstliche Vollmacht zu einer Generalvisitation. Die Mönche des durch einen Brand 1413 zusätzlich beschädigten Klosters lehnten dies mit der Begründung ab, nur Schotten dürften ihr Kloster betreten. Da der Herzog darauf bestand, resignierte Abt Thomas III. am 9. August 1418 und erklärte sich bereit, gegen Aushändigung eines Reisegeldes und der Zusicherung von freiem Geleit, Wien zu verlassen und sich mitsamt seinen Mitbrüdern ins Stammkloster nach Regensburg zurückzuziehen. Albrecht ging darauf ein und übertrug die Gottesdienste den Minoriten. Durch den Abzug der "Schotten" gingen viele Urkunden verloren. Bereits 1418 übergab Albrecht V. das Kloster den Benediktinern aus Melk, das infolge einer Neuorganisation 1432 alle Rechte zurück erhielt. Obwohl Maria Stuart später bei Rudolf II. intervenierte, kamen die "Schotten" nicht mehr nach Wien zurück. Noch auf dem Basler Konzil versuchte das Regensburger St.-Jakobs-Kloster, die Oberaufsicht über das Wiener Haus zurückzuerhalten. Nach einem langen Prozess verloren sie jedoch 1448 sämtliche Rechte am Kloster, das nun dem Passauer Bischof und ab 1480 dem neu gegründeten Wiener Bistum unterstellt wurde. Die Bezeichnung Schottenstift hat sich jedoch bis heute erhalten.

Unter den Benediktinern wurden die verpfändeten Güter eingelöst und die beschädigten Gebäude repariert. Das Kloster kam nun zu neuer Blüte: Abt Nikolaus, der erste Benediktinerabt, und seine Nachfolger legten viel Wert auf Unterricht und holten zahlreiche Gelehrte ins Kloster. In dieser Zeit erhielt es viele Zuwendungen von Wohltätern, die keine Gegenleistung forderten. Zum Beispiel unterrichtete Dr. Urban von Melk, der im Stephansdom begraben liegt, mehrere Jahre lang unentgeltlich Theologie, es wurden Gebäudeteile errichtet beziehungsweise deren Errichtung finanziert, aber auch Bücher und Altäre gespendet. Sogar Weingärten und Häuser wurden dem Kloster überlassen.

Im Konflikt zwischen Kaiser Friedrich III. und seinem Bruder Albrecht VI. kam es erneut zu Problemen, da viele Gelehrte Wien verließen. Von den 103 Professoren lasen nur mehr 43. Außerdem wurden Besitzungen des Klosters von Söldnern verwüstet. Aus einer Urkunde des Jahres 1459 geht hervor, dass sowohl der Kaiser als auch der Bürgermeister und der Rat der Stadt Wien dem Kloster Entschädigungen zukommen ließen.

Unter den Äbten Hieronymus (1461-1466), Johannes VI. von Lambach (1466/1467) und Matthias Fink (1467-1475) konnte das Schottenstift seinen Grundbesitz deutlich vermehren. Abt Mathias Fink, der auch Geheimschreiber Kaiser Friedrichs war und großes Ansehen genoss, legte jedoch viel Wert auf Prunk. So ließ er sich zum Beispiel immer von dreißig Reitern begleiten, wenn er auf der Burg erschien. Er stürzte das Kloster in solche Schulden, dass er 1475 seine Abtwürde verlor und in Haft genommen wurde. Später konnte er entkommen und nach Ungarn fliehen.

Ungarnherrschaft 1485-1490

1488 kam es erneut zu einem großen Brand, der in der Stadt etwa hundert Häuser vernichtete. Durch die enorme Hitze schmolzen sogar die Glocken und mehrere Mauern stürzten ein. Am 27. Mai 1488 kam es während des Kirchweihfestes zu einer Auseinandersetzung zwischen Bediensteten des Stiftes und königlich ungarischen Viehhirten. Als Bürger einschritten, kam es zu einem Handgemenge, bei dem ein ungarischer Hirte ums Leben kam. Daraufhin ließ der ungarische Stadthauptmann mehrere Priester und Stiftsdiener festnehmen. König Matthias Corvinus wurde berichtet, dass in Wien ein Aufstand gegen seine Herrschaft ausgebrochen sei. Er wollte daraufhin Abt und Mönche zusammengebunden in die Donau werfen lassen, ließ sich aber vom Bischof von Großwardein (heute Oradea, Rumänien) besänftigen. In der Folge kam Corvinus selbst nach Wien, um die Untersuchungen zu leiten. Er vernahm persönlich die Gefangenen und überzeugte sich von der Unschuld der Mönche.

Kulturelle Blüte

Nach dem Ende der Ungarnherrschaft verbesserte sich die finanzielle Lage des Klosters zunehmend. Auch konnten die Wissenschaften wieder stark gefördert werden. Unter dem Abt Benedictus Chelidonius (1518–1521), der mit Dürer befreundet war, gab es einen außerordentlichen Andrang an Schülern. Es wurden auch Schauspiele aufgeführt, die von der Hofgesellschaft außerordentlich gelobt wurden. Durch die Reformation gingen die Schülerzahlen bald wieder merklich zurück. In die Zeit von 1542 bis 1550 fällt die schriftstellerische Tätigkeit des Schottenschulmeisters Wolfgang Schmeltzl, der durch seinen "Lobspruch der Stat Wienn" (1548) in weiten Kreisen bekannt wurde. Unter ihm wurden erstmals Dramen in deutscher Sprache aufgeführt. Sein Nachfolger war der gelehrte Schulmeister und Organist Johann Rasch.

Auch rege Bautätigkeit setzte wieder ein: Der Schottenhof, der ursprünglich hinter der Kirche lag, erstreckte sich in den folgenden Jahren bis an die Bastei beziehungsweise mit seiner Hauptfront von der Kirche bis zum Schottentor und nahm die ganze nördliche Seite der heutigen Schottengasse ein.

Belagerung 1529

Als die Osmanen zum ersten Mal Wien belagerten (Erste Türkenbelagerung [1529]), flüchteten die Mönche nach Passau. Nur ein Priester blieb zurück, er wurde jedoch umgebracht, als er sich zu weit aus der Stadt hinaus wagte. Im Kloster hausten nun Soldaten, die es beraubten und Bibliothek und Archiv verwüsteten. Selbst die Kirche wurde geplündert und auch der Klostergarten blieb nicht verschont. Als nach der Belagerung verboten wurde, außerhalb einer 50 Klafter-Zone vor der Stadt Häuser wiederherzustellen, verlor das Kloster mehrere Bauten.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Erst unter Abt Wolfgang Traunsteiner (1541-1562) scheint sich das Kloster wieder vollständig erholt zu haben. Zu dieser Zeit arbeiteten fünf Brüder im Konvent, weitere waren außerhalb mit der Seelsorge oder der Administration von Klostergütern betraut. In einer Urkunde aus dem Jahr 1566 werden Besitzungen des Klosters aufgezählt: "anbau und äcker auf der Alserstrass, zu St. Ulrich, Stämersdorf, Gumpendorf bei 200 Joch, Weingartbau zu Enzersdorf, Prun, Pettersdorff, in der Mauer, Grintzing, Nußdorf, Döbling, Ottakring, Dornbach, Hernals, St. Ulrich, bei der Stadt vor dem Schottentor und Staimertorf, Wiesen zu Ottakring, Schwechat, Achau, Münchendorf, Laxenburg, einen Wald zu Dornbach, einen Hof zu St. Pankraz samt Kapelle". Eine andere Urkunde, in der nach dem Tod des Abtes Johannes IX. Schretel (1562–1583) das Inventar aufgelistet wird, zählt zwanzig Melkkühe, zehn Kälber, einen Ochsen, zwei Stiere, 15 alte Schweine, zwölf Ferkel und einen Geißbock auf. Weiters wurden 3.000 Eimer Wein und eine große Menge an Weizen, Mehl und Hafer verzeichnet. Die im Haus vorhandenen Textilien (Tischtücher, Vorhänge, Handtücher und Bettzeug) wurden allerdings als alt und zerrissen vermerkt. An Bargeld wurden 135 Gulden und 20 Kreuzer vorgefunden, weiters besaß das Kloster Schuldbriefe in der Höhe von mehr als 2.500 Gulden. Diese waren allerdings zum Großteil uneinbringlich und wurden mit Anmerkungen wie "nichts einzubringen, längst verstorben", "zahlt nichts", "ist nichts", "hats ausgebeten", "ihm geschenkt" oder "ist arm, hat nichts zu zahlen" versehen.

Als man Abtes Johannes IX. Schretel beisetzte, wurde sein Grabstein neben dem Sakramentshäuschen aufgerichtet. Ein Zimmernmannsknecht versteckte sich nach der Arbeit in der Kirche, um ins Sakramentshäuschen einzubrechen und die wertvolle Monstranz und den goldenen Kelch zu stehlen. Der Organist Johann Rasch berichtet, dass er den Wein, der sich im Kelch befand, austrank und dabei einige Weintropfen auf seinen Rock fielen, deren Flecken er nicht mehr entfernen konnte. Als er die erbeuteten Gegenstände einem Händler anbot, erstattete dieser Anzeige. Daraufhin wurde der Dieb mitsamt seinem weinbeflechten Rock am 17. Dezember 1583 auf der Gänseweide zu Erdberg verbrannt.

17. Jahrhundert

Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde die Unterrichtssprache der Schottenschule auf Deutsch umgestellt. Sie wurde jedoch bald darauf zugesperrt und erst im nächsten Jahrhundert wieder eröffnet. In den Jahren 1642 bis 1648 wurde die Schottenkirche in ihrer damaligen Gestalt erbaut, womit die Bauzeit in die letzten Jahre des dreißigjährigen Krieges fällt.

Belagerung 1683

Am 14. Juli 1683, dem ersten Tag der sogenannten "Türkenbelagerung", brach im Schottenstift eine verheerende Feuersbrunst aus, die die Stadt in höchste Gefahr brachte. Die Restaurierungsarbeiten wurden erst 1690 abgeschlossen.

18. Jahrhundert

1724-1794 entstand der sich aus mehreren Gebäuden zusammensetzende neue Komplex des Schottenhofs. Der hinter der Kirche und auf einem großen Teil der Freyung gelegene Klosterfriedhof, der den Namen "Im Vogelsang" führte, wurde 1751 aufgelassen. Im Zuge der Erweiterung nach 1720 entworfenen Plänen ließ Abt Benno Pointner (1765–1807) auf einem Teil des Friedhofs beziehungsweise dem nach dem Umbau und der Verkleinerung der Kirche (1638-1648) freigewordenen Areal das Prioratshaus errichtet (Schubladkastenhaus).

1., Freyung 6 und 6a: Schottenkloster und Schottenkirche, um 1940

Schottengymnasium

Am 24. März 1806 erhielt Abt Benno Pointner ein Landesregierungsdekret, das die unverzügliche Errichtung eines Gymnasiums befahl. Eine Kommission suchte am 28. Mai des selben Jahres einen geeigneten Bauplatz. Der ausgewählte Ort wurde für bestens geeignet erachtet, da er außerordentlich ruhig war, den Schülern durch das Kloster einen bequemen Weg zur Kirche bot und sich die Lehrer nicht auf fremden Grund zu begeben brauchten. Am 16. Jänner 1807 befahl der österreichische Kaiser Franz I. trotz Bedenken mancher Behörden den Bau des Schule. Noch bevor der Bau beginnen konnte, verstarb Abt Benno Pointner. Obwohl es dadurch zu Verzögerungen kam, konnte das Schottengymnasium (Gymnasium zu den Schotten) am 4. November 1807 eröffnet werden.

1809

Im Französisch-österreichischen Krieg (1809) lagerten in den Höfen des Schottenstifts zwei- bis dreihundert Soldaten, für deren Verpflegung das Kloster zu sorgen hatte. Der Kreuzgang wurde als Magazin adaptiert, in dem sogar eine Bäckerei untergebracht wurde. Trotz des hohen Schadens rüstete das Stift das vierte Bataillion der Wiener Freiwilligen, das an der Schlacht von Ebelsberg erfolgreich teilnahm, fast ausschließlich aus Stiftsgeldern aus. Um dies finanzieren zu können, opferte man große Teile des Silbergeräts. Später wurden die Klosterweine von den Franzosen beschlagnahmt. Der damalige Abt, Andreas Wenzel (1807–1831), gehörte auch der Abordnung an, die Napoleon in Schönbrunn um Schutz für das von den kaiserlichen Truppen geräumte Wien bat.

Umfangreiche Umbauten

1826 bis 1832 wurden die meisten Gebäude des ausgedehnten Komplexes, der nun offiziell den Namen Schottenhof erhielt, nach Plänen von Josef Kornhäusel umgestaltet beziehungsweise neu erbaut, insbesondere die der Freyung zugewandte Fassade und das eigentliche Stiftsgebäude im ersten Hof (siehe Baugeschichte). Am 24. Juli 1854 erregte der Brand des Dachstuhls großes Aufsehen. Im Zusammenhang mit dem Abbruch der Bastei wurde am 14. Jänner 1870 ein Durchgang zwischen der Helferstorferstraße und der Freyung geschaffen.

20. Jahrhundert

Aufgrund des Ostmarkgesetzes wurde 1938 das renomierte Schottengymnasium geschlossen. Auch durch den Krieg wurde das Schottenstift schwer getroffen: Mehrere Bombeneinschläge richteten schwere Beschädigungen an (siehe Baugeschichte).

Am 17. April 1945 konstituierte sich im Schottenhof die Österreichische Volkspartei (ÖVP). Auch das Schottengymnasium konnte bald wieder in Betrieb genommen werden.

Berühmte Bewohner

Im Schottenhof wohnten (neben Wolfgang Schmeltzl und Benedictus Chelidonius) unter anderem Johann Joseph Fux (1696-1702; Organist des Stiftes), Franz Liszt (1869-1886; Gedenktafel mit Porträtrelief) und Ignaz Aßmayer (1827). 1817 kam hier auch Franz Grillparzer bei seiner Tante unter, da seine Mutter und er keine (finanzierbare) Wohnung fanden. Grillparzers Wohnung lag über der Backstube im von Abt Karl Fetzer erbauten Trakt. Wegen der Wärme und dem Lärm der Backstube konnte er hier nicht schlafen. Er übernachtete daher gerne in der Wohnung seiner zweiten Tante, die diese nur tagsüber benutzte und die sich in einem anderen Trakt des Schottenstifts befand. In dieser Zeit schrieb er "Sappho" und wurde zum k.k. Hofdichter ernannt, wodurch er mit seiner Mutter in eine Wohnung im Haus Stadt 403 (Judenplatz 1) übersiedeln konnte. 1908 verstarb der Staatsmann Ignaz Plener im Alter von 98 Jahren im Schottenstift.


Baugeschichte

Frühe Klosteranlagen

Über die erste Klosteranlage gibt es kaum Informationen. Sie fiel dem Brand im Jahr 1276, der von einem Ziegelofen ausging, zum Opfer. Auf einer Grundfläche, die wesentlich größer war als die des heutigen Stifts, entstand eine neue Klosteranlage. Sie bestand aus vielen einzelnen Objekten, die ohne Gesamtplan nach den jeweiligen Bedürfnissen nach und nach errichtet wurden.

Benediktiner

Im 15. Jahrhundert wurden diese Gebäude von den Benediktinern vielfach durch neue ersetzt. Wie schon erwähnt erhielten die Benediktinermönche viele Zuwendungen von Wohltätern. So ließ der Hubmeister Albrechts V., Berthold von Mangen, anstelle eines Obstgartens ein neues Refektorium bauen. Außerdem trug er den Großteil der Kosten für das neue Dormitorium (Schlafraum). Unter Abt Martin von Leibitz (1445-1461) wurden eine neue Bibliothek und ein Gästehaus errichtet. Außerdem ließ er ein am Schottenhof gelegenes Gebäude restaurieren und daneben ein neues aufbauen. Darüber hinaus wurde der Kornspeicher repariert.

Von Hans Scharfenperger wurde ein Haus im Bereich des Schottenhofes erbaut sowie ein Brunnen gegraben, der in späterer Zeit verschüttet wurde und dessen Reste man noch heute im Keller des Schottenstifts findet. Leopold Süß baute ein Wohnhaus im Schottenhof, in dem er selbst wohnte. Beide stifteten auch Altäre für die Kirche.

Schäden

Durch den Brand von 1488, bei dem der Kirchturm einstürzte, wurden viele Klostergebäude beschädigt. Noch größere Schäden entstanden durch die Belagerung Wiens 1529. Im Zuge der Reparaturarbeiten ließ Abt Konrad Weichselbaum (1528–1541) einen tiefen Keller unter dem Stift anlegen.

Wegen der schlechten finanziellen Situation des Stiftes im 16. Jahrhundert konnte der Erhaltung des großen Komplexes nur beschränkt nachgekommen werden. Da die Mieteinnahmen zu dieser Zeit nur wenig Geld einbrachten, verkaufte das Stift Grundstücke. Auf diese Weise konnten beim Bau des Kaiserlichen Zeughauses im Jahr 1585 der Stiftsmeierhof und ein großer Teil des Stiftsgartens in dessen Bauareal einbezogen werden.

Beschreibung aus dem Jahr 1600

Aus einer Beschreibung der Klosteranlagen, die aus dem Jahr 1600 stammt, geht hervor, dass die Prälatur sehr armselig ausgestattet war. Sie umfasste ein Vorhaus, einen Saal, das "alte Schlafhaus" und ein Vorzimmer, in dem allerlei Silber aufbewahrt wurde. Im Schlafzimmer des Abtes lagen seine Ornate und sein Eigentum, das sich in sieben Kisten befand. Die übrigen Kirchenschätze wurden in der oberen und und unteren Sakristei aufbewahrt. In einer Inventarliste aus dem Jahr 1608 wird ein Neubau erwähnt, der im Zusammenhang mit der Prälatur stand und eine Stube und fünf andere Zimmer umfasste. Diese waren aber kaum oder gar nicht eingerichtet. Dem Abt standen darin eine Schreibstube und ein Grundbuchgewölbe zur Verfügung.

Die Konventualien hatten außer dem Dormitorium und Refektorium noch eine Konventstube und daneben einen Saal samt Vorhaus.

Zur Küchenanlage gehörte ein Speisegewölbe sowie eine Küche, ein "Kuchlhöffl", ein "Kuchlstübl", ein Keller und ein Fleischgewölbe.

Das Schulhaus bestand aus einem Vorhaus, einem Zimmer und einer Kammer für den Schulmeister, drei Studentenkammern und einer eigentlichen Schulstube. Die Einrichtung der Schule war ärmlich.

Zu den Wirtschaftsgebäuden zählte ein Meierhof mit Küche, Stube für die Magd, Krautkammer sowie ein Keller, ein Stall für die Reitpferde, ein Stall für die Wagenpferde, ein Kuh- und ein Schweinestall. Außerdem gab es eine Wagenhütte mit Stadel und Geschirrkammer sowie eine Kammer über der Küche. Im Anschluss an den Meierhof befanden sich die Kammern des Kellners, des Weingartenknechtes, des Zuschrotters und des Küchenknechtes. Weiters gab es ein Presshaus mit einem "Preßhöffl" und einem Gewölbe (Die Presse wurde 1654 im Stift abgebaut und in St. Ulrich wieder aufgestellt). Zusätzlich gab es drei Kästen (Speicher). In der Nähe des Meierhofes lagen zu dieser Zeit auch die Binderwerkstätte und die Sattlerei (Beide kamen später in den von Abt Johannes XI. Schmitzberger erbauten Trakt). Schmiede, Wagnerei und Bäckerei schlossen den Schottenhof gegen die übrigen Wirtschaftsgebäude ab. Zwischen dem Kasten oder dem Stadel befand sich die Rossschwemme. Es muss auch eine Mühle gegeben haben, da dem Kloster 1645 empfohlen wurde, die ehemalige Rossmühle im Schottenhof wieder instand zu setzen.

Neuerrichtung des Schottenstifts

Unter Abt Johannes X. Walterfinger (1629-1641) setzte eine Bauperiode ein, in der die einzelnen Bauten, durch große und zusammenhängende Gebäude mit einheitlichen Fronten ersetzt wurden. Als erstes wurde die Kirche zwischen 1638 und 1648 durch einen Neubau ersetzt. Die Neuerrichtung des baufälligen Klostergebäudes, die bereits 1638 angedacht war, konnte wegen knapper finanzieller Mittel nur in Etappen vorgenommen werden. Sie begann im Jahr 1672 und dauerte ungefähr hundert Jahre. Nur der sogenannte Heinrich-Jasomirgott-Brunnen konnte bereits 1652 unter Abt Petrus Heister (1649–1662) vom Bildhauer Johann Sebastian Wagner errichtet werden.

Abt Johannes XI. Schmitzberger (1669–1683) begann mit der Errichtung eines zusammenhängenden Hofes. Er begründete dies nicht nur mit der Baufälligkeit der alten Gebäude und der erhöhten Feuergefahr, die von den vielen Herden in den verwinkelten Häusern ausging, sondern auch damit, dass es keine sicheren Aufbewahrungsorte für Briefschaften gäbe. Auch bleibe kein Platz für die Aufnahme von Fremden und nicht einmal für ihn und seine Bediensteten gäbe es eine ordentliche Wohnung. Wichtiger scheint jedoch gewesen zu sein, dass das Stift dringend höhere Einnahmen benötigte, die man durch größere Zinshäuser erwirtschaften konnte.

Der Rat der Stadt Wien wollte die Arbeiten verhindern und reichte am 25. August 1673 in einer Audienz eine Beschwerde ein. Der bereits begonnene Bau solle eingestellt werden, da die Stadt durch die klösterlichen Bauten zu viel Steuergeld verliere. Da kirchlicher Besitz von der Steuer- und Quartierpflicht (Zwangsweie Einquartierungen) befreit sei, könne das Kloster einen viel niedrigeren Mietzins verlangen. Der Abt erwiderte, dass er über seinen Grund frei verfügen könne und setzte die Arbeiten fort.

Der ziemlich niedrige Neubau war zweistöckig und nahm ungefähr die Fläche des heutigen Stiftes ein. Kaum war der Bau fertiggestellt, kam es zu schweren Beschädigungen durch die Brandkatastrophe vom 14. Juli 1683, die im Zusammenhang mit der Belagerung Wiens durch die Osmanen stand. Abt Sebastian I. Faber (1683–1703) ließ die zerstörten Gebäude wiederherstellen, wobei die Arbeiten 1690 beendet werden konnten. Als teilweise Wiedergutmachung für die Schäden der Belagerung erlaubte Leopold I. dem Kloster, den Neudeggerhof "mit den dazu gehörigen 13 Unterthanen, so alles zu dem Hochstift Passau gehörig [...] eigentümlich an sich [zu] bringen".

Als der erst 29jährige Karl Fetzer das Stift als Abt (1705-1750) übernahm, war es in einer schweren finaziellen Krise. Es verfügte zu diesem Zeitpunkt über 30 Gulden, hatte aber Schulden in der Höhe von 250.000 Gulden. In seiner Zeit als Abt wirtschaftete er dermaßen erfolgreich, dass er 200.000 Gulden in Bauten, 20.000 Gulden in neue Bücher, 60.000 Gulden in neue Ornate, 13.000 Gulden in Silbergerät, 5.000 Gulden in eine neue Monstranz und 4.000 Gulden in Musikalien investieren konnte!

Als erstes ließ er den Prälatensaal ausbauen und ausmalen, dann wurden leerstehende Räume hergerichtet und vermietet. Auf diese Weise konnte er den Zinsertrag eines einzigen Traktes auf 2.200 Gulden steigern. Als nächstes wurde der große Meierhof, der als feuergefährlich galt, abgebrochen und durch einen Neubau auf dem Schottenfeld ersetzt. Der dadurch entstandene Platz war für den Bau neuer Wohntrakte vorgesehen. Er konnte jedoch nur mehr zwei dreistöckige Trakte errichten, der Rest wurde erst unter seinen Nachfolgern fertiggestellt. In Richtung des Schottentores wurde an der Wand ein sehr altes Kruzifix angebracht.

Am 8. Februar 1754 stellte eine von Abt Robert Stadler (1750–1765) zusammengerufene Kommission fest, dass zwei noch nicht erneuerte Trakte nicht nur baufällig, sondern auch feuergefährlich seien. Daher wurde ein Antrag auf Neuerrichtung eingebracht, welchen die Regierung am 13. Februar 1754 bewilligte. Sieben Tage später schloss der Abt mit dem Baumeister Matthias Gerl einen Vertrag über die Neuerrichtung eines zweistöckigen Gebäudes ab, das bis zum Georgitag des Jahres 1755 fertiggestellt sein müsse. Gerl hatte sämtliche Arbeiter und Materialien zu stellen. Die Kosten dieses Baus betrugen 17.328 Gulden. Durch die Fertigstellung waren bereits die Umrisse des heutigen Schottenklosters erkennbar.

Kurz nachdem am 27. März 1765 Benno Pointner zum Abt (1765-1807) gewählt wurde, begann er mit dem Bau eines neuen Refektoriums, wobei im ersten Stock die Bibliothek untergebracht wurde. Es wurde vom Baumeister Ludwig Kaltner errichtet, kostete 15.581 Gulden und schloss sich an das Konventsgebäude an. Die Fresken in der Bibliothek wurden von Johann Wenzel Bergl geschaffen, der dafür 100 Dukaten erhielt. Am Eingang standen zwei vergoldete Statuen (heiliger Benedikt und heilige Scholastika). Im Garten ließ der Abt 1775 ein Lusthaus (kleiner Kuppelbau) bauen und sechs Nischen der Gartenmauer mit Motiven aus dem Leben des heiligen Benedikt und der heiligen Scholastika bemalen.

Der Plan, den von seinem Vorgänger erbauten Trakt noch im selben Jahr zu verlängern und den Hof zu vollenden, scheiterte wohl an fehlenden finanziellen Mitteln. Außerdem wollte er in der Nähe der Zeughausmauer ein Gebäude errichten, in dessen Erdgeschoß eine neue Wagenremise untergebracht werden sollte. In den oberen Stockwerken wären Mietwohnungen entstanden. Dieser Plan scheiterte jedoch am Widerstand des Feld- und Zeugamtes, da man eine erhöhte Feuergefahr verhindern wollte.

1792 verfügte der Abt über die notwendigen finanziellen Mittel, um zwei neue Trakte errichten zu können. Die Pläne entwarf der niederösterreichische Regierungsbaumeister Andreas Zach, der sich bereits beim Prioratsgebäude (Schubladkastenhaus) bewährt hatte. Dem Bau, durch den drei der heutigen Höfe voneinander getrennt werden, fielen die Stiftskanzlei und das Amtsrichterhaus zum Opfer. Die Arbeiten, die am 16. Mai 1792 vom Magistrat genehmigt wurden, hatten bereits am 27. Februar dieses Jahres begonnen und wurden am 28. Juni 1794 abgeschlossen. Die Kosten betrugen 111.288 Gulden und konnten durch Ersparnisse des Klosters gedeckt werden.

Im Jahr 1807 wurde für das neue Gymnasium ein weiteres Gebäude erbaut, mit dem der Hof gegen Osten abgeschlossen wurde. Am 14. Mai 1807 konnte von der provisorischen Klosterleitung (Abt Benno Pointner war am 15. Februar 1807 verstorben) die Finanzierung auf Kredit festgelegt und der Bau begonnen werden. Die Arbeiten kamen aber nur langsam voran, da man im Hinblick auf die bevorstehende Abtwahl keine wichtigen Entscheidungen wünschte. Erst als am 18. Juni 1807 Andreas Wenzel zum Abt (1807-1851) gewählt wurde, kam es zu einer raschen Fertigstellung der Arbeiten. Die Kosten betrugen cirka 63.000 Gulden.

Umbauten 1826-1832

In der Mitte des Schottenklosters befand sich noch das alte Konventsgebäude, das seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts unverändert geblieben war. Abt Andreas Wenzel suchte 1826 um die Erlaubnis an, diesen Trakt, der an der Schottengasse und dem Basteiweg lag und bisher zweistöckig war, auf vier Stockwerke zu erhöhen. Obwohl die Erlaubnis unter der Auflage, dass die Bauarbeiten innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein müssten, erteilt worden war, wurde am 5. März 1827 der Entschluss gefasst, dass das gesamte Gebäude abgebrochen und vollkommen neu erbaut werden sollte. Weiters plante man, alle außer dem von Abt Karl Fetzer erbauten Trakte auf vier Stockwerke zu erhöhen.

Bereits am Georgitag des Jahres 1828 konnte der an Schottengasse und Basteiweg gelegene Trakt bezogen werden. In den drei folgenden Jahren wurden weitere Trakte, darunter das Gymnasium um zwei Stockwerke erhöht und die Fassade erneuert.

Am 6. Mai 1831 wurde unter Anwesenheit des Hofes und vieler Adeliger der Grundstein für das neue Stiftsgebäude gelegt. Als man die Baugrube für das Fundament aushob, fand man einen großen, inschriftlosen Sarkopharg aus Sandstein, der sich heute im Konventgarten befindet. Darunter befanden sich Ziegelsteine aus der Römerzeit, die den Stempel der achten Legion trugen. Im September 1832 wurde das neuerbaute Gebäude von den Behörden zur Benutzung freigegeben und 1832/1833 der Konventgarten neu angelegt. Die Gesamtkosten für die Umbauten betrugen 766.640 Konventionsgulden. Alleine der Architekt Josef Georg Kornhäusel erhielt 8.000 Gulden. Der eigentliche Bauleiter war der Baumeister Joseph Adelpodinger, der auch die Grundrisspläne signierte. Die Bildhauerarbeiten wurden von Jakob Schroth geschaffen, darunter der Schmuck des Bibliothekseinganges, die Aufstellung der Grabmäler im Mausoleum, Arbeiten an der Hauptfassade sowie mehrere Wappen. Gleichzeitig wurde die Bildersammlung in der Prälatur restauriert und die große und die kleine Bildergalerie in den Zimmern der Prälatur an der Ecke Freyung/Schottengasse eingerichtet. 1848 wurden sie samt dem Archiv von der Prälatur getrennt und zu einer Privatwohnung umgebaut.

Weitere Umbauten

Unter Abt Sigismund Schultes (1832–1861) wurde an der bisher unverbauten Fläche in Richtung des Zeughauses ein neuer Trakt errichtet, der im rechten Winkel zum alten Schottensteigtrakt stand und den Hof an dieser Seite abschloss. In diesem Trakt befanden sich Mietwohnungen, die ab Oktober 1847 bezogen werden konnten.

Nach dem Dachstuhlbrand vom 24. Juli 1854 erhielt der erste Hof ein Ziegeldach anstatt des bisherigen Kupferdaches.

Als in den 1860er Jahren die Schottenbastei mitsam den Basteihäusern abgetragen wurde, kaufte das Stift ein kleines Grundstück, auf dem einige Verkaufslokale errichtet werden konnten. Die an der Rückseite einiger Basteihäuser liegende Feuermauer lag ab 1869 frei. Abt Othmar von Helferstorfer (1861–1880) berief daher am 20. Juni 1869 das Kapitel ein, da "die Mauer ein Schandfleck und eine anstößige Anomalie" sei. Man beschloss einstimmig, dass "in Berücksichtigung der ästhetischen Interessen Wiens und in billiger Rechnungtragung der Verschönerung der Hauptstadt das unschöne Bauwerk abgetragen und ein anständiger Neubau errichtet werde." Auch der von Abt Karl Fetzer erbaute Doppeltrakt sollte in den Neubau einbezogen werden. Die Arbeiten verzögerten sich jedoch, da es Unstimmigkeiten zwischen Gemeinde Wien und dem Stift über die Anlage einer Straßenfläche gab. Das Angebot der "Wiener Baugesellschaft", den betreffenden Grund zu kaufen, wurde vom Kloster abgelehnt. Erst nachdem der Magistrat 1870 die Baulinie festgelegt hatte, konnte mit den Arbeiten begonnen werden. Franz von Neumann zeichnete Pläne für den Neubau, doch wurde der Architekt Ludwig Zettl beauftragt, der zwar grundsätzlich die Pläne Neumanns verwendete, aber mehrere, teils wesentliche Änderungen vornahm. Die Arbeiten wurden vom Baumeister Johann Sturany geleitet und dauerten vom 1. November 1871 bis zum 1. Mai 1874. Durch den Neubau wurde Wohnraum für 635 Personen geschaffen. Bereits etwas früher wurde im zweiten Hof ein neues Bassin errichtet.

20. Jahrhundert

1913/1914 wurde zwecks Erweiterung des Gymnasiums durch einen Turn-, Physik- und Zeichensaal ein neuer Flügel erbaut, der sich an den Nordtrakt des Konventsgebäudes in nördlicher Richtung anschließt und parallel zum Gymnasiumsgebäude verläuft.

Am 10. September 1944 schlug östlich der Stiege VI (erster Hof) eine Bombe ein, welche die oberen drei Stockwerke in einer Breite von sechs Fensterachsen zerstörte und auch Schäden im ersten Stock und im Erdgeschoß anrichtete. Im zweiten Hof (nahe der Heßgasse) kam es am 25. Jänner 1945 zu zwei Bombentreffern, die nur wenig Schaden anrichteten. Eine dritte durchschlug jedoch Wasser- und Gasleitungen und verwüstete mehrere Räumlichkeiten im Erdgeschoß.

Bis 1996 wurde das Schottenstift teilweise saniert. Schwerpunkte der Neugestaltung bildeten die Einrichtung des öffentlich zugänglichen Museums und das Innere der Stiftskirche.


Heutiges Gebäude

Das Schottenstift besteht aus einer Vielzahl von in den Jahren 1724 bis 1770 entstandenen Trakten, die zum Teil nach dem großen Brand im Jahr 1818 neu errichtet wurden. Die an der Schottengasse und an der Freyung liegende Fassade wurde erst 1832 geschaffen. Das Stift steht auf einer verbauten Grundfläche von 14.963 Quadratmetern. Dazu kommen noch 5577 unverbaute Quadratmeter, auf denen sich die Höfe und Gärten befinden.

Inneres

Im Konventgebäude befinden sich ebenerdig Aula, Johanneskapelle und Refektorium, in den Obergeschoßen unter anderem die bemerkenswerte zweigeschoßige Bibliothek (mit Tonnengewölbe auf ionischen Säulen, Fresken von Franz Weiner und Reliefs von Joseph Klieber) und der Prälatensaal. Im ersten Stock wurde in den Räumen der ehemaligen Prälatur das Museum des Schottenstifts (mit Gemälde- und Kunstgalerie) eröffnet, in dessen Zentrum der Altar des Schottenmeisters steht. Außerdem besitzt das Stift ein bedeutendes Archiv und eine Bibliothek.

Höfe

Im Konventgarten steht auf einem Sockel die "Schwarze Muttergottes" (Entwurf von Peter Nobile, 1825; Gusseisenstatue von Johann Nepomuk Schaller), im ersten Hof steht der von Johann Sebastian Wagner gestaltete Heinrich-Jasomirgott-Brunnen, im zweiten Hof ein (von Ludwig Zettl) 1872-1874 entworfener Zierbrunnen.


Literatur

  • Cölestin Roman Rapf: Das Schottenstift. Wien [u.a.]: Zsolnay 1974 (Wiener Geschichtsbücher, 13)
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  • Cölestin Roman Rapf: Das Wiener Schottenstift zur Babenbergerzeit. In: Hanns Schmid [Hg.]: Haydn-Museum, Eisenstadt. Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abt. XII-3, Landesmuseum 1982 (Catalogue / Landesmuseum ; N.F.), S. 301 ff.
  • Willibald Berger: Die Wiener Schotten. Wien: Bergland-Verl. 1962
  • Willibald Berger: Das Schottenstift zu Wien. München [u.a.]: Schnell & Steiner 1966
  • Walter Sauer: Die Abtwahl des Wiener Schottenstiftes im Jahr 1832. Spätjosephinismus und Restauration im Wiener Ordensklerus. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1939-1989. Band 32-33,1976/1977, S. 101 ff.
  • Erwin Maria Auer: Theaterspielen und Klosterspiele bei den Schotten. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1939-1989. Band 42,1986, S. 89 ff.
  • Ernest Hauswirth: Abriß einer Geschichte der Benedictinerabtei U. L. F. zu den Schotten in Wien. Wien: Mechitharisten-Congregations-Buchdr 1858
  • Albert Hübl: Baugeschichte des Stiftes Schotten in Wien. In: Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien. Wien: Gerold 1856-1918. Band 46-47,1914, S. 36 ff.
  • Hans von Voltelini: Die Anfänge der Stadt Wien. Wien: Fromme 1913, S. 48 ff.
  • Karl Janecek: Zur Besitzgeschichte des Wiener Schottenklosters. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1939-1989. Band 5-6,1946/1947, S. 24 ff.
  • Richard Perger: Die Grundherren im mittelalterlichen Wien 1. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1939-1989. Band 19-20, 1963/1964, S. 15 ff.
  • Präsidium der Wiener Katholischen Akademie [Hg.]: 800 Jahre Schottenabtei. Die Anteilnahme der Wiener Katholischen Akademie am Jubiläum der Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien im Jahre 1958. Wien: Herold 1960 (Religion, Wissenschaft, Kultur. Vierteljahrsschrift der Wiener Katholischen Akademie, 1)
  • Karl Lechner: Die Gründungsgeschichte und die Anfänge der Schottenabtei. In: Religion, Wissenschaft, Kultur. Vierteljahrsschrift der Wiener Katholischen Akademie 1 (1960), S. 19-38
  • Hugo Hantsch: Die Geschichte der Schottenabtei im Mittelalter und die Melker Reform. In: Religion, Wissenschaft, Kultur. Vierteljahrsschrift der Wiener Katholischen Akademie 1 (1960), S. 39-49
  • Hermann Peichl: Die Geschichte der Schottenabtei in der Neuzeit. In: Religion, Wissenschaft, Kultur. Vierteljahrsschrift der Wiener Katholischen Akademie 1 (1960), S. 51-61
  • Franz Jandos: Das Schottengymnasium 1807-1907. In: 134. Jahresbericht des Schottengymnasiums in Wien. Wien: Verlag des Schottengymnasiums 1957, S. 44-59
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