Sammellager Malzgasse 7

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1942
Jahr bis 1943
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle
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BezirkStraßeHausnummer
2Malzgasse7

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Von 28. Juni 1942 bis Mai 1943 diente das Schulgebäude als Sammellager der für die Deportationen zuständigen „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ im Rothschildpalais (4., Prinz-Eugen-Straße 20-22).

Vorgeschichte

1906 wurde das „Elisabeth-Heim für Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen“ in das Haus in der Malzgasse 7 verlegt. Das Heim war 1897 von Bertha Krüger (Kohn) (1857-1907), Präsidentin des Leopoldstädter Frauenvereins, gemeinsam mit ihrem Mann, Obermedizinalrat Dr. Samuel Krüger (Kohn) (1850-1933) gegründet worden. Nach dem frühen Tod von Berta Krüger war ihr Mann Präsident des Heims. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Haus Miesbachgasse 8 angekauft und mit jenem in der Malzgasse 7 in ein zusammenhängendes Gebäude (2., Malzgasse 7 / Miesbachgasse 8 / Leopoldgasse 13-15) umgebaut. Damit konnten 150 Waisenmädchen im Alter zwischen acht und vierzehn Jahren betreut und anschließend im Lehrmädchenheim ausgebildet werden. Die Erhaltung des Heims war durch einmalige Stiftungen und Subventionen der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien gesichert. 1928 wurde das Heim offiziell in Dr. Krüger Heim umbenannt. Das Gebäude nutzten auch jüdische Mädchenschulen, z.B. eine höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe und die Mädchenschule des Talmud Thora Schulvereins. Die letzte Präsidentin des Heims war Hermine Krüger (1883-1942), die zweite Ehefrau von Samuel Krüger, die am 24. März 1942 in Wien starb. Nach dem „Anschluss“ diente das Gebäude zunächst weiter als Heim und Schule, u. a. auch für die Jugendalijah. Ab 1. Februar 1940 richtete die IKG im Haus ein „Altersheim für weibliche Pfleglinge“ ein. Das Altersheim wurde im Juni 1942 aufgelöst.

Das Sammellager Malzgasse 7

Ab 28. Juni 1942 diente das Haus Malzgasse 7 als ein Sammellager. Vom Eingang Miesbachgasse 8 bestand in einem abgetrennten Teil des Hauses ein Gestapogefängnis. Viele der für Deportationstransporte nach Theresienstadt bestimmten Bewohnerinnen und Bewohner jüdischer Altersheime wurden zunächst in den Sammellagern Malzgasse 7 und 16 konzentriert. Das Sammellager in der Malzgasse 7 war das letzte bestehende Sammellager und wurde im Mai 1943 aufgelöst.

Nachnutzung

Ab Juni 1943 diente das Heim wieder als Altersheim des „Ältestenrats“, der Nachfolgeorganisation der Israelitischen Kultusgemeinde, und blieb bis Kriegsende bestehen. Da das Gebäude des jüdischen Spitals in der Malzgasse 16 nicht genügend Platz bot, mussten einige Ambulanzen im Altersheim untergebracht werden. Ende des Jahres 1943 lebten hier 63 Personen (30 Männer und 33 Frauen), von denen der Großteil durch nichtjüdische Familienmitglieder vor Deportation geschützt war. Ab 1944 wurden in der Malzgasse 7 ein Notspital für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingerichtet. Das Haus wurde 1954/55 abgerissen. Heute befindet sich dort der Theodor-Herzl-Hof.

Literatur

  • Das Dr. Krüger Heim 1897-1937. Gemeinnützige Fürsorgeinstitution für schulentwachsene verwaiste oder verlassene jüdische Mädchen, Wein 1937.
  • Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) (Hg.), Jüdische Schicksale. Berichte von Verfolgten. Erzählte Geschichte, Bd. 3., Wien ²1993.
  • Shoshana Duizend-Jensen, Jüdische Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Fonds. "Arisierung" und Restitution, Historikerkommission, Bd. 21,2, Wien / München 2004.
  • Elisabeth Fraller / George Langnas (Hg.), Mignon. Tagebücher und Briefe einer jüdischen Krankenschwester in Wien 1938-1949, Wien 2010.
  • Dieter J. Hecht/Eleonore Lappin-Eppel/Michaela Raggam-Blesch, Topographie der Shoah. Gedächtnisorte des zerstörten jüdischen Wien, Wien 2015.
  • Eleonore Lappin-Eppel, Ungarische-Jüdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Österreich 1944/45. Arbeitseinsatz – Todesmärsche – Folgen, Wien 2010.
  • Doron Rabinovici, Instanzen der Ohnmacht. Wien 1938-1945. Der Weg zum Judenrat. Frankfurt/Main: Jüdischer Verlag, 2000.
  • Herbert Rosenkranz, Verfolgung und Selbstbehauptung. Die Juden in Österreich 1938-1945, Wien 1978.
  • Verena Stelzer, Das Elisabethheim – Eine Einrichtung der Jüdischen Waisenfürsorge zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in: http://www.david.juden.at/2008/78/22_stelzer.htm.