Salzgrieskaserne

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Salzgrieskaserne, Blick von Norden, 1859
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1745
Jahr bis 1880
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Salzgries
Einlagezahl
Architekt Daniel Christoph Dietrich
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  27.01.2017 durch DYN\krabina
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Bildname HMW 055498 00010.jpg
Bildunterschrift  Salzgrieskaserne, Blick von Norden, 1859
Bildquelle HMW 55498/10, Foto: k. k. Hof- und Staatsdruckerei Wien
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtSalzgries10-16

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Salzgrieskaserne (1, Salzgries 10-16), einzige innerhalb der Stadtbefestigungen errichtete Kaserne.

Ehemalige Kaserne auf dem Salzgries.

Vorgeschichte

Bis in das 17. Jahrhundert hinein befanden sich, auf dieser Seite des Salzgrieses längs an welcher die Stadtmauer verlief, keine Häuser, später begann man dort mit dem Bau von Basteihäuseln (im Basteiurbar werden für diese Zeit 53 genannt) über die jedoch keine Geweren ausgestellt wurden. Bis 1721 hatte Wien, abgesehen von den Ubikationen der Stadtguardia, keine Kasernen im eigentlichen Sinn des Wortes besessen. Die erste Kaserne, welche auf diese Bezeichnung Anspruch erheben durfte, war die Leopoldstädter Kaserne gewesen, die auf Reiterkaserne genannt wurde. Sie wurde am 1. August 1723 von vier Kompagnien des Carl Bathyanischen Reuterregiments bezogen. Dieser ersten Kaserne folgte als zweite der Bau der Salzgrieskaserne, mit dem 1745 begonnen wurde und bald darauf jener der Getreidemarktkaserne, der 1749 fertiggestellt war. 1776 /1779 erstand dann die Alserkaserne, etwa um die gleiche Zeit die Heumarktkaserne und 1797 die Rennwegkaserne (an der Stelle des früheren dort bestandenen Waisenhauses). Mit Ausnahme der letzteren, die aber als Kaserne auch nicht mehr in Verwendung steht, bestehen die früher genannten Kasernen nicht mehr.

Planung

Als Karl VI. 1722 erstmals versuchte, die Stadtguardia durch reguläre Truppen zu ersetzen, war beabsichtigt, in Wien ein aus vier Bataillonen bestehendes Regiment mit zwei Grenadier-Kompanien zu stationieren, wobei je ein Bataillon in der Stadt und in einer Vorstadt Quartier beziehen sollten, die beiden restlichen hingegen im weiteren Umland Wiens. Daraufhin rückte ein Bataillon ins kaiserliche Arsenal, das andere in die Leopoldstädter Kaserne ein. Da man diese Unterbringung nur als Provisorium betrachtete, wurde angeregt, die Stadt solle aus eigenen Mitteln Kasernen errichten.

Erst als Maria Theresia 1741 die Stadtguardia tatsächlich auflöste und deren Basteihäuser (ungeachtet der Proteste der Hausbesitzer und Soldaten) demoliert wurden, möglicherweise auch unter dem Eindruck der 1741 befürchteten französisch-bayerischen Invasion, erklärte sich der Stadtrat bereit, zwei Regimenter regulären Militärs in die Stadt aufzunehmen und aus städtischen Mitteln die erforderlichen Kasernenbauten in Angriff zu nehmen, sofern im Gegenzug die Einquartierungspflicht der Bürger aufgehoben werde (mit Dekret Maria Theresias vom 13. Juli 1748 vollzogen). In Aussicht genommen wurden zwei Neubauten: die Getreidemarktkaserne und die Salzgrieskaserne; mit der Leopoldstädter Kavalleriekaserne und dem kaiserlichen Arsenal bestanden damit um die Mitte des 18. Jahrhunderts vier militärische Objekte (Kasernen).

Erst durch das Kasernenbauprogramm Josephs II. (das 1766 nach dessen Bestellung zum Mitregenten in den Erbländern begonnen wurde) kam es zu einer wesentlichen Erweiterung der Neubautätigkeit, allerdings ausschließlich außerhalb des Stadtzentrums.

Bau

Auf dem für die Salzgrieskaserne freizumachenden Areal stand neben einer Anzahl von Basteihäusern und privaten Miethäusern auch die kaiserliche Salzkammer. Die Salzgrieskaserne wurde am 7. Juli 1745 (nach Billigung der vom Stadtrat vorgelegten Pläne des städtischen Baumeisters Daniel Christoph Dietrich durch Maria Theresia am 9. Mai 1745) begonnen und am 12. März 1748 von zwei Bataillonen des Infanterie-Regiments Feldmarschall Graf Kolowrat bezogen. In den zweigeschossigen Kasernenbau mit seinen offenen Laubengängen, der fast die ganze nördliche Seite des Salzgrieses einnahm, wurde auch das Neutor einbezogen. Mit dem ersten Haus der Zeughausgasse (der Fortsetzung des Salzgrieses gegen die Renngasse zu) war sie durch einen Schwibbogen (den Torbogen des Neutors) verbunden, durch den man vom Salzgries zum äußeren Neutor gelangte.

Abbruch

1880 abgebrochen, wurde das gesamte Areal parzelliert und neu verbaut. Die Statue, die sich an einer Ecke der Salzgrieskaserne befand, ein stehender Engel mit dem Wiener Wappenschild (um 1748), wurde entfernt, vom Magistrat deponiert und in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts am ehemaligen Unterkammeramtsgebäude (1, Am Hof 9) angebracht. Auf dem Grunde der ehemaligen Kaserne entstanden zwischen 1880 und 1884 Häuser.

Archäologie

Bei Aushebung der Fundamente für die Salzgrieskaserne fand man tief in die Erde eingegrabene uralte Holzpflöcke, die durch Alter und Feuchtigkeit bereits schwarz wie Ebenholz schienen und offenbar als hölzerne Wehren zur Eindämmung des Ufers des damals hier vorbei fließenden Donauarmes gedient hatten. An jedem derselben waren zwecks Befestigung der landenden Schiffe große Eisenringe angebracht, - ein Beweis für den seinerzeitigen Lauf des Donauarmes.

Literatur

  • Felix Czeike: Die Wiener Kasernen seit dem 18. Jahrhundert. Die topographische Entwicklung. In: Veröffentlichungen der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Forschungs- und Sitzungsbericht 114. Hannover 1977, S. 253, S. 255
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 1: Geschichte, historische Hilfswissenschaften, Festungswerke und Kriegswesen, Rechtswesen, Kulturgeschichte, Sittengeschichte. Wien: Touristik-Verlag 1947, S. 128
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 4. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 889-891
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 589 f.
  • Julius Newald, Die beiden städt. Kasernen am S. u. am Getreidemarkt (1879)
  • Martin Senekowitsch: Militärische Einrichtungen Wiens im Wandel der Zeit. In: Truppendienst 30 (1991), S. 320
  • Rolf M. Urrisk-Obertyński: Wien - 2000 Jahre Garnisonsstadt, Band 3 Innere Stadt, Weishaupt-Verlag, Graz 2012, S. 280 ff.