Am Gestade 2-4

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Marienstiege / Salzgries 23, 1900
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1952
Jahr bis
Andere Bezeichnung Concordia Hof
Frühere Bezeichnung Zum Wolf in der Au
Benannt nach Concordia (Journalisten- und Schriftstellerverein)
Einlagezahl
Architekt Bruno Doska, Felix Hasenöhrl, Max Fellerer, Eugen Wörle
Prominente Bewohner Franz Grillparzer
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen
Letzte Änderung am  7.02.2017 durch WIEN1\lanm08mic
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Bildname HMW 024410.jpg
Bildunterschrift  Marienstiege / Salzgries 23, 1900
Bildquelle HMW 24410, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtSalzgries23
Innere StadtPassauer Platz4-5
Innere StadtAm Gestade2-4
Innere StadtMarienstiege1
Innere StadtConcordiaplatz4-5

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt22817951821
Innere Stadt21318211862
Innere Stadt40417701795
Innere Stadt22018211862
Innere Stadt40317701795
Innere Stadt22217951821
Innere Stadt21918211862
Innere Stadt22917951821
Innere Stadt21418211862
Innere Stadt40517701795
Innere Stadt22118211862
Innere Stadt40817701795
Innere Stadt22317951821
Innere Stadt23017951821
Innere Stadt21518211862
Innere Stadt40617701795
Innere Stadt22218211862
Innere Stadt44017701795
Innere Stadt22417951821
Innere Stadt40017701795
Innere Stadt39617951821
Innere Stadt21618211862
Innere Stadt40717701795
Innere Stadt22318211862
Innere Stadt44117701795
Innere Stadt22517951821
Innere Stadt40117701795
Innere Stadt22017951821
Innere Stadt21718211862
Innere Stadt22717951821
Innere Stadt36618211862
Innere Stadt44217701795
Innere Stadt22617951821
Innere Stadt40217701795
Innere Stadt22117951821
Innere Stadt21818211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Am Gestade 2-4, identisch mit Marienstiege 1, Concordiaplatz 4-5 und Salzgries 23, Passauer Platz 5.

Der großräumige Concordia-Hof umfasst einen ganzen Baublock, der durch Niederreißung einer ganzen Anzahl kleinerer Häuser frei wurde und an deren Stelle man einen einzigen großen Zinspalast erbaute. Die einstmals hier gestanden Häuser trugen die Nummern, 366, 213 bis 219.

Vorgängerbauten

Haus Stadt 366

Das Haus Stadt 366 bildete ursprünglich einen Teil des sogenannten großen oder unteren Passauer Hofes, welchen der Passauer Bischof Gottfried II. (von Weisseneck) von Jans dem Greiffen am 19. Februar 1357 samt den Kirchenlehen von Maria am Gestade und anderen Güter um 850 Pfund Wiener Pfennig käuflich erworben hatte. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts blieb dann das Haus Stadt 366 Passauer Zinshaus.

Das Haus Stadt 366 befand sich 1816 nach den Häuserbuch dieses Jahres noch im Besitz der Bistums Passau, 1821 schon in dem von Josef Janschgi (Janschky), dem größten Fuhrwerksbesitzer der damaligen Zeit, in dessen Familie es sich durch das ganze Jahrhundert weiter vererbte. In dem letzterschienen Häuserbuch vom Jahr 1885 ist Franz Josef Janschky als Eigentümer des Hauses genannt. 1901 erfolgte der Abbruch.


Haus Stadt 213

Das Haus 213 gehörte ursprünglich zu der daneben befindlichen Badstube, deren Besitzer 1438 Hanns von Graben war, welcher in eben diesem Jahr das ehemals hier gestandene Haus, gelegen zunächst seinem großen Haus (Stadt 214) um 47 Pfund Wiener Pfennig Linhart, Bischof von Passau verkaufte, welcher daraus einen Garten machte, den er mit einer Mauer umfangen ließ.


Haus Stadt 214

Das Haus Stadt 214 war ein langgestrecktes Haus, das von Maria am Gestade bis zum Salgries reichte und in der Lokalsage als das Haus "Zum Wolf in der Au" bekannt ist. Schon in früher Zeit befand sich dort eine Badstube, die in Urkunden des 14. Jahrhunderts wiederholt genannt wird. Nachdem sie vor offenem Gericht in der Bürgerschranne für versessenes Burgrecht der Stephanskirche zugesprochen worden war, verkaufte sie der Kirchenmeister von St. Stephan, Eberhart von Neuenburkch, 1388 einem Wiener Bürger. Nach vielfachem Besitzerwechsel kam das Haus 1901 zum Abbruch.

Zum Wolf in der Au

Das Wirtshaus "Zum Wolf in der Au" war ein Durchhaus, das vom Gestade bis hinab zum Salzgries reichte und gleichzeitig Herberge die insbesondere von den aus Oberösterreich mittelst Schiffen angekommenen Händlern aufgesucht wurde. Der Schildname des Hauses fand seine Entstehung in der Erinnerung an alte Zeiten, in denen nächtlicherweile, wenn die Donau Eis trug und das Land verschneit lag, von der Au im Wird jenseits der Donau das Heulen der Wölfe herüber drang und die Bewohner des Salzgrieses im Schlaf aufschreckte.

Der im Jahr 1936 von Rudolf Schmidt aufgestellte Hannakenbrunnen zeigt einen Verunglückten, wie er eben von zwei Männern zu dem vermeintlichen Retter in der Not getragen wird.

Beim Wolf in der Au hauste nach einer Wiener Volkssage ein Bader, der in seinem Fach von ganz besonderer Geschicklichkeit war. Er hatte sich eine Assistentin, die ihm bei seinen sonderbaren Kuren und zur unentbehrlichen Gehilfin wurde. Vom Volksmunde nur "Der Hanake" genannt, galt er als der beste "Zahnbrecher" von Wien, und hatte jemand Kopfschmerzen, so hieß es sei der Hanake der Einzige, der durch sein Haarschneiden alle Krankheiten des Kopfes fortzaubern könnte. Die Kundschaft der Gastwirtschaft machte er auch gerne zu der seinen, besonders wenn sie einen pralleren Geldbeutel vermuten ließ. Wenn die von ihm so ausgesuchten Opfer nach Einbruch der Dunkelheit in weinseliger Laune die Schenke verließen, stolperte gar mancher von ihnen und schlug auf die spitzen Steine des steilen Gässchens hin, wobei an den Stürzen und Verletzungen freilich der Bader nicht so ganz unbeteiligt war. Der Bader hatte sich nämlich zwecks leichterer Herbeiführung eines solchen Unfalls einen dicken Holzprügel zurechtgelegt, den er sorgsam gewählten Versteck dem Trunkenen mit großer Geschicklichkeit vor die Füße war, sodass der von ihm erwartete Erfolg nicht ausblieb. Das Sprichwort "Jemand einen Prügel vor die Füße werfen" soll dieser Mär seine Entstehung verdanken. Auf das Wehgeschrei des Verletzten erschien so ganz zufällig die Gehilfin des Baders in der Türe, bemühtes sich voll Mitgefühls um den Armen, half ihm auf die Beine und führte ihn in das Haus ihres Gebieters. Dort wurde er sofort kunstgerecht behandelt und der Lohn blieb nicht aus. Aber auf die Dauer konnte des Baders Schandtat nicht verborgen bleiben. Konkurrenzneid eines Kollegen über die Erfolge des Hanaken führten schließlich zu seiner Entlarvung. Ahnend, dass das nicht mit rechten Dingen zugehen könne, spielte sein Berufsgenosse selbst einmal den Trunkenen. Richtig flog ihm auch der Prügel vor die Füße und er tat auch so, als ob er gestürzt wäre und ließ dabei hurtig den Prügel unter seinem Mantel verschwinden. Doch in der Stube des Hanaken zog er ihn hervor und drohte, die Schandtaten des Baders allgemein bekannt zu machen. Dieser musste, um dem zu entgehen, dem Konkurrenten schwer Buße zahlen und sich außerdem verpflichten, weit weg in eine andere Gegend zu übersiedeln.

Das Motiv dieser Wiener Sage findet in der Brunnengasse vor dem Aufgang zur Marienstiege beredten Ausdruck. Der im Jahr 1936 von Rudolf Schmidt dort aufgestellte Hannakenbrunnen zeigt einen auf solche Art verunglückten, wie er eben von zwei Männern zu dem vermeintlichen Retter in der Not getragen wird. Ausführlich und reichlich ausgeschmückt, so wie mit einer Zeichnung von Professor Erwin Puchinger versehen, bringt Alfred Deutsch-German diese Sage unter dem Titel "Der Pflasterer von Wien" als Feuilleton in der Kleinen Volkszeitung, Wien vom 29. Juni 1935.


Haus Stadt 215

Im Jahr 1440 erstmals erwähnt. Nach vielfachem Besitzerwechsel kam es 1901 zum Abbruch.


Haus Stadt 216

1440 mittels Verkaufsurkunde erstmals erwähnt. 1840 wurde das Haus Stadt 216 abgebrochen.


Haus Stadt 217 - "Zum goldenen Glöckl"

Der nachweisbar älteste Eintrag zu dem Haus Stadt 217 findet sich im Jahr 1465. Es trug das Hausschild "Zum goldenen Glöckl".

In diesem Haus, das "Im Elend" lag, - so hieß die dortige Gegend damals im Volksmund, wohnte im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, Franz Grillparzer und dort entstand 1816 auch das Werk "Die Ahnfrau". Hier suchte ihn der Schauspieler Heurteur auf, der den Jaromir spielte und der bei seinem Besuch erstaunt war über Ärmlichkeit des Hausrates. Auf den alten Rohrlehnsessel vor dem Schreibtisch Franz Grillparzers war das Rohr durchgessessen und durch ein quer darüber gelegtes Brett notdürftig ein Sitz hergestellt. Hier saß man, wie dies Hermine Cloeter in "Geist und Geister aus dem alten Wien" sagt, buchstäblich "Im Elend". Allerdings war es nicht der große Erfolg, der den dichter dazu bewog, sich um ein neues Quartier umzusehen, sondern die erhaltene Kündigung zwang ihn dazu. Ein Brief vom 27. April 1817, den Grillparzers Mutter, mit der er sein Heim teilte, an ihren drittgeborenen Sohn Camillo nach Neutitschein schrieb, belegt dies und lässt gleichzeitig einen Eindruck gewinnen in die dürftigen Verhältnisse, unter die Franz Grillparzer damals litt. "Ich muss Dir berichten" so heißt es in dem Brief "dass Du in Zukunft Deine Briefe im Schottenhof zu der Paumgarten adressierst, denn wir haben uns zu ihr gezogen, weil man uns aufgesagt hat und wir kein Quartier vor schröcklicher Teuerung gefunden haben… ich halte mir keinen Dienstboten, koche selbst und mache alle Arbeiten, was mich ziemlich zugrund richtet, denn ich bin sehr schwächlich."

Im Jahr 1840 wurde dieses Gebäude abgebrochen.


Haus Stadt 218

Erstmals im Jahr 1435 erwähnt, als das Gebäude wegen hoher "Geldschuld" zum Verkauf steht. Nach vielfachem Besitzerwechsel wurde das Haus Stadt 218 mit dem Haus Stadt 216, im Jahre 1840, zu einem verbaut.

1901 kam auch dieses Haus mitsamt den Häusern Stadt 214 und 215 zum Abbruch.


Haus Stadt 219

Im Jahr 1440 erstmals erwähnt. Nach vielfachem Besitzerwechsel wurde im Jahr 1907 von der Gemeinde Wien erworben, die es 1936 abbrechen ließ. Die durch den Abbruch gewonnene Grundfläche wurde zur Passage Erweiterung des Stiegenhaus Aufganges zu Maria am Gestade herangezogen, wodurch auch die seit langem beabsichtigte Neugestaltung der Stiegenanlage zur Ausführung kam.

Neubau

1., Concordiaplatz 4-5; Am Gestade, um 1940

An Stelle der abgebrochenen Häuser wurden, im Jahr 1901, eine große fünf Stöcke hohes Zinshaus aufgeführt. Nachdem es zuerst private Besitzer hatte, kaufte es am 27. März 1931 der Jubiläumsfonds der Handels A.G. für die Ruhestandversorgung und Unterstützung ihrer Angestellten und deren Angehörigen, mit dem Kaufvertrag vom 21. April 1942 fiel es an die Handels A.G. in Wien.

Nachdem das Gebäude im März 1945 einem Bombenangriff und dadurch verursachten Brand zum Opfer fiel wurde erst mit Kauverträgen vom 9. und 20. August 1951 die leer stehende Brandfläche vom Verein der Freunde des Wohnungseigentums aufgekauft, die auf dem Grundstück einen (ihren Zwecken entsprechenden) Neubau (siehe unten: Concordia-Hof) zu errichten.


Kriegsschäden

Am 12. März 1945 geriet das Haus durch den Abwurf einer Brandbombe in Feuer und stand in kürzester Zeit in auflodernden Flammen. Die leicht brennbaren Vorräte der HAG (Handels A.G. für Schneiderzubehör), die dort große Lagerbestände aufgestapelt hatte, boten dem verheerenden Element reiche Nahrung, so dass sich das Feuer durch den damals herrschenden Wind in östlicher Richtung auch über die nächste Umgebung ausbreiten konnte und nicht nur dieses sondern auch andere Häuser völlig ausbrannten. Die Brandruine wurde im Zuge der nach dem Krieg einsetzenden Aufräumungsarbeiten abgetragen. Ihre Grundfläche blieb aber die längste Zeit unbebaut.


Concordia-Hof

Eigentumswohnhaus, erbaut 1952-1958 nach Plänen von Max Fellerer, Eugen Wörle und Felix Hasenörl durch die Neue Reformbaugesellschaft.

Benannt ist das Gebäude nach dem Schriftstellerverein Concordia, der in dieser Gegend seinen Sitz hatte. Der Hannakenbrunnen (1937) wurde an der alten Stelle wiederaufgestellt.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 218:

  • Jubiläumsfonds der Handels A.G. für die Ruhestandversorgung und Unterstützung ihrer Angestellten und deren Angehörigen
  • Handels A.G. in Wien

Haus Stadt 218:

  • HAG (Handels A.G. für Schneiderzubehör)

Concordia-Hof"


Literatur

  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 38
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 4. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 759-775, 795