Salvatorkirche

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Grundriss der Salvatorkirche 1823 von Anton Behsel. Links die Salvatorgasse.
Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1298
Jahr bis
Andere Bezeichnung Salvatorkapelle
Frühere Bezeichnung Sankt Ottenhaim
Benannt nach Christus dem Erlöser (Salvator)
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname WStLA KS P1 238G 12.jpg
Bildunterschrift  Grundriss der Salvatorkirche 1823 von Anton Behsel. Links die Salvatorgasse.
Bildquelle AT-WStLA KS Sammelbestand P1 238G 12
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Salvatorgasse5

frühere Adressierung

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Salvatorkirche (1, auch Salvatorkapelle, Salvatorgasse 5, Zugang vom Hof gegen die Wipplingerstraße zu, ehemalige Kapelle des Rathauses), altkatholische Kirche. Den Kern bildet eine jener Kapellen, die reiche Wiener Bürger im Mittelalter in ihren Stadtpalästen stifteten, nämlich stets im Obergeschoß, um den privaten Charakter zu betonen. Die von Otto II. und seinem Bruder Haimo III. aus der Familie der Haimonen gegründete Hauskapelle zu Ehren der heiligen Maria wird 1298 erstmals erwähnt und 1301 eximiert [1]. Damit verlor der Wiener Pfarrer den Einfluss auf die Vermögensverwaltung und die Bestellung der Kapläne. Die Kapelle nahm den oberen Teil des heute südlichen Kirchenschiffs ein und ragte von der Ostseite des Haimo-Palasts, dem Teil des zur Salvatorgasse orientierten Trakts des heutigen Alten Rathauses, über eine von der Salvatorgasse zur Wipplingerstraße führende öffentliche Passage. Wegen der Teilnahme Ottos an der antihabsburgischen Verschwörung (1308) wurden Palast und Kapelle 1309 vom Landesherrn (Friedrich I. der Schöne) beschlagnahmt und 1316 der Stadt Wien übergeben, die das Gebäude spätestens ab 1341 als Rathaus verwendete. Die Kapelle wurde zur Rathauskapelle. Der Rat hatte das Patronat über die Kapelle inne. Ihr kam große religiöse und repräsentative Bedeutung für die Bürgergemeinde zu.

Zeugnis der Bemühungen des Pfarrers an der Salvatorkapelle bei der Kurie, den Kult des angeblichen "Heiligen Ottenhaim" an seiner Kirche abzuschaffen. Notariatsinstrument vom 25. Mai 1506 (WStLA, Hauptarchiv, U1: 5832).
Der Medicipapst Leo X. verbot den Kult des angeblichen „Hl. Ottenhaim“ (WStLA, Hauptarchiv, U1: 6076).
Die Salvatorkapelle erscheint noch 1530 auf der Rundansicht von Wien von Niklas Meldeman als "St. Othheim".
Das um 1520 entstandene Portal der Salvatorkapelle (Stich, 1883).

Den ab 1325 namentlich bekannten Kaplänen diente ein wohl noch vom Haimonen Otto gewidmetes Haus in der Wipplingerstraße (Widemhaus) als Wohn- und Amtssitz. Der Leiter der Kapelle wurde in den mittelalterlichen Quellen meist als Rektor bezeichnet, um ihn von den einzelnen Kaplänen an der Kapelle abzuheben[2]. Kaplan Jakob Poll erweiterte das Haus 1360 durch den Ankauf eines Nachbarhauses. 1360/1361 erwarb er die unter die Kapelle führende Passage und ließ den Kapellenraum bis zum Erdgeschoß erweitern. 1373 kaufte er ein Nachbargebäude und baute es in einen Sakralraum um, der nun als zweites nördliches Schiff an die Kapelle anschloss. In der Kapelle gab es mehrere Altäre, auf denen von Wiener Bürgern zahlreiche Messen gestiftet wurden.


“Ottenhaimkirche“

Im Volk war die Erinnerung an die ursprünglichen Kapellenstifter lebendig geblieben. In zahlreichen Urkunden wird die Kapelle als Stiftung der Brüder Otto und Haimo bezeichnet. Man hielt Otto und Haimo schließlich für einen Heiligen ("Sankt Ottenhaim"). Anfang des 16. Jahrhunderts beseitigte man kirchlicherseits nach längeren Bemühungen[3] dieses Ärgernis. Die Bulle Papst Leos X. vom 28. Mai 1515 verbot den Kult des "Heiligen Ottenhaim" als Ketzerei und veranlasste unter Bezugnahme auf das hölzerne Salvatorstandbild auf dem Hochaltar die Weihe der Kapelle auf den Erlöser ("Sankt Salvator") und Maria[4]. Sichtbare Konsequenz dieser Änderung ist das prachtvolle Renaissanceportal an der Front zur Salvatorgasse (um 1520), das im Bogenfeld die beiden Kirchenpatrone Christus Salvator und Maria als Halbfiguren zeigt. Es wird von ornamentierten Säulen und zwei Ritterstatuen gerahmt. Die Inschrift macht sehr deutlich, wer die Stifter und wer die Kirchenpatrone sind [5].

Das "Widemhaus" in der Wipplingerstraße wurde 1616 teilweise, 1780 zur Gänze an die Stadtgemeinde abgetreten und ins Rathaus einbezogen. Von 1647 bis zum Toleranzpatent 1781 bestand die Vorschrift, dass alle Personen, die das Wiener Bürgerrecht erwarben, das katholische Glaubensbekenntnis in der Salvatorkirche beten mussten. 1699 übergab die Stadtgemeinde das Vermögen der Salvatorkirche der "Cur zu Sankt Stephan" (Gremium der dortigen Seelsorgegeistlichkeit) gegen die Verpflichtung, für den Gottesdienst in der Salvatorkirche zu sorgen. Dies wurde 1780 rückgängig gemacht. Fortan erhielt ein "Sakristeidirektor" ein Gehalt aus der Stadthauptkasse. 1783 wurden die damals bestehenden 74 Messstiftungen zugunsten des Religionsfonds eingezogen. 15 Stiftungen wurden 1804 reaktiviert. 1860-1862 wurde die Salvatorkirche restauriert. Am 6. Oktober 1871 beschloss der Gemeinderat, die Salvatorkirche der neu entstandenen Religionsgemeinschaft der Altkatholiken zu überlassen, die allerdings erst am 18. Oktober 1877 staatlicherseits anerkannt wurden. Trotz Androhung des Interdikts durch das erzbischöfliche Ordinariat erneuerte der Gemeinderat am 10. Oktober seinen Beschluss, und am 15. Oktober wurde der erste Gottesdienst nach diesem Ritus abgehalten, worauf die Salvatorkirche am 16. Oktober unter das Interdikt des Kardinal-Erzbischofs Joseph Othmar Rauscher gestellt wurde (Verbot des Besuchs für Angehörige des römisch-katholischen Glaubens). Kardinal Franz König hob dieses im Geist der Ökumene am 14. November 1969 auf. Er nahm am 15. Oktober 1971 anlässlich der 100-Jahr-Feier an einem Gottesdienst teil.

Inneres

Trotz mehrfacher Umbauten ist der Innenraum dem Charakter nach gotisch geblieben. Der ungewöhnliche Grundriss (bedingt durch die Erweiterung des 16. Jahrhunderts) erweckt den Eindruck, dass zwei sich zueinander öffnende Kapellen nebeneinander liegen. Die ältere Südkapelle besitzt ein zweijochiges Kreuzrippengewölbe mit 5/8-Chorabschluss sowie einen klassizistischen Salvatoraltar mit einem Altarblatt von Johann Meidinger (1795), die jüngere Nordkapelle ein dreijochiges Netzrippengewölbe mit geradem Chorabschluss sowie einen ebenfalls klassizistischen Kreuzaltar. An der Orgelempore Christophorus-Relief (1799, vom Haus 1, Salvatorgasse 10), an den Wänden 17 Grabsteine aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, auf der Empore Wandmalerei "Christus am Ölberg" (um 1370). Bis 1974 erfolgte eine grundlegende Restaurierung der Salvatorkirche.


Literatur

  • Die Salvatorkirche. In: Wiener Geschichtsblätter, 28, Sonderheft 1. Hg. vom Verein für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1974
  • Walther Brauneis: Die baugeschichtliche Entwicklung des Alten Rathauses im Spätmittelalter. In: Wiener Geschichtsblätter, 26. Hg. vom Verein für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1972, Sonderheft, S. 460 f.
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 525 f.
  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 275
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 137
  • Karl Weiß: Geschichte der Rathhaus-Kapelle zu St. Salvator in Wien. Herausgegeben aus Anlaß der am 14. November 1861 stattfindenden Feier ihrer fünfhundertjährigen Einweihung. Wien: J.B. Wallishausser 1861
  • Karl Weiß: Festschrift aus Anlaß der Vollendung des neuen Rathhauses. Im Auftrage des Gemeinderathes der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Wien: Selbstverl. d. Gemeinderathes 1883, S. 23 ff.
  • Karl Lind: Die St. Salvator-Capelle im Rathhause zu Wien. Wien: A. Pichler 1860
  • Gustav Gugitz: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien. Wien: Hollinek 1952 (Österreichische Heimat, 17), S. 47, 217
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955, S. 35
  • Hans von Voltelini: Die Anfänge von Wien. Wien [u.a.]: Fromme 1913, S. 53 f.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 137 f.
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 147 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 181 f.


Einzelnachweise

  1. Vgl. WStLA, Hauptarchiv, U1: 27.
  2. Die Bezeichnung „Pfarrer“ ist in diesem Zusammenhang irrig, da die Kapelle nicht den Rang einer Pfarrkirche hatte.
  3. Vergleiche die Notariatsinstrumente vom 25. Mai 1506 (WStLA, Hauptarchiv, U1: 5832) und vom 8. Februar 1507 (WStLA, Hauptarchiv, U1: 5844a). Die Marienkapelle sei in Unterscheidung zur nahe gelegenen Marienkirche "bei der Stiege" (Maria am Gestade) "nach den Stiftern Ottenhaym zubenannt worden" ("ex fundatorum eius propriis nominibus composito cognominatum", WStLA, Hauptarchiv, U1: 5832).
  4. Die Papstbulle gelangte ins Stadtarchiv, vgl. WStLA, Hauptarchiv, U1: 6076.
  5. Das Portal gelangte 1929 ins Historischen Museum der Stadt Wien und wurde vor Ort durch eine Kopie ersetzt.