Ruprechtskirche

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Die Ruprechtskirche (1969)
Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1200
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung polnische Kirche
Benannt nach Heiliger Rupert
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Bildname Ruprechtskirche.jpg
Bildunterschrift  Die Ruprechtskirche (1969)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 69186/4
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtRuprechtsplatz

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Ruprechtskirche (1, Ruprechtsplatz).

Ruprechtskirche

Geschichte

Gründung

Die Gründung der Ruprechtskirche geht vermutlich auf Salzburger Missionare oder auf Salzer zurück. Zu diesen gab es eine besondere Verbindung, da am Salzgries die Salzschiffe landeten. Der heilige Rupert erschloss Salzbergwerke, die es bereits vor der Römerzeit nördlich der Alpen gab, wieder und wurde daher zum Patron der Salzer, die die Kirche sehr förderten. Ab dem 14. Jahrhundert bildeten die Salzer hier eine eigene Zeche, die nicht nur an Wallfahrten und Prozessionen teilnahm, für die verstorbenen Brüder betete und für deren Seelenheil Messen lesen ließ, sondern auch durch ihre Geselligkeit und gegenseitigen Hilfeleistungen auffiel. Erst in der Reformationszeit wurde die Zeche aufgelöst, da die Salzburger Schiffer zum Protestantismus übertraten. Die Wiener Amtsleute der landesfürstlichen Salzkammer blieben jedoch katholisch und sorgten bis ins 19. Jahrhundert für diese Kirche.

Nach einer Überlieferung Jans Enenkels (um 1280) ist die Ruprechtskirche die älteste Kirche Wiens und wurde noch zu seiner Zeit Pfarre genannt (obwohl die Wiener Pfarre seit 1147 St. Stephan war). Indirekt ist die Ruprechtskirche 1137 als Sitz des bischöflich-passauischen Wiener Pfarrers zu erschließen, dem damals die Wiener Gotteshäuser unterstanden. In der ältesten Erwähnung (1200) wurde bestätigt, dass Herzog Heinrich II. Jasomirgott nach 1155 beziehungsweise vor 1177 die Ruprechtskirche, die Peterskirche und die Kirche Maria am Gestade dem Schottenstift geschenkt hatte. Wien kam nach der langen heidnischen Periode (Awaren und Slawen 6. bis 8. Jahrhundert) durch die Awarenkriege Karls des Großen (791-799) unter die politische Kontrolle des christlichen Frankenreichs. Da es von 799 bis um 828 zum Missionssprengel des Erzbistums Salzburg beziehungsweise 805 bis 828 zum christianisierten Reststaat der Awaren zählte, ist die Weihe der auf dem Areal des einstigen Römerkastells Vindobona entstandenen drei Kirchen (Ruprechtskirche, Peterskirche, Maria am Gestade) im ersten Viertel des 9. Jahrhunderts anzunehmen. Auch die rund um die Ruprechtskirche 1962, 1970 und 1972 auf eingeebneter spätantiker Ruinenschicht gefundene Keramik ist in diese Zeit zu datieren. Am Rippengewölbe befand sich die inzwischen übermalte Inschrift "Hoc sacellum sancte Ruperto sancti Cunaldus et Gisalricus Avarum conversioni destinati Apostoli erexerunt anno DCCXL" (Dieses Heiligtum erbauten dem heiligen Ruprecht die für die Bekehrung der Awaren bestimmten Jünger Cunald und Gisalrich im Jahr 740). Diese Inschrift geht wahrscheinlich auf Wolfgang Lazius zurück, der dafür aber keine Belege hatte. Die Patrozinien St. Ruprecht und St. Peter sind eindeutig salzburgischen Ursprungs.

Nach dem Ergebnis archäologischer Untersuchungen sind auch die ältesten Kirchen in Klosterneuburg (St. Martin) und Mödling (Urbar von St. Othmar) im 9. Jahrhundert entstanden. Alle diese (Missions-)Kirchen haben offenbar die Zeit der politischen Kontrolle des Wiener Raums durch die Ungarn (907-991) überdauert. Die Annahme, dass die drei Wiener Altkirchen erst im 11. Jahrhundert durch ein aus Salzburg stammendes Grafengeschlecht (Sieghardinger) auf damaligem Reichsgut (in Verbindung mit den Salzburger Klöstern St. Peter und Michelbeuern) gegründet worden seien, lässt sich nicht aufrechterhalten, da Wien ab etwa 828 und später wieder ab 991 zum Missionssprengel beziehungsweise zur Diözese des Bistums Passau (Patrozinium St. Stephan) gehörte. Außerdem findet sich in den reichen Quellen der beiden Salzburger Klöster nicht der geringste Hinweis auf Besitz, der hier dem Kloster gehört hätte. Darüber hinaus lag Währing (wo Michelbeuern 1072 die Grundherrschaft erwarb) außerhalb des Wiener Burgfriedens. Weiters wird Wien 881 und neuerlich 1030 als Ort eines Kampfs mit den Ungarn genannt, muss also eine größere Siedlung gewesen sein, in der sich mit Sicherheit Kirchen befanden. Es ist allerdings anzunehmen, dass im 11. Jahrhundert, als der Raum von Wien nicht mehr bloßes Missionsgebiet war, sondern in das Passauer Pfarrnetz einbezogen wurde, die Ruprechtskirche Sitz der Wiener Pfarre wurde, deren Patronat vielleicht 1106 vom Reich an die Babenberger, 1137 von diesen an den Passauer Bischof überging.

Nach der Erbauung der neuen Pfarrkirche St. Stephan (1137-1147) wurde der Sitz der Pfarre dorthin verlegt. Die Schenkung der drei Altkirchen an das 1155 gegründete Schottenstift (vor 1177) sollte den Mönchen vermutlich einen provisorischen Raum für die Abhaltung ihrer Gottesdienste bis zur Fertigstellung ihrer eigenen Klosterkirche (um 1177; Schottenkirche) bieten. Sowohl um die Ruprechtskirche als auch um die Peterskirche bestanden Friedhöfe. Erst 1265 wurden den Schotten dortige Bestattungen verboten. Im Jahr 1374 lässt sich erstmals wieder ein Friedhof belegen, der wahrscheinlich im 15. oder 16. Jahrhundert aufgelassen wurde. Das Patronat über Maria am Gestade traten die Schotten schon 1302 der Familie Greif ab, die Gottesdienste in der Ruprechts- und der Peterskirche ließen sie durch Kapläne versehen.

Als man die heutige Kirche 1935 renovierte, wurde der Turm, der der älteste erhaltene Teil der Kirche ist, erst in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. An der Nordwand konnte man jedoch Reste einer früheren Anlage feststellen. Betrachtet man die Fensterarchitektur (Mittelsäulen mit Kämpfern), so fällt die Ähnlichkeit zur Gertrudkirche in Klosterneuburg auf, die bereits im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts sicher belegbar ist.

Aus dem 15. oder 16. Jahrhundert ist bekannt, dass zur Kirche auch Grundbesitz gehörte, darunter Weingärten in Grinzing, Sievering und Ottakring.

1., Ruprechtsplatz: Ruprechtskirche, um 1940
1., Ruprechtsplatz: Ruprechtskirche, um 1940
1., Ruprechtsplatz: Ruprechtskirche, um 1940

Mittelalter

Die romanische Kirche war ein einfacher, einschiffiger Bau, der 14 Meter lang und sieben Meter breit war. Wo sich der Haupteingang befand, lässt sich nicht mehr festellen. Im Langhaus (ausgenommen der Ostseite) stammen noch ganze Mauerpartien aus diesem Bau. Außerdem blieben ein Rundbogenfenster mit Eisengittern sowie ein Rundbogenfenster mit Quadern (unter dem Dach) erhalten. Das Langhaus besaß eine flache, hölzerne Decke. Der Turm dieser Kirche ist das älteste christliche Baudenkmal Wiens. Als am 18. April 1276 am Kienmarkt und am Hohen Markt ein verheerender Brand wütete, wurde auch die Ruprechtskirche arg in Mitleidenschaft gezogen. Dabei wurden das romanische Presbyterium und die hölzerne Decke vernichtet. Außerdem könnte das fünfte Stockwerk des Turms, das aus Holz bestand, vernichtet worden sein. Es ist jedoch unklar, ob ein solches überhaupt existierte.

Im 13. Jahrhundert wurde der Chor errichtet. 1429 gab es in der Ruprechtskirche fünf Altäre. Eine Inschrift von 1436 hielt die Renovierung der Kirche durch den Gmundener Salzamtmann Georg von Auersperg fest und im Jahr 1439 ließ Friedrich V. (Kaiser III.) seine Devise AEIOU in der Kirche anbringen. Bauaufwendungen sind für 1481 bezeugt, der Taufstein stammt von 1500. Die Bestattung des am 9. September 1521 verstorbenen Ratsbürgers Ulrich Schwaiger (Swaiger) in der Ruprechtskirche (Grabstein erhalten) hängt wohl mit der damals in Wien grassierenden Pest zusammen.

Im Jahr 1533 wurde die Kirche samt Pfarrhof (Ruprechtsplatz 2), der in diesem Jahr erstmals erwähnt wird, den überlebenden Mönchen des Franziskanerklosters St. Theobald auf der Laimgrube als Ersatzquatier übergeben, da deren Kloster von den Osmanen zerstört worden war (Erste Türkenbelagerung [1529]). Die Franziskaner renovierten die vom Schottenstift vernachlässigte Kirche und führten Umbauarbeiten durch. Unter anderem wurde die alte Sakristei an der vorderen Turmseite "wegen Unbequemlichkeit" aufgelassen und eine neue neben dem Priesterchor errichtet. Dafür musste das Seitenschiff um ein Rippengewölbe gekürzt werden. Außerdem wurde ein neuer Hochaltar geschaffen, auf dem auch der Tabernakel Platz fand (das Allerheiligeste wurde bis dahin in einer Chornische aufbewahrt). Darüber hinaus wurde die unter der Kirche gelegene Gruft geöffnet, um die 1529 getöteten Mönche darin zu bestatten.

1544 traten die Schotten das Patronat über die Ruprechtskirche (und jenes über die Peterskirche) an Ferdinand I. ab. Ein Jahr danach übergaben die Franziskaner Kirche und Pfarrhaus dem Landesfürsten und erhielten als Ersatz das Nikolaikloster in der Singerstraße. In einer Urkunde heisst es, dass die Wohnung für die Patres zu armselig und St. Ruprecht zu finster für ihre unausgesetzten Predigten war (Anton von Mailly: Die Kirche von Sankt Ruprecht in Wien, S. 17). 1545 wurde das Kaplanhaus an Private verkauft.

Neuzeit

Die Obsorge für die Ruprechtskirche, an der die Franziskaner bis ins 18. Jahrhundert Gottesdienst versahen, wurde 1548 dem Salzamtmann und Stadtanwalt Andre Lindauer, 1563 dem Hansgrafen Christoph Zoppl und 1582 dem im benachbarten Praghaus untergebrachten kaiserlichen Salzamt anvertraut. Salzamtmann Georg Nagl ließ laut Inschrift von 1622 die schon sehr baufällige Ruprechtskirche wiederherstellen, Salzamtmann Johann Baptist Bartolotti von Partenfeld (siehe auch Bartolotti-Partenfeld-Palais) finanzierte die Reparatur von 1701-1703 und die Anlage einer Gruft, die den Mitgliedern der 1708 gegründeten Armenseelenbruderschaft (auch Allerseelenbruderschaft, Versammlung zum Troste der Seelen im Fegefeuer) als Grabstätte diente. Diese Bruderschaft war vor allem für die Abhaltung der Gottesdienste in der Kirche zuständig.

Nach einem Brand im Jahr 1600 musste das Rippengewölbe erneuert werden. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche von Kaiserin Eleonore, der zweiten Gemahlin Ferdinands II. und Stifterin des Siebenbüchnerinnenklosters, gefördert. 1740 beging man unter Zugrundelegung eines legendären Gründungsjahrs 740 die 1000-Jahr-Feier von St. Ruprecht. Bei der Erneuerung der Innenausstattung (1765) wurde ein großes romanisches Kruzifix aus der Ruprechtskirche entfernt. Es kam in den Besitz des Bürgermeisters Josef Anton Bellesini, war dann in der Melkerhofkapelle angebracht und befindet sich heute im Stift Melk. Im Jahr 1782 wurde die Armenseelenbruderschaft aufgehoben und die Gruft für weitere Bestattungen gesperrt.

Nach einem Josefinischen Edikt musste in diesem Jahr auch die Kirche zugesperrt werden. Der für die Stiftsmessen vorhandene Betrag wurde eingezogen und der Pfarre Zeilern (Bezirk Amstetten) zugewiesen, außerdem wurden die Messornate (Paramente) und Geräte an andere Kirchen aufgeteilt. Bald danach wurde die Ruprechtskirche wieder geöffnet. In den Jahren 1790-1812 wurde die Kirche den Hieronymitanern auf betreiben Ihres Gönners Feldmarschall Franz Moritz Graf von Lascy überlassen, die ihre Philipp- und Jakob-Kapelle 1788 durch den Neubau des Kölner Hofes verloren hatten. Während der französischen Invasion im Jahr 1809 wurde St. Ruprecht als Magazin genutzt. Danach nahmen sich die Bewohner des Stadtviertels der verarmten Kirche an. Nachdem die Hieronymitaner keinen Nachwuchs mehr fanden und der Orden in Wien ab 1812 nicht mehr existierte, wurde die Kirche 1813 der Dompfarre St. Stephan unterstellt. Für die Gottesdienste, die von der k.k. Hofkammer, der Bankgefälligkeitskomission und dem Salzamt bezahlt wurden, sorgte ein Kirchenrektor.

19. Jahrhundert

Bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1813 wurde die alte Uhr aus dem Praghaus in den Turm der Kirche eingebaut. Als die Mariazeller Statue, die bis dahin im Stephansdom aufgestellt war, am 25. Jänner 1817 in die Ruprechtskirche übertragen wurde, fand ein großes Fest statt.

Da mit 1. April 1824 der Salzhandel freigegeben wurde, wurde das landesfürstliche Patronat ab diesem Jahr von der Zollgefällen-Administration übernommen.

Beim Neubau des benachbarten Seitenstettner Hofs (1825-1828; vorher Gaminger Hof) erlitt die Ruprechtskirche schwere Schäden. Dieser Hof sowie die umliegenden Grundstücke gehörten dem Stift Seitenstetten. Dessen Abt wollte die Ruprechtskirche niedereißen und durch ein Zinshaus ersetzen lassen. Es wurde eine Komission einberufen, die die Kirche als baufällig einstufte. Daraufhin wurde die Kirche geschlossen und die Glocken durften nicht mehr läuten. Wieder wurden die Messornate und Geräte in den Stephansdom gebracht, und der Kirchenrektor wurde seines Amtes enthoben. Die am Dachboden gelagerten Gegenstände und Bilder wurden veräußert. Es ist alleine Elisabeth Ernst, die eine große Wohltäterin der Kirche war, zu verdanken, dass die Kirche nicht abgetragen wurde. Nachdem sie zweimal vergeblich beim Kaiser um Audienz angesucht hatte, konnte sie ihr Anliegen diesem vortragen. Der Kaiser ließ daraufhin 12.000 Gulden für die Renovierung der Kirche überweisen und sicherte so deren Existenz. Ab 1831 konnten in der Kirche wieder Gottesdienste abgehalten werden.

Zwei Jahre später wurde erneut versucht, zumindest den noch immer baufälligen Turm der Kirche abtragen zu lassen, um Platz für ein neues Pfarrhaus zu erhalten. Nach heftigen Protesten der Förderer der Kirche, denen sich auch die Gemeinde anschloss, ließ Kaiser Ferdinand I. das Dachgeschoss des Turmes erneuern sowie dessen Grundmauern unterfangen.

Nach dem Abbruch des ehemaligen Salzamtsgebäudes (1832-1834) wurde dieses Areal mit Ausnahme eines Teilstückes vor der Ruprechtskirche neu verbaut.

An den Turm der Ruprechtskirche wurde 1837 ein schmales, neugotisches Gebäude zur Unterbringung der Messornate (Paramente) angebaut. Auch für diesen Bau kam Kaiser Ferdinand I. mit 7797 Gulden auf. Der Turm war so gründlich renoviert worden, dass man bei diesem Umbau sogar dessen dicke Mauer im Erdgeschoss durchbrechen und hier einen neuen Eingang in die Kirche schaffen konnte. Zur gleichen Zeit wurde auch das Kirchenpflaster ausgebessert.

Die Verehrung der Mariazeller Statue führte 1843 zur Gründung des St.Ruprecht-Mariazeller Vereines, der die Aufgaben der ehemaligen Armenseelenbruderschaft in seine Statuten übernahm und daher ab diesem Zeitpunkt für die Erhaltung der Kirche aufkam. 1846 wurden die Andachten unter Berufung auf das Josefinische Edikt verboten, vier Jahre später aber wieder erlaubt. Ab dem Jahr 1864 wurden vom Verein sogar Eisenbahnwallfahrten nach Mariazell organisiert, die anfangs zwar belacht wurden, sich aber großer Beliebtheit erfreuten. Da die Mariazellerbahn erst 1908 den Betrieb aufnahm, endeten die Züge in Kernhof im Traisental, von wo aus die restlichen 26 Kilometer zu Fuss zurückgelegt werden mussten. Obwohl die Statue Eigentum des Vereins war, musste sie dieser nach dem Tod der Gattin ihres Gründers deren Erben noch einmal um 40 Gulden abkaufen. Der Verein existierte bis 1938 und war einer der größten katholischen Vereine Wiens.

Am 27. September 1840 begannen die Feiern zum 1100jährigen Bestehen der Kirche, die elf Tage lang dauerten. Am Pontifikalamt nahmen sogar Kaiser Ferdinand I. und dessen Gemahlin Maria Anna sowie der gesamte Hofstaat teil. In den Folgejahren war die Kirche Ausgangspunkt zahlreicher Wallfahrten. Als ab 1846 für die polnische Gemeinde auf Polnisch gepredigt wurde, verlor die Kirche rasch an Bedeutung und wurde von der deutschsprachigen Bevölkerung gemieden. Im Volksmund nannte man sie nun "polnische Kirche". Nachdem die polnische Gemeinde 1901 eine eigene Kirche am Rennweg (Gardekirche) erhielt, wuchs die Bedeutung der Ruprechtskirche wieder.

Bei der Renovierung von 1886 wurden Inschriften aus dem 17. Jahrhundert freigelegt, aber wieder übermalt.

20. Jahrhundert

1899 wurde die Kirche erstmals gründlich untersucht. Es wurde auch ein genauer Plan zur Wiederherstellung der Kirche und ihres romanischen Turms erstellt, dessen Ausführung aber durch den Ersten Weltkrieg vereitelt wurde. Obwohl in der Folgezeit durch die Inflation das ohnehin bescheidene Vermögen der Kirche verloren ging, konnte die Kirche in der Zwischenkriegszeit innen und außen renoviert werden. Dabei wurde das ehemalige Hochaltarbild, das den hl. Rupert zeigt, seitlich angebracht. Zwischen den Säulen des Hochaltars wurden die vergoldeten Figuren der Heiligen Peter und Paul aufgestellt. Oberhalb des Tabernakels befand sich die Mariazeller Statue, hinter der das große Kreuz leicht nach vorne geneigt angebracht war. Dieses hing bis 1920 an der nördlichen Langhauswand zwischen zwei Fenstern.

1945 wurde die Ruprechtskirche schwer beschädigt (Kampfzone am Donaukanal), 1946 bis 1949 erfolgte die Wiederherstellung. 1995 beantragte der Verein für Geschichte der Stadt Wien beim Bundesdenkmalamt eine (erstmalige) gründliche archäologische Untersuchung der Ruprechtskirche, um endgültig Klarheit über deren Entstehungszeit zu gewinnen.

Heutiges Erscheinungsbild

Äußeres

Einfache romanische Kirche mit Westturm (mittlerer Turmteil mit rundbogigen romanischen Doppelfenstern; der Turm wurde zweimal [um 1130/1140 beziehungsweise um 1160/1170] erhöht), an der Südseite einfach profiliertes gotisches Portal. Die Kirche steht nach allen Seiten frei. Der Grundriss der (zweiten) romanischen Anlage lässt sich noch an Langhaus und Turm erkennen. Die beiden Glocken stammen aus dem 13 Jahrhundert. An der Kirche befindet sich die Ruprechtsstatue.

Inneres

Bei der Ruprechtskirche handelt es sich um eine Saalkirche mit polygonalem Chor. Im Mittelfenster der Apsis befinden sich die ältesten Glasmalereien Wiens: "Thronende Maria" und "Kreuzigung" (Ende 13. Jahrhundert). Die beiden seitlichen Fenster im Presbyterium stammen von Heinrich Tahedl, die restlichen Glasfenster wurden Anfang der 1990er Jahre von Lydia Roppolt geschaffen.

Im Seitenschiff ist das Kreuzrippengewölbe mit ornamentaler Malerei vom Anfang des 17. Jahrhunderts zu sehen, die Orgelempore ist mit einer bemerkenswerten Maßwerkbrüstung (AEIOU, 1439) ausgestattet. Bei der Umgestaltung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde unter anderem eine hölzerne Flachdecke unter den wahrscheinlich 1622 errichteten Gewölben eingezogen. Zu den alten Ausstattungsstücken gehören das ehemalige Hochaltarbild "Heiliger Ruprecht" (von Johann Georg Schmidt; Aufgang zur Empore) und das freischwebende Kruzifix vor dem Triumphbogen (erste Hälfte 18. Jahrhundert). An den Pfeilern im Hauptschiff stehen die Holzfiguren "Heiliger Ruprecht" (14. Jahrhundert) und "Maria mit Kind auf Mondsichel" (erste Hälfte 16. Jahrhundert). Das Holzrelief "Heiliger Ruprecht" (16. Jahrhundert) befindet sich neben der Sakristeitür.

Im kleinen Andachtsraum im Erdgeschoss des Turmes stehen eine Marienstatue aus Ebenholz (Lorettomadonna) und die Statuen Joachim und Anna (18. Jahrhundert). In das gotische Weihwasserbecken aus rotem Salzburger Mamor (1500, linkes Seitenschiff) sind die Majuskel "A+M+D+Y+E+M" eingemeisselt, die zu diversen Legendenbildungen führten. So wurde die Inschrift von einem Orientalisten sogar als altchaldäisch eingestuft und mit "1347 unseres Herrn Erlösers" übersetzt. In Wirklichkeit wurde das Weihwasserbecken 1500 gestiftet und die Abkürzung steht für "Anno MD in aeternam memoriam" (im Jahr 1500 zur ewigen Erinnerung).

Der älteste Grabstein in der Kirche weist auf das Grab von Ulrich Schwaiger hin, ist aus rotem Salzburger Mamor gefertigt und trägt die nicht mehr eindeutig lesbare Jahreszahl 1503 oder 1521. Es dürfte jedoch wohl letzteres zutreffen, da Schwaiger 1518 als Besitzer des Hauses Judengasse 9 belegbar ist.

Der Hochaltar (mit barockem Tabernakel und barocken Holzfiguren) stand über dem romanischen Steintisch, wurde aber 1986 entfernt.

Unter der Kirche befindet sich eine Gruft, deren Alter unklar ist, mit Sicherheit kam es jedoch zu mehrfachen Umbauten. Darin befinden sich 30 Särge, die großteils aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die hier bestatteten Personen dürften Wohltäter der Kirche sein. Besonders auffallend ist der Sarg des Freiherrn von Bartelotti († 1739), da er mit Engelköpfen, Totenmasken und Blumen bemalt ist. Die Annahme, dass hier Pestleichen bestattet wurden, ist sehr unwahrscheinlich.

Literatur

  • Richard Perger: Beiträge zur Geschichte der Ruprechtskirche in Wien. In: Pro civitate Austriae NF 1 (1996), S. 7ff.
  • Richard Perger: Die Grundherren im mittelalterlichen Wien. Teil 1. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 19/20 (1963/64), S. 51 f.
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 49 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien 1993, S. 146 f.
  • Franz Zehetner: Ruprechtskirche Wien. Salzburg: Verl. St. Peter 1998 (Christliche Kunststätten Österreichs, 314)
  • Alois Kunzfeld: Die Ruprechtskirche. Wien: Bundesverlag 1926 (Heimatkundliche Wanderungen, 9)
  • Anton von Mailly, Die Kirche von Sankt Ruprecht in Wien. Wien: Kirsch 1927
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Dom-Verlag 1970, S. 53 ff.
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955, S. 34 f.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 38 f.
  • Karl Oettinger: Das Werden Wiens. Wien: Bauer 1951, S. 84 ff.
  • Leopold Sailer: Die Wiener Ratsbürger des 14. Jahrhunderts. Wien: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1931 (Studien aus dem Archiv der Stadt Wien, 3/4), S. 132 ff.
  • Hermine Cloeter: Zwischen Gestern und Heute. Wanderungen durch Wien und den Wienerwald. Berlin: Meyer & Jessen 1912, S. 126 ff.
  • Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien. Wien: Gerold 1856-1918. Band 41,1908, S. 3 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 108 f.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 3. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 585-593