Rotenturmstraße 6

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1845
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Großer Federlhof, Tirnahof
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Leopold Mayer (Architekt), Franz Neumann
Prominente Bewohner Carl Ghega
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
1Rotenturmstraße6
1Lugeck7

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt62717701795
Innere Stadt81417951821
Innere Stadt76818211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Rotenturmstraße 6, (Konskriptionsnummer 768), identisch mit Lugeck 7.

Vorgängerbauten

Dieses an geschichtlichen Erinnerungen reiche Haus befand sich bis zum Beginn der 14. Jahrhunderts im Besitz eines der ältesten Bürgergeschlechter Wiens, der Chriegler. Konrad der Chriegler war 1265 und 1274 Stadtrichter. Der älteste des Geschlechtes, von dem man Kenntnis hat, wurde unter König Ottokar wegen Landfriedensbruch und Reutterei hingerichtet. Am 24. Mai 1281 huldigen "Pilgrimus et Georgius fratres Krigelarij" dem römischen König Rudolf und dessen Sohn Albrecht und am 16. Mai 1288 geloben die Brüder Herzog Albrecht I. treu zu sein und ihm zu dienen.Der letzte des Geschlechtes, Stephan Chriegler, hinterließ seinen zahlrechen Neffen und Nichten ein ansehnliches Erbe, zu dem auch dieses Haus gehörte.

Tirnahaus

1360 wird der "newe Turn"' erwähnt, den Hanns von Tirna daselbst gebaut hat, 1368 wird er als "alter turren" bezeichnet. Den Hof in der Rotenturmstrasse konnten die Tirna nicht halten. So wie der Lederhof mussten sie auch das Tirnahaus versetzen und beide Pfandobjekte wurden 1398 den gleichen Pfandinhabern zugesprochen. Ungeachtet der veränderten Besitzverhältnisse lief die Bezeichnung des Hofes "der Tirna Haus" über die Zeit hinaus.

1455 empfing Heinrich Frankh (II.) Nutz und Gewer des einen Hauses, genannt Tirnahaus, mitsamt den Fleisch und Anmachbänken, die dazu gehörten und samt dem gemauerten Stock mit dem Altan, der in den Lederhof stoßt und mit Zinnen umfangen ist.

1494 ließ der damalige Besitzer des Gebäudes (Peter von Edlasperger) das Haus umbauen. Damit entstand auf Wiener Boden das erste Renaissancebauwerk, von dem noch Reste erhalten sind. 1597 war der Bau vollendet, drei in die Mauer eingefügte Gedenksteine bezeugen dies bis heute (Originale, allerdings wechselten sie zweimal den Standort). Heute befinden sie sich in den beiden Seitenwänden der am Lugeck gelegenen Hauseinfahrt in den Hof eingefügt. Rechter Hand zeigt eine Steinplatte das gevierte Wappen der Edlasperge, im ersten und vierten Feld ein Berg, aus welchem Flammen schlagen, in den beiden anderen Feldern ein schreitender Greif. Der Schild ist eingefasst von einem geflügelten Drachen, wahrscheinlich ein Zeichen des von König Sigismund gestifteten Drachenordens, dabei die Jahreszahl A.D.MCCCCLXXXXVII. Ein Inschriftstein enthält folgenden Wortlaut: "Confisiin eos, quibus bene feraximus vrebo fallimur, fortunae affluentia benefactorum evanescit memoria, nihil ortum, cujus causa legitima non pracesserit." Ein dritter Stein trägt die Inschrift: "Patere et abstine, sapere aude 1497".
Linker Hand ist ein Steinbildwerk, die Krönung Mariens darstellend, das an dem alten Haus an der Ecke Rotenturmstrasse/Lugeck unter einer darüber schwebende Bedachung angebracht war.

Federlhof

1591 kaufte den Hof der Äußere Rat und Handelsmann Georg Federl (auch Föderl) Besitzer der Herrschaft Tribuswinkel. Dieser ließ den gegen die Bischofgasse (heute Rotenturmstraße) gelegenen Trakt umbauen. Nach ihm wurde der Hof fortan Federlhof genannt, welche Bezeichnung nach seinem Abbruch (1845/1846) auch auf das gegenwärtige Gebäude übertrug.
Der alte Hof zählte zu den ansehnlichsten Gebäude der Stadt. In das Innere führten zwei Eingänge: einer von der Bischofgasse und eine Einfahrt von der oberen Bäckerstraße unterhalb des dem Gebäude aufgesetzten Turmes. Durch den dunklen Torweg gelangte man dort in einen geräumigen Hof, von welchen zwei freie Stiegen in das erste Stockwerk führten.
Das in Stein gehauene Stiegen Geländer wurde erst viel später mit Mauerwerk umkleidet. Her befanden sich auch ursprünglich die vorgenannten Innschriften.

Freiherr von Sina, der sich im Besitz des Hauses befand, ließ es 1845 abbrechen und an seiner Stelle einen Neubau aufführen.

Beim Abbruch des Turmes, der trotz seiner bereits eingetretenen Schadhaftigkeit bis dahin in allen sechs Stockwerken bewohnt war, zeigte sich noch eine außerordentlich große Festigkeit der Hauptmauern.

Berühmte Bewohner des großen Federlhofes

Der alte Federlhof beherbergte innerhalb seiner Mauern manch interessanten Gast. Hier soll der Überlieferung nach Theophrastus Bombastus Paracelsus während seines Wiener Aufenthaltes im Jahr 1538 gewohnt haben. Er starb drei Jahre später in Salzburg. Auch von Philippine Welser wird erzählt, dass sie hier wohnte, als sie von ihrem Schloss Ambras nach Wien gekommen warm um die Anerkennung ihrer 1557 mit Ferdinand I. in Tirol geschlossenen Ehe zu erkämpfen. Legendär umschmückt ist der angebliche Besuch Wallensteins im Jahr 1633 bei dem hier wohnenden Astrologen Andreas Argoli. Nach Kisch ließ sich Wallenstein dort vom Astrologen Andreas Operin ein Horoskop erstellen. Der merkwürdige hohe Turm mag für solche Legendenbildung das geeignete Objekt gewesen sein. Hier hatte sich auch, allerdings etwa 150 Jahre später, der Professor Julian Monsberger im sechsten Stockwerk eine Kammer zu einem Observatorium eingerichtet. Einwandfrei ist bezeugt, dass der vielseitige deutsche Denker und Begründer der Akademie der Wissenschaften in Berlin, Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibnitz (geboren 1646, gestorben 1714).


Neubau

1825 kam der Federlhof an Georg Simon Freiherr von Sina, der ihn 1845 demolieren und 1846/1847 von Leopold Mayer durch einen großen Neubau ersetzen ließ. Der im Jahr 1847 aufgeführte vier Stock hohe Neubau umfasste eine Fläche von 1548 m². Die Frontbreite des gegenwärtigen Hauses zeigte am Lugeck 15, in der Rotenturmstraße Neun Fensterachsen. Das heutige Gebäude wurde größtenteils von Franz Neumann (1897) umgebaut.

In der Einfahrt befinden sich Reste eines Renaissanceportals (Ende 15. Jahrhundert) und ein Marienrelief (17. Jahrhundert). Nach Sinas Tod ging der Besitz an seinen Schwiegersohn Viktor Graf Wimpffen über.
Am 14. März 1860 starb hier der Erbauer der Semmeringbahn, Carl Ritter von Ghega (Gedenktafel).


Kriegsschäden

Am 5. November 1944 riss eine schräg einfallende Bombe in den Haustrakt Rotenturmstraße eine klaffende Lücke und durchschlug bis zum ersten Stockwerk alle Geschosse von der Straßen- bis zur Hofseite. Von den zehn straßenseitigen Fensterachsen wurden im vierten und dritten Stockwerk sieben ganz wegrasiert, die anderen schwer beschädigt, im zweite Stockwerk fünf und im ersten noch zwei Fensterbreiten völlig demoliert und die angrenzenden Teile schwer beschädigt. Die dem Lugeck zugekehrte Hausseite kam im Allgemeinen mit Luftdruckschäden davon. Stärker litten einige Geschäftsläden des Erdgeschoßes, verursacht durch eine kleine Bombe, die hart am Gehsteig in das Straßenpflaster aufschlug und dort einen Trichter mäßiger Größe auswarf. Tatkräftig wurde der Wiederaufbau des Hauses sehr bald in Angriff genommen.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre


Literatur

  • Friedrich Albert Bacciocco: Der Federlhof, der Regensburger- und der Kölner-Hof. In: Alt-Wien. Monatsschrift für Wiener Art und Sprache 1 (1892), S. 63-65
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 58 ff.
  • Auguste Groner: So war mein Wien. Skizzen über alte Straßen, Plätze, Höfe in Wien. Wien [u.a.]: Waldheim-Eberle A. G. [1926], S. 98 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 338
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 4, 1. Teil. Wien ²1954 (Manuskript im WStLA), S. 13-18
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 386 ff.