Robert Musil

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Personenname Musil, Robert
Abweichende Namensform
Titel Dipl.-Ing, Dr.phil., Edler
Geschlecht männlich
GND 118585916
Geburtsdatum 06.11.1880
Geburtsort Klagenfurt
Sterbedatum 15.04.1942
Sterbeort Genf
Begräbnisdatum
Friedhof
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Schriftsteller, Bibliothekar
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Österreichische Nationalbibliothek
Verkehrsfläche Musilplatz
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, Gedenktage-GW
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AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Kunstpreis der Stadt Wien1924
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Wohnadresse3Rasumofskygasse 2020
Wohnadresse3Ungargasse 1717
NameVerwandtschaftsgrad
Martha HeimannGattin

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Robert (bis 1919 Edler von) Musil, * 6. November 1880 Klagenfurt, † 15. April 1942 Genf, Schriftsteller.

Biographie

Robert Musil wurde am 6. November 1880 in Klagenfurt geboren. Ein Jahr später zog die Familie nach Komotau in Böhmen (heute Chomutov) um; ab 1882 lebten die Musils in Steyr, wo Robert Musil die Volksschule und die erste Klasse des Realgymnasiums besuchte. 1891 übersiedelte die Familie nach Brünn, wo der Vater an der Technischen Hochschule unterrichtete. Robert Musil besuchte zunächst die Realschule. Von seinem Vater für die Offizierslaufbahn bestimmt, wurde er Schüler in der Militär-Unterrealschule in Eisenstadt (1892 - 1894) und später in der Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen. Der nächste Schritt war die Ausbildung zum Artillerieoffizier an der k.u.k. Technischen Militärakademie in Wien, die er aber abbrach. 1898 inskribierte er an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn; 1901 beendete er das Studium mit dem Ingenieurstitel. Nach dem Wehrdienst in einem Brünner Infanterieregiment, arbeitete zwei Jahre als Assistent an der Technischen Hochschule Stuttgart, begann 1903 ein Studium der Philosophie und Psychologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. An der Universität Wien schloss er sein Philosophie-Studium 1908 mit einer Dissertation "Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs" ab. Der Erfolg seines Erstlingromans "Die Verwirrungen des Zögling Törleß" (1906), in dem er seine Jahre an den Militärschulen verarbeitete, veranlasste ihn, als freier Schriftsteller und Journalist zu arbeiten.

1911 bis 1914 war er außerdem Bibliothekar an der Technischen Hochschule Wien. Am 15. April 1911 wurde Hochzeit mit Martha Marcovaldi (1874 - 1949), geborene Heimann, gefeiert. 1914 wurde er Redakteur bei der renommierten Zeitschrift des S. Fischer-Verlages "Neue Rundschau". Als Reserveoffizier wurde er in den Ersten Weltkrieg eingezogen, war zuerst an der Dolomitenfront, dann am Isonzo stationiert. 1916 - 1917 war er federführend an der Herausgabe der "Tiroler Soldatenzeitung" beteiligt, 1918 wirkte er an dem vom Wiener Kriegspressequartier herausgegebenen militärischen Wochenblatt "Heimat" mit. Am 15. Januar 1919 wurde er im Archiv des Pressedienstes im Staatsamt für Äußeres angestellt, dessen vorrangige Agenda der Anschluss an Deutschland war. Im April 1920 schied Musil aus dem Außenministerium aus, am 2. September 1920 trat er eine neue Stelle im Staatsamt für Heereswesen an (bis 1922), bei der er sich mit Aus- und Weiterbildung im republikanischen Heer beschäftigte.

Musil etablierte sich sukzessive als freier Schriftsteller, zuerst als Theaterkritiker der "Prager Presse". Bis 1933 lebte Musil einerseits in Wien, andererseits in Berlin. In Wien wohnte Musil in der Ungargasse 17 (bis 1921) und Rasumofskygasse 20 (1921-1938; Gedenktafel, enthüllt 28. November 1960) im Dritten Bezirk. In Wien gehörte er zu den Stammgästen der Cafés Herrenhof und Central. Das Drama "Die Schwärmer" (1921), für das Musil 1923 den Kleist-Preis bekam, kam nur, mit Protesten des Autors, in seiner Kurzversion 1929 auf eine Berliner Bühne. Die Komödie "Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer" (1924) war erfolgreicher.

1930 wurde das Erste Buch des Romans "Der Mann ohne Eigenschaften" im Rowohlt-Verlag publiziert. Das "Zweite Buch" sollte 1933 folgen. In diesem (unvollendet gebliebenen) Hauptwerk, einem der bedeutendsten Werke der Weltliteratur, schildert Musil in ironischer, fast schmerzhaft genauer Weise den Zerfall der Monarchie. Bei der jahrzehntelangen Arbeit standen im Zentrum von Musils kreisendem Interesse der Krieg und der ihm folgende Zusammenbruch wie die Begeisterung, die ihm vorangegangen war. Robert Musil verschrieb sich mit der ihm eigenen "Tugend des kühnen Zweifels" der Herkulesaufgabe, im "babylonische[n] Narrenhaus" der Vorgeschichte des Krieges ein wenig Ordnung zu machen und Figuren für die verschiedenen Wirkkräfte und Ursachen zu erschaffen, die den Krieg herbeigeführt hatten. Eine der zentralen Leitlinien seines Denkens dabei war, eine gewisse Übersicht über das Ganze zumindest im Roman wieder herzustellen, wenn sie schon in der Wirklichkeit verloren ging. In Musils Konstruktion von "Kakanien" kam der modernen Gesellschaft ein zentral gestaltender Wille abhanden, es regierte eine Leere, was den verschiedenen Spezialisten die Chance bot, - vom Ganzen losgelöst - das Gesetz des Handelns zu bestimmen. Trotz begeisterter Kritiken konnte Musil von den Einnahmen aus seinem Schaffen nicht leben. Eine Unterstützungsgesellschaft wurde gegründet. Verschiedene kleinere Arbeiten ("Nachlass zu Lebzeiten", 1934) erschienen. Seine große Leidenschaft galt aber weiterhin der Produktion des "Mann ohne Eigenschaften", an dem er bis zu seinem Tod arbeitete. Im Nachlass häuften sich etwa 6.000 Seiten mit Entwürfen, Konzepten, Varianten. Teile wurden aus dem Nachlass in verschiedenen Ausgaben rekonstruiert, erstmals von Adolf Frisé in den 1950er Jahren.

Musils Werke wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland verboten. 1933 kehrte er nach Österreich zurück. 1936 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nie mehr richtig erholte. Nach dem Einmarsch der Nazis 1938 emigrierte er nach Zürich, dann nach Genf. Am 15. April 1942 starb Robert Musil an einem Hirninfarkt. Seine Asche wurde in einem Wald bei Genf verstreut.

Robert Musils Ruhm als einer der wichtigsten Schriftsteller der Moderne setzte sich in der Nachkriegszeit durch. Seine umfangreichen Tagebücher (1976) und Briefwechsel (1981) wurden erstmals in den "Gesammelten Werken" aus dem Nachlass herausgegeben. In Wien und in Klagenfurt wurde in wissenschaftlichen Forschungsinstituten am Nachlass gearbeitet.

Nach Robert Musil ist der Musilplatz benannt.

Literatur (Auswahl)

  • Robert Musil: Gesammelte Werke. Hg. von Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1978 - 1981.
  • Musil-Studien. Hg. ... in Verbindung mit der Vereinigung Robert-Musil-Archiv Klagenfurt. München / Salzburg: Fink 1971 ff.
  • Marie-Louise Roth: Robert Musil. Ethik und Ästhetik. Zum theoretischen Werk des Dichters. München [u.a.]: List 1972.
  • Rolf Schneider: Die problematisierte Wirklichkeit. Leben und Werk Robert Musils. Versuch einer Interpretation. Berlin (DDR): Volk und Welt 1975.
  • Briefmarkenabhandlung der Postdirektion anläßlich des Erscheinens von österreichischen Briefmarken, 22.10.1980
  • Karl Dinklage: Robert Musil. In: Tino Erben [Red.]: Traum und Wirklichkeit. Wien 1870 – 1930. Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1985 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 93), S. 572 ff.
  • Gabi Mejovsek: Gedanken zu Musil und Emerson. In: Tino Erben [Red.]: Traum und Wirklichkeit. Wien 1870 – 1930. Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1985 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 93), S. 578 ff.
  • Roger Willemsen: Robert Musil. Vom intellektuellen Eros. München [u.a.]: Piper 1985.
  • Adolf Frisé: Plädoyer für Robert Musil. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987.
  • Karl Corino [Hg.]: Robert Musil. Leben und Werk in Bildern und Texten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988.
  • Karl Corino: Robert Musil. Eine Biographie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2003.
  • Herbert Kraft: Musil. Wien: Zsolnay 2003.
  • Norbert Christian Wolf: Kakanien als Gesellschaftskonstruktion. Robert Musils Sozioanalyse des 20. Jahrhunderts. Wien: Böhlau 2011.
  • Regina Schaunig: Der Dichter im Dienst des Generals. Robert Musils Propagandaschriften im Ersten Weltkrieg. Klagenfurt: Kitab 2013.
  • Walter Fanta: Krieg. Wahn. Sex. Liebe. Das Finale des Romans "Der Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musils. Klagenfurt: Drava 2015.
  • Regina Schaunig: Robert Musils "Achillesroman". Klagenfurt: Kitab 2015.

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