Richard Strauss

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Personenname Strauss, Richard
Abweichende Namensform
Titel Hofmusikdirektor
Geschlecht männlich
GND 11861911X
Geburtsdatum 01.06.1864
Geburtsort München
Sterbedatum 08.09.1949
Sterbeort Garmisch-Partenkirchen, Bayern
Begräbnisdatum
Friedhof Villa Strauss, Garmisch-Partenkirchen
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Komponist, Staatsoperndirektor
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Richard-Strauss-Straße
Denkmal Richard-Strauss-Hof
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  11.09.2017 durch WIEN1\lanm09bum
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FunktionFunktion vonFunktion bis
1. Preussischer Hofkapellmeister18981919
Direktor der Wiener Staatsoper19201924
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Ehrenbürger der Stadt Wien
Beethoven-Preis (Wien)1942

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NameVerwandtschaftsgrad
Pauline de AhnaSohn
Josephine PschorrMutter
Franz StraussVater

Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Strauss Richard, * 1. Juni 1864 München, † 8. September 1949 Garmisch, Bayern, Komponist, Staatsoperndirektor, Gattin (12. Mai 1894) Pauline de Ahna, Sängerin (* 4. Februar 1877, † 13. Mai 1950), Sohn des königlichen bayerischen Kammermusikers Franz Strauss und dessen Gattin Josephine Pschorr (Bierbrauerfamilie).

Biographie

Nach Ausbildung in München und 1884/1885 in Berlin (wo er in Hans von Bülow einen wichtigen Förderer kennenlernte) ging Strauss 1885 nach Meiningen, wo er (von Bülow berufen) 1886 dessen Nachfolge antrat, dann jedoch (nach einer Italienreise und einem Engagement in München) 1889 nach Weimar. 1894-1898 wirkte Strauss in München, 1898-1908 als Erster Preußischer Kapellmeister an der Hofoper Berlin; mit dieser beruflichen Verpflichtung änderte sich auch sein kompositorischer Schwerpunkt (er wandte sich der Oper zu).

Strauss hatte erstmals 1882 mit Wien Berührung (erstes öffentliches Auftreten als Komponist bei der Uraufführung seines Violinkonzerts op. 8 im Bösendorfersaal), mit der Hofoper kam er erstmals 1902 unter Gustav Mahler in Kontakt (am 29. November 1902 Uraufführung seiner Oper „Feuersnot" in seiner Anwesenheit), mit den Wiener Philharmonikern arbeitete er erstmals 1906 zusammen. Die Uraufführung der Tondichtung „Eine Alpensinfonie" dirigierte er 1915 in Berlin. Ab 1917 leitete er hier eine Kompositionsklasse, 1919-1924 gemeinsam mit Franz Schalk die Wiener Staatsoper (Bestellung am 15. November 1918, wobei im Vertrag ein Amtsantritt mit August 1919 fixiert war, dem Strauss de facto allerdings erst im Dezember 1919 entsprach); er wurde in Wien mit heftigen Diskussionen und üblen Intrigen empfangen, die Presse lief Sturm gegen ihn, und die von Felix Weingartner beeinflussten Philharmoniker opponierten ebenso wie das Opernpersonal; neben Selma Kurz und Maria Jeritza setzte sich nur Schalk für seinen Mitdirektor ein.

Sein Debüt als Staatsoperndirektor erfolgte am 1. Jänner 1920 mit „Lohengrin". Markante Aufführungen während seiner Direktorenzeit waren der „Ring" und eine Neuinszenierung von „Cosi fan tutte" (Strauss als Regisseur; 26. Mai 1920); in der Ära Schalk-Strauss waren an die Oper weltberühmte Sängerinnen (Jeritza, Kurz, Lehmann) und Sänger (Jerger, Piccaver, Slezak, Tauber) verpflichtet. Zunächst am Mozartplatz wohnend, sollte Strauss von der Stadt Wien den "Kammergarten" des Belvedere für 90 Jahre zur Pacht erhalten. Nach zähen Verhandlungen erwarb Strauss jedoch das Grundstück und erbaute darauf eine Villa (Richard Strauss-Schlössl) in Wien 3, Jacquingasse 8-10 (heute Residenz des Botschafters der Niederlande; Gedenktafel mit Porträtrelief). Finanziert wurden Grundstück und Bau durch den Verkauf der Originalpartituren des "Rosenkavalier", "Schlagobers", Einkünften aus Auslandstourneen und einem Darlehen der Familie seiner Schwiegertochter.[1].

1922 dirigierte er bei den ersten Salzburger Festspielen (zu deren Anregern er gehört hatte) und wurde Ehrenmitglied der Festspielgemeinde. Seine Opern „Ariadne auf Naxos" (zweite Fassung 1916) und „Frau ohne Schatten" (1919) erlebten in Wien ihre Uraufführungen, seine Opern „Der Rosenkavalier" (1911) und „Arabella" (Uraufführung 1933) sowie das Ballett „Schlagobers" (Uraufführung 9. Mai 1924 im Rahmen der Feierlichkeiten zu seinem 60. Geburtstag [die Partitur widmete er der Stadt Wien]) spielen im Wiener Milieu. Er komponierte weiters „Elektra" (Erstaufführung 24. März 1909 Hofoper), mit der die überaus fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Librettisten Hugo von Hofmannsthal begann, „Die ägyptische Helena" (Uraufführung 1928) und (mit dem von Zweig empfohlenen Librettisten [[Joseph Gregor) „Friedenstag" (1938), „Daphne" (1938) und „Die Liebe der Danae" (die anlässlich seines 80. Geburtstags bei den Salzburger Festspielen 1944 hätte aufgeführt werden sollen, aber der Schließung der Theater zum Opfer fiel, weshalb die Uraufführung erst 1952 erfolgte) und (mit Clemens Krauss als Textdichter) „Capriccio" (1942), außerdem das Ballett „Josephs-Legende" (Erstaufführung 18. März 1922 Staatsoper).

Nach seinem Abgang von der Staatsoper (30. Oktober 1924) ging Strauss keine festen Berufsbindungen mehr ein (ausgenommen die Präsidentschaft der Reichsmusikkammer 1933-1935 [er war ernannt worden, als er, nachdem Toscanini nach der Machtübernahme Hitlers das Dirigat des „Parsifal" bei den Bayreuther Festspielen zurückgelegt hatte, dieses übernahm, was als Sympathiekundgebung gewertet wurde]). An die Staatsoper konnte er 1926 als Gastdirigent verpflichtet werden. Nach dem Erfolg seiner „Salome" hatte Strauss eine Villa in Garmisch erworben; 1941 übersiedelte er nach Wien, 1947 wurde er österreichischer Staatsbürger. Strauss komponierte 15 Opern, Orchesterwerke (darunter Don Juan, Tod und Verklärung, Till Eulenspiegels lustige Streiche, Also sprach Zarathustra, Don Quixote, Ein Heldenleben, Eine Alpensinfonie, Lieder und Kammermusik. Richard-Strauss-Gesellschaft (Veröffentlichungen seit 1977). Ehrenbürger der Stadt Wien (16. Mai 1924).

Laut Abschlussbericht der im Auftrag der Universität Wien und der Stadt Wien eingesetzten Forschungsgruppe zur Untersuchung und Kontextualisierung der Benennung der Wiener Straßennamen seit 1860 war Richard Strauss ab 1933 Präsident der Reichsmusikkammer. 1935 sah er sich allerdings gezwungen, diese Funktion zurückzulegen, da er sich für Stefan Zweig als Librettisten eingesetzt hatte. In Folge näherten sich Strauß und die NS-Spitze einander wieder an und 1936 gelangte seine „Olympia-Hymne“ bei der Eröffnung der gleichnamigen Spiele zur Aufführung. Auf Grund Strauss‘ Ambition, seine künstlerischen Vorstellungen um jeden Preis durchzusetzen, blieb das Verhältnis zum NS-Regime allerdings bis zum Ende ambivalent. Dennoch wurde der als propagandistisch unverzichtbar erachtete Strauss 1944 auf die „Gottbegnadeten-Liste“ als auch auf die Sonderliste der drei wichtigsten Musiker gesetzt.

Denkmal im Richard-Strauss-Hof; Richard-Strauss-Straße

Literatur

  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik. Wien: Ueberreuter 1992
  • Hugo Riemann: Riemann Musiklexikon. Mainz: Schott 1959-1961
  • Roland Tenschert: Richard Strauß und Wien. Eine Wahlverwandtschaft. Wien: Hollinek 1949
  • Franz Grasberger: Richard Strauß. Hohe Kunst, erfülltes Leben. Wien: Rosenbaum 1965
  • Franz Grasberger: Richard Strauß und die Wiener Oper. Tutzing: Schneider 1969
  • Willi Schuh [Hg.]: Richard Strauß. Briefwechsel mit Willi Schuh. Zürich [u.a.]: Atlantis-Verlag 1969
  • Karl Schumann: Das kleine Richard Strauss Buch. Salzburg: Residenz 1970
  • Walter Deppisch: Richard Strauss. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1974 (Rowohlts Monographien 146)
  • Ernst Krause: Richard Strauss. Gestalt und Werk. Leipzig: Breitkopf & Härtel 1975
  • Erich Hermann Müller von Asow: Richard Strauss. Thematisches Verzeichnis. Wien [u.a.]: Doblinger 1955-1974
  • Franz Hadamowsky / Alexander Witeschnik: Hundert Jahre Wiener Oper am Ring [Jubiläumsausstellung]. Wien: Aktionskomitee 100 Jahr-Feier der Wiener Staatsoper 1969, S. 117 f.
  • Marcel Prawy: Geschichte und Geschichten der Wiener Staatsoper. Wien [u.a.]: Molden 1969, S. 102 ff.
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien. Wien: Deuticke 1992 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 23), S. 68
  • Cornelia Knotek: 125. Geburtstag von Richard Strauß. In: Briefmarkenabhandlung der Postdirektion anläßlich des Erscheinens von österreichischen Briefmarken, 01.06.1989
  • Marijke van Ebbenhorst Tengbergen: De Richard Straussvilla in Wenen. 50 Jaar Nederlandse Residentie. Das Richard Strauss-Schlössl in Wien. 50 Jahre Niederländische Residenz, Wien 1999.
  • Sylvia Mattl-Wurm [Red.]: Interieurs. Wiener Künstlerwohnungen 1830 - 1930. Wien: Eigenverlag 1990 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 138) (Künstlerwohnung), S. 169
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 158
  • Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung, Herkunft, frühere Bezeichnungen. Wien: Pichler Verlag 2014, 9. Auflage, S. 244
  • Peter Autengruber / Birgit Nemec / Oliver Rathkolb / Florian Wenninger: Umstrittene Wiener Straßennamen. Ein kritisches Lesebuch. Wien: Pichler Verlag 2014, S. 84–89
  • Peter Autengruber / Birgit Nemec / Oliver Rathkolb / Florian Wenninger: Forschungsprojektendbericht "Straßennamen Wiens seit 1860 als 'Politische Erinnerungsorte'". Wien 2013

Einzelnachweise

  1. Marijke van Ebbenhorst Tengbergen: De Richard Straussvilla in Wenen. 50 Jaar Nederlandse Residentie. Das Richard Strauss-Schlössl in Wien. 50 Jahre Niederländische Residenz, Wien 1999, S. 6-9