Renngasse 4

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Renngasse 4 , Palais Batthyány-Schönborn, um 1898
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1699
Jahr bis
Andere Bezeichnung Batthyány-Schönborn-Palais
Frühere Bezeichnung Alte Schlögelhof, Alte Schleglhof
Benannt nach Adam Graf Batthyány
Einlagezahl
Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  27.01.2017 durch DYN\krabina
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Bildname HMW 023996.jpg
Bildunterschrift  Renngasse 4 , Palais Batthyány-Schönborn, um 1898
Bildquelle HMW 23996, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtRenngasse4

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt16217951821
Innere Stadt15518211862
Innere Stadt37517701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Renngasse 4, (Konskriptionsnummer 155).


Der alte Schlögelhof

Um die Wende des 14. und 15. Jahrhundert befand sich hier ein Haus, das nach dem Schottenurbar den Herren von Liechtenstein gehörte. Nach vielfachem Besitzerwechsel gelangte es am 18. Juli 1631 in den Besitz der Familie Schlegl. Anna (geborene Haffner, verwitwete Fischer) setzte ihren zweiten Gatten Johann Thomas Schlegl als Universalerben ein. Obwohl das Haus im April 1665 bereits in den Besitz des kaiserlichen Reichsherold Johann Gassner überging, behielt es den Hausnamen "der alte Schlögelhof" (beziehungsweise "der alte Schleglhof") weiter. Egon Erwin Kisch leitete den Namen nicht von den früheren Eigentümern her, sondern von dem Prämonstratenser Stift Schlägl, dessen Wiener Stiftshof sich seiner Angabe nach hier befunden haben soll. Allerdings wies Friedrich Reischl in seinem Buche "Die Wiener Prälatenhöfe" die Unhaltbarkeit dieser Meinung nach, da das Stift in Wien keinen solchen Hof unterhielt.


Batthyány-Schönborn-Palais

1690 kam der Hof durch Kauf an die Grafen Sinzendorf und von diesen an Adam Graf Batthyány, der 1699-1706 anstelle des teilweise abgerissenen (aus zwei Häusern bestehenden) Gebäudekomplexes durch Johann Bernhard Fischer von Erlach unter Verwendung älterer Bauteile das heutige hochbarocke Palais erbauen ließ. Die elfachsig streng gegliederte Fassade weist eine große Pilasterordnung auf (Hermenpilaster). Bemerkenswert sind das eigenwillige Mittelportal, die dreischiffige Eingangshalle mit toskanischen Säulen und das doppelläufige Stiegenhaus (mit strenger Dekoration im Stil Fischers). Die Innendekoration schuf Peter (oder Ludwig) van Roy (bald nach 1740). Die Zuweisung des Baumesiters war lange Zeit umstritten: Der malerische Reichtum der Dekoration und die Auflösung der architektonischen Gerüste sprechen mehr für Johann Lukas Hildebrandt als für Fischer von Erlach. Der Zeitpunkt der Erbauung wie der Umstand, dass die gräfliche Familie Batthyány-Strattmann mit Fischer von Erlach in freundschaftlichen Beziehungen stand, sprechen wieder mehr für diesen. Nach dem neuesten Forschungsstand gilt Johann Bernhard Fischer von Erlach als gesicherter Architekt dieses Palais.

Ab 1703 war die Witwe Eleonore Gräfin Batthyány (geborene Gräfin Strattmann) Alleinbesitzerin. Am 3. März 1740 verkaufte sie es, für 90.000 Gulden, an den Bischof von Bamberg und Würzburger Grafen Friedrich Karl von Schönborn. Dieser war schon 1705 von Kaiser Joseph I. zum Reichskanzler ernannt worden und aus diesem Anlass nach Wien gekommen. Danach übernahm dessen Neffe Eugen Erwin Graf Schönborn 1748 den Besitz. Bereits 1742 entwarf Johann Lucas von Hildebrandt im Auftrag des Bischofs Pläne für einen Umbau des Hauptgeschoßes und für Änderungen des Portalschlusses, die jedoch nicht ausgeführt worden sind. Eugen Erwin ließ die von seinem Onkel im Sommerpalais in der Josefstadt (Schönbornpalais, 8, Laudongasse 17-19 Volkskundemuseum) angesammelten Kunstschätze in das Stadtpalais transferieren. Nach seinem Tod fiel das Palais 1801 an Franz Philipp Graf Schönborn.

1846 wurde das Palais erneuert. 1906 abermals leicht umgebaut.

1863 wurde es von der Stadt Wien angekauft.


Kriegsschäden

Das Gebäude blieb zwar von direkten Bombentreffern verschont, doch die Luftdruck und Splitterwirkungen, der in unmittelbarer Nähe niedergegangenen Bomben, verursachten sowohl an der Fassade wie im Inneren des Hauses beträchtliche Schäden.


Literatur

  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 129 f.
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 126
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 420
  • Bruno Grimschitz: Wiener Barockpaläste. Wien: Wiener Verl. 1944, S. 18 f.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 4. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 713-716
  • Die Umbauentwürfe für den Stadtpalast Batthyány-Schönborn in der Renngasse in Wien. In: Bruno Grimschitz: Johann Lucas von Hildebrandt. Wien: Herold 1959, S. 146
  • Franz Windisch-Graetz: Urkunden zur Geschichte des Palais Batthyány-Schönborn in Wien. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Hg. vom Bundesdenkmalamt Wien und vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien. Wien [u.a.]: Böhlau [u.a.] 1925 - lfd., Band 17,1956, S. 116 ff.