Quidenus-Wohnhaus

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1892
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Carl Quidenus
Prominente Bewohner Fanny Elßler, Anastasius Grün
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  26.01.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtFichtegasse2
Innere StadtSeilerstätte19

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt99018211862
Stadt103317701795
Stadt99118211862
Stadt119817701795
Stadt119218211862
Stadt120017701795
Stadt104917951821
Stadt127317951821
Stadt127117951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Quidenus-Wohnhaus (1, Fichtegasse 2, Seilerstätte 19; Konskriptionsnummern 990, 991 und 1192).

Vorgängerbauten

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurden alle Gebäude abgetragen, die sich im Bereich der heutigen Häuser Seilerstätte 17, 19 und 21 befanden. Die hier beschriebenen Vorgängerbauten wurden teilweise durch die Straßenfläche der Fichtegasse ersetzt und decken sich nur ungefähr mit der heutigen (1892 entstandenen) Parzelle Seilerstätte 19.

Haus Stadt 990

Auf diesem Grundstück standen ursprünglich zwei Soldatenquartierhäuser, die aus je einer Stube, einer Küche und einem Boden bestanden. Beide gehörten besitzrechtlich zum Kölner Hof (Haus Stadt 737; Lugeck 3) am Lugeck und werden 1689 erstmals urkundlich erwähnt. 1784 wurden sie vom Stadthaus getrennt und zu einem verbaut. Im Gegenzug dazu musste sich dessen Besitzer 1785 verpflichten, die Umbauten im Notfall ohne Erstattung der Kosten rückzubauen.


Haus Stadt 991

Dieses Gebäude entstand aus mehreren Soldatenquartierhäusern:

Haus A

Dieses Objekt bestand aus Stube, Küche und Boden und gehörte besitzrechtlich zum Haus Stadt 899 (Singerstraße 6). Seine erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1686. Am 25. September 1762 wurde es vom Stadthaus getrennt.

Haus B

Auch Haus B bestand aus Stube, Küche und Boden. Besitzrechtlich gehörte das 1687 erstmals urkundlich genannte Gebäude zum heute nicht mehr bestehenden Haus Stadt 612 am Petersfreithof (siehe Graben 26; heute verläuft hier die Jungferngasse), von dem es 1750 abgetrennt wurde.

Haus C

Hier standen ursprünglich zwei kleine Soldatenquartierhäuser: Das eine gehörte damals bereits seit "vielen Jahren" zum Haus Stadt 517 (Fischhof 2) und wird 1701 erstmals urkundlich erwähnt. Das andere bestand aus zwei Stuben, Küche und Boden und gehörte zum Haus Stadt 518 (Fischhof 3). Seine älteste urkundliche Nennung stammt aus dem Jahr 1684. Am 1. Februar 1752 wurde beide von derselben Person erworben und danach baulich verbunden.

Umbau 1793

Ab dem 27. Februar 1793 hatten die Häuser A-C denselben Eigentümer und wurden noch in diesem Jahr zu einem verbaut.

Haus D

Wie die meisten Soldatenquartierhäuser bestand dieses Gebäude aus Stube, Küche und Boden. Das 1682 erstmals urkundlich erwähnte Objekt gehörte zum Haus Stadt 964 F (Himmelpfortgasse 8; siehe Winterpalais), von dem es 1748 besitzrechtlich getrennt wurde.

Haus E

Das aus Stube, Küche und Boden bestehende Haus E gehörte zu einem Gebäude in der Kärntner Straße (Haus Stadt 1054 F; Kärntner Straße 26; siehe Schwarzenbergpalais [1]), das im Jahr 1701 von Fürst Ferdinand von Schwarzenberg erworben worden war, um hier ein Palais zu errichten. Sein Sohn und Besitznachfolger Adam Franz von Schwarzenberg überließ das Soldatenquartierhaus der Stadt, die es 1721 wieder an eine Privatperson verkaufte.

Umbau 1818

1818 wurden die Häuser D und E mit dem 1793 aus den Häusern A-C entstandenen Gebäude zu einem zusammengeschlossen, das 1844 an den Besitzer des Hauses Stadt 1192 verkauft wurde.


Haus Stadt 1192

Auch dieses Objekt war ein Soldatenquartierhaus. Besitzrechtlich gehörte es zum Haus Stadt 552 (Tuchlauben 20; siehe Winterhaus). 1771 wurden beide Objekte versteigert und hatten danach unterschiedliche Eigentümer.


Neubau 1847

1847 wurden die Häuser Stadt 990, 991 und 1192 demoliert und durch einen fünf Stockwerke hohen Neubau ersetzt, der auf einer Grundfläche von 378 Quadratmetern stand. In einer Wohnung im vierten Stockwerkverbrachte verbrachte die Tänzerin Fanny Elßler die letzten Jahrzehnte ihres Lebens und starb auch dort am 27. November 1884. Von der vorderen Front aus sah man in die Annagasse. An der Rückseite gab es einen großen Balkon, der sich über die Breite von vier Zimmern erstreckte. Von hier aus blickte man ursprünglich über die Bastei und nach deren Abbruch auf die werdende Ringstraße. Elßler empfing in ihrer Wohnung häufig Gäste, unter denen sich oft Josefine Wessely, Friedrich Mitterwurzer, Bernhard Baumeister und Josef Lewinsky befanden. Außerdem lebte der österreichische Dichter Anastasius Grün hier zur Untermiete, wenn er als Mitglied des Herrenhauses in Wien weilte.


Quidenus-Wohnhaus

Das heutige Wohn- und Geschäftshaus wurde 1892 von Architekt Carl Quidenus zur eigenen Benützung erbaut. Es steht auf einer Grundfläche von 524 Quadratmetern und wurde etwas versetzt errichtet. 1936 erwarb es die "Aedes AG für den Erwerb und die Verwertung von Liegenschaften", von der das Eigentumsrecht mit Beschluss vom 30. November 1940 auf die "Donau-Save-Eisenbahngesellschaft" überging.

An der Fassade in der Seilerstätte befindet sich eine Gedenktafel für Fanny Elßler.


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 2. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 411-415
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 4. Wiesbaden: Steiner 1969-1981, S. 490