Philipphof

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Philipphof - Augustinerstraße / Führichgasse, 1899
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1883
Jahr bis 1945
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Zierer-Hof
Benannt nach Philipp Zierer
Einlagezahl
Architekt Carl König
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  26.01.2017 durch DYN\krabina
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Bildname HMW 197178.jpg
Bildunterschrift  Philipphof - Augustinerstraße / Führichgasse, 1899
Bildquelle HMW 197178, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtFührichgasse5
Innere StadtAlbertinaplatz1
Innere StadtTegetthoffstraße10
Innere StadtAugustinerstraße8

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

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Der Philipphof auf dem Generalstadtplan 1912

Philipphof (1, Albertinaplatz 1, Tegetthoffstraße 10, Augustinerstraße 8, Führichgasse 5).

Das Areal war Teil des Bürgerspitals am Schweinemarkt (vorher Clarakloster) beziehungsweise des unter Joseph II. aus Mitteln des Bürgerspitalfonds errichteten und 1882/1883 demolierten Bürgerspitalzinshauses. Nach dessen Abbruch wurde in den Jahren 1883/1884 hier der Philipphof nach Plänen von Carl König für den Bankier Philipp Zierer errichtet.

Der an allen Seiten freistehende Hof war eines der architektonisch wertvollsten Mietshäuser Wiens. Die Hauptfront war der Augustinerstraße zugewandt. Die Giebelgruppe "Tag" mit Viergespann stammte von Theodor Friedl. Im Hauptgeschoss des Hauses befanden sich, separat zugänglich, die Räume des Jockeyklubs (ab 1938: Wiener Rennverein; Galopprennen), in den Obergeschossen Mietwohnungen. Im Erdgeschoss waren verschiedene Geschäftslokale untergebracht. Ab 1893 befand sich im Philipphof auch jahrzehntelang die Lehrmittelhandlung "Pichlers Witwe & Sohn" (Franz Pichler junior).

Das Gebäude kam 1911 durch Kauf in Besitz des kaiserlichen Familienfonds. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Eigentumsrecht am Philipphof dem Kriegsgeschädigtenfonds einverleibt. Aufgrund der Amtsbestätigung des Bundeskanzleramtes vom 1. Dezember 1936 wurde es dem Familienversorgungsfonds des Hauses Habsburg-Lothringen zurückgegeben, doch schon am 5. Mai 1938 wurde die Beschlagnahme durch die geheime Staatspolizei (Gestapo) vorgemerkt. Danach kam er in das Eigentum des Landes Österreich (Amtsbestätigung des Reichskommissärs für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 20. Juni 1939). Durch eine Verordnung zur Durchführung des Ostmarkgesetzes vom 31. Mai 1941 wurde das Eigentumsrecht der Reichsfinanzverwaltung des Deutschen Reiches übertragen. Seit 1955 ist die Republik Österreich Besitzerin des Grundstücks.

Am 12. März 1945 wurde der Philipphof von mindestens fünf Bomben getroffen, der darauffolgene Brand zerstörte das Gebäude vollkommen. Hier gab es die höchste Zahl von zivilen Todesopfern in einem einzigen Objekt in Wien. Alleine im Luftschutzkeller, in dem schätzungsweise 230 Personen Zuflucht gesucht hatten, kamen 140 Menschen ums Leben. Das Haus wurde so stark zerstört, dass eine Bergung aller Toten nicht möglich war. Die Baureste wurden am 24. Oktober 1947 (nachdem man 180 der wahrscheinlich weit über 300 Toten exhumiert hatte) gesprengt, der Platz planiert. An der Stelle des Philipphofs wurde eine Grünfläche angelegt, von der 1988 ein Teil abgetrennt wurde (Aufstellung des Mahnmals gegen Krieg und Faschismus).


Römische Funde

Im Juli 1874 wurde beim Bau eines Kanals vor dem späteren Haus ein römisches Grab freigelegt, das sich in 3,4 Metern Tiefe befand. Es bestand aus einer würfelförmigen Steinkiste (Seitenlänge 79 Zentimeter) mit genau schließendem Deckel. Darin fand man Reste des Leichenbrandes sowie eine Schale und eine Lampe aus Ton. Bei den Bauarbeiten am Philipphof wurde anfang September 1882 ein 6,6 Meter langes Stück einer römischen Straße freigelegt. Es befand sich in Richtung Führichstraße zwischen Tegetthoffstraße und Lobkowitzplatz. Die Breite konnte nicht mehr festgestellt werden, da das Straßenstück gegen Norden nicht mehr vollständig war. Es lag zwischen zwei gewölbten Kanälen aus späterer Zeit, bei deren Erbauung die Fortsetzungen an beiden Seiten zerstört wurden. Der Unterbau bestand aus großen, oben kegelförmigen und unten spitzen Schottersteinen, die in die Erde eingerammt waren und einer darüber aufgegossenen Betonschicht aus Mörtel und Ziegelstückchen in einer Stärke von 18,5 Zentimeter. Als Pflaster waren große, aber nicht dicke Steinplatten eingebettet, an denen sich Spurrinnen gebildet hatten. Deren Ausformung zeigte, dass es sich um eine zweispurige Straße gehandelt haben musste. Die weiteren Erdarbeiten ergaben, dass die Straße auf einem Damm lag, da auf Seite der Augustinerstraße eine Aufschüttung aus lehmiger Erde zu erkennen war. Darunter fand man noch in einer Tiefe von 5,7 Metern (unter der heutigen Oberfläche) römische Grabbeigaben, Bruchstücke von Tongefäßen, Terra-Sigillata-Schalen und feinem weißem Glas.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre


Literatur

  • Technischer Führer durch Wien. Hg. vom Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein. Red. von Martin Paul. Wien: Gerlach & Wiedling 1910, S. 400
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 154 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 405
  • Paul Kortz: Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Hg. vom Oesterreichischen Ingenieur und Architekten-Verein. Wien: Gerlach & Wiedling 1906. Band 2, 1906, S. 20 und 418
  • Fritz M. Rebhann: Finale in Wien – Die Gaustadt im Aschenregen. Wien: Herold 1969
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 98 f. und 132 (römische Funde)


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