Pfarrwiese

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Die Pfarrwiese in den 1930er-Jahren
Art des Objekts Sonstiges
Jahr von 1912
Jahr bis 1978
Name seit
Andere Bezeichnung Rapid-Platz, Sportplatz Rapid
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Hütteldorf (Pfarre)
Bezirk 13, 14,
Lage Helene-Odilon-Gasse 10
Verkehr Straßenbahnlinie 49, U4, S 45 und Westbahn (ÖBB, westbahn)
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle
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Bildname Pfarrwiese.jpg
Bildunterschrift  Die Pfarrwiese in den 1930er-Jahren
Bildquelle Rapideum, Museum des SK Rapid
Bildrechte
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Die Pfarrwiese war ein Stadion im Bezirksteil Hütteldorf des 14. (vor 1938: 13.) Wiener Gemeindebezirks und von 1912 bis 1978 die Heimstätte des österreichischen Rekordmeisters Sportklub Rapid, der dort 25 österreichische Meistertitel erringen konnte. Aufgrund ihrer baulichen Besonderheiten und stimmungsvollen Atmosphäre gilt die Pfarrwiese, welche in ihrer höchsten Ausbaustufe im Jahr 1929 exakt 24.150 Zuschauern Platz bot, als einer der legendärsten Orte des Wiener Fußballs.

Errichtung und Eröffnung

Im Jahr 1910 wurde der Pachtvertrag für den Rudolfsheimer Sportplatz, Rapids Heimstätte seit März 1903, gekündigt, weil die Gemeinde Wien Platz für einen Heumarkt benötigte, aus dem sich später der alte Meiselmarkt entwickeln sollte. Auf der Suche nach einem neuen Spielort wurde der SCR im seit 1892 eingemeindeten Hütteldorf fündig, ein damals noch vornehmlich ländlich geprägter Vorort am Rande des Wienerwalds. Rapid pachtete dort ein von Villen und den Anlagen der Hütteldorfer Brauerei eng eingefasstes Areal im Ausmaß von 14.420m² zwischen Isbarygasse, Stockhammerngasse, Helene-Odilon-Gasse, Weinfeldweg und Brudermanngasse. Das Grundstück stand im Eigentum des Salzburger Stifts St. Peter und wurde von der Pfarre Hütteldorf verwaltet, weshalb es im Volksmund „Pfarrwiese“ genannt wurde. Die Pacht betrug anfänglich 800 Kronen/Jahr (nach heutiger Kaufkraft ca. 4.300 €), zuzüglich einer Sachleistung für die Pfarre, die in zwei Freikarten pro Spiel bestand. Der Vorpächter des 1912 bereits als Baugrund gewidmeten und parzellierten Areals war die Brauerei gewesen, die es als Lager- und Manipulationsfläche genutzt hatte. Gegenüber der Pfarrwiese lag auch der große Gastgarten des Brauhauses, ein beliebtes Ziel für Sonntagsausflügler, weshalb sich auf dem Areal zeitweilig auch Ansätze eines Vergnügungsparks mit Schießstand, „Kraftmesser“ und einem Atelier für Erinnerungsfotos des Hütteldorfer Fotografen Heinrich Seering befanden.

Von August 1911 bis April 1912 wurde auf der Pfarrwiese der neue Rapid-Platz errichtet, aufgrund der Asymmetrie des Geländes schräg von Nordwest nach Südost. Planer war Eduard Schönecker, Bruder von Rapids bedeutendstem Funktionär Dionys. Selbst beim SCR, beim WAC und dem Wiener Associatons FC (WAF) als Fußballer (auch Nationalspieler) und Sprinter aktiv, wurde Eduard Schönecker zu einem wichtigen Sportstättenbauer (neben dem Rapid-Platz plante er im gleichen Jahr auch den ebenfalls in Hütteldorf, an der Rettichgasse gelegenen WAF-Platz und das Stadion Hohe Warte (1921). Als Haupttribüne fungierte zunächst die aus Rudolfsheim Brett für Brett nach Hütteldorf verschaffte Holztribüne mit ca. 300 Sitzplätzen. Daneben und auf den restlichen drei Seiten waren durch Erdaufschüttungen Stehplatzrampen geschaffen worden, auf der Gegengeraden auch zwei kleine Stehtribünen aus Holz mit Flugdach, womit die Anlage anfänglich ca. 4.000 Besucher fasste. Das Spielfeld war von einer Schlackenbahn eingefasst, auf der Bewerbe der erfolgreichen Läufer und Geher des SK Rapid abgehalten wurden. Die Umfriedung des Geländes durfte ursprünglich nicht aus dem üblichen Plankenzaun, sondern musste aus einem schmucken Eisengitter bestehen, um dem Stadtbild mit den rundum liegenden Villen zu genügen. Die Pfarrwiese war zwar entlegen, aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Beginn an gut zu erreichen (Straßenbahn 49, 52, 58, Stadtbahn (ab 1981: U4), Westbahn und Vorortelinie der ÖBB).

Am 28. April 1912 wurde der neue Rapid-Platz mit einer Doppelveranstaltung vor 3.000 Zuschauern eröffnet. Im Hauptspiel trafen die Amateure auf die Cricketer, im Vorspiel siegte Hausherr Rapid gegen den WAC mit 2:1. Es war der erste von acht Siegen in 10 aufeinanderfolgenden Heimspielen bis 30. Juni d. J., eine Siegesserie, mit der sich die Grün-Weißen überraschend den ersten Titel in der erstmals ausgespielten Meisterschaft sichern konnten. (Da die Pfarrwiese davor in Bau und Rapid noch ohne Sportplatz gewesen war, hatte man erwirkt, alle Auswärtsspiele der Saison 1911/1912 im Herbst absolvieren zu dürfen, die Heimspiele eben im Frühjahr.) Rapid verstand sich damals noch als Mehrspartenverein und Teile der Anlage wurden nicht nur von den Leichtathleten des Klubs genutzt, sondern im Winter auch zum Eisstockschießen verwendet. Ab 1923 betrieb die Boxsektion des SCR auf dem Gelände auch einen Freiluftring für rund 1.000 Zuschauer. In den Halbzeitpausen der Spiele fanden des Öfteren Bewerbe im Radball und im Kunstradfahren statt, die von der Fahrradsektion Rapids ausgerichtet wurden.

Erweiterung zum Stadion

Mit dem Erfolg (Rapid gewann bis 1919 fünf der ersten acht Meisterschaften und den ersten offiziellen Cup) sowie der Entwicklung des Fußballs zum populären Wiener Massenspektakel war die Pfarrwiese bald zu klein, trotz Krieg und ungeachtet des Ausbaus der Stehplatzbereiche, der zu einer schrittweisen Erweiterung des Fassungsvermögens auf rund 8.000 Zuschauer geführt hatte. Als sich im Juni 1919 bei der Jubiläumwoche (20 Jahre Rapid) unter tumultartigen Umständen geschätzte 15.000 Zuschauer auf den Rapid-Platz drängten, um das „Fußballderby“ gegen die Budapester Spitzenmannschaft MTK (4:1) zu sehen, entschied die Vereinsführung den Platz zum Stadion auszubauen.

Nach abermaliger Planung von Eduard Schönecker und ausgeführt von der Baufirma Universale wurden ab Juni 1920 die Erdaufschütten für die Stehplatzrampen noch einmal erheblich erhöht, planiert und mit Betonmauern stabilisiert. Außerdem installierte man Bankreihen auf der Gegengerade, in den Kurven (für 1.422 Sitzplätze) und davor – ganz nah bei der Spielfeldmarkierung – die rund 500 sogenannte „Laufbahnsitze" umfassten. Die kleine, aus Rudolfsheim übernommene Tribüne riss man ab und baute stattdessen im Sommer 1921 eine überdachte Haupttribüne aus Holz auf Betonträgern, die 1.558 Banksitze und 270 exklusive Plätze in 45 Logen bot. Diese glichen Koppeln, in die jeweils 6 Thonet-Sessel gestellt wurden; mittig war die größere Ehrenloge postiert. Der großen Stehplatzrampe auf der Gegengerade wurde bis Herbst 1922 eine überdachte Betontribüne mit Holzdach angegliedert, womit allein diese gigantische Tribüne nun ca. 14.000 Personen Platz bot und nach der Naturtribüne auf der Hohen Warte die größte ihrer Art in Wien darstellte. Wie die Haupttribüne erhielt auch die Stehplatztribüne mittig ein spitzgiebeliges Dach mit der Aufschrift „Rapid“, das zum Wahrzeichen der Pfarrwiese werden sollte. Im Mai 1929 wurde das Fassungsvermögen des Rapid-Stadions behördlich mit exakt 24.150 festgesetzt. Derart ausgebaut wurde die Pfarrwiese sogar Austragungsort eines Länderspiels. Am 16. Juni 1931 besiegte eine mit sechs Spielern des Wunderteams und insgesamt vier Rapidlern besetzte ÖFB-Auswahl die Schweiz vor 10.000 Zuschauern mit 2:0.

Überfüllung, Ausbaupläne, Modernisierung

Die kostspieligen Ausbauten machten unter anderem eine Kreditfinanzierung nötig, die Hans Fischer, Direktor der Simmeringer Maschinen- und Waggonbau-Fabriks AG und Rapid-Präsident von 1925-1928, vermitteln konnte. Auch wurden (unter anderem auf dem Dach der Haupttribüne und über den Einfriedungsmauern) viele und große Werbeflächen vermietet, um die Schulden zu tilgen. Trotzdem rechneten sich die Investitionen, denn der Zuschauerschnitt stieg zwischen 1919/1920 und 1922/1923 von 5.700 auf 18.500. Immer wieder war aber selbst die ausgebaute Pfarrwiese überfüllt, wie etwa am 20. Oktober 1923, als beim 2:2 gegen die Hakoah bis zu 25.000 Besucher gezählt wurden. Rapid wich bei Spitzenspielen insbesondere gegen die Amateure/Austria regelmäßig auf die Hohe Warte aus, wo 30.000 bis 50.000 Zuschauer kamen, meist bei Doppelveranstaltungen. Der Zuschaueransturm jener Jahre trieb auch Planungen der Stadt Wien und des ÖFV für ein Nationalstadion voran. Eines von mehreren, letztlich nicht realisierten Projekten sah ein Großstadion im 15. Bezirk, auf dem Gelände des heutigen Auer-Welsbach-Parks vor, für das man die Hütteldorfer als Pächter gewinnen wollte. Obwohl der Umzug auch die Heimkehr zu den Rudolfsheimer Wurzeln bedeutet hätte, war der Vereinsführung das finanzielle Wagnis zu groß. Ab 1931, als die Behörden zudem erstmals einen zunehmenden Mangel an Parkplätzen in Hütteldorf monierten und die Reduktion des Fassungsraums überlegten, wurde schließlich das neu erbaute Praterstadion die Ausweichheimstätte erster Wahl für die Grün-Weißen, und blieb dies auch bis heute.

1940 wurde auf Initiative von Thomas Kozich, zeitweiliger Vize-Bürgermeister im nationalsozialistischen Wien und höchster Sportpolitiker der „Ostmark“, ein Ausbau der Pfarrwiese auf 35.000 Zuschauer erwogen, wohl aber kriegsbedingt nicht ausgeführt. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportstätten hielten sich die Kriegsschäden auf dem Rapid-Platz in Grenzen, weshalb schon am 1. Mai 1945, nur zwei Wochen nach Ende der Kampfhandlungen, nur wenige Tage nach der Ausrufung der Zweiten Republik, darauf wieder Fußball gespielt werden konnte: eine kombinierte Elf aus Rapid und Vienna schlug eine Mannschaft der Roten Armee. Davor zogen im Rahmen des Maiaufmarsches die Bezirkszüge Rudolfsheim und Penzing der SPÖ bis zur Pfarrwiese.

Im Sommer 1955 erlebte die Pfarrwiese einen letzten großen Umbau. Mit Hilfe von Mitteln aus dem im Oktober 1949 eingeführten Sportoto versah man die Stehplatzrampe auf der Gegengerade mit Betonstufen und installierte darauf Wellenbrecher. Die Bänke für die Laufbahnsitze wurden entfernt, dafür die ersten Stufenreihen ca. 1m unter dem Spielfeldniveau angelegt. Im Grabengang davor stehende, sich an der Stützmauer anlehnende Zuschauer hatten die Grasnarbe auf Augenhöhe und die Beine der Spieler in Griffweite, ein weiteres Charakteristikum dieser Tribüne entstand. Da es immer wieder zu Übergriffen kam, wurde vor dem Hinspiel im Achtelfinale des Europacups der Cupsieger gegen die AC Milan am 7. November 1973 auf die Stützmauer ein Maschendrahtzaun aufgesetzt, so dass die Höhe der Barriere zum Spielfeld nun 2,20m betrug. Das behördlich zugelassene Fassungsvermögen war im Zuge des Umbaus 1955 schon auf 17.000 reduziert worden. Als am 8. Jänner 1956 aufgrund zu vieler aufgelegter Eintrittskarten und des Massenandrangs von bis zu 25.000 Interessierten vor dem Hinspiel im Viertelfinale des Europacups der Landesmeister gegen die AC Milan jedoch eine Panik ausbrauch und zahlreiche Ohnmächtige (davon einige Kinder) von der Rettung versorgt werden mussten, wurde der Fassungsraum des Stadions im Zuge eines gegen den SCR eingeleiteten „Strafamtsverfahrens“ im März 1956 behördlich auf 12.000 Zuschauer, davon 8.900 Stehplätze beschränkt. Wie schon in der Zwischenkriegszeit war Rapid nun trotz Modernisierung abermals genötigt, bei publikumsträchtigen Begegnungen in das Praterstadion auszuweichen, was in den 1950er- und 1960er-Jahren auch regelmäßig geschah.

Langsamer Verfall, Auszug und Abriss

Für die strukturellen Versäumnisse im Wiener Fußball der Nachkriegszeit ist die Pfarrwiese bezeichnend: bis zu ihrem Abriss 1981 gab es dort nicht einmal einen vollwertigen Trainingsplatz. Geübt wurde, zum Leidwesen der Grasnarbe, auf dem Hauptfeld, oder auf der sogenannten „Roten Erde“, einem angeschlossenen, kleinen Hartplatz. Das Spielfeld wurde außerdem bis in die frühen 1960er-Jahre von der 1956 ins Leben gerufenen Handball-Sektion genutzt. Zum internationalen und nationalen sportlichen Abstieg der Wiener Klubs und auch Rapids, der spätestens in den 1970er-Jahren evident wurde, kam das zunehmend komfortorientierte Freizeitverhalten einer Wiener Gesellschaft im Wirtschaftswunder, die Holzbänken mit Schiefern und unhygienischen sanitären Anlagen nichts mehr abgewinnen konnte. Das alles führte zu einem Zuschauerrückgang bei Heimspielen von 21.800 (1949/1950) auf 6.500 (1976/1977), der letzten Saison, die der SCR vollständig auf der Pfarrwiese verbrachte. Beispielsweise wollten das Hinspiel im Achtelfinale des Europacups der Cupsieger gegen die AC Milan am 7. November 1973 (0:2) lediglich 5.000 Zuschauer sehen, was wohl auch der in Ermangelung eines Flutlichts ungewöhnlichen Anpfiffzeit - an einem Wochentag um 14.30h - geschuldet war.

Neben permanenten Finanznöten führten außerdem stadtplanerische Entwicklungen dazu, dass Rapid sein Stadion zunehmend verfallen ließ. Einerseits lagen im Rahmen des "Planungskonzepts Wien" von Stadtplaner Roland Rainer bereits um 1960 Pläne für einen Autobahnzubringer vom Flötzersteig zur Ein- und Ausfahrt der Westautobahn vor, der, als Stelzenstraße gebaut, auch über den Großteil des Pfarrwiesen-Geländes führen sollte.[1] Andererseits wurden schon 1966 Pläne für ein „Sportzentrum West“ publik[2], welches Rapid im Rahmen einer Sportstättenoffensive als Ersatz für die Pfarrwiese von der Stadt Wien zur Hauptmiete angeboten wurde. Es bestanden auch Überlegungen, aus Mitteln der Gemeinde Wien und des Sportotos die Pfarrwiese rückzubauen, das Spielfeld zu verkleinern (oder um 90° zu drehen) und neben der neuen Straße zumindest als Zweitplatz weiterzuführen.[3] Diese Projekte waren letztlich auch der Grund, warum der Verein trotz einiger Anstrengungen seit 1965 es nicht schaffte, eine geplante Flutlichtanlage zu finanzieren und von den Behörden genehmigt zu bekommen.

Das Sportzentrum West wurde in verkleinerter Form, nach den Planungen von Gerhard Hanappi als Weststadion gebaut und im Mai 1977 mit einem Wiener Derby eröffnet. Aufgrund von Baumängeln kam es aber bereits im Oktober 1977 zu einer vorübergehenden Sperre der neuen Anlage und Rapid kehrte nach notdürftiger Instandsetzung der Pfarrwiese (mit Hilfe der jugendlichen Fans) im Frühjahr 1978 noch einmal für sechs Spiele zurück. Den würdigen Abschluss dieser Rückkehr und damit den Schlussstrich unter eine 66-jährigen Verbindung zwischen dem SCR und der Pfarrwiese setzten sechs Heimsiege, deren letzter am 22. April 1978 stattfand. Rapid gewann zum Saisonabschluss 1977/1978 gegen Admira Wacker 6:0, Hans Krankl erzielte fünf Tore und wurde mit insgesamt 41 Treffern in dieser Spielzeit Europas Torschützenkönig. Der Rapid-Platz auf der Pfarrwiese wurde 1981 abgerissen. Heute befindet sich auf dem Großteil des Areals eine Tennisanlage, und das kleine verbliebene Stück der Wiese dient den Hunden der Anrainer als Notdurftstätte.

Bilanz

Zwischen 28. April 1912 und 22. April 1978 trug Rapid auf der Pfarrwiese insgesamt 744 Begegnungen aus. Davon konnten 563 gewonnen werden, was einer Quote von 76% entspricht. Die höchsten Meisterschaftssiege waren ein 12:1 gegen den SK Sturm am 26. August 1950 und das gleiche Ergebnis gegen den Kremser SC am 18. Mai 1957. Die torreichste Niederlage geschah am 2. März 1930, Rapid verlor gegen die Austria mit 4:8. Die bestbesuchten Spiele waren jenes gegen Hakoah am 20. Oktober 1923 und einige weitere Spiele in den 1920er-Jahren, als jeweils mehr als 25.000 Zuschauer gezählt wurden. Ihren schlechtesten Besuch erlebte die Pfarrwiese am 12. Dezember 1920, als in der Meisterschaft gegen die Admira nur 700 Zusehen kamen, um Rapid 4:3 siegen zu sehen.[4]

Mythos Pfarrwiese

Die Pfarrwiese zählt zu den legendärsten Orte des Wiener Fußballs. Allein schon der Name prädestinierte sie dazu und trug wesentlich zur Verbreitung der Metapher von „Rapid als Religion“ bei. Das unregelmäßige, über Jahrzehnte gewachsene Bauwerk, das schon früh baufällig war und auf gegnerische Mannschaften und ihren Anhang einen urwirtlichen Eindruck machte, die Nähe der als besonders emotional bekannten Rapidanhänger zum Spielfeld, vor allem auf den Laufbahnsitzen und der großen Stehplatztribüne, die wie eine Menschenwand wirkte, schufen eine unvergleichliche Atmosphäre, welche mit der Stimmung in britischen Stadien der Zeit verglichen wurde. Dieser berühmte „Pfarrwiesen-Roar“ hat den späteren Literatur-Nobelpreisträger Elias Canetti, der von 1927 bis 1933 im Hietzinger Bezirksteil Hacking und damit in Hörweite der gegenüberliegenden Pfarrwiese wohnte, sogar zu seinem weltberühmten Werk „Masse und Macht“ angeregt.

Der berüchtigte "Tunnel"

Bei gegnerischen Mannschaften berüchtigt war auch der „Tunnel“, ein unter der Osttribüne von den Kabinen zum Spielfeld führender dunkler Durchgang, der so beschaffen war, dass Spieler ihn nur eng beisammen oder nacheinander durchlaufen konnten und dabei in Unkenntnis der Gegebenheiten mitunter ausrutschten, sich an der niedrigen Decke den Kopf anschlugen und auch verbalen, manchmal sogar körperlichen Attacken seitens der Rapidler ausgesetzt waren. Die gespannte Stimmung führte auch immer wieder zu Spielabbrüchen, von Spielen und/oder Anhängern provoziert: am 6. Mai 1934 etwa war die Austria beim Stand von 2:2 abgetreten, weil der Austraner Kait, der ein schweres Foul begangen hatte, von Rapidanhängern, die auf das Spielfeld eingedrungen waren, gemaßregelt wurde. Das Spiel wurde 3:0 für den SCR gewertet. Und am 15. April 1961 wurde das Meisterschaftsspiel gegen Wacker beim Stand von 1:1 abgebrochen, weil ein auf das Spielfeld stürmender Zuschauer einen Wacker-Spieler attackiert und erheblich verletzt hatte. Das Spiel wurde für Wacker strafverifiziert und die Grün-Weißen mit einer Platzsperre belegt.

Ein weltweit einzigartiges Klatschritual entsteht

Um 1920 wurde auf der Pfarrwiese das weltweit einzigartige Klatschritual der „Rapid-Viertelstunde“ geboren. Es entstand aus der schon in Rudolfsheim etablierten kollektiven Praxis, ein Spiel nie aufzugeben, sondern bis zum Ende gemeinsam zu kämpfen und (doch noch) zu siegen, und das auch mittels Anfeuerung kundzutun. Ausgehend vom sogenannten „Rapid-Eck“ auf der westlichen Stehplatzrampe, einem Vorläufer der heutigen Fankurve Block West, übernahmen Rapidanhänger dabei den Takt des bekannten ungarischen Anfeuerungsrufs „Tem-pó Ma-gya-rok!“. Man nahm bisher an, dass dieser von der Forschung als „Soccer-Rhythmus“ bezeichnete Gleichklang nach dem Vorbild der Anfangstakte des Stücks „Hold Tight“ (1966) der Liverpooler Band Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich im „Spion Kop“, der Fankurve des Liverpool FC, entstand. Tatsächlich ist die Pfarrwiese der 1920er-Jahre die Wiege des Soccer-Rhythmus. Als seine symbolische Geburtsstunde gilt weithin ein Meisterschaftsspiel gegen den WAC am 10. April 1921, als der SCR bis zur 64. Minute 3:5 zurücklag und am Ende doch noch 7:5 siegte. Alle Tore Rapids erzielte Josef Uridil. Während der Wirtschaftskrise der frühen 1930er-Jahre bürgerte es sich ein, dass zur Rapid-Viertelstunde die Tore der Pfarrwiese geöffnet wurden, damit auch Menschen, die sich keine Eintrittskarte leisten konnten, noch etwas vom Spiel sahen. Viele zusätzliche Zuschauer drängten auf die Ränge und stimmen in das Klatschritual ein, was den Geräuschpegel noch einmal gehörig erhöhte.

Nachfolger

Literatur

  • Roland Holzinger: Rapid. Die Chronik 1899-1999. Waidhofen a. d. Taya: Buschek 1999
  • Domenico Jacono: Jugendliche Fußballfans. In: Erziehung und Unterricht 9/10 (2011), S. 877-886
  • Domenico Jacono: Religion Rapid. Die Geschichte der Anhänger des SK Rapid Wien. Göttingen: Werkstatt (in Arbeit)
  • Werner Krause: Hütteldorf. Unser Dorf in der Stadt. Wien: Selbstverlag 2007
  • Othmar Loschy: Die Hütteldorfer Heimstätten des SK Rapid – Chonologie eines Fans. In: Wo die Wuchtel fliegt. Legendäre Orte des Wiener Fußballs. Hg. von Peter Eppl u.a. Wien: Löcker 2008, S. 78-80
  • Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950. Bd. 11. Wien: Österreichische Akademie der Wissenschaften 1999, S. 64f. (Schönecker)
  • Jakob Rosenberg, Georg Spitaler: Grün-Weiß unterm Hakenkreuz. Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus (1938-1945). Unter Mitarbeit von Domenico Jacono und Gerald Pichler. Hg. v. SK Rapid und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands. Wien: 2011
  • Edgar Schütz: Pfarrwiese, Hütteldorf. In: Das große Buch der österreichischen Fußballstadien. Hg. von Andreas Tröscher u.a. Göttingen: Die Werkstatt 2007, S. 116-122
  • Edgar Schütz: Die Pfarrwiese – Der Mutterschoß aller Derbys. In: Edgar Schütz, Domenico Jacono, Matthias Marschik, Hg.: Alles Derby! 100 Jahre Rapid gegen Austria. Göttingen: Werkstatt 2011, S. 52-56
  • Sportplätze in Wien. In: Leo Schidrowitz, Red.: Fussball in Österreich. Offizielles Jahrbuch 1950/1951 des Österreichischen Fussball-Bundes. Wien: ÖFB 1951, S. 155-163, Nr. 14
  • West Wien, Nr. 8 (Juli 1911), S. 104f. bzw. Nr. 17 (August 1912) S. 1.

Links

Einzelnachweise

  1. Planungskonzept Wien. In: Der Aufbau. Fachschrift der Stadtbaudirektion Wien. Hg. vom Stadtbauamt der Stadt Wien 13 (1962)
  2. Sportfunk, Nr. 27 (1966), S.2
  3. Sportfunk, 14. November 1970, S. 1 und 3
  4. Statistikseite von Franz Fiala, Stand 05.07.2016.