Petersplatz 2

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von
Jahr bis 1876
Andere Bezeichnung Straicherhaus, Domus Neidharti
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Neidhart Fuchs
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtPetersplatz2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt54917701795
Innere Stadt65117951821
Innere Stadt61018211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Petersplatz 2 (Konskriptionsnummer 610). Ursprünglich bildeten Stadt 610 und 604 ein Haus, das 1334 erstmals genannt wird.

Das Gebäude, das an den Tumpropsthof (Freisinger Hof) stieß, hatte alljährlich dem Bischof von Freising und seinem Gotteshaus mit sechs Pfund Wiener Pfennig ewigen Burgrechtes zu dienen. Wenn der jeweilige Bischof von Freising zu Wien in seinem Hofe weilte, mussten ihm die Eigentümer des Straicherhauses "mit zwayn petten (Betten) warten“.
Am 17. Juli 1344 beurkundete Friedrich der Straicher, dass er für ein "chreuz“, das er über Auftrag des Bischofs von Freising, Chunrad von Chilingenwerch, für "vnster vrawen hincz (zu) Freising“ hergestellt hat, ordnungsgemäß entlohnt wurde. So heißt es in dieser Urkunde: Dieses Kreuz kostet "an vier guldeine vingerl, die er auch darzu schuf vnd die auch also ganczew dar in di dyade verworicht sind (verwirkt sind), in einem ist ein rubin, in dem andern ein palays, in dem dritten ein saphir und in dem vierden ein topasion.“ 318 Gulden. Davon erhielt er 200 Gulden von dem Bischof Chunrad von Freysing. Die anderen 118 Gulden "hat mich gewert… von es vapitels wegen zu freysing… her Emich von Alzey, chorherre zu freysing.“ Straicher überantwortete das Kreuz auch diesem Chorherrn und mit dem Kreuz auch drei "vingerl“, die auch "czu dem chreutz geschaffet wurden die mochten sich darzu nicht gefungen, daz si dar in verborich waren.“ Am 4. April 1357 beurkundete Heinrich der Straicher, dass der Bischof Albrecht zu Freisingen ihm, seiner Frau Claren und ihrer Tochter Agnes verliehen hat "ze vnser dryer lip daz husel (Häusel), daz da gelegen ist an minen hus vnd daz da stozzet an die Melberinn vnd get hin hinder fur daz priffet, alz es mit dem March auzgezaigt ist, vnd get hin hinder fur daz ich durch die vorgenant dry lip alle die will der ainer lebet jährlich davon drei Pfund Wiener Pfennig…" dienen. Wenn der Bischof Albrecht oder sein Nachfolger in der Stadt zu Wien ist, soll Heinrich oder wer von den drei Ausstellern noch am Leben ist, "im (ihm) ain pett lihen (leihen).“ Nach dem Tod aller drei Aussteller soll "das husel mit allem baw“ (Bau) dem Bischof von Freising "ledig und los“ werden. Auch nach Straichers Tod blieb dem Hause der Name "Straicherhaus“ bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts.

1370 verkauften die damaligen Eigentümer das Haus "versus“ Turmprobsthof, genannt "Domus Neidharti“ Peter von Neuburg. Genauer wird die Lage durch eine Eintragung vom 19. Juni 1387 bezeichnet, als ein Teil des Hauses, "gelegen am St. Petersfreithof an dem Ekke gegen den Tumpropsthof“ verkauft wird. Hier kann nur das spätere Haus Stadt 604 gemeint sein, welches an das Eck zum St. Petersfreithof anstieß (Stadt 604 war vor seinem selbstständigen Bestand ein Teil des Hauses Stadt 610). Die vorher genannte Bezeichnung des Hauses "Domus Neidharti" könnte eventuell auf Neidhart Fuchs, der durch die Schwänke Otto des Fröhlichen in der Rolle als Spielmann und "Spaßvogel" Berühmtheit erlangte, zurückgehen. Sein Grabmal wird an der Nordseite des Stephansdomes vermutet. Sicher bekannt ist, dass das Haus Neidharts nahe am Freisingerhof Richtung Jungferngasse lag, der genaue Standort konnte allerdings nie fixiert werden.

Nach vielfachem Besitzwechsel erwarb der Wiener Bauverein 1872 das Gebäude. 1876 wurde das Haus abgebrochen und der Grund beim Neuaufbau in die Area des Hauses Graben 27 einbezogen, zu dem es fortan gehörte.

Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 182 – 186