Peterskirche

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Die älteste Peterskirche
Art des Bauwerks Sakralbau
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Jahr bis
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Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Bildname Kisch Peterskirche.jpg
Bildunterschrift  Die älteste Peterskirche
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtPetersplatz

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Peterskirche (1, Petersplatz).

Der Petersplatz aus dem Jahr 1732
Die restaurierte Peterskirche
Petersplatz - Kuppel der Peterskirche von Nordosten, 1909

Die Peterskirche ist in ihrem ursprünglichen Bestand die zweitälteste Kirche Wiens. Nur die Ruprechtskirche wurde der Überlieferung nach bereits im achten Jahrhundert gegründet, und wäre damit älter. Der Legende nach wird die Peterskirche einer Gründung Karls des Großen zugeschrieben. 1137 wurde die Kirche dem Pfarrer von St. Stephan unterstellt, kam 1170 durch Schenkung Heinrichs II. Jasomirgott an das Schottenstift, fiel jedoch 1544 durch Tausch wieder an den Landesfürsten zurück. Rund um die Kirche lag der Petersfreithof.

Die Gründungslegende

Damals lag Wien noch im völligen Dunkel der Geschichte. Jahrhunderte hindurch hatte sich die Völkerwanderung über das Wiener Becken ergossen. Heruler, Rugier, Gepiden, Ostgoten, Langobarden und zahllose andere germanische Völker und von den nicht germanischen die Hunnen und Awaren hatten alles weggeschwemmt, was an altem kulturgeschichtlichem Bewusstsein auf diesem Fleck der Erde lebte.
Die Awaren verheerten alles Land bis auf die Enns hinauf. Als sich mit ihnen der ehrgeizige Bayernherzog Tassilo verband, führte dies zur kräftigen Gegenwehr Karls des Großen.
Nur 52 Tage, etwa von Anfang August bis Ende September des Jahres 791 dauerte der Kriegszug. Zwölf kirchliche Stiftungen, die sich von Bayern bis Petronell bei Carnuntum erstreckten, sollen den Weg bezeichnet haben, den das Heer Karls des Großen genommen hatte. Darunter werden auch die Martinskirche zu Klosterneuburg und die Peterskirche zu Wien genannt. Für die Gründung der Peterskirche durch Karl den Großen fehlt allerdings der Beweis.

Romanische Kirche

Es wird vermutet, dass sich unweit des Haupttores der jetzigen Kirche ehemals ein heidnischer Göttertempel befand. Die Überlieferung, hier habe sich bereits in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts eine spätrömische Saalkirche befunden, lässt sich nicht beweisen, ebenso wenig die Legende, der zufolge die Kirche 792 durch Karl der Großen begründet worden ist (dazu Relief von Rudolf Weyr an der süd-östlichen Fassade).

Wahrscheinlich ist die Peterskirche um die Mitte des 11. Jahrhunderts noch vom vorbabenbergischen Stadtherrn, der Beziehungen zu Salzburg hatte (worauf das Patrozinium St. Peter hindeutet) begründet worden. Damals dürfte der Pfarrklerus die pfarrlichen Funktionen aus der älteren Ruprechtskirche in die größere und geeignetere Peterskirche verlegt haben, ohne allerdings die alte Pfarre ihres angestammten Rechts und Ansehens zu berauben. Mit ein Grund für diese Änderung mag auch die Schwierigkeit gewesen sein, dass der kleine Friedhof um St. Ruprecht keinen Platz mehr bot. Im Vertrag von Mautern (1137) hat Markgraf Leopold IV. die Peterskirche samt den übrigen Filialkirchen der Pfarre Wien (St. Stephan) unterstellt, behielt aber das Eigentum an den Gebäuden.
Herzog Heinrich II. schenkte die Kirchen, nachdem die Pfarre nach St. Stephan übertragen worden war, dem Schottenstift. Nach dem Schottenstiftsbrief vom Jahr 1158 (Original nicht vorhanden, nur eine etwa 100 Jahre jüngere Fälschung) war die Kapelle von St. Peter dem Schottenkloster eingepfarrt (1314 ist ein Pfarrer bei St. Peter bezeugt).

Dem großen Stadtbrand von 1276 fiel auch die Peterskirche zum Opfer. Im selben Jahr wieder erneuert, traf die Kirche bei dem Stadtbrand der am 20. März 1327 von der Küche eines Hauses der Wallnerstraße seinen Ausgang genommen hatte, ein ähnliches Missgeschick, doch die Verheerung beschränkte sich damals hauptsächlich bei St. Peter auf den Dachstuhl und auf die innere Einrichtung. Die Richtung der nach diesem Brand wieder hergestellten Kirche lag anders als heute. Ihr Eingang war nach Westen, also nach Tuchlauben gerichtet. Dort erhob sich auch der mächtige, quadratische Fassadenturm mit Eckstreben, der durch den Verbindungsteil mit dem Langhaus verbunden war. Der Hochaltar stand zunächst der heutigen Goldschmiedgasse.
Obwohl dreischiffig, war das Gotteshaus dennoch sehr klein, kaum halb so groß wie das gegenwärtige. Es war finster und tief gelegen und um in die Kirche zu gelangen, musste man mehrere Stufen hinabsteigen.

Über die Geschichte der alten Peterskirche liegen nur wenig Angaben vor. Das Pfarrarchiv von St. Peter bietet wenig Material, das uns darüber Aufschluss gegeben könnte, denn als unter Kaiser Joseph II. die Bruderschaften aufgehoben wurden, war darunter auch die Dreifaltigkeitsbruderschaft von St. Peter und manch wertvolles Schriftstück derselben mag dabei verloren gegangen sein. Man verfuhr im Zuge dieser Maßregel mit den Urkunden nicht sehr schonungsvoll. Aus Stiftungsurkunden entnehmen wir, dass es in früherer Zeit bei St. Peter folgende Altäre gab:

  • Frauenaltar (1380-1560)
  • Erhardsaltar (1371-1560)
  • Valentinaltar (1345-1479)
  • St. Bartholomäusaltar (1448-1560)
  • St. Andreasaltar (1469-1511)
  • St. Katharinenaltar (1396-1510)
  • Altar der 10.000 Ritter und 11.000 Maiden (1399-1528)
  • St. Peteraltar (1412-1539)

Nach einer Urkunde vom 31. Oktober 1372 überließ das Schottenstift dem Kaplan von St. Peter "was am Fest von St. Peter und Paul durch Sammlung in der Kirche eingeht, sei es Geld oder Wachs oder was immer geopfert wird." Demnach scheint das Einkommen der "Obristen Kapläne“ bei St. Peter ein sehr spärliches gewesen zu sein, da sie auf diese Sammlungen angewiesen waren. Auch der Stadtrat war auf eine Erhöhung des Einkommens dieser Personen bedacht und bestätigte am 14. Mai 1385 Simon, Obristen Kaplan der Kapellen St. Peter, ihm aus besonderer Gnade bis auf Widerruf gestattet zu haben, "die Chremel (Kramläden), die umb die vorgenannte Kapellen ligent, inne ze haben, ze niessen und ze nuczen."

1399 beginnen urkundliche Nachrichten über den Bau einer Kapelle zu Ehren des heiligen Valentin. Der Bau schritt sehr langsam voran, noch 1419 wird ein Beitrag zu diesem Bau von 100 Gulden genannt, mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass diese Kapelle nicht nur dem heiligen Valentin sondern auch der heiligen Jungfrau und den beiden heiligen Ärzten Kosmas und Damian geweiht werden sollte. 1421 scheint die Kapelle fertig gewesen sein. Sie dürfte jenem Vorbau entsprechen, der sich nördlich an den alten Turm lehnte.

Aus dem 16. Jahrhundert ist ein Inventar erhalten, in dem alle der Kirche gehörenden Gegenstände verzeichnet sind. Schon um diese Zeit war die Peterskirche schadhaft geworden. Um 1535 trugen sich mehrere italienische Kaufleute an, sie neu erbauen zu lassen, jedoch unter der Bedingung, dass sie ihnen als Nationalkirche übergeben werde, worauf man nicht einging. Die alte Peterskirche hatte einen mächtigen Fassadenturm, an den sich seitlich die gotische Valentinskapelle (erbaut 1399) und ein dreischiffiges Langhaus mit verschieden breiten Seitenschiffen anschlossen.

Renovierungsarbeiten

1555-1557 ließ Wolfgang Lazius die im Lauf der Zeit baufällig gewordene Kirche größtenteils auf eigene Kosten restaurieren. In seiner Eigenschaft als Kirchenmeister von St. Peter schritt er bei Bürgermeister und dem Rat der Stadt um Renovierung der Kirche ein. Darauf wurden ihm am 14. August 1554 100 Gulden, am 11. November weitere 12 Gulden bewilligt, dann am 28. April 1555 Acht Gulden zur Bemalung einiger Altäre in der Kirche. Da diese Beträge nicht hinreichten, ließ Lazius die Kirche größtenteils auf seine eigenen Kosten renovieren. 1615 war sie erneut reparaturbedürftig, von dem damaligen Pfarrer von St. Peter, Adam Winterhaller, Domherrn bei St. Stephan, liegt eine Eingabe aus diesem Jahr vor, worin es heißt: "dass die unter den ersten Teutschen Christlichen Khayser Carolo Magno erbaute Khierchen und Gotthauses bey St. Peter allhier dermaßen in Bawfäligkeit gerathen, dass deselben Niedergang zu besorgen… ."

Dieser herabgekommene Zustand der Kirche und des darin abgehaltenen, geringen und prunklosen Gottesdienstes lenkte 1626 die Aufmerksamkeit des Servitenordens auf dieses Gotteshaus, da der Orden sich schon seit Jahren vergeblich bemüht hatte, in Wien eine Niederlassung zu gründen. Er wurde jedoch abgewiesen und neun Jahre später erging es den Augustinern ebenso, die nach dem Besitz der Kirche strebten, weil die Mittel dieses Ordens zu gering waren, um die dringend notwendige Erneuerung des dem Niederbruch nahen Gotteshauses durchführen zu können. Nach weiteren fünf Jahren wurde auch die Bewerbung er Karmeliter um die Kirche abgewiesen. 1643 erbot sich Franziska Gräfin Pálffy , eine Restaurierung zu ermöglichen, doch ergab sich, dass ihre Mittel hierfür nicht ausreichten. Eine öffentliche Sammlung musste eingeleitet werden, um die begonnenen Arbeiten zu Ende führen zu können. Nach einem Brand (1661) erfolgte nur eine notdürftige Wiederherstellung.

Barockkirche

Als die Bruderschaft der heiligsten Dreifaltigkeit 1676 feierlich in die Peterskirche eingeführt wurde, erreichte sie bald einen hohen Mitgliederstand. Ein großer Teil der Mitglieder zählte zu den reichsten und angesehensten Bürgern von Wien. Auch der Adel war bis in die höchsten Spitzen vertreten. Die Bruderschaft verfügte daher über die entsprechenden Mittel und so fasste sie im Jahr 1700 den Entschluss, die alte Kirche niederzureißen und einen Neubau aufzuführen, dessen Form an die Peterskirche zu Rom erinnern sollte. Bereits ein Jahr zuvor, im Pestjahr 1679 gelobte Leopold I., anstelle der baufälligen Kirche einen der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmeten Neubau zu errichten. Man ließ von Baumeister Jankel einen Kosten-Überschlag machen. Für den von ihm gezeichneten Bauriss erhielt er 50 Gulden.

Nach dem technischen Führer durch Wien (Ing. Martin Paul) werden die Erbauer in den Inschriften im Kuppelknauf angegeben: Francesco Martinelli, Franz Jänggl und Christian Oettl. Die Literaturangaben gehen jedoch hierüber weit auseinander. Nach dem Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler von Georg Dehio wurde der Bau nach dem Plan von Gabriele Montani 1702 begonnen, von diesem bis 1703 weitergeführt, sodann, wahrscheinlich von Johann Lukas Hildebrandt nach verändertem Plan 1708 im Rohbau vollendet und am 25. Oktober 1708 geweiht. 1708-1715 folgte die Innenausstattung, 1713-1717 wurde der Kuppelraum in seiner gegenwärtigen malerischen und plastischen Ausgestaltung vollendet, jedoch erst 1730-1733 baute man den Hauptchor. 1733 weihte Kardinal Kollonitsch die Peterskirche. Das Grabmal des Wolfgang Lazius, der in der alten Peterskirche 1565 bestattet worden war, wurde in die neue Peterskirche übertragen. Nach wie vor umgab der Petersfreithof die Kirche; er wurde erst unter Joseph II. aufgelassen. 1844 restaurierte man die Fassade, wobei auch die vielen an die Kirche angebauten Verkaufsbuden verschwanden, die nach der Auflassung des Friedhofs entstanden waren.

Die Geschichte von St. Peter im Barock

Als man 1701 die alte Kirche abtrug, will man bei dieser Gelegenheit den Grundstein der ersten Kirche gefunden haben, der "eine alten Paritkel von Papst Leo III.“, dem Freunde und Zeitgenossen Karls des Großen, enthielt.

Ein altes Gedenkbuch aus der Pfarre bemerkt, dass der Partikel noch 1749 vorhanden war, schreibt aber nichts über die Art desselben. Die Auffinder des merkwürdigen Grundsteines behaupteten, dass er im Jahr 800 gelegt worden sein müsse und an dieser Überzeugung hielt man fest, sodass danach die Inschrift des Grundsteines für die neue Kirche verfasst wurde, welche lautet:
"Ecclesia quae IX ultra saecula steterat, fundata supra firmam Petram prinzipis Apostolorum Petri Coeli Clavigeri Sacris honoribus a Carolo I. Caesare Magno anno post virginis partum DCCC extructe novis ex fundamentis D.O.M- uni in Trinitate Deo et S. Petri honoriter augusta surrexit. Lapidem in titulum cen alter Jacob restauravit Leopoldus uterque Felix.“

Die deutsche Übersetzung ist etwa wie folgt:
"Diese Kirche, die über neun Jahrhunderte stand, gegründet zu heiligen Ehren auf dem festen Felsen des Apostelfürsten Paulus, des Schlüsselträgers des Himmels, von Karl dem Großen Kaiser im Jahr 800, nachdem die Jungfrau gebar, ist dem allmächtigen Gott, der einig ist in der Dreiheit und dem heiligen Petrus zu Ehren prachtvoll wiedererstanden. Als zweiter Jakob hat den Grundstein gelegt Leopold der ebenso Große als Glückliche."
Diese Grundsteinlegung geschah in feierlicher Weise durch Kaiser Leopold I. am 30. Juni 1702 (laut Harrer; Czeike benennt den 22. April 1702).

Schon zur Zeit des Baubeginnes war ein Unfall zu verzeichnen:
Anlässlich einer feierlichen Prozession am 29. Oktober 1702, an der auch der Kaiser mit seinem Hofstaat teilnahm, stürzte infolge der Überlastung die über die Fundamente gelegten Bretter ein und etwa 50 Personen, meistens Hofkavaliere und Pagen stürzten in die Tiefe.


Die Vollendung der Kirche ging sehr langsam voran. Noch während des Baues wurde das Holz der Kuppel schadhaft, sodass dieses 1722 durch eine Kuppeldeckung ersetzt werden musste, wozu Kaiser Karl VI. als oberster Schutzherr und Mitglied der Bruderschaft der heiligen Dreifaltigkeit das Kupfer lieferte. Jahrelang fehlte die Fassade und die Türme hatten keinen Abschluss.

Am 17. Mai 1733 konnte die Kirche endlich durch den Kardinal Graf Sigismund Kollonitsch geweiht werden.

Äußeres

Das äußere Bild das die Peterskirche darbietet, wird beherrschend bestimmt durch die 56 Meter hohe, gewaltige Kuppel, die in ihrer Konfiguration an die Kuppel von St. Peter erinnert. Es handelt sich um eine zweigeschossige Fassade von gedrungener Wirkung, deren schräggestellte Türme den konkav einschwingenden Mittelteil flankieren und der von der Kuppel des Zentralbaus überragt wird. Der Bau selbst verherrlicht die Regierung des Kaisers Leopold I., dessen Wahlspruch im Innen über dem Chorbogen prangt. Der reizvolle, pavillonartige Portalvorbau aus grauem Marmor wurde nach einem Entwurfe von Andrea Altomonte erst 1751 bis 1753 errichtet. Figürlicher Schmuck aus Blei von Franz Kohl, einem Schüler und Gehilfen von Georg Raphael Donner, ziert ihn. Zu Oberst die Statuen Glaube, Hoffnung und Liebe, sowie Engelfiguren, welche Tiara und Schlüssel, die Insignien der päpstlichen Souveränität, tragen. Am Giebelfenster an der Vorderseite und den Vasen an der Seite Reliefs: Darstellungen aus dem Leben Petri. Das Hauptportal zeigt reiches Schnitzwerk und schöne Beschläge; eine Inschrift erinnert an das kaiserliche Pestgelübde.

In den Nischen unterhalb der beiden schiefgestellten Türme, welche die Vorderseite der Kirche flankieren, stehen folgende Sandsteinfiguren: St. Petrus und St. Simon, Johannes Evangelist (laut Paul Harrer St. Paulus) und Judas Thaddäus. An der Rückseite des Chores (Außenwand der Kirche) befinden sich Steinplastiken vom heiligen Petrus und vom Heiligen Michael, die von Lorenz Matitelli um 1730 ausgeführt wurden.

An der östlichen Seitenwand des Gotteshauses, gegenüber dem Ausgang der Goldschmiedgasse ist in die Steinmauer ein Marmorrelief eingelassen, das die sagenhafte Kreuzerrichtung an dieser Stelle durch Karl den Großen vergegenwärtigt. Von Rudolf Weyr geschafften, wurde es 1906 enthüllt.

Inneres

Das prunkvolle Innere des von der ovalen Kuppel überhöhten Zentralbaues ist mit allen Mitteln einer überlegenen Dekorationskunst zu höchstem farbigen Glanz gesteigert. Der zylindrische Zentralraum ist auf längsovalem Grundriss mit größeren Kapellen in der Querachse und kleineren mit darüber liegenden Emporen in den Diagonalachsen. Der von der Kuppel überdeckte Hauptraum öffnet sich in den untern Teilen in vier großen und vier kleinen Bögen in Kreuzform. Die seitlichen enthalten Kapellen, während der Chor sehr verlängert ist. Der schönste Blick bietet sich gleich beim Eintritt.

Der Raum ist mit Stuccolustro in Ocker und Gold verkleidet (Stucchi von Alberto Camesina, im Kuppeltambour von Matthias Steinl [um 1716], im Chor von Santino Bussi [um 1730]). Das Kuppelfresko "Mariä Himmelfahrt" von Johann Michael Rottmayr (1713/1714), spannt sich in farbenfroher Tönung über den hochstrebenden Kirchenraum. Der 1654 in Laufen geborene Johann Michael Rottmayr hat als erster der barocken Malerei neue Wege gewiesen. Er ist fast ausschließlich Freskant und in Wien zeigen die Kuppelbilder von St. Peter und der Karlskirche die ganze Großartigkeit seiner außerordentlichen Gestaltung.

Die Fresken um die vier Ovalfenster der Kuppelpfeiler sind von Johann Georg Schmid und zeigen die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter. Über dem Chorbogen der kaiserliche Adler mit dem Wahlspruch Leopolds I. "Consilio et industria“.

Reiche Stuckdekoration von Alberto Camesina, dem Großvater des Gelehrten und Geschichtsforscher Albert Ritter von Casemina, am Kuppelgebälk nach Entwurf von Mathias Steindl die Stukkos im Chor von Santino Bussi. Die Chorkuppel, deren Seiten die Ortatorien durchbrechen, wird durch eine von Antonio Galli-Bibiena gemalte Scheinarchitektur erhöht. Dieser Künstler hat auch den Hochaltar entworfen, der 1730 bis 1732 durch Santino Bussi ausgeführt wurde. Ihn ziert ein Altarbild Martino Altomontes "Heilung des Lahmen durch Petrus vor dem Tempel zu Jerusalem“, darüber Glorie. Das Konzept für den stammt von Galli-Bibiena (Ausführung durch Bussi und Franz Jänggl). Über dem Tabernakel ein Bild der unbefleckten Empfängnis von Leopold Kupelwieser, 1836. Die Metallreliefs der Mensa zeigen die Befreiung des heiligen Petrus durch Engel, sowie seine Enthauptung. Immakulata (als Ersatz für den während der Napoleon. Kriege verlorenen Silbertabernakel) von Leopold Kupelwieser (1836), darüber Gnadenstuhl (15. Jahrhundert).

An der westlichen Chorwand neben dem Eingang zur Sakristei ist das Grabmal Joachim Georg von Schwandner († 1752) und seiner Gattin. Es versinnlicht die Zeit, dargestellt als geflügelten Greis, der eine Sense mit sich führt und den beide Stiftern einen Strahlenkranz reicht. Das in Marmor und Bronze ausgeführte Grabmal wurde von Franz Xaver Messerschmidt 1754 fertig gestellt. Die Porträtmedaillons sind von Johann Josef Niedermayer und Franz Rosenstingl. Hofrat Joachim von Schwander hatte ein Jahr vor seinem Tode das jetzige Portal der Kirche, den Musikchor und die Orgel bauen lassen. Überdies testierte er sein ganzes, bedeutendes Vermögen der Kirche und stiftete an derselben einen Dekan und sechs Stiftsherren, welche die Predigten zu halten, den Gottesdienst und den Beichtstuhl zu besorgen hatten.

Auf sonderbare Weise erhielt diese Stiftung 1762 eine Ergänzung: Am Petersplatz im Eisgrübel befand sich nämlich damals ein Kaufmann, namens Josef Peisser, der eines Abends, als man gerade Ave Maria läutete, im Keller etwas zu tun hatte. Bei dieser Gelegenheit fand er dort einen großen Topf mit Goldmünzen. Weil man gerade zum Gebete rief, betrachtete er das als Fingerzeig Gottes und machte von dem gefundenen Gelde eine Stiftung für einen siebenten Benefizianten. Dem Schwandnerschen Grabmal gegenüber befindet sich der Eingang zur Taufkapelle, das dort befindliche Altarbild einer Taufe Christi ist bezeichnet mit "Josef Führich, 1843.“ Das Deckenbild im Oratorium über der Sakristei zeigt einen heiligen Petrus (Entstehungszeit um 1720). Den Raum schmückt ein Ölgemälde "Vermählung der heiligen Katherina mit dem Jesukinde“ in der Art des Bartholomäus Spranger (aus dem 17. Jahrhundert). Linker Hand vom Chorbogen ist die prachtvolle Kanzel, nach dem Entwurf von Mathias Steindl um 1716 (laut Harrer 1730). Sie zeigt im Relief den zwölfjährigen Jesus im Tempel.

Gegenüber der Kanzel befindet sich ein Altar mit vergoldeter Holzgruppe, die reichbewegte plastische Gruppe des Brückensturzes des heiligen Johannes Nepomuk, wahrscheinlich auch von Steindl. Darüber die Madonna in Glorie ebenfalls von Steindl.

Unter dem Chorbogen ist ein hübscher Rückblich auf den Eingangsraum. Die darüber befindliche Musikempore, beide von Antonio Galli-Bibiena entworften, letztere mit reichgeschmückter Brüstung und Orgelprospekt vom Jahr 1751. Die von F.J. Swoboda in Wien erbaute Orgel wurde 1903 mit unveränderter Beibehaltung des Prospektes vollkommen neu gebaut und gehört zu den besten Wiens. Gute Kirchenmusik (Kirchenmusikverein), reiches Musikalienarchiv. Das schöne Deckenfresko des Orgelchores zeigt musizierende Putten.

Rechte Kapellen

  • Michael-Kapelle: "Engelsturz" von Martino Altomonte. Die Statuen des Michaelaltars stellen die Erzengel Gabriel und Raphael dar. Auf dem Altar ist als Unterbild das Gnadenbild "Maria vom guten Rate“ aufgestellt, ein Geschenk des Papstes Leo XIII. Im Glassarg der Katakombenmärtyrer Benedikt (Kardinal Kollonitsch brachte ihn von Rom nach Wien).
  • Franz-von-Sales-Kapelle: Altarbild "Wunder des heiligen Franz von Sales“ von Johann Michael Rottmayr, 1714 - der Heilige erweckt einen Toten. Tabernakel und Herz-Jesu-Bild von Leopold Kupelwieser.
  • Antonius-Kapelle: Altarblatt "der heilige Antonius vor der Madonna“ von Martino Altomonte, um 1714. Die Mutter Gottes mit dem Jesuskind erscheint dem Heiligen. Die Statuen stellen St. Johannes und Judas Taddäus vor. Die Wappenschilder mit der Beizeichnung J.S. und M.S. erinnern an Joachim und Maria Schwandner. Der Taufbrunnen aus Kupfer daneben bezeichnet S.P. 1798.

Linke Kapellen

  • Kapelle der Heiligen Familie: Altarbild "Heilige Familie" von Martino Altomonte. Unter dem Altartisch, im Glassarg, ein Reliquiar mit Reliquien des Katakombenmärtyrers Donatus (ebenfalls von Kollonitsch gebracht).
  • Sebastiansaltar: "Marter des heiligen Sebastian“, von Anton Schoonjans (1714), Rokokoschnitzwerk. Über dem Tabernakel "Maria Hilf“-Bild von Rosenstingl (1766; Kopie nach Lucas Cranach).
  • Barbaraaltar: Stuckaltar mit Sandstein Franz Karl Remp, um 1712. An der Seite dekorative Statuen St. Clara und St. Teresia, in der Mitte Bild mit St. Expeditus. Der Name bedeutet "frei von jedem Hindernis“, weshalb dieser Märtyrer als Beschützer in Angelegenheiten verehrt wird, die sich in die Länge ziehen, aber eine rasche Erledigung erfordern. Der Rabe unter seinem Fuß ist das Symbol des Aufschiebens, da das Geschrei dieses Vogels "cras" morgen, bedeutet. Unter Marc Aurel war St. Expeditus Anführer einer Legion, genannt "die Fulminante", die er im Krieg gegen die Quaden vor dem Hungertod rettete. Unter Diocletian fand er in Armenien den Märtyertod.

Grabmäler

In den Eingangsraum zurückkehrend, ist dort rechter Hand das Grabmal des Geschichtsforschers Wolfgang Lazius (gestorben 19. Juni 1565, Grabmal 1586). Der Grabstein zeigt einen Mann, der mit gefalteten Händen vor einem Kruzifix kniet und dessen Gelehrtenstand durch den Doktormantel und den zu seinen Füßen liegenden Büchern zu erkennen ist.

Als man 1701 die alte Kirche niederriss, scheint man bereits die Verdienste vergessen zu haben, die sich Lazius um die einstige Erhaltung des Gotteshauses erworben hatte. Man warf seine Gebeine, die im Schoße der Kirche ruhten einfach ohne weiteres mit den übrigen am Petersfreithof Begrabenen zusammen und schichtete sie unter den hohen Gewölben auf. Von Lazius meinte übrigens ein sehr bedeutender Kunsthistoriker mit leise anklingendem Vorwurf, dass er derjenige war, der durch die Entdeckung oder Erfindung der Gründung der Kirche durch Karl den Großen diese mit einem Nimbus der Ehrwürdigkeit umgeben hat.

An der gegenüberliegenden Wand ist der Grabstein Cischinis (gestorben 1709), der als Baumeister der neuen Kirche genannt wird und irgendwie an dem Bau beteiligt war (Siehe auch Petersplatz Nummer 6, Pfarrhof).

Beachtenswert ist das Grabmal der Familie Schallautzer, altes, verdienstvolles Patriziergeschlecht (siehe Graben 22). Der Grabstein des Simon Payrstetter, Pfarrer und Rektor bei St. Peter, trägt die Jahreszahl 1392.

Die Kosten des Kirchenbaues

Die Kosten des Kirchenbaues beliefen sich auf 175.000 Gulden und es ist ganz interessant, einzelne Posten davon herauszugreifen. So erhielt Johann Geymüller für die Marmorierung im Inneren 1480 Gulden, Albert Camesina für die Stukkaturarbeiten 450 Gulden, Steindl für das Zeichen der Ornamente 60 Gulden, Rottmayr für das Kuppelfresko 3000 Gulden und Bibiena für den Bau des Hochaltares 20.000 Gulden.


Im Zuge der kirchlichen Reformen unter Kaiser Joseph II. wurde St. Peter 1783 zur Pfarre erhoben, im gleichen Jahr aber auch die Dreifaltigkeitsbruderschaft aufgehoben und deren reiches Vermögen eingezogen.

1843 wurde endlich mit der Entfernung der Verkaufshütten um St. Peter begonnen, die man, eben nicht zur Verschönerung des Platzes nach dem Neubau dort wieder aufgerichtet hatte. Auf der Rückseite des Platzes behaupteten sich die Dürrobsthändler bis 1845.

1849 spendete der kuratbenefiziant Anton Schiessl die transparente Uhr oberhalb des Portals und 1873 stiftete Frau Anna Edle von Lagusius die große Glocke für den bisher leer gestandenen linken Turm. Auch die neue Peterskirche wurde weit ihrem Bestand wiederholt restauriert.


Literatur

  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 17 ff.
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 46 ff.
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Wiener Dom-Verlag ³1970, S. 59 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 129 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 120 f.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 36 ff.
  • Grimschitz: Hildebrandt, S. 47 ff.
  • Alfred Schnerich: Wiens Kirchen und Kapellen in kunst- und kulturgeschichtlicher Darstellung. Zürich / Wien: Amalthea 1921 (Amalthea-Bücherei, 24), S. 68 ff.
  • Alfred Schnerich: Die Kollegial- und Stadtpfarrkirche St. Peter. 1908
  • Gabriele Praschl-Bichler: Wien speziell. Architektur des Barock. Wo finde ich Schlösser, Palais, Öffentliche Profanbauten, Kirchen, Klöster, Bürgerhäuser, Denkmäler, Brunnen, Museen, Sammlungen in Wien. Wien: Christian Brandstätter Verlag 1990, S. 55 f.
  • Karl Oettinger: Das Werden Wiens. 1951, S. 115 ff.
  • Hans Voltelini: Nochmals die Anfänge der Stadt Wien 1. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 19/20. (1963/1964), S. 51 ff.
  • Friedrich B. Polleross: Geistliche Zelt- und Kriegslager. Die Wiener Peterskirche als barockes Gesamtkunstwerk. in: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 39. (1983)
  • Leopold Mazakarini: Das Cischinidenkmal in der Peterskirche. In: Frühe Denkmäler mit politischen und zeitgeschichtlchen Aussagen (Hg. Ges. für Natur- und Heimatkde.), Band 2. 1987, S. 12 ff.
  • Albert Camesina: Die alte Peterskirche zu Wien. In: Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien. Band 12. Wien: Gerold 1872, S. 1 ff. und S. 190 f
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 147 ff.
  • Gugitz, Gnadenstätten l, S. 34
  • Alois Hauser: Die Restaurierung der Peterskirche in Wien. In: Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien. Band 26. Wien: Gerold 1890, S. 16 ff.
  • Rudolf Geyer: Handbuch der Wiener Matriken. Ein Hilfswerk für Matriken-Führer und Familienforscher. Wien: Verlag d. Österr. Inst. für Genealogie, Familienrecht und Wappenkunde [1929], S. 80 (Sprengel) und S. 230 f. (Matrikenbestand)
  • Führer durch die Peterskirche in Wien. 1969
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 176 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 171 – 181