Pest

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  12.07.2017 durch WIEN1\lanm08wei
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF

Pest-Epidemien

Vor dem Haus 11, Simmeringer Hauptstraße 109, Krausegasse 1) wurde 1713 an der Poststraße eine Pestgrube angelegt (Gedenktafel; Skelettfunde 12. August 1943). Der letzte Laboratoriums-Pestfall ereignete sich 1898 im Kaiser-Franz-Joseph-Spital (Hermann Franz Müller). Pestheilige waren Sebastian, Rochus und Rosalia (ab 1646 Patronin in der Diözese Wien) sowie die Heilige Dreifaltigkeit.

Erinnerungsstätten

Pestsäulen (teilweise Mariensäulen) entstanden auch in der von der Pest betroffenen niederösterreichischen Umgebung Wiens (beispielsweise Baden, Ebreichsdorf, Heiligenkreuz, Klosterneuburg-Kierling, Mödling, Perchtoldsdorf).

Pest im Mittelalter

Die Pestepidemie von 1349 gilt heute alt die schwerste während des Mittelalters. Für das Erreichen des Erregers in Wien sind mehrere Daten belegt: 12. April, 31. Mai, 24. Juni. Als Enddatum gilt der 20. September. Fast ein Drittel der Bevölkerung kam ums Leben, in Wien starben jeden Tag etwa 480 bis 720 Personen, unter ihnen auch zahlreiche schwangere Frauen und Geistliche. Da die Friedhöfe überfüllt waren, gingen die Menschen dazu über, Tote in Gruben vor der Stadt zu begraben.

Zum Verlauf der Pesterkrankung ist überliefert, dass die meisten Erkrankten innerhalb von drei Tagen, nachdem die Symptome gezeigt hatten, verstarben. Allerdings konnten jene, die den dritten Tag überlebten, auch noch mit einer Genesung rechnen. Die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie waren enorm, da im ganzen Land Arbeitskräfte fehlten. So mussten die Arbeiter in den Weingärten höher entlohnt werden.

1381 und 1436 sind ebenfalls große Erkrankungswellen überliefert. 1381 wurden in St. Stephan etwa 15.000 verstorbene gezählt, abermals hatte der Pestausbruch durch Arbeitskräftemangel starke wirtschaftliche Auswirkungen. 1436 musste aufgrund der Erkrankungen die Universität temporär geschlossen werden.

Von den frühneuzeitlichen Epidemien dürften neben der Pestepidemie 1679 und der Pestepidemie 1713 jene von 1541 und 1653-1656 besonders schwer gewesen sein.

Literatur

  • Christian Brandstätter: Stadtchronik Wien. 2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien [u.a.]: Brandstätter 1986, S. 129 und S. 145
  • Gustav Gugitz: Die Wiener Pestepidemie von 1713 und ihr Ausmaß. Ein statistischer Versuch einer Richtigstellung. In: Wiener Geschichtsblätter 14 (1959), S. 87 ff. (es ist zu bedenken, dass sicherlich viele Tote ohne Beschau begraben wurden, sodass die Totenbeschauprotokolle keine verlässliche Quelle darstellen);
  • Richard von Krafft-Ebing: Zur Geschichte der Pest in Wien 1349-1898. Leipzig/Wien: Franz Deuticke 1899
  • Ferdinand Olbort: „Vergessene" Pestjahre. Die Seuche von 1653 bis 1656 in Wien. In: Wiener Geschichtsblätter 28 (1973), S. 10 ff.
  • Franz Patzer (Hg.): Die Pest in Wien. 300 Jahre lieber Augustin. Wien 1979 (= 188. Wechselausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek)
  • Hans Rotter: Neubau. Ein Heimatbuch des 7. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1925, S. 113
  • Boris und Helga Velimirovic: Plague in Vienna. In: Reviews of Infectious Diseases 2 (1989), Nr. 5 (Sept.-Oct.), S. 808 ff.
  • Adolf Wolf: Alsergrund-Chronik. Von der Römerzeit bis zum Ende der Monarchie. Wien: Selbstverlag 1981, S. 42 ff.