Parlament

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Das Parlament (1964)
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1883
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Theophil Hansen
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname Parlament.jpg
Bildunterschrift  Das Parlament (1964)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 62175/18
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Dr.-Karl-Renner-Ring3

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Parlamentsgebäude, 1, Dr.-Karl-Renner-Ring 3.

Provisorium

Nach Erlassung des Februarpatents (1861) wurden Räumlichkeiten für das Herrenhaus und für das Abgeordnetenhaus des Reichsrats erforderlich. Das Herrenhaus wurde provisorisch im Niederösterreichischen Landhaus in der Herrengasse untergebracht und war dort zusätzlich zum angestammten niederösterreichischen Landtag tätig. Für das Abgeordnetenhaus wurde im 9. Bezirk, Währinger Straße 2-4, auf ehemaligem Glacisgelände ein provisorisches Gebäude errichtet, das vom Volksmund nach Staatsminister Anton Schmerling den Spottnamen Schmerlingtheater erhielt (9, Währinger Straße 2-4: Abgeordnetenhaus, provisorisch), das von Ferdinand Fellner errichtet und am 1. Mai 1861 eröffnet wurde. Die Provisorien wurden über 20 Jahre lang, bis Dezember 1883, benützt.

Parlamentsgebäude

Das bis zum Ende der Monarchie, 1918, Reichsratsgebäude genannte Bauwerk diente dem Haus der Abgeordneten ebenso wie dem Herrenhaus. Seit 12. November 1918, dem Tag der letzten Reichsratssitzung, tagten hier die Provisorische Nationalversammlung, dann die Konstituierende Nationalversammlung und von November 1920 an Nationalrat und Bundesrat. Ab 1933 wurde das Gebäude nach der Ausschaltung des Nationalrats Haus der Bundesgesetzgebung genannt, in dem der ständestaatliche Bundesrat tagte, ab 1938 hieß das Gebäude in der nationalsozialistischen Ära Gauhaus, in der Zweiten Republik seit April 1945 wieder Parlament(sgebäude).

Der Auftrag für den Bau des Reichsratsgebäudes wurde aufgrund eines durch das k. k. Ministerium am 12. Oktober 1864 ausgeschriebenen Wettbewerbs (Teilnehmer Heinrich Ferstel, Theophil Hansen und Friedrich Schmidt sowie Ignaz Ullmann [Prag], August Ottmar von Essenwein [Graz] und Nikolaus Ybl [Pest]) an Hansen erteilt. Das von ihm 1874-1883 in hellenistischen Formen geschaffene Gebäude (Beginn der Fundierung am 2. September 1874) zeigt reiche Gliederung und ist außen mit Skulpturen und Malereien geschmückt; die Wahl des Baustils erklärte Hansen selbst (der sich damit zugleich den Wunsch erfüllte, ein monumentales Gebäude in diesem Stil zu errichten) damit, dass in der griechischen polis die Wurzel der Demokratie zu suchen sei. Die erste Sitzung beider Kammern im neuen Haus fand am 4. Dezember 1883 statt. Am 7. Jänner 1884 besuchte der Kaiser das Reichsratsgebäude.

Während des Ersten Weltkriegs wurde in den Sälen des Parlaments ein "Militär-Rekonvaleszentenhaus" eingerichtet. Dabei diente die Säulenhalle als Aufenthaltsraum. Das heutige Abgeordnetenzimmer wurde in eine Kapelle umgestaltet. Am 12. November 1918 fand die letzte Sitzung des Abgeordnetenhauses des Reichsrates statt (siehe Gustav Groß), danach trat die Provisorische Nationalversammlung für Deutsch-Österreich erstmals in einer Plenarsitzung im Parlamentsgebäude zusammen.

Der im südlichen Saalblock liegende Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses dient seit 1956 dem Nationalrat (nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg modern gestaltet), der im nördlichen Saalblock liegende Sitzungssaal des ehemaligen Hauses der Abgeordneten diente bis 1956 dem Nationalrat, seither der Bundesversammlung [Zusammenfassung von Nationalrat und Bundesrat], die beispielsweise bei der Angelobung des Bundespräsidenten zusammentritt). In der Nähe der Säulenhalle liegt der Sitzungssaal des Bundesrats.

Äußeres

Die zweigeschoßige Anlage (mit erhöhten Flügelbauten und vier pavillonartig vorspringenden Eckrisaliten) wendet sich mit der Hauptfassade zum Ring, besteht auf beiden Seiten aus annähernd würfelförmigen Saalbauten. zwischen denen sich ein langgezogener Giebelbau erstreckt, und umschließt mehrere Höfe; das Parlament gehört flächenmäßig zu den größten Bauwerken der Ringstraßenzone. Der Mittelrisalit wird durch die monumentale doppelläufige Auffahrtsrampe und den achtsäuligen Portikus betont; die Flügelbauten besitzen zum Schmerling- bzw. Rathausplatz Mittelrisalite mit Korenvorhallen. Das gesamte Hauptgeschoß verfügt über korinthische Säulenordnungen und Pilasterordnungen. Im Zentrum vor der Rampe steht der 1870 von Hansen enworfene, aber erst 1898-1902 errichtete monumentale Pallas-Athene-Brunnen, flankiert von Flaggenmasten (1898). Die Büste Hansens (von Hugo Haerdtl) wurde 1905 an der Rampe angebracht. Auf der Rampe selbst befinden sich Mamorsitzfiguren von Geschichtsschreibern (links Griechen, rechts Römer): Herodot (von Karl Schwerzek, 1898), Polybius (von Alois Düll, 1899), Thukydides (von Richard Kauffungen, 1896) und Xenophon (von Hugo Haerdtl, 1899), Sallust ( von Wilhelm Seib, 1896), Caesar (von Josef Beyer, 1900 [?]), Tacitus (von Karl Sterrer, 1900 [?]). Am Fuß der Rampenflügel stehen auf Granitposamenten vier bronzene Rossebändiger (von Josef Lax, 1901).

Kaiser Franz Joseph I. in antiker Tradition im Giebelfeld des Parlaments.

Im Dreiecksgiebel über dem Portikus ist die „Verleihung der Verfassung an die Völker der 17 Kronländer Österreichs durch Franz Joseph I." dargestellt (von Edmund Hellmer; der Kaiser in römischer Toga); im kleinen Giebel linke Gruppe „Justiz" (von Hugo Haerdtl) beziehungsweise rechts „Innere Verwaltung" (von Johannes Benk). Die Sockelaufbauten der beiden Saalbauten tragen acht bronzene Quadrigen, die von der geflügelten Nike (Symbol des Sieges) geführt werden (von Vincenz Pilz); auf der Attika stehen 60 Marmorstatuen berühmter Männer des Altertums; die künstlerische Ausschmückung wird durch 66 Reliefs ergänzt. In der Reichsratsstraße Gedenktafel (von Rudolf Kedl) für den 1934 justifizierten Abgeordnetetn Koloman Wallisch. Das 1981 erworbene Haus 1, Reichsratsstraße 9, in dem sich technische Räume, die Hauptküche und ein Restaurant befinden, ist durch einen Tunnel mit dem Parlamentsgebäude verbunden (in der Eingangshalle Stele mit Büste des Nationalratspräsidenten Anton Benya von Rudolf Friedl).

Dr.-Karl-Renner-Ring 3 - Parlament (Säulenhalle), 1914 - 1917

Inneres

Durch den Portikus mit seinen 11,5 Meter hohen Säulen (Durchmesser 124 cm) und das Haupttor (eine Nachbildung des Erechtheions in Athen) gelangt man ins Obere Vestibül mit Nachbildungen bedeutender antiker Götterfiguren in Wandnischen: links Apollon (Apollo), Athene (Minerva), Zeus (Jupiter), Hera (Juno) und Hephaistos (Vulcanus), rechts Hermes (Mercurius), Demeter (Ceres), Poseidon (Neptunus), Artemis (Diana) und Ares (Mars); der Fries über der Eingangstür zur Säulenhalle zeigt die thronende Austria, der Frauen ihre Gaben opfern und Krieger ihren Treueid schwören (Sinnbild für den Spruch "Gut und Blut fürs Vaterland").

Über das Atrium gelangt man in den repräsentativen Zentralraum, das Peristyl (40 x 23 Meter, mit 24 korinthischen Monolithsäulen aus Marmor und Giebelgruppen „Vaterlandsliebe von Haerdtl beziehungsweise „Einigkeit" von Sterrer). Zwischen den Säulen befinden sich zehn lebensgroße Figuren römischer Staatsmänner: Numa Pompilius (von E. A. Swoboda), Cincinnatus (von Josef Kassin), Quintus Fabius Maximus (von Theodor Charlemont), Cato (von Hans Bitterlich), Caius Gracchus (von Stanislaus Lewandowski), Cicero (von Karl Sterrer), Manlius Torquatus (von Wilhelm Seib), Augustus (von Anton Bfenek), Seneca (von Stefan Schwartz) und Konstantin (von Hans Scherpe).

Im anschließenden Empfangssalon (Wände mit Stuccolustro in pompejanischem Stil) Porträts der Nationalratspräsidenten seit 1945. Jenseits des Ganges befindet sich der ehemalige Festsaal (mit kassettierter Decke, die die Wappen der 17 im Reichsrat vertretenen Länder zeigt) für die beiden Häuser des Reichsrats; heute dient der Saal den Beratungen des Finanzausschusses, des Budgetausschusses und des Rechnungshofausschusses. Die Bombenschäden, die das Parlament 1945 erlitten hatte, wurden bis 1956 bei gleichzeitiger Neugestaltung des großen Sitzungssaals und der Nebenräume durch Max Feilerer und Eugen Wörle wiederaufgebaut.

Von 2017 an stehen im Parlamentsgebäude große Restaurierungs- und Erneuerungsarbeiten an. Der Parlamentsbetrieb wird dazu in Provisorien auf dem Heldenplatz verlegt.

Bundesrat, Haus der Abgeordneten, Herrenhaus, Nationalrat, Ringstraße, Wahlrecht.

Literatur

  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 32 f.
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 31 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 46 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 63 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 403
  • Theophil Hansen: Erläuterung zu der Skizze für das in Wien neu auszuführende Parlamentsgebäude, 1873
  • Theophil Hansen: Das k. k. Reichsrats-Gebäude in Wien, 1894
  • Paul Kortz: Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Hg. vom Oesterreichischen Ingenieur und Architekten-Verein. Wien: Gerlach & Wiedling 1906. Band 2, 1906, S. 131 ff.
  • Rudolf Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus. Eine Chronik 1861-1951. Wien: Gesellschaft Bildender Künstler Wiens 1951, S. 83 f. (künstlerischer Schmuck)
  • Technischer Führer durch Wien. Hg. vom Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein. Red. von Martin Paul. Wien: Gerlach & Wiedling 1910, S. 301 ff.
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Wiesbaden: Steiner 1969-1981. Band 1, S. 161 ff.
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Wiesbaden: Steiner 1969-1981. Band 4, S. 229 ff.
  • Renate Wagner-Rieger: Die Rampe des Wiener Parlamentsgebäudes. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1939-1989. Band 34, 1978, S. 317 ff.
  • Rolf M. Urrisk-Obertyński: Wien - 2000 Jahre Garnisonsstadt, Band 3 Innere Stadt, Weishaupt-Verlag, Graz 2012, S. 110