Paarpalais

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wollzeile 30, Palais Paar, um 1907
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1630
Jahr bis 1938
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Reichsgrafen Paar
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  22.08.2017 durch DYN\donaustadt22
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname HMW 033660 00001.jpg
Bildunterschrift  Wollzeile 30, Palais Paar, um 1907
Bildquelle HMW 33660/1, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Zedlitzgasse1
1Zedlitzgasse3
1Zedlitzgasse5
1Wollzeile30
1Wollzeile32

frühere Adressierung

 BezirkStraßeHausnummerJahr vonJahr bis
Paarpalais1Wollzeile30A1941
Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt83317701795
Stadt79218211862
Stadt83917951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Paarpalais (1, Wollzeile 30 und 32, Zedlitzgasse 1, 3 und Teil von 5; ehemals Wollzeile 30A; Konskriptionsnummer 792).

Vorgängerbauten

Auf der Grundfläche des späteren Paarpalais standen ursprünglich zwei Häuser, die im Lauf der Zeit mehrfach umgestaltet wurden:

Haus A

Hier befand sich im 14. und 15. Jahrhundert vermutlich eine Schmiedewerkstatt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1374, zwischen 1400 und 1453 fehlen jegliche Daten. Am Anfang des 17. Jahrhunderts kam das Haus in den Besitz der Reichsgrafen Paar.

Haus B

Haus B wird wie Haus A 1374 erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des 15. Jahrhunderts wechselte es innerhalb von sieben Jahren sechsmal den Besitzer, wobei der Wert von 115 Pfund Wiener Pfennig auf 675 Pfund Wiener Pfennig anstieg, kurz darauf aber wieder auf 380 Pfund Wiener Pfennig fiel. Auch danach wird es oft zu stark schwankenden Preisen verkauft. 1529 kamen die Besitzer während der sogenannten Ersten Türkenbelagerung auf dem Weg nach Mannersdorf ums Leben, als sie den Osmanen in die Hände fielen. Nach 1618 kam es in den Besitz der Reichsgrafen Paar.


Paarpalais

Baugeschichte

Anfang des 17. Jahrhunderts gehörten nun beide Häuser den Reichsgrafen Paar, denen Rudolf II. 1570 die Würde des Erblandpostmeisters verliehen hatte. Der genaue Zeitpunkt der Entstehung des Paarpalais ist unklar. Quellen, die hierfür das 16. Jahrhundert nennen, sind genauso falsch wie die Angabe von Karl August Schimmer, dass das Palais fast 2000 Quadratmeter groß gewesen und im Bereich des ehemaligen Klosters St. Jakob auf der Hülben gestanden sei, da dieses erst 1783 aufgehoben und abgetragen wurde.

Harrer (Paul Harrer: Wien, seine Häuser) nennt einen Zeitraum zwischen 1630 und 1684, da die beiden Häuser vorher verschiedene Besitzer hatten und im Suttinger-Plan von 1684 nur mehr ein Gebäude verzeichnet ist. Im Grundbuch sind bis 1687 "Häuser" eingetragen, es wird jedoch in dieser Zeit nicht immer exakt zwischen mehreren Gebäuden und einzelnen Häusern mit mehreren Besitzern unterschieden.

Fest steht aber, dass das Paarpalais an den "St. Jakobsfreithof" grenzte, der im Bereich der heutigen Zedlitzgasse lag und im 17. Jahrhundert bereits aufgelassen war.

Architektur

Das Paarpalais galt eines der bedeutensten Bauwerke des Frühbarock, wurde aber mehrfach umgestaltet. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude neu erbaut. Die damals entstandene Fassade hatte zwölf unregelmäßig verteilte Fenster. Sie zerfiel in Tief- und Hochpaterre, ein Hauptgeschoss und ein Dienergeschoss mit kleineren Fenstern. Die beiden Portale waren als rundbogig geschlossene Einfahrtstore ausgeführt, die von über Eck gestellten hermenartigen Pilastern in der Art Hildebrands gesäumt wurden. Der Architrav und die Zwickel über den Torbögen waren mit Reliefornamenten geschmückt. Über den Schlusssteinen der Bögen befand sich je ein gekrönter steinerer Doppeladler, der als Brustschild das Paarsche Wappen mit der Kette des Goldenen Vlieses und der Fürstenkrone trug. Im rechte Portal befand sich ein sehr schönes hölzernes Tor und die Oberlichte schmückte ein schmiedeeisernes Gitter, das das Motiv des Doppeladlers wiederholte.

Im Inneren befand sich eine Prachttreppe und Festräume, deren Ausstattung dem Hofbaumeister Carlo Canevale zugeschrieben wurde.

Im reich stukkierten Hintertrakt waren die Stallungen der Post untergebracht. Deren Prunkstall war prächtiger als der berühmte Stall des Prinzen Eugen von Savoyen im Schloss Belvedere. Die barocke Stuckdecke war sechs mal zwölf Meter groß und bildete eine Art Tonnengewölbe. An deren Stirnseiten waren Jagden in perspektivischer Landschaft dargestellt, dazwischen befanden sich Motive aus der griechischen Mythologie. An den beiden Seiten sah man Liebespaare. Die Darstellungen waren in einer Weise ausgeführt, dass sie stellenweise auch von der Hand eines modernen Meisters hätten stammen können.

Nach 1918 verfiel das Gebäude zunehmend. An den Fenstern befanden sich dicke Schmutzschichten. Außerdem ließ Fürst Paar die prachtvollen Vertäfelungen der Repräsentationsräume trotz bestehenden Denkmalschutzes in eines seiner Landschlösser bringen. Dadurch umging er die hohe Wohnbausteuer, die auch für das Haus vorgeschrieben wurde, obwohl es für Wohnzwecke nicht in Betracht kam. Erst als es im gesetzlichen Sinne "unbewohnbar" war, entfiel die Steuer.

Funktion

Laut Czeike (Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien) waren zwischen 1590 und 1773 die Kanzleien und Stallungen der Post im Paarpalais untergebracht. Harrer hingegen gibt an, dass die Post auch nach Eröffnung des Hauptpostamts am Fleischmarkt im Gebäude blieb und erst um 1900 auszog.

Abbruch

Ab dem Jänner 1938 wurde das Paarpalais demoliert. 18.000 barocke Dachziegel wurden wegen ihrer hohen Qualität zur Neueindeckung der Grinzinger Pfarrkirche verwendet. Die prächtigen Stiegengeländer sowie die Tore bleben in der Hand des Fürsten Paar und wurden wie die Vertäfelungen in ein Schloss in Böhmen verbracht. Auch die uralte kleine Madonna, die aus dem 1783 aufgehobenen Kloster St. Jakob auf der Hülben stammte, wurde mittels Hebebäumen vorsichtig aus ihrer Nische gehoben und unversehrt geborgen. Probleme gab es jedoch beim Abmontieren des steinernen Doppeladlers, der sich über dem rechten Tor befand. Er konnte zwar ohne Beschädigung zu Boden gelassen werden, doch knickten dort seine weitausladenden Schwingen ab. Er wurde dennoch mit dem zweiten, der unbeschädigt geblieben war, ebenfalls nach Böhmen gebracht.

Die Figuren, die sich an der Zedlitzgasse befanden, wurden ebenfalls erhalten, da vorgesehen gewesen war, sie an der Fassade des Neubaus wieder anzubringen. Dieser Plan wurde allerdings nicht ausgeführt, der Verbleib der Figuren ist nicht mehr feststellbar.

Die einzigartigen Reliefs des fürstlichen Marstalls, unter anderem eine Sauhatz sowie ein Orpheus, der durch den Klang seiner Leier die wilden Tiere bändigt und ein Liebespaar, wurden sachgemäß abgehoben und städtischen Sammlungen einverleibt.


Nachfolgebauten

Durch den Abbruch konnte man die Zedlitzgasse verbreitern und die Straßenführung ändern. Auch in der Wollzeile wurde die Front leicht gedreht und nach hinten verschoben, sodass sie eine Linie mit den Nachbarhäusern bildete. Auf der Grundfläche des Paarpalais entstanden die heutigen Häuser Wollzeile 30, Wollzeile 32, Zedlitzgasse 1 und Zedlitzgasse 3. Auf einem kleinen Eck der Grundfläche des ehemaligen Palais befindet sich ein Teil des Hauses Zedlitzgasse 5. Durch den Abbruch änderten sich in der Wollzeile die Hausnummern, da die Nummern des Palais (30 und 30 A) bei den Neubauten als 30 und 32 vergeben wurden, wodurch sich auch die Nummer des gleichzeitig abgebrochenen Nachbarhauses von 32 auf 34 sowie der weiteren Häuser verschob.

Die Gesamtkosten der Demolierung und Neubauten (inklusive des Nachbarhauses Wollzeile 34 [vormals 32]) wurden mit 3,7 Millionen österreichischen [[Schilling] veranschlagt, wobei der Assanierungsfonds (siehe auch Assanierung) 1,4 Millionen bereitstellte.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt A:

  • Schmiedewerkstatt

Paarpalais:

  • Post


Literatur

  • Technischer Führer durch Wien. Hg. vom Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein. Red. von Martin Paul. Wien: Gerlach & Wiedling 1910, S. 489
  • Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des I. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1928, S. 143
  • Paul Kortz: Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Hg. vom Oesterreichischen Ingenieur und Architekten-Verein. Wien: Gerlach & Wiedling 1906. Band 2, 1906, S. 389
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 635
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 402
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 4, 3. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 558-563