Osterbräuche

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Palmsonntag (Fotosammlung, media wien, Glasplattendia-Archiv)
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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift  Palmsonntag (Fotosammlung, media wien, Glasplattendia-Archiv)
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Osterbräuche. Die in die Woche vom Palmsonntag über den Gründonnerstag und Karfreitag bis zum Ostersonntag (Karwoche) fallenden Bräuche sind überwiegend aus dem ländlichen Raum nach Wien gelangt. Bis in unsere Zeit hat sich die Weihe der Palmzweige am Palmsonntag (Palmarum) erhalten, die seinerzeit am Palmbühel des Stephansfreithofs vorgenommen wurde.

Der Palmesel

Ab dem frühen Mittelalter bildete der "Palmesel" einen fixen Bestandteil des Volksbrauchtums, den man auch in Wien antrifft. Da lebende Tiere durch ihr störrisches Verhalten oftmals die heilige Handlung störten, ersetzte man sie durch eine hölzerne, zuweilen auch metallene Nachbildung, auf der eine meist abnehmbare Christusfigur angebracht war (abnehmbar deshalb, weil nach der kirchlichen Zeremonie auf dem Esel auch die Kinder reiten durften). Erstmals wird 1435 über eine Prozession bei St. Stephan mit dem Palmesel berichtet. Die Aufklärung des ausgehenden 18. Jahrhunderts machte mit dem Brauch ein Ende.

Nach der Zweiten Türkenbelagerung (1683) entwickelte sich in Hernals ein eigentümlicher Brauch. Schon Zeitgenossen wunderten sich allerdings über die der historischen Wahrheit widersprechende Zeremonie, glich doch die Lustbarkeit, bei der sich die Teilnehmer, größtenteils grotesk maskiert, unter militärischer Musik durch das Dorf bewegten und einen Esel mit sich führten, eher einem Triumphzug des unterlegenen Feindes: Ein Mann in heimischer Tracht, mit Ketten belastet, wurde von einem Türken geführt, dem auf einer Art Triumphwagen ein Sultan mit einer Sultanin in theatralischen Pomp folgten.

Früher hatte fast jede Kirche ihren Palmesel. Der Aufputz führte zu der Redewendung "aufgeputzt wie ein Palmesel".

Passionsspiele, Heiliges Grab und Osterhase

Während die früher gebräuchlichen Passionsspiele in Wien abgekommen sind, hat sich der Brauch des Aufbaus des Heiligen Grabs erhalten. in der Stephanskirche lässt er sich ab Anfang des 15. Jahrhunderts nachweisen, viele andere Kirchen folgten dem Beispiel.

Kein anderer Brauch ist allerdings so verbreitet wie jener des Osterhasen als freundlicher Gabenbringer, der nach der Fastenzeit als Frühlingsbote und Eierbringer auftritt (die Hühner beginnen um diese Zeit wieder zu legen). Obwohl gefärbte, bemalte und zum Teil künstlerisch verzierte Ostereier schon im 15. Jahrhundert bekannt waren, setzt der allgemeine Brauch des Schenkens doch erst im 19. Jahrhundert ein (der Brauch kam aus dem Elsass, aus Schwaben und Franken nach Wien). Die Ostereier wurden anfangs am Gründonnerstag versteckt (weil man an diesem Tag gelegten Eiern Zauberkraft zusprach), doch verschob sich der Brauch allmählich auf die Ostertage und wurde auch durch Nachahmungen verdrängt (das Ei wurde zur Hülle für wertvollere Geschenke).

Literatur

  • Felix Czeike: Ostern in Wien. In: Wienmagazin 4/1992, S. 17
  • Gustav Gugitz: Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch Österreichs. Wien: Hollinek 1949 (Österreichische Heimat, 14/15), S. 151 ff. (Palmesel), S. 158 ff. (Gründonnerstag), S. 174 ff. (Heiliges Grab und seine Verehrung), S. 187 ff. (Der Osterhase und sein Ei)
  • Adolf Mais: Altwiener Ostereier-Verse. In: Wiener Geschichtsblätter 16 (1961), S. 247 ff.
  • Leopold Schmidt: Wiener Volkskunde. Ein Aufriß. Wien: Gerlach & Wiedling 1940 (Wiener Zeitschrift für Volkskunde, Ergänzungsband 16), S. 41 ff.