Oberdöbling (Vorort)

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Art des Objekts Vorort
Jahr von
Jahr bis
Name seit 1591
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 19
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Oberdöbling (19), Vorort (Döbling).

Oberdöbling war die ältere von zwei Ansiedlungen (Oberdöbling und Unterdöbling), lag geographisch höher als Unterdöbling und gab sowohl dem gesamten Vorort wie dem späteren 19. Bezirk Döbling den Namen. Die hohe freie Lage wurde bereits von den Römern als strategisch wertvoll erkannt (römischer Wachtturm zum Schutz der Heerstraße [19, hinter Döblinger Hauptstraße 26]). Oberdöbling entwickelte sich zunächst verhältnismäßig rasch zu einer ansehnlichen Ansiedlung, litt dann jedoch unter Kriegen, Seuchen und Missernten und besaß bis um 1700 lediglich durch seinen Weinbau einige Bedeutung.

Ab 1591 unterschied man offiziell zwischen Oberdöbling und Unterdöbling. Da letzteres größtenteils der Grundherrschart des Stifts Klosterneuburg angehörte, ergaben sich für den Ort wirtschaftliche Vorteile; gerichtsmäßig gehörte Oberdöbling zum Landgerichtssprengel Wien, Unterdöbling zum Landgerichtssprengel Klosterneuburg. Am Beginn des 18. Jahrhunderts ergab sich für Oberdöbling eine Veränderung: die Weingärten wurden durch Zier- und Obstgärten verdrängt, die Zahl der Gebäude vermehrte sich (1721 besaß Oberdöbling bereits drei Häuserzeilen: Hof-, Kirchen- und Bachzeile). Die Bautätigkeit war darauf zurückzuführen, dass Wiener Bürger, die die angenehme Lage und den Wein zu schätzen wussten, hier Grundbesitz erwarben. In den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts begann sich Oberdöbling als Sommerfrische zu entwickeln, es siedelten sich aber auch vornehme Bewohner aus Wien an.


Da Oberdöbling im Vergleich zu Unterdöbling nicht nur eine bessere Lage, sondern auch eine bessere Verkehrsverbindung mit der Stadt hatte, stand es bei den Wienern in höherer Gunst. 1754 wurde in Oberdöbling eine Sammet-, Seiden- und Dünntuchfabrik errichtet (anfangs bis zu 100 Arbeiter und bis zu 56 Webstühle, 1790 mehr als 300 Beschäftigte und 72 Webstühle), vor 1800 eine Stahlwarenfabrik; weitere Fabriken folgten in der Region in den nächsten Jahrzehnten (vor allem Textil-, Leder- und Chemiebereich).


1765-1786 entstanden in Oberdöbling in fünf neuen Straßen (heute Döblinger Hauptstraße, Heiligenstädter Straße, Pyrkergasse, Pokornygasse, Billrothstraße) 90 neue Häuser. Um 1800 gab es in Oberdöbling einen Kaufmann, drei Greißler, vier Gasthäuser, ein Kaffeehaus, einen Wundarzt (mit Hausapotheke) sowie die wichtigsten Gewerbetreibenden und Handwerker. Angrenzend entwickelte sich ein neuer Ortsteil im Bereich Hardtgasse-Pyrkergasse-Gymnasiumstraße, der Neu-Döbling benannt wurde (im Gegensatz zum bestehenden Ortsteil [Alt-Döbling]). Durch die Franzosenkriege mit ihren Einquartierungen erlitt die Entwicklung einen Rückschlag, die Bautätigkeit stagnierte.

Siehe auch: Döbling.

Häuser

  • 1440/81: 36
  • 1590: 29
  • 1713: 31
  • 1721: 39
  • 1751: 83
  • 1783: 136
  • 1786: 136
  • 1794: 140
  • 1814: 235 (samt Unterdöbling)
  • 1819: 181
  • 1822: 188
  • 1828: 191
  • 1830: 202
  • 1837: 260 (samt Unterdöbling)
  • 1851: 264
  • 1869: 323
  • 1880: 435
  • 1890: 569

Einwohner

  • 1783: 932
  • 1786: 952
  • 1794: 823
  • 1814: 1.698 (samt Unterdöbling)
  • 1828: 1.500
  • 1830: 1.517
  • 1837: 2.096 (samt Unterdöbling)
  • 1843: 2.386
  • 1846: 2.580
  • 1851: 2.640
  • 1857: 4.091
  • 1869: 5.522
  • 1880: 8.756
  • 1890: 14.460

Bürgermeister

Döbling


Literatur

  • Döbling. Eine Heimatkunde des 19. Wiener Bezirkes in drei Bänden. Hg. von Döblinger Lehrern. Wien: Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft "Heimatkunde Döbling" 1922, S. 129 ff.
  • Christine Klusacek / Kurt Stimmer: Döbling. Vom Gürtel zu den Weinbergen. Wien: Compress 1988, S. 31, S. 34 f.

Bevölkerungsgeschichte