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Nikolaikloster

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"Die Kirche und das Kloster der Nicolaierinnen aus den Jahren 1724 - 1730."
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1274
Jahr bis 1785
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  13.07.2017 durch WIEN1\lanm08swa
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Bildname Nicolaikirche.jpg
Bildunterschrift  "Die Kirche und das Kloster der Nicolaierinnen aus den Jahren 1724 - 1730."
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
1Singerstraße13-15
1Grünangergasse10-12
1Nikolaigasse1
1Nikolaigasse2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt88617951821
Stadt88518211862
Stadt88717951821
Stadt83618211862
Stadt88817951821
Stadt83718211862
Stadt87417701795
Stadt83818211862
Stadt93917951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Nikolaikloster (1, Singerstraße 13-15, Grünangergasse 10-12, Nikolaigasse 1 und 2).

Zisterzienserinnenkloster 1272-1385

In einem von Paltram vor dem Freithof 1272 geschenkten Haus errichteten die Zisterzienserinnen vor dem Stubentor (Nikolaikloster [3]) ein Filialkloster samt Kirche. Die erste urkundliche Erwähnung des Tochterklosters in der Singerstraße stammt vom 10. November 1275, da es an diesem Tag durch Bischof Peter von Passau in Gegenwart des Abtes von Heiligenkreuz sowie der Wiener Bürgerschaft geweiht wurde. Doch bereits ein Jahr zuvor hatte das Generalkapitel des Zisterzienserordens erlaubt, dass sich einige Nonnen (jedoch nie der ganze Konvent) zur Instandhaltung im Kloster in der Singerstraße aufhalten dürften. Die Oberaufsicht über beide Klöster hatte der Abt von Heiligenkreuz inne, die Vermögenverwaltung für beide Klöster fiel jedoch in die Kompetenz der stets im Mutterkloster gewählten Äbtissin. 1276 wurden auf Veranlassung Paltrams die Reliquien der heiligen Deliciana aus Prag in das Kloster in der Singerstraße gebracht. Spätestens im 14. Jahrhundert erhielten die Nonnen auch ein angrenzendes, vormals dem Stift Heiligenkreuz gehöriges Haus (1, Singerstraße 9-11, Blutgasse 5-9; Fähnrichhof), das sie vermieteten.

Ordenslehranstalt 1385-1481

1385 entzog Herzog Albrecht III. den Nonnen das Kloster und schenkte es den Zisterziensern zur Einrichtung einer Ordenslehranstalt ("die schul dasc sand Nicola"), die ebenfalls unter der Aufsicht des Abtes von Heiligenkreuz stand. Dieser hatte auch für die Erhaltung des Gebäudes zu sorgen und einen Vorsteher oder Provisor zu ernennen. Die Studienoberaufsicht lag gemäß den Satzungen von 1428/1429 und 1441/1442 in den Händen der theologischen Fakultät. 1386 ging der Heiligenkreuzer Mönch Frater Andreas als erster graduierter Doktor der theologischen Fakultät der Wiener Universität aus dieser Lehranstalt hervor. Die Promotionsfeierlichkeit wurde beobachtet und im Artikel XV in die Statuten theologischen Fakultät aufgenommen.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam es in der Schule zu Missständen, sodass mehrfach Ermahnungen notwendig waren. Am 24. April 1457 gab der damalige Abt von Heiligenkreuz, Johann von Morimund, Normen für die Lebensweise der Schüler vor und ermahnte den Wiener Abt, das Kollegium häufig zu visitieren. Und 1472 wies das Generalkapitel die Schule an, dass die Einkünfte aus der Vermietung des Nachbarhauses in die Erhaltung des Kollegiums investiert werden müssten. Auch die Schülerzahl war zu dieser Zeit so stark gefallen, dass 1475 Abt Georg von Heiligenkreuz ein Schreiben an alle Äbte von Zistersienserklöstern richtete. In diesem forderte er sie auf, Schüler in die Lehranstalt zu schicken, damit sie nicht in fremde Hände falle. Der Aufruf hatte aber (fast) keinen Erfolg und die Schule musste wenige Jahre später geschlossen werden.

St.-Georgs-Orden

1481 wurde das Kloster mit Zustimmung des Abtes von Heiligenkreuz zur Residenz des Großmeisters des von Friedrich III. 1468 ins Leben gerufenen St.-Georgs-Ordens bestimmt. Dessen eigentlicher Besitz befand sich eigentlich in Millstatt in Kärnten, doch sollte er nach dem Willen des Kaisers auch Wien ansässig sein. Der Orden wurde aber bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts wieder aufgelöst.

Ordenslehranstalt 1494-1525

1494 wurde die Ordenslehranstalt der Zistersienser erneut eröffnet. Wegen der Baufälligkeit des Gebäudes und verschiedener Missstände hatte die Schule ab 1520 keine Schüler mehr. 1522 nahm sich Abt Erasmus Leisser von Zwettl, ein ehemaliger Schüler, als generaläbtlicher Kommissär der Sache wieder an und drohte den anderen Äbten der Zistersienserklöster mit schweren Ordensstrafen, sollten diese nicht einem Beschluss von 1518 Folge leisten und sich an den Baukosten für die Renovierung beteiligen. Da dies aber nicht geschah, mussten 1525 die Bauarbeiten eingestellt werden. Noch im selben Jahr wurde das Gebäude durch den großen Stadtbrand schwer beschädigt und verfiel in der Folge immer mehr.

Zisterzienserinnenkloster 1529-1535

Im Jahr 1529 brannte das Bauwerk infolge der ersten Belagerung Wiens durch die Osmanen (sogenannte Erste Türkenbelagerung) vollständig aus. Dennoch wurden die vor den Osmanen geflohenen Nonnen des Nikolaiklosters vor dem Stubentor und jene des Maria-Magdalena-Klosters vor dem Schottentor ab 1529 hier einquartiert. 1535 mussten sie aus dem sehr baufälligen Kloster ausziehen (die ersteren gingen nach St. Bernhard bei Horn, die letzteren übersiedelten ins Laurenzergebäude). Da sie während ihres Aufenthalts Arbeiten an Dach, Mauerwerk und Wohnräumen durchgeführt hatten, wurden sie entschädigt.

Studentenheim

1535 schenkte König Ferdinand das Kloster dem Wiener Bischof Johann Fabri persönlich (nicht dem Bistum), der darin 1539 ein Studentenheim stiftete, das nur aber kurze Zeit existierte.

Franziskanerkloster

Nach Fabris Tod (1541) überließen seine Testamentsvollstrecker auf Veranlassung des Landesfürsten 1545 das Gebäude samt der Kirche den Franziskanern, die 1529 ihr Kloster (Theobaldkloster) verloren hatten, und erhielten dafür das einstige Kaplanhaus bei St. Ruprecht (wo die Franziskaner einquartiert gewesen waren; 1, Ruprechtsplatz 2). Ein Nachbargebäude kam an die Stadt Wien, die es 1534/1535 stückweise an Bürger verkaufte (Fähnrichhof). 1589 übersiedelten die Franziskaner in das ihnen zugewiesene Hieronymuskloster.

In den 1580er Jahren verlangten die Zisterzienserinnen die Rückgabe ihres ehemaligen Tochterhauses. Der Bischof verwies allerdings auf einen königlichen Befehl. Außerdem hätten die Nonnen seit 200 Jahren kein Recht auf das Haus mehr. Ihr zeitweiliger Aufenthalt im Vorhaus und den zwei Stuben nach 1529 sei durch die von der Regierung stammenden Forderung abgeschlossen, sich in das St.-Bernhardkloster zu begeben.

Waisenhaus

Ab 1589 diente das Gebäude als Waisenhaus der Stadt Wien für arme Bürgerstöchter. Nach deren Übersiedlung ins Bürgerspital gründete Kaiserin Eleonore im Nikolaikloster 1625 ein Clarissenkloster (besiedelt mit 1624 wegen der Bocskayschen Unruhen aus Pressburg geflüchteten Nonnen).

Clarissenkloster

Nachdem die Clarissenorden hier eingezogen waren, wurde zwischen 1652 und 1653 die Kirche neu erbaut (Weihe am 9. Dezember 1653) und zwischen 1669 und 1731 das baufällige Kloster erneuert. Dieser Neubau erfuhr durch die Einbeziehung der Grundflächen der späteren Häuser Stadt 836 (Grünangergasse 12), 837 (Nikolaigasse 1) und 838 (Grünangergasse 10) eine wesentliche Vergrößerung. Er umfasste Kirche, Prälatur, Noviziat, einen geräumigen Kreuzgang, Speise- und Krankensaal, 43 Wohnzellen und den Klostergarten mit einer Einsiedelei.

Die Kirche wurde im sogenannten Jesuitenstil erbaut, war nicht sonderlich groß und lag mit der Front zur Singerstraße. Sie besaß ein hohes Ziegeldach und einen niederen kupfergedeckten Turm, in dem drei Glocken hingen. In der Kirche befanden sich neben den Grabstätten des Jesuiten Claudius Jajus und des Schlosshauptmanns des Kaisers Leopold I., Anton Pozzi, auch eine Handschrift des heiligen Antonius von Padua sowie ein wundertätiges Gnadenbild, das "Maria, Heil der Kranken" genannt und in der Fronleichnamsoktav in der Kirche aufgestellt wurde. Der Schlussstein der Kirchenanlage mit der Inschrift "Anno Domini 1652 ist diese Kirchen sampt dem Thurm von Grund new erpawt worden" ist im Hof des Hauses Singerstraße 13 erhalten geblieben.

Am 12. Jänner 1782 wurde das Kloster durch Joseph II. aufgehoben. 1785 wurden die Kirche und das Konventgebäude demoliert und das Grundstück neu parzelliert. Auf dem Areal entstanden private Wohnhäuser. Das einstige Gnadenbild der Kirche, "Maria, Heil der Kranken", kam in das Franziskanerkloster in Maria Enzersdorf (Niederösterreich).

Literatur

  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 183 f.
  • Victor Renner: Berichte aus dem Nikolaikloster über die Belagerung Wiens im Jahre 1683, in: Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch. Wien: Gerlach & Wiedling, Jg. 7. 1889, S. 290 ff.
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955, S. 33
  • Benedikt Kluge: Regesten zur Geschichte des Cistercienserinnen-Klosters bei St. Niklas vor dem Stubentore, in: Joseph Kopallik, Regesten zur Geschichte der Erzdiözese Wien. Band 1, 1890, S. 197 ff.
  • Haydn (Katalog.). 1982, S. 358
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 464 f.
  • Gerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele: Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Ein belehrendes und unterhaltendes Nachschlag- und Lesebuch in anekdotischer, artistischer, biographischer, geschichtlicher, legendarischer, pittoresker, romantischer und topographischer Beziehung. Wien: [o. V.] 1846. Band 2, S. 218, S. 231 f.
  • Leopold Sailer: Die Wiener Ratsbürger. 1931, S. 131 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 175 f.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 4, 3. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 637-641