Nikolaigasse 1

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1785
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Katharina-Schekenader-Stiftshaus
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Friedrich Euler
Prominente Bewohner
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
1Nikolaigasse7

frühere Adressierung

 BezirkStraßeHausnummerJahr vonJahr bis
Nikolaigasse 11Sackgasse4
Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt83718211862
Stadt88717951821
Stadt87417701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Nikolaigasse 1 (Konskriptionsnummer 837); vormals auch Sackgasse 4.

Hier stand nach dem Stadturbar ein Gebäude, das "Katharina-Schekenader-Stiftshaus", das (baulich) ein Teil des Nikolaiklosters war. Der Name ist jedoch eine Verballhornung und sollte eigentlich "Schneckenmarkter" heißen. Aus einer Urkunde des Jahres 1536 geht hervor, dass das Haus ursprünglich von einer Stiftung angekauft worden war, später aber bei einer Feuersbrunst vollständig abbrannte. Da dieser Stiftung das Geld für den Wiederaufbau fehlte, wollte die Stadt die Brandstätte verkaufen. Um dies zu verhindern, bat das Kapitel von St. Stephan die Kapläne der Christof-Oetzdorfer-Stiftung und der Katharina-Schneckenmarkter-Stiftung, es neu errichteten. Da die Kapläne dem Wunsch nachkamen, blieb das Haus im Eigentum des Kapitels und die Kapläne erhielten "das mitter zimmer, so in der höch liegt, welliche stuben und camer fenster in den hof geen mit sambt den gewelb, so darunter ligt" beziehungsweise "das hinder zimer mit aller seiner zugehörung auch das gewelb so zunächst bey dem selbigen ligt, welliches ain haimblich gemach hat, und der keller, so unter demselbigen hintern zimer liegt, soll beiden capleen gemain sein".

1563 bat der damalige Bewohner und Leibkoch des Kaiser diesen, ihm das einstöckige "kleine häusl" (als Leibgedinge) zu überlassen. Er verwies darauf, dass der den "ander stock" bewohnende Fasszieher diesen als Leibgedinge erhalten habe, obwohl er nie im Dienste des Kaisers stand sowie dass das Haus so baufällig sei, dass es dringend renoviert werden müsse. Die Bitte beschäftigte in den folgenden Jahren das Domkapitel sowie die Kapläne der Stiftungen und am 29. Mai 1568 wurde dem Kaiser empfohlen, das Ansuchen abzulehnen.

Im Suttinger-Plan von 1684 ist das Haus als Teil des Klosterkomplexes dargestellt. Nachdem das Nikolaikloster 1782 aufgehoben wurde, wurde das Grundstück versteigert und 1785 ein Neubau auf einer Grundfläche von 616 Quadratmetern errichtet, der 1861 um ein Stockwerk erweitert wurde. Am 8. März 1903 kaufte ihn der "Erste Verein der katholischen Erzieherinnen für Österreich". Aufgrund des Bescheides des Reichskommissärs für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 5. Dezember 1938 wurde es dem "nationalsozialistischen Lehrerbund E.V." in Bayreuth einverleibt. Am 17. Jänner 1947 ging es in den Besitz der Republik Österreich über, die es mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 26. Juli 1947 dem "Ersten Verein der katholischen Erzieherinnen für Österreich" zurückgab.

Am 8. April 1945 wurde ein Bombenteppich über die Nikolaigasse gelegt, der hufeisenförmig nicht nur die Dächer, sondern auch die darunter liegenden Stockwerke zerstörte. Die kurze, parallel zur Nikolaigasse liegende Sackgasse wurde dabei beinahe vollständig und übermannshoch mit Schutt gefüllt. Auch das Haus Nikolaigasse 1 war den Bomben zum Opfer gefallen. Am 14. Jänner 1952 wurde die Realität verkauft und das Haus wiederhergestellt.

Das heutige Haus wurde im Jahr 1961 nach Plänen von Friedrich Euler errichtet.


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 4, 3. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 634-636