Wiener Nationalgarde

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Nationalgarde, Wiener, eine im Revolutionsjahr 1848 mit kaiserlicher Billigung geschaffene bürgerliche Organisation, die unter Wahrung der politischen Errungenschaften (Verfassung, Pressfreiheit) für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu sorgen und Ausschreitungen (beispielsweise Zerstörung von Fabriken, Plünderungen) entgegenzutreten hatte. Die erste Nationalgarde wurde in der Nacht vom 13. auf den 14. März 1848 in Wien auf Betreiben der Kaufleute Hardt und Dr. Mayerhofer aufgestellt; bald darauf entstanden Nationalgarden auch in anderen Städten und Märkten Österreichs. Zugelassen waren Männer im Alter von 19 bis 50 Jahren (ausgenommen Handwerksgesellen, Dienstboten, Wochen- und Taglöhner). Die Wiener Nationalgarde wurde in militärischen Belangen von einem Oberkommandanten geleitet, dem ein Stab (Adjutanten) und ein Platzoffizierskorps (Kanzlei- und Ordnungsdienst) zur Seite standen. Dem Oberkommando unterstellt waren die in den zwölf Wiener Polizeibezirken (Schotten-, Widmer-, Kärntner- und Stubenviertel in der Stadt, Leopoldstadt, Landstraße, Wieden, Mariahilf, Neubau, Josefstadt, Alservorstadt und Roßau im Vorstadtbereich) amtierenden Bezirkschefs und diesen wiederum die Anführer von jeweils mehreren Kompanien. Dem Oberkommando unterstanden weiters je ein Scharfschützen-, Artillerie- und Kavalleriecorps sowie die Akademische Legion; außerdem wurde der Nationalgarde die bereits vor der Revolution bestandene Bürgermiliz eingegliedert. Die Gesamtstärke der Nationalgarde war auf einen Sollstand von 60.000-70.000 Mann berechnet, tatsächlich betrug sie im Mai 1848 rund 44.000 und im Oktober nur noch 18.000 Mann; dieser Rückgang führte zur Bildung der Mobilgarde (der jedermann beitreten konnte). Für die zivilen Belange der Nationalgarde wurde ein von den Bezirksorganisationen, Sondercorps und der Akademischen Legion beschickter Verwaltungsrat eingerichtet. Ein am 7. Mai gebildetes „politisches Zentralkomitee" von 200 Delegierten wurde am 18. Mai in „Zentralkomitee zur Aufrechterhaltung der Ruhe und gesetzliche Ordnung" umbenannt und am 21. Mai aufgelöst. In der Nationalgarde gab es im Lauf des Revolutionsjahrs unterschiedliche, politische Strömungen; von den Kompanien in den Bezirken galten manche als „schwarzgelb" (kaisertreu-konservativ), andere waren radikal; dementsprechend schwierig war die Position des jeweiligen Oberkommandanten. Das Hauptquartier der Nationalgarde. befand sich in der Stallburg, doch wurde es am 31. Oktober (unmittelbar vor der Eroberung Wiens durch die kaiserlichen Truppen) ins Niederösterreichische Landhaus verlegt. In seiner Proklamation vom 1. November 1848 erklärte Feldmarschall Fürst Windisch-Graetz die Akademische Legion und die Nationalgarde (letztere jedoch mit Vorbehalt ihrer Reorganisierung) für aufgelöst. Die Auflösung der Nationalgarden in anderen österreichischen Städten erfolgte nach und nach; generell wurde sie mit kaiserlichen Patent vom 25. August 1851 angeordnet.

Oberkommandanten (1848)

  • Feldmarschallleutnant Ferdinand Albrecht Graf Hoyos-Sprinzenstein (15. März -2. Mai, 7.-22. Mai)
  • Feldzeugmeister Heinrich Ritter von Heß (2.-7. Mai)
  • Oberst Anton Pannasch (2. Juni - 26. Juli)
  • Major Valentin Edler von Streffleur (26. Juli - 6. Oktober)
  • Johann Georg Scherzer, Weinhändler und Reichsratsabg. (6-9. Oktober)
  • Hauptmann Philipp Braun (9-12. Oktober)
  • Simon Spitzhitl, Dampfschiffahrtsbeamter (12.- 13. Oktober)
  • Oberstleutnant außer Dienst Cäsar Wenzel Messenhauser, Schriftsteller (13.-31. Oktober; seine Berufung machte ihn zu einem der Führer der Revolution).

Literatur

  • Wolfgang Häusler: Von der Massenarmut zur Arbeiterbewegung. Demokratie und soziale Frage in der Wiener Revolution von 1848. Wien [u.a.]: Jugend und Volk 1979, S. 142 ff., S. 154, S. 202, S. 224, S. 234
  • Maximilian Ehnl: Wenzel Cäsar Messenhauser. Nationalgarde-Oberkommandant von Wien 1848. Wien: Ratzenhofer 1948
  • Wenzel G. Dunder: Denkschrift über die Wiener October-Revolution. Ausführliche Darstellung aller Ereignisse aus amtlichen Quellen geschöpft, mit zahlreichen Urkunden begleitet ... Wien: Eigenverlag 1849, S. 51 ff. (mit Detailangaben über Gliederung und Stärke sowie Namenslisten)