Mozart-Wohnungen

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Mozart-Wohnungen (einschließlich der Quartiere während der vorübergehenden Aufenthalte in Wien 1762, 1767/1768, 1773 und 1781 [sub 1-6] und der Untermieten nach der Übersiedlung nach Wien [sub 7-8]). In der Folge werden bei den Adressen jeweils alle 3 Nummerierungen (1770/1795/1821) angegeben.

Voübergehende Aufenthalte

  • 1) Bei seinem ersten Aufenthalt (Leopold Mozart logierte mit den Kindern nach seinem Eintreffen in Wien am 6. Oktober 1762 zunächst im Gasthof "Zum weißen Ochsen" [ 1, Fleischmarkt 28, Postgasse 11; Konskriptionsnummern Stadt 729/728/684] wohnte Mozart von Mitte Oktober bis Ende Dezember 1762 im Haus des Gottlieb Friedrich Fischer (1, Tiefer Graben 20; Konskriptionsnummern Stadt 323/236/229). Die oftmalige Identifizierung mit dem Haus Tiefer Graben 16 ist falsch.
  • 2) Als Mozart mit seinen Eltern und seiner Schwester Nannerl zum zweiten Mal nach Wien kam (Aufenthalt 1767/1768), wohnte er zunächst von Mitte September bis Anfang Oktober 1767 im "Gariboldischen Haus" der Aloisia Freiin von Andritzky (1, Weihburggasse 3; Konskriptionsnummern Stadt 938/962/906).
  • 3) Im Oktober 1767 übersiedelte die Familie ins Haus der Maria Anna Oeckhl (1, Concordiaplatz, Areal zwischen 1 und 4; Konskriptionsnummern Stadt 344/192/185).
  • 4) Von Jänner bis Dezember 1768 wohnte Mozart im "Grünwaldischen" Haus "Zum roten Säbel" (1, Färbergasse 5, Wipplingerstraße 19; Konskriptionsnummern Stadt 387/382/352; Gedenktafel), wo er über Auftrag von Pater Ignaz Parhamer die Messe in G-Dur komponierte, die er in der Waisenhauskirche "Maria Geburt" am Rennweg bei deren Einweihung am 7. Dezember 1768 in Anwesenheit Maria Theresias dirigierte (Gedenktafel an der Kirche mit Bronzerelief Mozarts von Robert Ullmann, angebracht 1931).
  • 5) Während seines dritten Wiener Aufenthalts (er kam am 16. Juli 1773 mit seinem Vater nach Wien, um hier [allerdings vergeblich] eine Anstellung zu finden) wohnte er bis 25. September 1773 im Haus 1, Tiefer Graben 18 (ebenfalls im Besitz von Gottlob Friedrich Fischer; Konskriptionsnummern Stadt 322/237/230; Gedenktafel); dort entstanden sechs Streichquartette, eine Serenade, ein Divertimento und Chöre zu Tobias Geblers "König Thamos". Die Rückreise erfolgte im September.
  • 6) 1781 kam Mozart von Augsburg auf direktem Weg über München und Linz in Wiem an und nahm am 16. März im Deutschordenshaus (1, Singerstraße 7; Konskriptionsnummern Stadt 865/933/879; Gedenktafel im ersten Hof) Quartier, in dem auch der Erzbischof von Salzburg logierte. Am 9. Mai kam es hier zu der bekannten Unterredung mit dem Erzbischof, in deren Verlauf Mozart um seine Entlassung bat.

Untermieten

  • 7) Ab Anfang Mai 1781 wohnte Mozart dauernd in Wien. Bereits am 2. Mai übersiedelte Mozart aus dem Deutschordenshaus in den zweiten Stock des Hauses "Zum Auge Gottes" (1, Milchgasse 1, Petersplatz 8; Konskriptionsnummern Stadt 577/603/563; Gedenktafel) in ein Untermietzimmer der Wohnung von Madame Weber, wo er auch deren Tochter, seine spätere Frau Konstanze Weber, kennenlernte.
  • 8) Am 5. September 1781 übersiedelte er in den dritten Stock des Hauses 1, Graben 17 (Konskriptionsnummern Stadt 1175/1213/1145), wo er bis Ende Juli 1782 beim kaiserlichen Hoffaktor Adam Isaac Arnsteiner in Untermiete wohnte, die Oper "Die Entführung aus dem Serail" vollendete und unter anderem die "Haffner-Symphonie" komponierte.

Hauptmieten

  • 9) Nach der Trauung mit Konstanze Weber (am 4. August 1782 in St. Stephan) bezog das Ehepaar eine Wohnung im Haus "Zum roten Säbel" (1, Wipplingerstraße 19, Färbergasse 5; Konskriptionsnummern Stadt 387/382/352), wo Mozart bereits 1768 gewohnt hatte, das nun aber Johann Georg Groshaupt gehörte.
  • 10) Im Dezember 1782 übersiedelte Mozart in das Herbersteinsche Haus (1, Wipplingerstraßer 14; Konskriptionsnummern Stadt 412/391/361; Eigentümer war Joseph Graf Herberstein, Quartiergeber der Theaterliebhaber und Bankier Raymund Wetzlar Freiherr von Plankenstern), wo er bis Februar 1783 blieb, ohne dass Wetzlar eine Miete angenommen hätte.
  • 11) Die folgenden drei Monate (bis Georgi 1783) verbrachte Mozart (in einer von Wetzlar bezahlten Wohnung im Haus 1, Kohlmarkt 7 (Konskriptionsnummern Stadt 1179/1217/1149).
  • 12) Anschließend bezog das Ehepaar Mozart im April 1783 eine Wohnung im Haus "Zur Mutter Gottes" (1, Judenplatz 3-4, Kurrentgasse 5; Konskriptionsnummern Stadt 244/442/409), wo am 17. Juni 1783 Raimund Leopold Mozart geboren wurde (der allerdings bereits am 19. August starb).
  • 13) Im Jänner 1784 erfolgte die Übersiedlung in eine Wohnung im Trattnernhof (1, Graben 29-29a; Konskriptionsnummern Stadt 591-596/659/618; Eigentümer Johann Thomas Trattner), die zwei Wohnräume und eine Küche umfasste und (von Trattner ermäßigt) 130 (statt 150) Gulden Miete kostete; hier wurde am 21. September 1784 der zweite Sohn Carl Thomas geboren, der den Vater überlebte.
  • 14) Zum Zinstermin Michaeli 1784 suchte das Ehepaar eine neue, repräsentative Wohnung und fand diese in der Großen Schulerstraße (1, Schulerstraße 8, Domgasse 5; Konskriptionsnummern Stadt 846/903/853; Eigentümer Joseph und Albert Camesina) in dem heute als "Figarohaus" bekannten Gebäude (Gedenktafel). In keiner Wohnung blieb Mozart solange wie hier (1.Oktober 1784 - Georgi [24. April] 1787); die Wohnung umfasste vier Zimmer, zwei Kabinette und Küche, die Miete betrug (inklusive Stallmiete) 480 Gulden. Von 11. Februar bis 21. April 1785 war Leopold Mozart zu Gast. Hier fand auch im Februar 1785 der denkwürdige Besuch Haydns statt; einer der letzten Gäste soll im Frühjahr 1787 der junge Beethoven gewesen sein. In dieser Wohnung entstanden viele bedeutende Werke, darunter die Oper "Le nozze di Figaro" und Klavierkonzerte (F-Dur, D-Moll, C-Dur, Es-Dur, A-Dur u. C-Moll), als letztes im Dezember 1786 das C-Dur-Klavierkonzert (KV 503). Hier wurde am 18. Oktober 1786 Mozarts Sohn Thomas Leopold geboren, der im Alter von einem Monat starb. Die Anregung, im Haus eine Gedenkstätte zu schaffen, geht auf das Jahr 1928 zurück. 1941 griff man (anlässlich des 150. Todestags) die Idee wieder auf; zunächst entstand ein Gedenkraum. 1956 (anlässlich des 200. Geburtstags) wurde der mit reichen Stukkaturen gezierte Alkoven durch Ernst und Hilde Werner restauriert. Die nunmehr das ganze Stockwerk umfassende Gedenkstätte (Zugang Domgasse 5) wird vom Wien Museum betreut.
  • 15) Von Georgi bis Michaeli 1787 wohnte die Familie Mozart in der Vorstadt Landstraße (Konskriptionsnummern Stadt 224/111/112/125; 3, Landstraßer Hauptstraße 75 [heute 75-77; Gedenktafel mit Bronzerelief von Margarete Hanusch im Flur]). In diesem Haus machte die Arbeit am "Don Giovanni" entscheidende Fortschritte, in seinem Garten entstand im August 1787 die "Kleine Nachtmusik".
  • 16) Das Ehepaar Mozart übersiedelte wieder in die Stadt (1, Tuchlauben 27; Konskriptionsnummern Stadt 281/477/444); hier wurde die Tochter Theresia geboren.
  • 17) Mitte Juni 1788 erfolgte die Übersiedlung in die Alservorstadt (Konskriptionsnummern Alser Vorstadt 135/242/275, "Zu den 3 Sternen"; 9, Währinger Straße 26, Mozarthof). Hier entstanden unter anderem zwischen Juni und August 1788 die drei letzten Symphonien (Es-Dur, g-Moll und C-Dur ["Jupiter-Symphonie"]), außerdem arbeitete Mozart an der Oper "Cosi fan tutte".
  • 18) Da die Entfernung zur Stadt auf die Dauer hinderlich war, zog Mozart früher als vorgesehen (Anfang 1789) wieder in die Stadt (1, Judenplatz 4; Konskriptionsnummern Stadt 245/443/410); in diesem bescheidenen Quartier lebte das Ehepaar bis September 1790. Am Judenplatz vollendete Mozart im Winter 1789/1790 "Cosi fan tutte".
  • 19) Während einer Reise Mozarts nach Berlin (1789) wohnte Konstanze im Stadthaus von Franz Graf Walsegg bei Michael Puchberg (1, Hoher Markt 1).
  • 20) Zu Michaeli (29. September 1790) bezog die Familie die letzte Wiener Wohnung (1, Rauhensteingasse 8, Teil; Konskriptionsnummern Stadt 970/992/934, Kleines Kayserhaus; Mozart-Sterbehaus; Gedenktafel); die repräsentative Wohnung umfasste sechs Zimmer, zwei Küchen und Nebenräume. Hier wurde dem Ehepaar am 26. Juli 1791 das sechste Kind (der vierte Sohn) Franz Xaver Wolfgang, geboren. (der zweite Sohn, der ihn überlebte).


Literatur

  • Michael Lorenz: Mozart's Apartment on the Alsergrund. In: Newsletter of the Mozart Society of America, Vol. XIV, No. 2, (27. August 2010), S. 4-7.
  • Walther Brauneis: Mozart in Wien. Seine Wohnungen und Stätten öffentlicher Aufführungen seiner Werke. In: Mozart. Bilder und Klänge. 6. Salzburger Landesausstellung, Schloß Kleßheim, Salzburg. 23. März bis 3. November 1991. Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991, S. 324 ff.
  • Heinz Schöny: Mozarts Wiener Wohnungen. In: Österreichische Musikzeitschrift (ÖMZ) 4/1956, S. 137 ff.
  • Helmut Kretschmer: Mozarts Spuren in Wien. Wien: J&V Edition Wien 1990
  • Helmut Kretschmer: Musikergedenkstätten. Wien: J&V Edition Wien 1988, S. 76 ff.
  • Walter Pillich: Mozart im Deutschen Hause zu Wien. In: Wiener Geschichtsblätter 11 (1956), S. 65 ff.
  • Mozarts Wohnung in der Schulerstraße. 1784 - 1787. Wien: Historisches Museum der Stadt Wien 1972