Mittelalter

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ansicht Wiens aus dem Jahr 1483.
Quelle
Letzte Änderung am  24.01.2017 durch WIEN1\lanm08mic
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Wien_1483.jpg
Bildunterschrift]]  Ansicht Wiens aus dem Jahr 1483.
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte

Entwicklung Wiens zur Stadt

Die frühen Entwicklungen

Aus der Epoche vom 5./6. bis zum 9. Jahrhundert sind keine schriftlichen Nachrichten über das Schicksal des antiken Römerlagers Vindobona sowie der hiesigen Zivilstadt erhalten. Nach aktuellen archäologischen Erkenntnissen ist jedenfalls eindeutig von einer Siedlungsunterbrechung, verbunden mit dem Fortbestehen baulicher Reste, somit einer "Ruinenkontinuität", auszugehen. Bereits um 800 dürfte es zu ersten Kirchengründungen gekommen sein. Bei der Kirche St. Ruprecht weist der salzburgische Titelheilige auf eine Entstehung in der Zeit vor 829. In diesem Jahr wurden die Diözesangrenzen zwischen Salzburg und Passau neu geregelt. Das ebenfalls über einen Salzburger Titelheiligen verfügende St. Peter wurde zur ersten Pfarre Wiens.

Spätestens auf das 10. Jahrhundert dürfte die Passauer Gründung St. Stephan zurückgehen, freilich noch lange nicht als Pfarrsitz. Von einer Stadt oder auch nur von städtischen Strukturen kann jedenfalls keine Rede sein. Für die 881 erstmals mit ihrem heutigen Namen ("Wenia") belegte Siedlung sollten im Gefolge der ungarischen Expansion im 9. und 10. Jahrhundert abermals schwere Zeiten anbrechen. Spätestens um die Jahrtausendwende gibt es erste Hinweise auf eine frühe, noch sehr bescheidene Konsolidierung.

Wien wird Stadt

Sesshaftwerdung, Christianisierung der Ungarn und eine massive Kolonisationsbewegung im Donauraum schufen die Voraussetzungen für einen allgemeinen Aufschwung der Siedlungstätigkeit. Dies geschah innerhalb des Rahmens der seit 976 bestehenden Markgrafschaft Österreich unter den Babenbergern. Für den Siedlungsplatz Wien, der noch bis ins 12. Jahrhundert an der Grenze zu Ungarn lag, wirkte sich der Aufschwung erst vorteilhaft aus, als die österreichischen Landesfürsten ihre Position endgültig gefestigt hatten. Die Entwicklung Wiens zur voll ausgebildeten Stadt wurde erst durch einen vertraglich geregelten Interessenausgleich mit dem Bistum Passau 1137/38 möglich.

In den frühen 1150er-Jahren verlegten die österreichischen Markgrafen, damals auch Herzöge von Bayern, ihre Residenz nach Wien. Sie errichteten ihre Pfalz Am Hof und gründeten Wiens ältestes Kloster, St. Maria bei den Schotten. Vorbildwirkung für so manche Maßnahme übte vor allem die bayerische Hauptstadt Regensburg aus, die allerdings binnen weniger Jahrzehnte von Wien überflügelt wurde. Schon um 1170 sprach ein auswärtiger Beobachter davon, dass Wien die "civitas metropolitana", der hervorragendste Platz im nunmehrigen Herzogtum Österreich (seit 1156), sei.

Universitätsstadt und Bischofssitz

Das späte Mittelalter kann als Blütezeit sowohl im Hinblick auf die Umsetzung der bürgerlichen Autonomie wie auch im Hinblick auf den Ausbau der Stadtlandschaft Wiens gelten. Die städtebaulich-topographische Entwicklung lässt sich aus Gründen der besseren Überlieferung vor allem an der Ausgestaltung der Kirchenlandschaft ablesen. Die Grundlagen waren bereits unter den Babenbergern gelegt worden. Unter habsburgischer Herrschaft, insbesondere während des 14. Jahrhunderts, kam es zu einer weiteren Intensivierung und Dynamisierung. Die ältesten erhaltenen Stadtansichten ab dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts zeigen eine dicht verbaute, spätmittelalterliche Stadt mit hoch aufragenden Giebelhäusern und zahlreichen Kirchenbauten. Sie belegen, dass die schon seit der Zeit um 1200 nach und nach stärker besiedelte Vorstadtzone markant an Konturen gewonnen hatte. Die Ausfallsstraßen stellten dabei gleichsam die Arterien der Entwicklung dar.

Spätestens im 14. Jahrhundert setzte die gotische Umgestaltung der Stadtlandschaft massiv ein und drückte dem Stadtbild bis ins frühe 17. Jahrhundert seinen Stempel auf. Exemplarisch lässt sich dies an der Umgestaltung der Pfarrkirche St. Stephan verfolgen, deren kirchenrechtliche Position als Sitz der Pfarre sich erst 1469 wandelte, als Wien und damit seine Hauptkirche zum Bischofssitz erhoben wurde. Die geistige Ausstrahlung der Stadt, nachhaltig vom habsburgischen Hof dominiert, erfuhr im 14. Jahrhundert mit der Gründung der Wiener Universität (1365) und deren folgendem Ausbau eine entscheidende Bereicherung. Nach der Universität in Prag, die 1348 durch Kaiser Karl IV. gegründet wurde, ist Wien damit die zweitälteste "deutsche" Universität.

Recht und Gesellschaft im Mittelalter

Errichtung der Stadtmauer und Stadtrechtsprivileg

Zwischen den 1190er-Jahren und etwa 1240 wurde die Stadtmauer errichtet, äußeres Zeichen jeder mittelalterlichen Stadt. Im Jahre 1221 wurde der bürgerlichen Gemeinschaft in Wien das Stadtrechtsprivileg verliehen. Beides war für Wien von entscheidender Bedeutung. Wenn der Landesfürst von Wien bereits 1207 als einer der bedeutendsten Städte des Reichsgebietes nach Köln sprach, so fand dies auch in den weit reichenden Handelsbeziehungen der Stadt seine Bestätigung.

Mit der Nutzung der Donaustraße wie durch intensive Kontakte im Süden, mit Venedig, befand sich Wien in einer ganz besonders günstigen Position. Entscheidende Bedeutung kam der Verleihung des so genannten Stapel- oder Niederlagsrechtes im Rahmen des bereits erwähnten Stadtrechtsprivilegs zu.

Bürgerliche Selbstbestimmung und habsburgische Machtentfaltung

In politischer Hinsicht gab es immer wieder Konflikte mit den Landesfürsten, die ab 1276 aus dem Haus der Habsburger stammten. Diese Konflikte bezeugen das hohe Ausmaß an bürgerlicher Autonomie. Letztere fand ihren Brennpunkt institutionell in dem seit 1221 belegten Ratsgremium und dem seit 1281 nachweisbaren Amt des Bürgermeisters. In baulicher Hinsicht ist dabei das erstmals für die 1280er-Jahre nachweisbare Rathaus in der Wollzeile zu nennen, dem ab 1316 das heutige "Alte Rathaus" in der Wipplingerstraße folgen sollte.

Rechtlich und repräsentativ fand diese Entwicklung auch in der Anlage des großen Stadtrechtsbuchs - genannt "Eisenbuch" - um die Mitte des 14. Jahrhunderts seinen Ausdruck. Mit dem Tod Friedrichs des Schönen (1330) büßten die Habsburger ihre Funktion als römisch-deutsche Könige für mehr als ein Jahrhundert ein. Erst Albrecht II. erlangte 1438 das Amt wieder. Dieser Machtverlust bestimmte die politischen Möglichkeiten während des späten Mittelalters für den Landesfürsten wie die Stadt nachhaltig.

Dabei ist es durchaus bemerkenswert, dass es in Wien im Gegensatz zu vielen anderen Städten Europas in dieser Epoche ungleich seltener zu Konflikten zwischen sozialen Gruppierungen innerhalb der Bürgerschaft kam. Den zentralen Beleg für diese relativ ruhig verlaufende konstitutionelle Entwicklung bildet das der Stadt 1396 verliehene "Ratswahlprivileg". In ihm wurde die drittelparitätische Aufteilung der Ratsmandate auf die "Erbbürger" (Patrizier), die Kaufleute und die Handwerker festgeschrieben. Wenn Konflikte auftraten, so orientierten sie sich im Regelfall an verschiedenen, miteinander im Wettstreit befindlichen Angehörigen des habsburgischen Hauses. Diesem Umstand verdankt Wien auch eine repräsentative Zusammenstellung seiner Privilegien aus dem Jahr 1460 und seinen prächtigen Wappenbrief aus dem Jahr 1461.