Misrachihaus

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1421
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  26.01.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtJudenplatz8

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Misrachihaus (1, Judenplatz 8; Konskriptionsnummer 343).

Die erste urkundliche Erwähnung dieses Hauses stammt aus dem Jahr 1421, als die Judenstadt aufgehoben wurde (siehe Geserah). Laut einer Urkunde aus dem Jahr 1424 war es danach mit dem benachbarten Judenspital und einem Zuhaus zu einem einzigen Gebäude verbunden worden. Die einzelnen Häuser scheinen jedoch vor 1436 wieder getrennt worden zu sein.

1509 brannte das Haus ab, blieb längere Zeit als Brandruine stehen und wurde vor 1528 wiederaufgebaut. 1786 bis 1802 gehörte es dem Bankier Michael Josef Arnstein. Im Jahr 1860 erwarb es die "privilegierte Riuniuone Adriatica di Sicurta" aus Triest. Die Familie Mendeles kam 1862 in den Besitz des Hauses und ließ es 1907 umbauen. Mit Dekret der niederösterreichischen Statthalterei in Wien vom 1. August 1907 wurde es der "Mandeles'schen Familienstiftung" einverleibt, die später in die "Allgemeine Stiftung für jüdische Fürsorge" umgewandelt wurde. Ein 1942 getätigter Verkauf wurde durch ein Urteil der Rückstellungskommission ungültig und das Haus der Israelitischen Kultusgemeinde zugesprochen.

Das Gebäude erfuhr im Zuge seiner Umgestaltung zu einem Museum der Geschichte des Judentums umfangreiche Umbauten, wodurch detaillierte bauhistorische Untersuchungen möglich wurden. Während der Ausgrabungen konnten auf dem Judenplatz selbst wichtige Hinweise zur städtebaulichen Entwicklung des Platzes vom jüdischen Getto mit der Synagoge, den Zerstörungen nach dem Pogrom von 1420/1421 bis hin zur ersten Platzgestaltung (Erstnennung 1528) gewonnen werden. Am Misrachihaus konnte nicht nur die Hausgeschichte von der Errichtung des Gebäudes im Spätmittelalter über alle Umgestaltungen bis in die Neuzeit verfolgt werden, sondern die Stadtarchäologen gewannen auch bemerkenswerte Einblicke in das tägliche Leben der Bewohner (Funde von Keramik und Geschirr [Veränderungen von Form und technischen Herstellungsverfahren], Rückschlüsse auf die Ernährung [durch Analyse von Abfallgruben, insbesondere von Tierresten]).


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 411 f.