Melker Hof (1)

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Ansicht des Mölkerhofes in der Schottengasse mit seiner Umgebung aus den Jahren 1775-1780.
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1252
Jahr bis
Andere Bezeichnung Mölkerhof
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Berthold Dietmayr
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen
Letzte Änderung am  17.10.2017 durch WIEN1\lanm09bum
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Bildname Mölkerhof.jpg
Bildunterschrift  Ansicht des Mölkerhofes in der Schottengasse mit seiner Umgebung aus den Jahren 1775-1780.
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
1Schottengasse3-3A
1Mölker Steig4
1Schreyvogelgasse4

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Melker Hof (1, Schottengasse 3-3A, Mölker Steig 4, Schreyvogelgasse 4).

1., Schottengasse 3a, Mölker Steig, um 1940
Mölker Hof (vor 1904)

Architektur

Beim Melker Hof handelt es sich um ein großes Gebäude mit vier Innenhöfen und zwei Einfahrtstoren. Oberhalb dieser beiden Portale sind die erzbischöflichen Embleme als Steinbasreliefs angebracht. Der große Komplex entstand im Laufe der Jahre aus mehreren kleinen Objekten, darunter das "Urbetsche Familienhaus" (siehe auch Urbetsch), das später Andre Dietram besaß (siehe Heutiger Melker Hof). Im Hof befinden sich 80 Wohnungen, in den ebenerdigen Räume sind Geschäfte untergebracht. Im Keller befindet sich unter anderem der sogenannte "Melker Stiftskeller". Die Kellerräumlichkeiten im nordwestlichen Teil des Hofs wurden von der Geschäftsinhaberin Dr. Gexi (Gesine) Tostmann bis 1992 denkmalpflegerisch restauriert und in ihr Lokal einbezogen (hier etablierte sie auch den Advent- und Weihnachtsbasar).

Geschichte

Melkerhof vor dem Werdertor

Einen Besitz des Stifts Melk im Bereich des heutigen Hauses Heinrichsgasse 1 gab es möglicherweise schon im 13. Jahrhundert (vielleicht um 1252). Dieses Haus soll nach einer Überlieferung Stephan, dem Sohn des Wiener Fischers Otten, gehört haben. Als er ins Kloster eintrat, vermachte er das Haus seinen Mitbrüdern. Da ihm das Klosterleben zu entbehrungsreich war, trat er aus dem Orden aus und forderte das Gebäude zurück. Daraufhin traten vier Männer, darunter der Bürgermeister und der Richter Wiens, zusammen und entschieden, dass das Haus im Besitz des Klosters zu bleiben habe. Dafür sollte Stephan sein Leben lang jährlich eine bestimmte Menge Weizen, Wein, ein Mastschwein aus dem Marchfeld sowie zwei Pfund Wiener Pfennige erhalten. Darüber hinaus sollte er die Möglichkeit haben, nach zwei Jahren erneut ins Kloster aufgenommen zu werden und dort Herrenpfründe zu erhalten. Sollte er danach wieder aus dem Orden austreten, würde er diese sowie jegliches Anrecht auf Entschädigung verlieren.

1318 kaufte das Stift Melk weitere zwei Häuser. Bereits in dieser Zeit wurde das Weinausschankrecht ausgeübt. 1439 wird der "Melkerhof vor dem Werdertor" zum letzten Mal erwähnt und dürfte daher kurz darauf verkauft worden sein.

Heutiger Melker Hof

1438 kaufte das Stift das in der Stadt gelegene Haus des Andre Dietram, zu dem auch ein "Vorhöfel" und ein kleiner Garten gehörten. Dieses Gebäude bildet den Kern des heute noch existierenden Hofs in der Schottengasse. Im Kaufvertrag wurde unter anderem festgelegt, dass die Einfriedung erhalten bleiben müsse, das Regenwasser der zwei benachbarten Stadeln weiterhin in den Garten fließen dürfe und die Fenster der Stadel nicht vermauert werden durften. 30 Jahre später kam es zu einem Prozess, da die Einzäunung abgefault und zerbrochen war und ein "Secret" für Ärger sorgte. Es kam zu einem Vergleich, wobei das Kloster den Zaun reparierte und das "Secret" weiter nutzen durfte, es aber so oft als nötig zu räumen hatte. Ein Rest dieses umstrittenen Gartens bestand bis 1813, als hier ein kleines Gebäude errichtet wurde.

1510 wurde in dem von nun an Melker Hof genannten Gebäude eine Kapelle errichtet (siehe Melkerhofkapelle). Da der Bischofssitz für vier Jahre nicht besetzt war, konnte diese erst am 15. Mai 1514 eingeweiht werden.

Da der Melker Hof zu Beginn des 17. Jahrhunderts stark renovierungs- und erweiterungsbedürftig war, wurde der an der Schottengasse liegende Teil ab 1630 abgerissen und durch ein neues vierstöckiges Gebäude ersetzt, in dem auf dem Dachboden ein Getreidespeicher eingerichtet wurde. Außerdem wurde es mit einem größeren und einem kleineren Turm versehen. Der Baumeister erhielt dafür 3200 Gulden, zehn Eimer Wein sowie eine bestimmte Menge Getreide. Steine, Ziegel, Sand, Kalk und Gerüstholz stellte das Stift selbst.

Kleiner Melkerhof

1631 wurde das Haus des Wiener Bürgers und Gastgebers "Zum roten Hahn" in der Roßau, Andre Hans Räß, angekauft, das sich bis 1481 zurückverfolgen lässt. Es wurde aber nicht in den neuerrichteten "Großen Melkerhof" einbezogen, sondern blieb bis 1769 ein eigenständiges Objekt, das den Namen "Kleiner Melkerhof" erhielt. 1638 wurde ein kleiner, neuer Trakt errichtet, der "neue Hofmeisterei" genannt wurde und an das Gebäude Schottengasse 1 grenzte. 1682 gewährte Leopold I. dem Kleinen Melkerhof zehn Jahre Quartierfreiheit (durch die Quartierpflicht konnten zwangsweise Einquartierungen angeordnet werden), da der Kleine Melkerhof "ganz und gar baufälliggeworden und daher von Grund auf neu zu bauen" sei.

1683

Als die Osmanen Wien belagerten (Zweite Türkenbelagerung [1683]) wurde der Hof schwer beschädigt. Eine Kugel drang bis in die Melkerhofkapelle ein, wodurch ein Bild mit dem Gekreuzigten und der Reliquienschrein zu Boden fielen, was als schlechtes Vorzeichen angesehen wurde. Wie auch in anderen Häusern der Stadt wurden in den Kellern mit Erbsen gefüllte Trommeln sowie gefüllte Wasserbecken aufgestellt, welche die Erschütterungen der Arbeit von Mineuren erkennbar machten. Auf diese Weise konnte von einem Beobachtungsposten im Krautkeller eine Mine entdeckt und unschädlich gemacht werden. Im Hof selbst wurde ein Spital für Schwerverwundete eingerichtet.

Erweiterung des Hofes

Unter Abt Berthold Dietmayr, der auch das Kloster in Melk (zweimal) erbauen ließ, wurden in Wien 1732 zwei weitere benachbarte Häuser angekauft, die 1469 beziehungsweise 1451 erstmals urkundlich erwähnt wurden und bereits seit 1704 in einer Hand waren. Dietmayr holte viele Gelehrte an den Wiener Hof, in dem er auch starb.

1770 wurde unter Abt Urban das angrenzende, auf der Bastei gelegene Haus des Bäckers Michael Asperl angekauft, das 1563 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Auf Anregung Maria Theresias wurde aus allen diesen Objekten von Baumeister Josef Gerl der nun bereits sehr ansehnliche Melker Hof geschaffen, der 1774 vollendet werden konnte. Auch die Kapelle wurde dabei verändert und der Gottesmutter geweiht. Neben dem der Jungfrau Maria geweihten Hochaltar wurden zwei kleine Seitenaltäre zu Ehren der Heiligen Koloman und Benedikt errichtet. Am Grundstein des neuen Hofes wurde eine Metallplatte mit folgenden Versen angebracht: "Quinque fuere domus, nunc omnibus amplior una / Pretegat hanc aedem, Melliciumque Deus!" (Fünf Häuser sind gewesen, nun steht eines, größer als die anderen, Gott beschütze dieses Haus und Melk!)

Am 30. Juli 1862 zerstörte ein großes Feuer den Dachstuhl des Hofs. Im Zuge der Instandsetzung wurde das Gebäude um ein viertes Stockwerk erhöht. Anschließend an den Melker Hof befindet sich ein 1892 errichtetes Gebäude. An diesem ist eine Gedenktafel angebracht, die daran erinnert, dass vor dem Haus der Schottenturm stand, der 1724 restauriert und 1832 abgebrochen wurde.

Der Hof wurde am 10. September 1944 von Bomben schwer beschädigt. Eine Bombe durchschlug alle vier Stockwerke im vierten Hof (Südosttrakt). Dabei kamen zehn Personen ums Leben. Im zweiten Hof wurde eine Gedenktafel für die Todesopfer angebracht.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Mehrere Geschäfte und Lokale, darunter der "Melker Stiftskeller"

Literatur

  • Friedrich Reischl: Die Wiener Prälatenhöfe. Wien: Selbstverlag 1919. S. 49 ff.
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4). S. 138 f.
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien 1993. S. 154 f.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs). S. 75
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924. Taf. 30
  • Hans Markl: Die Gedenktafeln Wiens. Wien: ABZ-Verlag 1949. S. 44
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20). S. 75 f.
  • Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des I. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1928. S. 133
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956. S. 394
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 1. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 47-56