Maria mit der Axt

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Maria mit der Axt (1, Franziskanerkirche), spätgotische Madonna mit Kind (um 1500), der Überlieferung nach aus Grünberg in Böhmen (daher auch Grünbergmadonna genannt).

Statue

Laut dem Mirakelbuch von 1740 ist die Gnadenstatue aus Lindenholz geschnitzt und sieben Schuh (2,21 Meter) hoch. Sie stellt eine Madonna mit bekränztem Haupt dar, die auf dem linken Arm das Jesukind trägt und in der rechten Hand ein Szepter hält.


Legende

Der Legende nach befand sie sich ursprünglich im von Heinrich dem Frommen gestifteten Männerkloster in Grünberg (heute Zelená Hora). Als dieses 1464 durch den böhmischen Oberstburggrafen Zdenko von Sternberg in ein Schloss umgewandelt wurde, verblieb die Statue in der nunmehrigen Schlosskirche. Später wurden die Herren von Grünberg aus der berühmten gräflichen Familie Sternberg protestantisch, die Statue blieb aber bis in die 1770er Jahre unbehelligt. Erst Andreas von Sternberg wollte die Statue vernichten. Sie widerstand jedoch sowohl dem Feuer wie der Axt. Eine Hacke in ihrer linken Schulter erinnert an den vergeblich gebliebenen Versuch. Nachdem der jüngere Bruder von Andreas, der streng katholische Graf Ladislaus, Majoratsherr geworden war, kam das Standbild wieder zu Ehren. Als er 1603 gegen die Osmanen nach Ungarn zog, nahm er die Statue in einem Sarg oder Kasten mit und ließ sie in seinem Zelt aufstellen. Da er Schulden hatte, musste er sie noch im selben Jahr an den polnischen Edelmann Peter von Turnoffsky verkaufen. Weil dessen Gattin Protestantin war und die Madonna verspottete, schenkte er das Standbild dem Franziskanerkloster, wo es im Kreuzgang aufgestellt wurde.


Aufstellung in der Franziskanerkirche und Prozessionen

1607 wurde die Statue in die noch im Bau befindliche Kirche übertragen und am Hochaltar aufgestellt. Obwohl die Franziskaner die Wundertätigkeit der Madonna betonten, wurde diese erst 1673 durch das Wiener bischöfliche Konsistorium anerkannt. Ab dem Jahr 1635 wurden immer wieder Prozessionen mit dem Gnadenbild veranstaltet und sogar in den Pestjahren 1679 und 1713, als solche wegen der Ansteckungsgefahr gänzlich verboten waren, wurde hier eine Ausnahme gemacht. Als 1735 das hunderjährige Jubiläum der Prozessionen zum Stephansdom und zurück gefeiert wurde, gewährte Papst Clemens XII. allen Festteilnehmern einen Ablass. Die Franziskanerkirche wurde zu diesem Fest mit kostbaren Tapeten ausgeschmückt. Außerdem wurden auf dem Hochaltar sowie an den Säulen Gemälde ausgestellt, die sich auf die Wundertätigkeit der Statue bezogen. Vor dem Kirchentor wurde eine Triumpfpforte errichtet und das Standbild selbst mit einem kostbaren silberbesticktem Gewand neu bekleidet. 1736 ließ der Franziskanerorden für Maria und das Jesuskind neue Kronen aus vergoldetem Kupfer fertigen, die die alten hölzernen ersetzten.


Reformen Josephs II.

Als 1784 durch Kaiser Joseph II. das Opfern von Weihgeschenken verboten wurde, erlitt der Kult des Standbildes wesentliche Einbußen. Die Opfertafeln wurden verkauft und die für die Unterbringung der Silbervotive bestimmten Pyramiden zerstört. Am 16. Mai 1784 wurde die Bekleidung des Standbildes entfernt. Da die Votivgaben der Schatzkammer verkauft werden sollten, wurden diese gezählt. Daraus ergab sich, dass noch 11.966 Stücke aus Gold, Silber, Edelsteinen und Perlen vorhanden waren. Dies zeigt eindrucksvoll die Beliebtheit des Standbildes sowie die Opferfreudigkeit der Wiener für religiöse Zwecke während der Barockzeit. Die Wertgegenstände wurden in zerbrochenem Zustand zu einem billigeren Preis verkauft. Am 8. November 1784 wurden 22 wertvolle Gewänder um 999 Gulden und Pretiosen um 24.167 Gulden und 39 Kreuzer verkauft. Der Erlös der Gegenstände aus der Schatzkammer ging an den Religionsfonds, der der Votive bei der Statue an die Franziskanerkirche. Für die Anfertigung von Paramenten behielt sich der Franziskanerkonvent acht Kleider.

Zwischen 1784 und 1816 war die Statue unbekleidet, danach wurde mit gespendetem Gold ein vergoldetes Kleid in der Art des Kleides des Mariazeller Gnadenbildes angefertigt. 1827 spendete eine Frau einen Baldachin für das Standbild. Beides geschah ohne Wissen und Genehmigung der Regierung. Erst Kaiser Franz II. (I.) gestattete 1831 erneut das Schmücken der Statue. Kleiderspenden wurden Jahr für Jahr im "Protocollum Marianum" verzeichnet, das im Jahr 1844 abbricht.


Restaurierung

Im Zuge des Wiederaufbaus der im Zweiten Weltkrieg schwer durch Bomben beschädigten Franziskanerkirche wurde auch die immer wieder geplante, aber doch nie ausgeführte Restaurierung der Gnadenstatue in Angriff genommen. Sie dauerte vier Monate und wurde vom Maler Ludwig Franta durchgeführt. Dabei wurde die alte gotische Bemalung sowie die bisher verdeckte echte Vergoldung wieder freigelegt.


Verehrung

Seit Ferdinand II. kamen immer wieder österreichische Herrscher hieher, um Sieg zu erbitten oder um Frieden zu beten. Die Tradition setzt sich im Rosenkranz-Sühnekreuzzug für den Frieden fort.


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 1. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 81-83